Brillen, Blumen, Nazis & Karl May

Eine Notiz zur zehnten Ham.Lit, der langen Nacht der jungen Literatur

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Donnerstagabend, kurz vor Mitternacht, im Hochbunker an der Feldstraße in Hamburg. Die Bühnendeko ist abgeräumt und steht jetzt auf dem Tresen. Ham.Lit, die lange Nacht junger Literatur und Musik, ist vorbei.

Seit zehn Jahren bietet das Vorlese-Festival einen Anlass, um unter der Woche zwei Bier zuviel zu trinken und sich über aktuelle Brillenmodetrends zu informieren. Und zuverlässig gab es hier ein, zwei tolle neue AutorInnen zu entdecken, zwischen vielen Naja-geht-so-Lesungen. 2019 war das Verhältnis umgekehrt. Das Programm hörte gar nicht auf, richtig gut zu sein.

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Wer sich alles fckn kann

Über die Offline-Meme der Sticker und Tags mit „FCK dies, FCK das“-Slogans habe ich in diesem Blog bereits öfter geschrieben (1, 2, 3) und glaubte zuletzt schon, der Trend habe sich erschöpft.

Dann kam ich neulich an dieser Hausfassade in der Bahrenfelder Straße in Hamburg-Ottensen vorbei: FCK CPS, FCK NZS, FCK AFD, lauter alte Bekannte, alle auf einem Haufen.

Dieses Spielchen wird einfach nicht alt.

Never mind the Sperrmüll, here is „zu verschenken“!

Der notwendige Erklärversuch zur seltsamen Annahme mancher Menschen, sie müssten ihren Unrat bloß in den öffentlichen Raum stellen, dann werde schon jemand kommen, der ihn nicht nur wegräumt, sondern sich sogar daran erfreut, dieser Erklärversuch ist bereits geschrieben worden.

Tobias Haberl verfasste ihn fürs SZ Magazin über die Müllraussteller von München. Inhaltlich habe ich dem nichts hinzuzufügen, deshalb ergänzend hier nur einige Fotos und Bildunterschriften zur selben Praxis in Norddeutschland:

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Was später mal aus den Toys wird

Ich mochte Boom for Real, die Basquiat-Ausstellung in der Schirn Kunsthalle Frankfurt Anfang des Jahres. Die Gemälde Basquiats aus der Nähe zu sehen war #nice. Noch interessanter fand ich aber ein oder zwei eher unauffällige Schwarz-Weiß-Fotos im ersten Teil der Ausstellung.

Es ging dort um die späten 1970er-Jahre, jene Zeit, in der Basquiat erstmals (verdeckt) in Erscheinung trat und zusammen mit seinem Kumpel Al Diaz in SoHo die heute berühmten SAMO-Tags hinterließ. Vielleicht ein Dutzend Fotos dokumentierten diese Tags. Und auf zweien davon hatte jemand die Arbeit von SAMO kommentiert. Mit dem daneben geschriebenen Vermerk: „Toy“.

Vieles am Werdegang von Basquiat ist ungewöhnlich, aber dieses Detail ist mir in besonderer Erinnerung geblieben: Der Typ, der wenige Jahre später mit Andy Warhol rumhing und als Shooting Star der New Yorker Kunstszene gefeiert wurde, der noch mal wenige Jahre später mit seinen Werken unfassbare Summen bei Auktionen aufrief und der noch mal wenige Jahre später in der Schirn angekündigt wird mit den Worten, er sei „einer der bedeutendsten Künstler des 20. Jahrhunderts“ — dieser Typ wurde, als er mit der Kunst anfing, als „Toy“ bezeichnet.

Ich weiß nicht, ob KAMO, der oder die in meiner Nachbarschaft in Hamburg-Bahrenfeld ein paar Wände besprüht hat, eine ähnliche Laufbahn bevorsteht wie SAMO. Vermutlich nicht. Aber dass schon ganz andere als „Toy“ beschimpft wurden, das stimmt KAMO vielleicht versöhnlich.

Die A7 – und die öffentliche Meinung

Die Bundesautobahn 7, Höhe Hamburg-Bahrenfeld. Ein wunderbares Beispiel dafür, wie sich die öffentliche Meinung zu dem, was als fortschrittlich und wünschenswert gilt, innerhalb von nur einer Generation um 180° drehen kann.

Als die A7 in den späten 1960er-Jahren und 1970er-Jahren quer durch Hamburg gebaut wurde, gab es dagegen in den betroffenen Stadtvierteln keine nennenswerten Proteste, erzählt einer, der damals in der Gegend wohnte. Im Gegenteil: Man freute sich über den eigenen Autobahnzubringer. Die A7 reicht von Dänemark bis Österreich, Bahrenfeld und die angrenzenden Viertel waren jetzt also verbunden mit der Welt. Das moderne Leben!

Doch in den folgenden Jahren wurde klar, dass das ganze einen Haken hatte. Oder sogar drei.

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