Zu Besuch in der Superheldinnen-WG

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Comicfestival

Die Zeichnerin Marijpol hat sich fĂŒr ihren Comic Hort die WG dreier Superheldinnen ausgedacht: Petra ist eine Bodybuilderin, Ulla eine Riesin und Denise experimentiert mit Körpermodifikationen (da, wo bei anderen Arme und Beine sind, ragen bei ihr lebende Schlangen aus Hosenbeinen und Ärmeln).

Allerdings sind es drei Superheldinnen, die nicht Verbrecher jagen, sondern versuchen, mit ihrem Alltag klarzukommen, eine ungleich schwierigere Aufgabe.

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Auf der Reeperbahn nachts um halb eins

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Meine Sorge, dass der Kiez bald dunkel bleiben wĂŒrde, hat sich als unbegrĂŒndet erwiesen.

Also klar: »Der Betrieb beleuchteter oder lichtemittierender Werbeanlagen ist von 22 Uhr bis 16 Uhr des Folgetages untersagt.« So steht es in der Verordnung der Bundesregierung zum Energiesparen (a.k.a. EnSikuMaV). Aber das heißt ja noch lange nicht, dass sich jetzt alle daran halten.

Im Falle der Großen Freiheit ist das vermutlich gut so und laut Verordnung auch zulĂ€ssig, wenn es zur »Aufrechterhaltung der Verkehrssicherheit oder zur Abwehr anderer Gefahren erforderlich ist«.

Trotzdem Chapeau an Susis Show Bar fĂŒr die vorbildliche Gesetzestreue.

Faktenwissen und Teilhabe

Hamburgs Schulsenator Ties Rabe (SPD) verteidigt im GesprÀch mit Moritz Baumann vom Newsletter Table.Bildung das Kerncurriculum, das Bestandteil seiner aktuell laufenden Reform der BildungsplÀne ist:

Überall […] werden von jungen Erwachsenen Lese-, Rechtschreib- und Mathematikkenntnisse sowie Grundkenntnisse ĂŒber unsere Welt erwartet. Da geht es um konkretes Faktenwissen, das aber bisher kaum in unseren BildungsplĂ€nen berĂŒcksichtigt ist – mit dem hanebĂŒchenen Argument, das sei PĂ€dagogik von gestern. Das Ergebnis ist ein Skandal: NatĂŒrlich verfĂŒgen Kinder aus bildungsnahen ElternhĂ€usern ĂŒber dieses Faktenwissen. Aber wir haben in Hamburg 40 Prozent Kinder aus bildungsfernen ElternhĂ€usern, die dieses Privileg nicht haben. Es empört mich, dass privilegierte Milieus, die sich in der Bildungspolitik engagieren, das Faktenwissen in der Schule zurĂŒckdrĂ€ngen wollen. Sie riskieren damit, dass SchĂŒler aus bildungsfernen Familien nach der Schule weder ein BewerbungsgesprĂ€ch bestehen noch eine Nachrichtensendung verstehen.

Rabe argumentiert nicht im Sinne einer (christdemokratischen) »Leitkultur«, sondern sozialdemokratisch, mit Chancengleichheit und Teilhabe.

Ähnlich argumentierte in den USA etwa Eric Liu, der »kulturelle Alphabetisierung« und Teilhabe zusammendenkt (in der Tradition von E.D. Hirsch, dessen Überlegungen hierzulande bisher offenbar kaum eine Rolle spielten. Why?)

Das ganze Interview gibt es hier (Aboschranke).

Was passiert im Ăœbersee-Club?

Überseeclub

Wer sich fĂŒr die jĂŒngere Geschichte Hamburgs interessiert, kommt am Übersee-Club nicht vorbei. Einige der wichtigsten politischen Reden des 20. Jahrhunderts wurden hier gehalten.

Als etwa der BĂŒrgermeister Paul Nevermann (SPD) Anfang der Sechzigerjahre ĂŒber »Hamburg an der Schwelle eines neuen Jahrzehnts« sprach, tat er das in dem Club an der Alster. Sein Nachfolger Klaus von Dohnanyi (SPD) rief hier in den Achtzigern das »Unternehmen Hamburg« aus und Henning Voscherau (SPD) stellte seine PlĂ€ne zum Bau der HafenCity im Übersee-Club vor. Olaf Scholz (SPD) und Peter Tschentscher (SPD) haben hier selbstverstĂ€ndlich auch schon gesprochen.

Was die Fragen aufwirft: Wenn BĂŒrgermeister ihre Grundsatzreden halten, wieso ist dann so oft dieser exklusive Club der Gastgeber? Warum reden sie nicht im Rathaus, dem Haus aller BĂŒrgerinnen und BĂŒrgern der Stadt?

Mein Ressortchef Marc Widmann und ich hatten etwas ErklĂ€rungsbedarf, als wir neulich den frĂŒheren Vorstandsvorsitzenden der Hapag Lloyd AG und heutigen PrĂ€sidenten des Übersee-Clubs, Michael Behrendt, auf zwei karge Espressi trafen. Hier geht es zum Interview (fĂŒr Menschen mit ZEIT-Abo). Oh, oh, oh!

Fake Lips Done Cheap đŸ‘„đŸ‘„

Das Aufspritzen von Lippen ist in den vergangenen Jahren zu einem Massenmarkt geworden, sagt der freie Journalist Tom Kroll, und vor allem ĂŒber Instagram wird der Eingriff beworben. Nicht alle, die ihn anbieten, dĂŒrfen das – denn rechtlich braucht man ein Medizinstudium oder mindestens eine Heilpraktiker-Ausbildung, um Spritzen setzen zu dĂŒrfen.

Etliche Anbieterinnen, die auf Instagram mit Billigpreisen werben und den Eingriff in Hinterzimmern von Frisör- oder Beauty-Salons vollziehen, agieren illegal, begehen eine Straftat und riskieren die Gesundheit ihrer Kundinnen. Tom Kroll hat zum Schwarzmarkt der illegalen Schönheitseingriffe recherchiert und darĂŒber fĂŒr den Hamburg-Teil der ZEIT berichtet.

Im Podcast der »Freunde der ZEIT« habe ich mit ihm darĂŒber gesprochen, was er herausgefunden hat. Hier gibt es die ganze Episode kostenlos zu hören.

Schule im Containerbau

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Wer mit offenen Augen durch Hamburg lĂ€uft, kennt die Container, die lĂ€ngst nicht mehr nur im Hafen stehen, sondern auch auf den Schulhöfen der Stadt. Dort dienen sie als KlassenrĂ€ume fĂŒr Kinder, die in den GebĂ€uden keinen Platz mehr finden. Denn Hamburg wĂ€chst, und der Schulbau kommt nicht hinterher.

Öffentliche Bauvorhaben brauchen Zeit und oft sogar mehr Zeit als geplant. Das ist in der HafenCity zu sehen, wo die SchĂŒlerinnen und SchĂŒler des neuen Gymnasiums, der Grund- und Stadtteilschule derzeit in einem »temporĂ€ren Schuldorf« untergebracht sind. Genauer: in Containern. Erst in vier Jahren soll der eigene Neubau bezugsfertig sein. (Foto links)

Oder in Altona, wo anderthalb Jahre nach dem symbolischen ersten Spatenstich durch den BĂŒrgermeister der Bau des Deutsch-Französischen Gymnasiums an der Königstraße immer noch nicht richtig angefangen hat. (Foto rechts)

Wie Finanz- und Schulbehörde das Problem lösen wollen (Spoiler: Es hat ebenfalls was mit Containern zu tun, aber auf ganz andere Weise), das habe ich hier fĂŒr DIE ZEIT aufgeschrieben.

Auf dem Schulhof mit Zoe Wees

Zoe Wees

»Zoe, das darf man doch nicht!«, rief Frau WesemĂŒller durch die Aula der Grund- und Stadtteilschule Alter Teichweg (ATW). Aber da stand Zoe Wees schon auf den Heizkörpern, um fĂŒr den Fotografen Dennis Dirksen zu posieren.

Und vielleicht meinte es Sabine WesemĂŒller, die Leiterin der Grundschule und der legendĂ€ren Chorkatzen, bei denen Zoe einst gesungen hat, auch gar nicht so ernst.

Sie waren ja alle froh, dass Zoe Wees wieder hier war: Das MĂ€dchen, das vor zwei Jahren noch SchĂŒlerin des ATW war und inzwischen in einigen der beliebtesten amerikanischen Late-Night-Shows aufgetreten ist, als erste deutsche KĂŒnstlerin bei den American Music Awards und die bei Spotify mehr monatliche Hörer hat als Nena und Helene Fischer zusammen.

Mein Artikel ĂŒber Zoe Wees, ihren sensationellen Erfolg als SĂ€ngerin, ihre alte Schule und alles andere, ist in der ZEIT im Hamburg-Ressort zu lesen oder hier auf ZEIT ONLINE (#abo).

Das beste Jugendbuch des Jahres

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Krummer Hund ist das beste Jugendbuch des Jahres 2021. Sage nicht ich, sondern die Jury des Luchs-Preis fĂŒr Kinder- und Jugendliteratur. Dieses Urteil scheint mir plausibel zu sein.

Am Freitag, 18. MĂ€rz, wird der Preis an die Autorin Juliane Pickel ĂŒberreicht, die Laudatio hĂ€lt Sven Regener, das könnte ein guter Abend werden. (FĂŒr alle, die nicht in den Resonanzraum kommen können oder wollen, gibt es ab 19 Uhr einen Livestream hier.)

Ich habe Juliane Pickel neulich schon treffen dĂŒrfen, wir waren verabredet in einem Keller auf St. Pauli. Mein Text ĂŒber unsere Begegnung steht jetzt hier auf ZEIT ONLINE.

Und wegen Krummer Hund: Man kann das auch sehr gut als Erwachsene/r lesen!

P.S.: Bitte nicht ĂŒber meine Topfblumen lachen.

Soll man jetzt Anna Netrebko das Singen verbieten?

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In MĂŒnchen wurde in dieser Woche Valery Gergiev als Chefdirigent der Philharmoniker entlassen, in Hamburg hat die OpernsĂ€ngerin Anna Netrebko ihren Auftritt in der Elbphilharmonie Hamburg kurzfristig abgesagt.

Beide gelten schon lĂ€nger als Freunde Wladimir Putins und hatten sich zuvor nicht deutlich von ihm und seinem Überfall auf die Ukraine distanziert.

DĂŒrfen wir von russischen KĂŒnstlerinnen und KĂŒnstlern politische Bekenntnisse einfordern? Oder droht hier eine neue Form von »Cancel Culture«, die Kultur unnötig politisiert und KĂŒnstlerinnen und KĂŒnstler erpresst?

DarĂŒber habe ich im Podcast »Hinter der Geschichte« mit Florian Zinnecker gesprochen. Er hat im aktuellen Feuilleton der DIE ZEIT berichtet, wie einige russische Musikerinnen und Dirigenten um eine Haltung zum Angriffskrieg ihres Heimatlandes ringen.

Unser GesprĂ€ch: Überall, wo es Podcasts gibt oder hier.