Schafft zwei, drei, viele Elbphilharmonien!

Hamburg plant ein neues Großbauprojekt

In Hamburg ist der #elphischock (also das kollektive Trauma aus Kostenexplosion, Bauzeitverzögerung und struktureller Verantwortungslosigkeit) jetzt offiziell überwunden. Der Stolz überwiegt, die Schmach ist vergessen, „Elbphilharmonie“ ist kein Schimpfwort mehr.

In Köln betont man zwar noch, der Neubaukomplex am Dom werde keine „zweite Elbphilharmonie“. Dasselbe heißt es in München über das Interimsquartier in Sendling und in Rostock über das Landesmuseum (keine „zweiten Elbphilharmonien“!). Und, ja, auch in Hamburg war noch vor wenigen Monaten beteuert worden, die Sanierung des Kongresszentrums werde keine „zweite Elbphilharmonie“ und auch der geplante Elbtower: keine „zweite Elbphilharmonie“.

Doch jetzt zieht die SPD mit einer neuen Idee in den Bürgerschaftswahlkampf: Kultursenator Carsten Brosda verkündet heute im Abendblatt, man wolle in Hamburg ein bundesweit einzigartiges Großprojekt starten, dessen Kostenrahmen und Finanzierung offenbar noch weitgehend ungeklärt ist, „eine Art Elbphilharmonie der Digitalisierung“.

Alles Gute dafür.

Brillen, Blumen, Nazis & Karl May

Eine Notiz zur zehnten Ham.Lit, der langen Nacht der jungen Literatur

Donnerstagabend, kurz vor Mitternacht, im Hochbunker an der Feldstraße in Hamburg. Die Bühnendeko ist abgeräumt und steht jetzt auf dem Tresen. Ham.Lit, die lange Nacht junger Literatur und Musik, ist vorbei.

Seit zehn Jahren bietet das Vorlese-Festival einen Anlass, um unter der Woche zwei Bier zuviel zu trinken und sich über aktuelle Brillenmodetrends zu informieren. Und zuverlässig gab es hier ein, zwei tolle neue AutorInnen zu entdecken, zwischen vielen Naja-geht-so-Lesungen. 2019 war das Verhältnis umgekehrt. Das Programm hörte gar nicht auf, richtig gut zu sein.

WeiterlesenBrillen, Blumen, Nazis & Karl May

Wer sich alles fckn kann

Über die Offline-Meme der Sticker und Tags mit „FCK dies, FCK das“-Slogans habe ich in diesem Blog bereits öfter geschrieben (1, 2, 3) und glaubte zuletzt schon, der Trend habe sich erschöpft.

Dann kam ich neulich an dieser Hausfassade in der Bahrenfelder Straße in Hamburg-Ottensen vorbei: FCK CPS, FCK NZS, FCK AFD, lauter alte Bekannte, alle auf einem Haufen.

Dieses Spielchen wird einfach nicht alt.

Never mind the Sperrmüll, here is „zu verschenken“!

Der notwendige Erklärversuch zur seltsamen Annahme mancher Menschen, sie müssten ihren Unrat bloß in den öffentlichen Raum stellen, dann werde schon jemand kommen, der ihn nicht nur wegräumt, sondern sich sogar daran erfreut, dieser Erklärversuch ist bereits geschrieben worden.

Tobias Haberl verfasste ihn fürs SZ Magazin über die Müllraussteller von München. Inhaltlich habe ich dem nichts hinzuzufügen, deshalb ergänzend hier nur einige Fotos und Bildunterschriften zur selben Praxis in Norddeutschland:

WeiterlesenNever mind the Sperrmüll, here is „zu verschenken“!

Was später mal aus den Toys wird

Ich mochte Boom for Real, die Basquiat-Ausstellung in der Schirn Kunsthalle Frankfurt Anfang des Jahres. Die Gemälde Basquiats aus der Nähe zu sehen war #nice. Noch interessanter fand ich aber ein oder zwei eher unauffällige Schwarz-Weiß-Fotos im ersten Teil der Ausstellung.

Es ging dort um die späten 1970er-Jahre, jene Zeit, in der Basquiat erstmals (verdeckt) in Erscheinung trat und zusammen mit seinem Kumpel Al Diaz in SoHo die heute berühmten SAMO-Tags hinterließ. Vielleicht ein Dutzend Fotos dokumentierten diese Tags. Und auf zweien davon hatte jemand die Arbeit von SAMO kommentiert. Mit dem daneben geschriebenen Vermerk: „Toy“.

Vieles am Werdegang von Basquiat ist ungewöhnlich, aber dieses Detail ist mir in besonderer Erinnerung geblieben: Der Typ, der wenige Jahre später mit Andy Warhol rumhing und als Shooting Star der New Yorker Kunstszene gefeiert wurde, der noch mal wenige Jahre später mit seinen Werken unfassbare Summen bei Auktionen aufrief und der noch mal wenige Jahre später in der Schirn angekündigt wird mit den Worten, er sei „einer der bedeutendsten Künstler des 20. Jahrhunderts“ — dieser Typ wurde, als er mit der Kunst anfing, als „Toy“ bezeichnet.

Ich weiß nicht, ob KAMO, der oder die in meiner Nachbarschaft in Hamburg-Bahrenfeld ein paar Wände besprüht hat, eine ähnliche Laufbahn bevorsteht wie SAMO. Vermutlich nicht. Aber dass schon ganz andere als „Toy“ beschimpft wurden, das stimmt KAMO vielleicht versöhnlich.