Vollautomatisiertes Luxusdings

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Die Partei DIE PARTEI wirbt in Hamburg mit dem Slogan »Vollautomatisierter Luxuskommunismus«. Ist das Satire? Wenn ja, was ist daran Satire?

Der Witz ist doch, dass genau diesen Slogan jemand neulich noch sehr ernst gemeint hat (und The Guardian, The Atlantic und ein, zwei andere, von denen man das nicht zwingend erwartet hÀtte, das sogar halbwegs plausibel und/oder anregend fanden).

Die These des »Fully Automated Luxury Communism«, wie sie der Brite Aaron Bastani formulierte, lautet grob gesagt, dass in Zukunft durch Automatisierung und technischen Fortschritt die Notwendigkeit menschlicher Arbeit geringer wird und dann enormer Überfluss an allem herrscht: an materiellen GĂŒtern, an Freizeit, …

(Dass wohl nicht viele Menschen Überfluss und MĂŒĂŸiggang mit Kommunismus zusammenbringen, ist entweder Ausweis des klĂ€glichen Scheiterns des real existierenden Sozialismus oder der Wirksamkeit anti-kommunistischen Denkens oder beides. Oder die Idee des FALC ist doch ein bisschen irrlichternd, das könnte natĂŒrlich ganz vielleicht auch sein.)

Man tut ihm vielleicht nicht Unrecht, wenn man behauptet: Ohne lustvolle Provokationen mit dem K-Wort hat die Idee schon der in Oxford arbeitende Philosoph Nick Bostrom vertreten. Wobei – bei ihm gab es zwei Optionen: Vollautomatisierter Luxuskommunismus oder vollautomatisiertes Worldwide-Gulag.

Auf der Suche nach Heino Jaeger

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Ich war neulich mit Rocko Schamoni in Harburg verabredet und das erste, das wir dort sahen, war ein LKW mit dem Aufdruck Jaeger. Ist das ein Zeichen, oder was?

Weil: Wir waren ja da, um uns auf die Spuren des verstorbenen, fast vergessenen KĂŒnstlers und Komikers Heino Jaeger zu begeben, den Rocko Schamoni sehr schĂ€tzt. FĂŒr was schĂ€tzt er Heino Jaeger? FĂŒr seinen »pointenlosen Humor«, seinen »feinen Strich«, seine »zerfrĂ€sten, alltagszerstörten Figuren«. Und nicht zuletzt fĂŒr die »seltsame, organische KlumpizitĂ€t« seines bildnerischen Werks.

Sie merken, da spricht ein Fachmann! Aber ohne Flachs: Wieso Schamoni einen Roman ĂŒber Heino Jaeger geschrieben hat (Der Jaeger und sein Meister, neu bei Hanser Blau), als nĂ€chstes eine große Ausstellung mit auf den Weg bringt (ab 26. Februar 2022 im Kunsthaus Stade) und was das alles mit den frĂŒheren BĂŒchern Dorfpunks und Große Freiheit zu tun hat, das steht jetzt in den Hamburg-Seiten der ZEIT.

Übrigens: Der LKW war wirklich ein Zeichen. Denn wir besuchten das ArchĂ€ologische Museum Hamburg und Stadtmuseum Harburg und wurden dort mit einer Riesenladung an Jaeger-Werken beglĂŒckt, die Jens Brauer und Michael Merkel fĂŒr uns aus dem Lager holten. Danke!

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(Foto mit meinen FĂŒĂŸen, weil ich höre, das mache man jetzt so — und weil ich nicht weiß, wie ich sonst das riesige Doppelseitenformat der ZEIT in ein Hochkantfoto kriegen soll.)

11 Ideen aus der Zeit der Pandemie

Es ist nichts gut an der Pandemie. Die Zeit ist vorbei, in der man darĂŒber sinnieren konnte, sie habe doch auch positive Effekte, als Treibstoff fĂŒr SolidaritĂ€t etwa oder als großer Entschleuniger. Wer derlei heute noch behauptet, verkennt die Lage. Diese Krise spaltet sozial, statt zu vereinen, und stresst mindestens so sehr, wie sie punktuell entschleunigt. Und damit ist noch nichts ĂŒber die Toten gesagt. #justmytwocents

Aber auch wenn nichts gut ist an der Pandemie, ist doch gut, wie einige Menschen auf sie reagieren. FĂŒr die Hamburgseiten der ZEIT haben Viola Diem und ich mit der UnterstĂŒtzung des Ressorts 11 Ideen und Initiativen ausgewĂ€hlt, die uns Hoffnung machen. Und die positive VerĂ€nderungen anstoßen, die vielleicht erhalten bleiben in der Zeit nach Corona (wann auch immer das sein wird).

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»Ist das ’ne Frau, die da auf der BĂŒhne steht?«

Es sind die frĂŒhen 1970er-Jahre, die Musikszene der BRD besteht im wesentlichen aus Schlager-Interpreten, als in Hamburg ein Ford Transit mit Instrumenten vollgeladen wird (Orgel, E-Gitarre, EffektgerĂ€te, so neumodischer Krams). Die Band Frumpy macht sich auf den Weg, um der Welt den R O C K zu bringen. Es gibt nur ein Problem: Erstmal muss man mit der Karre ĂŒber die Kasseler Berge kommen.

Inga Rumpf: Mit Frumpy haben wir also sehr viel gespielt, um bekannt zu werden. Wir sind in diesen wunderschönen DorfsĂ€len aufgetreten, hatten zwar noch nicht so viele Songs, haben dafĂŒr auf der BĂŒhne aber umso mehr improvisiert.

DIE ZEIT: Haben die Leute in den DorfsÀlen verstanden, was sie da zu sehen bekamen?

Inga Rumpf: Die jungen, natĂŒrlich, die haben sich gefreut. Die Ă€lteren haben geguckt: »Ist das ’ne Frau, die da auf der BĂŒhne steht?« Ich sah ja aus wie ein Typ, trug eine Jeans, ein Unterhemd und lange Haare wie alle anderen, dazu die tiefe Stimme. Das war schon ungewöhnlich. Anfang der Siebzigerjahre, das war fast noch Nachkriegsdeutschland.

Das mal als Auszug. Mein ganzes Interview mit Inga Rumpf, 74, ĂŒber Gender Trouble im Dorfsaal, die AnfĂ€nge von Folk und Rock in West-Deutschland und die Notwendigkeit von Drogen, um das alles ĂŒberhaupt durchzuhalten, steht jetzt in den Hamburgseiten der ZEIT.

(Wieso wurde dieser Stoff noch nicht verfilmt? Ich sehe eine große deutsche Komödie.)

Alles, was Sie schon immer ĂŒber ÖPNV wissen wollten

In der Elbvertiefung, dem tĂ€glichen Hamburg-Newsletter der DIE ZEIT, haben wir neulich eine kleine Themenwoche zum ÖPNV veranstaltet. Weil, wieso nicht? Es war ja auch Sommerloch.

Der Haken an der Sache: Ich war zustĂ€ndig und bin die Sache eher, Ă€h, feuilletonistisch angegangen. Es gab also Texte darĂŒber, wie schön es ist, sich mit dem Bus im Hafen zu verfahren. Oder welche philosophischen DenkanstĂ¶ĂŸe sich ergeben, wenn man einen S1-Simulator spielt.

Damit war das Interesse unserer Leserinnen und Leser an diesem Themenkomplex noch nicht gĂ€nzlich erschöpft und die geschĂ€tzen Damen und Herren bombardierten uns mit Fragen. Warum gibt es in Hamburg kein 365-Euro-Ticket? Wieso nicht mehr FĂ€hren? Was ist mit dieser einen Buslinie in Altona, die doch eigentlich nach EimsbĂŒttel verlĂ€ngert werden sollte? Und wann werden eigentlich diese furchtbaren E-Roller eingesammelt und verschrottet?

War klar, dass wir nicht damit durchkommen wĂŒrden, diese Fragen zu ignorieren, also haben wir uns auf die Suche nach Antworten gemacht. Bei Hochbahn, Deutsche Bahn, Hadag und HVV sowie beim Verkehrssenator Anjes Tjarks (GrĂŒne).

Hier nun das frei lesbare und seeehr lange Interview mit fast allen Leserfragen und Antworten (wobei: es sind nur 33 Fragen, Kollege Moritz von Uslar schafft routinemĂ€ĂŸig 99, aber irgendwie ist das trotzdem viel Text geworden).

Let’s push Lokaljournalismus forward!

Sommerferien auf der Streuobstwiese

Nach 20 Jahren bei einem MittelstĂ€ndler und im Maschinenbau sagte Florian Menger zu seinem Chef: Ich kĂŒndige. Und fange noch mal was Neues an. Ich miete mir Schafe und pflanze ein paar ApfelbĂ€ume und starte einen Lehrbauernhof fĂŒr Kinder.

Und sein Chef sagt: Wissen Sie was? Super Idee. Da investiere ich und werde Partner.

Die unwahrscheinliche GrĂŒndungsgeschichte von Greenkids Neuengamme und die Frage, was HĂŒhner und RegenwĂŒrmer mit einer glĂŒcklichen Kindheit und guten Bildung zu tun haben: Jetzt in DIE ZEIT (Hamburg-Seiten) oder hier auf ZEIT ONLINE (#aboaboabo).

Hallo, Joachim Franz BĂŒchner Band

Na, das klingt doch wie ein guter Anfang. Guter move auch, das Soloalbum mit einem Duett anzukĂŒndigen. Solo wie allein war jetzt schließlich lang genug. 

OK, der Typ heißt also Franz Joachim BĂŒchner. Schon mal gesehen bei BĂŒrgermeister der Nacht. Und wer singt da mit? Ist das nicht die eine von dieser tollen, leider verschollenen Band Zucker? Ja, ist sie.

Und der zweite Song, den man schon jetzt vom Joachim-Franz-BĂŒchner-Band-Album hören kann, Plan 9 aus dem Weltall, ist nicht nur eine Verneigung vor dem Trashfilmregisseur Ed Wood, sondern auch vor TrĂŒmmerfrauen, dem Theme Song von Zucker. Toll. Apropos: Was machen eigentlich TrĂŒmmer?

Ich deute diesen Song als Vorboten nicht nur des kommenden Albums, sondern auch einer Zeit, in der wir endlich wieder auf Konzerte gehen werden. Und zwar auf viele. Oder?

[Update, 28. Juni 2021] Sieh an! Kaum ist die Frage ausgesprochen, kommt schon die Antwort: Ein neues TrĂŒmmer-Album ist fĂŒr den 17. September angekĂŒndigt, hier kann schon man den ersten Song hören.