1,5 Wochen Literatur-Overkill in Hamburg: Heute beginnt das Harbour Front Literaturfestival, plus: Lesungen im Golem & Pudel

Abb.: Hier die Harbour Front. Die Literatur müssen Sie sich bitte dazu denken. (Fotografiert bei typischem Wetter von Seebeer via Wikimedia, CC)

Literaturkritiker sind Herzensbrecher, schreibt Dwight Garner. Als Teilzeitkritiker mit geringer bis mittlerer Reichweite (etwa in Spex, wo ich früher oft geschrieben habe, oder auf Spiegel Online) kann ich nicht ausschließen, dass auch einige meiner Kritiken ihre Leser gekränkt oder verärgert haben. Vielleicht sogar jene Autoren, deren Bücher ich als Ärgernis empfand – das wäre dann ausgleichende Gerechtigkeit.

Sehr gespannt bin ich, jetzt zur Abwechslung mal zu tun, was auf den ersten Blick konstruktiver erscheinen mag: Beim Harbour Front Literaturfestival, das am morgigen Mittwochabend in Hamburg eröffnet wird, engagiere ich mich zusammen mit Kollegen von Abendblatt, NDR, Spiegel Online und Stern in der Jury der Klaus-Michael Kühne-Preis. Entsandt hat mich freundlicherweise Zeit Campus, meine Stammredaktion.

Der Klaus-Michael Kühne-Preis wird vergeben für den besten Debütroman des Jahres und ist mit einem Preisgeld von 10.000 Euro dotiert – genug, um davon einige Monate zu leben und zu schreiben. Nominiert sind acht Romane, darunter zwei oder drei, die ich ganz fantastisch finde. Nachdem ich mich rund 2000 Seiten lang durch die Shortlist gelesen habe, frage ich mich, ob es die anderen Juroren ähnlich sehen, die allesamt ältere und erfahrenere Kritiker sind. Ob es auf unseren Sitzungen handgreiflich wird. Oder wer die überzeugenderen Argumente hat.

Alle acht Autorinnen und Autoren stellen sich und ihre Bücher auf dem Harbour Front Literaturfestival vor, jeweils abends um 20 Uhr, in Zweierpaarungen auf einem der vier Debütantensalons im Kesselhaus der Hafencity.

Für diese Lesungen gilt es einiges an ähnlich spannenden Alternativ-Veranstaltungen aufzugeben: Zum Beispiel gleich am Freitagabend, beim ersten Debütantensalon, die parallel stattfindenden Lesungen der amerikanischen Schriftsteller Teju Cole und Chad Harbach für Arezu Weitholz (nominiert für den Klaus-Michael Kühne-Preis mit ihrem Roman »Wenn die Nacht am stillsten ist«) und Christoph Leuchter (nominiert mit dem Roman »Letzter Akt«). Oder am Sonntag die »Implex«-Lesung von Barbara Kirchner und Dietmar Dath im Golem für den zweiten Debütantensalon mit Lisa Kränzler (»Export A«) und Jan Hellstern (»Kinder des Bösen«). Hm.

Dann folgen kommende Woche Dienstag Debütantensalon Nummer Drei mit Traudl Bünger (»Lieblingskinder«) und Lisa-Maria Seydlitz (»Sommertöchter«) – übrigens moderiert von meiner Kollegin Inge Kutter aus der Redaktion der Zeit – und schließlich der vierte Debütantensalon kommende Woche Donnerstag mit Olga Grjasnowa (»Der Russe ist einer, der Birken liebt«) und Andreas Martin Widmann (»Die Glücksparade«). Die Preisverleihung folgt auf der Abschlussgala des Harbour Front Literaturfestivals am Samstag, 22. September.

Packen Sie Ihre Lesebrillen, Koffeintabletten und Boxhandschuhe ein – uns stehen anderthalb ziemlich gute Wochen bevor.

[Nachtrag, 12. September] Ach, und heute Abend, parallel zu (oder wahrscheinlich eher: kurz nach Ende) der Eröffnung des Harbour Front Festivals, lesen Seven von Thülen und Felix Denk im Pudel aus ihrer Oral History »Der Klang der Familie – Berlin, Techno und die Wende«. Anderthalb gute Wochen. Wie gesagt.

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