Sommerferien auf der Streuobstwiese

Nach 20 Jahren bei einem Mittelst├Ąndler und im Maschinenbau sagte Florian Menger zu seinem Chef: Ich k├╝ndige. Und fange noch mal was Neues an. Ich miete mir Schafe und pflanze ein paar Apfelb├Ąume und starte einen Lehrbauernhof f├╝r Kinder.

Und sein Chef sagt: Wissen Sie was? Super Idee. Da investiere ich und werde Partner.

Die unwahrscheinliche Gr├╝ndungsgeschichte von Greenkids Neuengamme und die Frage, was H├╝hner und Regenw├╝rmer mit einer gl├╝cklichen Kindheit und guten Bildung zu tun haben: Jetzt in DIE ZEIT (Hamburg-Seiten) oder hier auf ZEIT ONLINE (#aboaboabo).

Hallo, Joachim Franz B├╝chner Band

Na, das klingt doch wie ein guter Anfang. Guter move auch, das Soloalbum mit einem Duett anzuk├╝ndigen. Solo wie allein war jetzt schlie├člich lang genug.┬á

OK, der Typ hei├čt also Franz Joachim B├╝chner. Schon mal gesehen bei B├╝rgermeister der Nacht. Und wer singt da mit? Ist das nicht die eine von dieser tollen, leider verschollenen Band Zucker? Ja, ist sie.

Und der zweite Song, den man schon jetzt vom Joachim-Franz-B├╝chner-Band-Album h├Âren kann, Plan 9 aus dem Weltall, ist nicht nur eine Verneigung vor dem Trashfilmregisseur Ed Wood, sondern auch vor Tr├╝mmerfrauen, dem Theme Song von Zucker. Toll. Apropos: Was machen eigentlich Tr├╝mmer?

Ich deute diesen Song als Vorboten nicht nur des kommenden Albums, sondern auch einer Zeit, in der wir endlich wieder auf Konzerte gehen werden. Und zwar auf viele. Oder?

Go Dulsberg Go!

2020 war kein geiles Jahr f├╝r Schulen und Menschen, die sie besuchen m├╝ssen. (2021 war es bisher fast noch weniger.)

Hier jetzt mal eine gute Nachricht: Die Stadtteilschule Alter Teichweg in Hamburg hat den Deutschen Schulpreis bekommen! Der Preis wurde insgesamt sieben Mal vergeben und ist mit je 10.000 Euro dotiert. Geehrt wird die Schule unter anderem f├╝r ihre t├Ągliche Late-Night-Show auf YouTube, die (moderiert vom Direx) im ersten Lockdown den Gemeinsinn erhalten sollte.

In der ZEIT:Hamburg fanden wir das damals so gut, dass wir den Schulleiter Bj├Ârn Lengwenus zu unserem ┬╗Mensch des Monats┬ź ernannten. (Hier geht es zu meinem Text.)

Inzwischen wurde die in der verwaisten Schulaula aufgezeichnete Sendung ┬╗Dulsberg Late Night┬ź auch mit dem Hamburger Stadtteilkulturpreis ausgezeichnet, mit einer Goldenen Kamera und mit einer Nominierung f├╝r den Grimme Online Award (wird im Juni vergeben).

Gl├╝ckwunsch an die Schule, an die Kulturagenten und: Go Dulsberg Go!

Was sagen Zehnj├Ąhrige zu ÔÇŽ naja, allem gerade?

ZEIT ONLINE: Was fehlt euch beiden gerade am meisten?
Benedikt: Mir fehlt das Gemeinschaftsgef├╝hl. Nicht immer nur allein zu Hause zu hocken.
Valerie: Das Tuscheln im Unterricht!
Benedikt: Und zusammen auf dem Pausenhof zu sein.
Valerie: Eigentlich fehlt mir das ganze Paket: Gruppenarbeiten, Pausenhof, alles. Auch morgens mit dem Fahrrad in die Schule zu fahren.
ZEIT ONLINE: Wirklich? Der Schulweg?
Valerie: Ja, das weckt mich auf.
Benedikt: Dann hat man richtig Motivation! Jetzt steht man auf, isst ein bisschen Fr├╝hst├╝ck und geht mal eben drei Meter r├╝ber zum Computer.
Valerie: Ich bin dann noch total m├╝de.
Benedikt: Man schl├Ąft noch. Fr├╝her hat man gar nicht gemerkt, dass es wichtig ist, morgens an der kalten Luft zu sein und ein bisschen Sauerstoff in den Kopf zu kriegen. Jetzt merkt man: Es ist krass wichtig! Man hockt sonst immer nur drinnen!
Valerie: Au├čer, man hat einen Hund. Dann geht man noch ab und zu mit dem Hund raus.
ZEIT ONLINE: Gibt es etwas, das ihr in den letzten Monaten gelernt habt und das ihr ohne Corona vielleicht nicht gelernt h├Ąttet?
Valerie: Man muss es sch├Ątzen, in einer Gruppe zu sein.
Benedikt: Und, dass man Freunde hat. Und, wenn einem die Eltern was erlauben.
Valerie: Ich h├Ątte auch nie gedacht, dass mir die Schule mal fehlen w├╝rde. Dass ich mir w├╝nschen w├╝rde, wieder in die Schule zu d├╝rfen.
ZEIT ONLINE: Was glaubt ihr, wann d├╝rft ihr wieder?
Valerie: Es gibt so viele Mutanten. Und vielleicht kommt eine, gegen die das Impfen nicht hilft. Ich glaube, dass es noch zwei, drei Jahre dauern wird.

Meine Interviews mit Zehnj├Ąhrigen ÔÇô und mit anderen Sch├╝lerinnen und Sch├╝lern, die das letzte Mal vor Weihnachten in einem Klassenzimmer sa├čen ÔÇô gibt es jetzt auf ZEIT ONLINE (frei lesbar).

Eine Begegnung mit Hamburgs umstrittenstem Professor

cof

Als der Physiker Roland Wiesendanger auf eigene Faust ein Papier im Internet ver├Âffentlichte, in dem er behauptete, das Coronavirus sei in einem chinesischen Labor hergestellt worden, war der Aufschrei gro├č.

Seine Faktult├Ąt distanzierte sich binnen 24 Stunden, Medien schrieben von ┬╗krudem Zeug┬ź, andere Wissenschaftler*innen spotteten ├╝ber ein Konvolut aus ┬╗copy and paste┬ź, das als studentische Seminararbeit keinen Bestand haben w├╝rde.

(Wiesendanger hatte f├╝r sein Papier ganze Textbl├Âcke aus anderen Ver├Âffentlichungen ├╝bernommen und neben wissenschaftlichen Studien auch Artikel aus Onlinemedien, YouTube-Videos und einen Wikipedia-Artikel als Belege seiner Thesen angef├╝hrt.)

Roland Wiesendanger, der als junger Mann jede Pr├╝fung mit Bestnoten bestand und dessen Verdienste im Feld der Nanophysik unbestritten sind, sagt: ┬╗Ich habe keine Fehler gemacht┬ź Bald werde die Welt schon sehen.

Wer ist dieser Mann? Und wie kommt er als Physiker zu seiner virologischen Freizeitforschung?

F├╝r die neue Ausgabe der Hamburg-Seiten der DIE ZEIT habe ich Roland Wiesendanger besucht und mir gemeinsam mit unserer Wissenschaftsautorin Nike Heinen seine Thesen genauer angesehen.

Unser Text ist der Versuch, sein Engagement zu w├╝rdigen, ohne seinen dunkel schillernden Spekulationen (SARS-CoV-2 ist eine Biowaffe! Etc.) auf den Leim zu gehen.

Ab heute in der gedruckten ZEIT (in und um Hamburg), bundesweit in E-Paper und App sowie hier auf ZEIT ONLINE (Aboschranke). Das Portr├Ątfoto von Roland Wiesendanger hat Jewgeni Roppel aufgenommen.

Schulen und Corona: Was war wann bekannt?

Meine Kollegin Nike Heinen ist freie Wissenschaftsjournalistin. Seit die Entdeckung eines neuen SARS-Virus in Wuhan bekannt wurde, berichtet sie de facto ├╝ber nichts anderes mehr.

Ich kam als Bildungsredakteur einige Monate sp├Ąter zum selben Thema ÔÇö als das besagte Virus den Schulbetrieb in Hamburg lahmlegte.

Jetzt haben wir uns zusammengetan und uns gemeinsam durch die Studien, die Schutzverordnungen und die politischen Beschl├╝sse der vergangenen zw├Âlf Monate gearbeitet. Wir wollten ÔÇö mit etwas Abstand, aber nat├╝rlich noch mitten in der Pandemie ÔÇö die Diskussion um die Schulen nachvollziehen und um die politische Frage: Schlie├čen oder ├Âffnen?

Also: Was war wann ├╝ber die Verbreitung des Virus bekannt? Und wie wurde dann entschieden? Nachzulesen ist das hier auf ZEIT ONLINE f├╝r Abonnent*innen (und alle, die das noch werden wollen).

Ein neues Interview mit Hamburgs Schulsenator Ties Rabe (SPD) gibt es ÔÇô ebenfalls f├╝r Abonnent*innen ÔÇô hier.

Enjoy! ­čśĚ

Sch├Âner leben in der Klimakatastrophe

Wie k├Ânnte unser Leben in der Klimakatastrophe aussehen? In den 1980er-Jahren zeichnete Robert Crumb drei Zukunftsszenarien als Epilog f├╝r seinen Comic A Short History of America.

Crumb unterschied:

  1. ┬╗Worst Case Scenario: Ecological Disaster┬ź, in diesem Szenario ist die Erde ein verdorrter Planet, in dem von der menschlichen Zivilisation nur Ruinen bleiben, bitte schauen Sie hier.
  2. ┬╗The Fun Future: Techno-Fix on the March!┬ź In dieser zuk├╝nftigen Welt leben die Menschen in H├Ąusern, die an die futuristische Architektur der 1970er-Jahre erinnern, und reisen mit fliegenden Autos. Das ist hier zu sehen.
  3. ┬╗The Ecotopian Solution┬ź, in der Menschen in Baumh├Ąusern und Blockh├╝tten im Wald leben, statt Auto nur noch Fahrrad fahren und regionale Produkte an Marktst├Ąnden kaufen. Klickidiklick.

Die Kunst- und Medienwissenschaftlerin Birgit Schneider, die an der Uni Potsdam zu visuellen Darstellungen des Klimawandels forscht, bewertet diese drei Zeichnungen Crumbs in ihrem Buch Klimabilder als ┬╗prototypische Zukunftsvisionen┬ź. Sie sind demnach nicht blo├č Ausdruck eines individuellen K├╝nstlergeistes, sondern exemplarisch f├╝r kollektive ├ängste und Fantasien.

(Vor zwei Jahren wurde Schneider von Daniel Erk f├╝r ZEIT CAMPUS interviewt, ich habe das damals als Chefredakteur in Auftrag gegeben und bin deshalb v├Âllig biased, w├╝rde aber behaupten: Das ist eine lesenswerte Einf├╝hrung in ihr Denken und Forschen.)

Obwohl Crumbs Zeichnungen bereits rund 40 Jahre alt sind und man das ihrem Stil auch ansieht, wirken sie inhaltlich noch aktuell. Die Bef├╝rchtung, der Klimawandel k├Ânne zum ├Âkologischen Desaster f├╝hren, ist aktueller denn je. Und f├╝r den ┬╗Techno-Fix┬ź in Reinform steht heute Elon Musk: Sportwagen verbrauchen zu viel klimasch├Ądigendes Benzin? OK, dann betreiben wir sie doch mit Strom! Die Stra├čen der St├Ądte ersticken am Stau? Na, dann bohren wir doch einfach Tunnel! Die Erde k├Ânnte trotzdem zu Grunde gehen? Schade, aber wie w├Ąr’s mit Leben auf dem Mars?

Das einzige Szenario, das nicht so gut gealtert ist, ist die ┬╗├ľkotopie┬ź. Weiterlesen „Sch├Âner leben in der Klimakatastrophe“

Uni Hamburg: Die ersten 100 Jahre

Die Uni Hamburg feierte 2019 ihr hundertj├Ąhriges Jubil├Ąum. Sie war in der Weimarer Republik von der SPD als erste demokratische Reformuniversit├Ąt in Deutschland ersonnen worden (aber: in der Praxis wurde das nix), diente sich im ┬╗Dritten Reich┬ź den Nationalsozialisten an, wurde sp├Ąter Nebenschauplatz der ┬╗68er┬ź-Bewegung ÔÇŽ

Es ist also eine vergleichsweise junge Universit├Ąt, aber eine, die sich immer wieder neu erfunden und den Zeitgeist gespiegelt hat.

Seit dem runden Geburtstag gibt es ein eigenes Universit├Ątsmuseum im Hauptgeb├Ąude am Dammtorbahnhof. Jetzt folgt eine Buchreihe mit Aufs├Ątzen zur Universit├Ątsgeschichte, herausgegeben von den Historikern Rainer Nicolaysen, Eckart Krause und Gunnar B. Zimmermann.

Der erste Band zu ┬╗allgemeinen Aspekten und Entwicklungen┬ź ist gerade erschienen, der zweite, der speziell auf die Geisteswissenschaften schaut, soll im Fr├╝hsommer 2021 folgen, danach im Halbjahrestakt die abschlie├čenden beiden B├Ąnde zu Sozialwissenschaften sowie zu Naturwissenschaften und Medizin.

Mit Rainer Nicolaysen habe ich nun ├╝ber die ersten 100 Jahre der Geschichte der Uni Hamburg gesprochen. Es wurde ein ziemlich ausf├╝hrliches Interview, featuring Pfeffers├Ącke, Kaisertreue, Kolonialbeamte, muffige Talare und ├╝berf├╝llte H├Ârs├Ąle. Daf├╝r kein Wort zu Corona.

Frei lesbar auf ZEIT ONLINE.

Jeder hat sein P├Ąckchen zu tragen

Warum ist die Filiale der Postfiliale am Kaltenkircher Platz in Hamburg-Altona so furchtbar? (┬╗Mieser Service, freches Personal┬ź, schrieb die Mopo, ┬╗Postfiliale des Grauens┬ź.) Und wie soll es erst werden, wenn unsere Black-Friday-Deals und Weihnachtsgeschenke dort eintreffen?

F├╝r die Hamburg-Seiten der ZEIT habe ich versucht, der Sache mal auf den Grund zu gehen. Mein Bericht ├╝ber Staatskonzerne, Privatisierungspolitik und ein Kiosk-Imperium, das auf 3D-Pop-up-Gl├╝ckwunschkarten errichtet worden ist: hier. (#abo)