»Destroy«: Retro-Graffiti in Rissen

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Neulich war ich in der Stadtteilschule Rissen — und, wow, was die auf ihrem Schulhof fĂŒr geiles Graffiti haben! Erwartet man gar nicht in den Elbvororten, bei den ReitstĂ€llen, usw.

Andererseits: Vielleicht ist auch genau das der Grund, warum sich dieses historische Werk erhalten hat. In der Schanze wĂ€re es vermutlich schon etliche Male ĂŒbersprĂŒht worden. Auch in Rissen sind nicht mehr alle mit diesem, naja, naiven Stil einverstanden. »Toy« steht links und rechts als kritischer Kommentar am Bildrand.

Ich hingegen finde das wirklich super. Vielleicht, weil ich mit dem Ego-Shooter DOOM aufgewachsen bin (Sie können das hier online spielen), dessen Hauptfigur eine Ă€hnlich exzentrische Kleiderwahl hatte wie der Character hier im Bild: Atemschutz, Brustpanzer, dazu aber T-Shirt-Ärmel. Hauptsache man sieht den Bizeps, nĂ€?

DOOM kam Ende 1993 raus, ich wĂŒrde mal tippen, dass dieses Graffito entsprechend auch aus den mittleren bis spĂ€ten 1990er-Jahren stammt. Wer diesen Style mag, dem sei noch schnell das Buch ZAR ZIP FLY ZORO empfohlen, das die erste Schicht Graffiti in MĂŒnchen dokumentiert. Nicht ganz dasselbe, denn das Buch dokumentiert Graffiti der 1980er, aber: Es ist ganz reizend.

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Schlaflos im Shopping-Tempel

Dass die Nacht im Einkaufszentrum eine unruhige werden könnte, dÀmmert mir kurz nach Ladenschluss. Da komme ich gerade von der Mitarbeitertoilette, die hinter den Shops und FahrstuhlschÀchten gelegen ist, in jenen GÀngen der Hamburger Europa-Passage, die man als Kunde eigentlich gar nicht betreten darf, und werde von einem Sicherheitsmann gestoppt.

»Sie sind derjenige, der heute in diesem Cube schlĂ€ft«, sagt er. Ich nicke, obwohl der Mann das als Feststellung formuliert hat, nicht als Frage. »Nur, dass Sie sich nicht wundern«, fĂ€hrt er fort, »wir testen heute ein paar Mal den Neptun 500.« Den was? »Den Neptun 500«, sagt der Sicherheitsmann. »Das ist so’n Feueralarm.« Dann singt er eine kurze Melodie: »Dii-DĂŒĂŒ-DĂŒmm. Neptun 500. Muss gemacht werden. Also nur, dass Sie sich nicht wundern.«

In der Europa-Passage in der Hamburger Innenstadt kann man jetzt ĂŒbernachten. Ja, mitten in einer Pandemie. Ich habe das mal ausprobiert und erzĂ€hle auf ZEIT ONLINE, was ich nachts im Einkaufszentrum erlebt habe (Z+ / Abo).

Generation Umbruch

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Die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie treffen besonders die JĂŒngeren. Drei von ihnen habe ich dazu befragt:

Miriam Dickmann, 19, ist Auszubildende zur KfZ-Mechatronikerin. Sie repariert einige der grĂ¶ĂŸten Fahrzeuge, die auf Hamburgs Straßen unterwegs sind: die Gelenkbusse der Hochbahn im HVV. Abstandhalten ist in ihrer Werkstatt kein Thema, sagt sie. Als einzige Frau unter 20 Azubis hat sie eine Umkleide fĂŒr sich allein.

Julian Stowasser, 33, ist Sternekoch und der neue KĂŒchenchef im Lakeside, dem Restaurant von Hamburgs teuerstem Hotel. Sein erstes Mal Kochen fĂŒr GĂ€ste war Mitte MĂ€rz. Vier Abende spĂ€ter kam der Lockdown. »Am Tag der Schließung war mein erster Gedanke: â€șScheiße, ich hab doch frischen Fisch bestellt!â€č«

Jana Lilienthal, 28, hat in der Pandemie ihre Stelle verloren. Sie jobbt jetzt bei einem Kunststoffkonzern, der Plastikfolien fĂŒr kĂŒnstliche DarmausgĂ€nge herstellt. »Ich bin ein bisschen ins kalte Wasser gesprungen«, sagt sie, »denn ich komme aus der Lifestyle-Branche.«

Es sind drei von Tausenden, die in diesem Jahr einen neuen Job oder eine Ausbildung angefangen haben oder sich beruflich neu orientieren mussten. Wie es ihnen mit der Pandemie und ihren Folgen geht, steht jetzt in den Hamburgseiten der ZEIT (jetzt im Handel in und um Hamburg, bundesweit in den E-Papers und Apps oder per Abo). Mit Fotos von Michael Kohls!

Wieso liegen in GroßstĂ€dten teure GrundstĂŒcke brach?

Die StĂ€dte wachsen, die Mieten steigen, der Wohnraum wird knapp. Trotzdem gibt es mancherorts unbebaute GrundstĂŒcke in bester Lage.

Zum Beispiel das Grand Central am DĂŒsseldorfer Hauptbahnhof. Oder das Holsten-Areal in Hamburg-Altona. Hier sollten jeweils 1000 und mehr Wohnungen entstehen. Stattdessen wechseln die GelĂ€nde zwar immer wieder den EigentĂŒmer und werden dabei immer teurer, doch gebaut wird nicht.

Was soll das? Welches GeschĂ€ftsmodell steckt dahinter? Was kann man politisch dagegen tun? Das habe ich mir von Christoph Twickel erklĂ€ren lassen, der als freier Journalist fĂŒr DIE ZEIT ĂŒber Stadtentwicklung schreibt. Wer will, kann das jetzt in unserem Podcast »Hinter der Geschichte« anhören.

(Trigger-Warnung fĂŒr Audiophile: Meine ohnehin viel zu ausufernde Anmoderation klingt leider recht knarzig, aber sobald Christoph spricht, wird’s besser!)

»Wir mĂŒssen bei der Digitalisierung viel, viel besser werden«

Politiker*innen reden nie Klartext? Wer das glaubt, kennt den Hamburger Schulsenator Ties Rabe nicht — und das Interview, das er meiner Kollegin Nike Heinen und mir gegeben hat.

Wir sprachen ĂŒber den Umgang mit dem Dilemma, einerseits Infektionen zu vermeiden, andererseits aber eine ganze Generation von jungen Hamburger*innen nicht um ihr Recht auf Bildung bringen zu wollen.

Und ĂŒber den Reformstau bei der Digitalisierung der Schulen, der in den vergangenen Monaten etliche Eltern auf die Palme brachte — und der sich Ă€ndern soll. Korrektur: muss.

Hier das ganze Interview (fĂŒr Abonnent*innen der ZEIT).

Auf der Reeperbahn nachts im August 2020

Auf der Reeperbahn wird wieder gesoffen, gebettelt, gebaggert und gekobert, aber wer die Wodka-Bombe in der Bar trinken will, muss sich erst in die Liste eintragen.

Es wird flaniert und stolziert, gewippt und gewankt, es werden vor den Augen der Öffentlichkeit Burger und Dönerteller verzehrt auf eine Art, dass man sich die Nahrungsaufnahme fĂŒr immer abgewöhnen will.

Aber es gibt keinen Paartanz und keine Ansagen vom DJ im Hamborger Veermaster, keine kĂŒnstlich gebrĂ€unten Bikinifrauen auf dem Tresen im Dollhouse Beach Club und keine ungelenken white boy moves im Sommersalon. Ich habe nicht geprĂŒft, ob es in Olivias Show Bar schon wieder Pornokaraoke gibt, aber in der Thai Oase sind die Lichter aus.

Es riecht nicht nach Pisse in der Schmuckstraße (trotz der Temperaturen!). Das Glockenspiel von St. Joseph bimmelt wie gewohnt (»Gott im Himmel hat an allen / seine Lust, sein Wohlgefallen / kennt auch Dich und hat Dich lie-hieb«). Es gibt noch Frauen, die mit MĂ€nnerstimmen auf Spanisch in ihre Handys reden. Es gibt Maskenpflicht im Pornokino, in den FetischlĂ€den tragen jetzt auch die Schaufensterpuppen Mundschutz.

Es gibt keine Schlangen vor den Clubs, keine Schlangen vor den Klos, keine Schlangen vor den Geldautomaten. DafĂŒr gibt es jetzt viel mehr Außengastronomie.

Es gibt die neue Wandzeitung vor dem Docks, in der vom »Land der Dichter und Denker« die Rede ist, in dem man seine Meinung wieder frei sagen können mĂŒsse und dass Corona nicht schlimmer sei als ein Schnupfen. (Ich ahnte vor der Pandemie nicht, dass sich auch Clubs blamieren können.)

Einmal krĂ€ht mir unvermittelt eine Ă€ltere Frau ins Gesicht, als ich geistesabwesend die Talstraße hinunterlaufe. Normalerweise wĂ€re ich auf sowas vorbereitet, jetzt erschrecke ich mich, zucke zusammen, weiche aus. Sie scheint sich zu freuen.

Vor Burger King wartet niemand auf dem BĂŒrgersteig, in der Davidstraße auch nicht, oder am Hans-Albers-Platz. Das Laufhaus hat geöffnet (hĂ€, wieso hat das Laufhaus geöffnet?), aber es gibt keine Frauen, die sich erkundigen, ob ich nicht mitkommen will und keine Typen, die fragen, ob ich vielleicht auf die Fresse will.

Es ist viel entspannter als sonst. Voll, aber höchstens halb so voll wie ĂŒblich, halb so laut, halb so hell. Die Leute scheinen nur halb so betrunken zu sein. Ich finde das alles seltsam. Viel seltsamer als den neulich noch komplett geschlossenen Kiez.

Wo Hamburg wie im Urlaub ist (DIE ZEIT #27/2020)

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Das mit dem Reisen wird schwierig in diesem Sommer. Aber macht nix, wir wohnen ja in Hamburg. Wo man in dieser Stadt ganz gut sein Fernweh lindern kann, steht in der neuen Ausgabe der ZEIT auf den Hamburg-Seiten.

(Ich empfehle den Russenmarkt in Nettelnburg. Da gibt’s Wassermelonen, so groß, dass sie zwei Mann kaum heben können. 🍉 Und eingelegte Gurken, so weit das Auge reicht. Und liebliche georgische Rotweine aus ĂŒbertrieben verzierten Tonflaschen. Und diesen klebrigen Kirschlikör, den die polnische Verwandschaft immer auf den Tisch knallt. Toll!)

dav

Außerdem hatte ich das VergnĂŒgen, mit den Kindern von Bernhard Markwitz zu sprechen, der 1964 in Winterhude die SchwimmflĂŒgel erfand. Die ganze Geschichte nebst kleiner kulturhistorischer Einordnung dieses Design-Klassikers: Jetzt am Kiosk in Hamburg und Umland, als E-Paper ĂŒberall in der Welt, etc. etc. etc. 🐳

Nachtrag, 10. Juli 2020: Beide Texte gibt es jetzt auch online, die Urlaubs-Tipps hier, die Geschichte der SchwimmflĂŒgel hier (jeweils fĂŒr Abonnent*innen).

Wie Corona die Ungleichheit in den Schulen verstĂ€rkt

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SchĂŒlerinnen und SchĂŒler aus armen Familien werden in Hamburg doppelt benachteiligt, sagt die Schulbehörde. Das gilt aber nur in guten Zeiten. Jetzt, in der Coronakrise, ist die Benachteiligung wohl eher eine drei- bis fĂŒnffache.

Mehr dazu ab heute in den Hamburgseiten der neuen ZEIT, erzĂ€hlt am Beispiel der Grundschule FĂ€hrstraße in Wilhelmsburg.

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Was ist das Hamburger Abi wert?

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Das Titelthema der neuen Hamburg-Seiten der ZEIT ist #thenewnormal. Oder, ein bisschen gefĂ€lliger formuliert: »Hamburgs neues LebensgefĂŒhl«.

(In der Hansestadt und dem Umland gibt es die Hamburg-Seiten noch bis kommenden Mittwoch in der gedruckten ZEIT, ĂŒberall sonst digital: als PDF oder in der App) .

Weil aktuell — dem Virus und allen SchĂŒler*innenprotesten zum Trotz — das Abi geschrieben wird, habe ich eine Doppelseite beigesteuert, auf der ich sieben populĂ€re Abimythen einem Faktencheck unterziehe:

Wird das Abi wirklich immer leichter? Gibt es Noten heute geschenkt? Und ist das Abi in Bayern wirklich hÀrter als bei uns?

Spoiler: Die meisten dieser Mythen sind Quatsch. Aber nicht alle.

Jetzt im Handel. Support your local Kiosk! Alternativ: Kontaktlos online lesen hier (fĂŒr Abonnent*innen und solche, die es werden wollen).