Bemerkenswert

Die neue ZEIT CAMPUS

»Ich kann nur unter Stress gut arbeiten«, sagen viele und zögern die Abgabe von Hausarbeiten oder Bewerbungen bis zum letzten Moment hinaus. Ehrlich gesagt: Auch wir in der ZEIT CAMPUS-Redaktion sind mit unserem neuen Heft erst spät fertig geworden. Ist das ein Problem?

Unsere Kollegin Josefa Raschendorfer hat für unsere Titelgeschichte darüber mit Psychologen und professionellen Nichtstuern gesprochen. Jetzt sind wir beruhigt. Denn Josefa sagt: Prokrastinieren ist Mist, aber Pausenmachen wichtig.

Die neue Ausgabe gibt es (zusammen mit einem Extraheft über den Klimawandel) ab sofort überall im Zeitschriftenhandel, in Mensen und Uni-Cafeterien von mehr als hundert deutschen Studentenstädten sowie online hier.

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Lyrik aus Versehen

Bald ist das Sommerfestival auf Kampnagel und im Programm steht mal wieder avancierte Kryptik nebst maximalprosaisch betitelten Multikultiabenden.

Es ist fast ein Gedicht und klingt so:

Kick-Ass-Queereeoké feat. Tami T. /
Gabber Eleganza Terror-Rythmus /
Lydia Lunch’s Big Sexy Noise /
Kurdische Volkstänze.

Das ganze Programm hier (PDF).

68er und die Nazis

Es zählt zu den populären Annahmen über die Studentenbewegung der 68er, dass erst sie dazu geführt habe, dass in Deutschland über Schuld, Shoa und Nazis gesprochen wurde. Aber stimmt das?

Vermutlich ist die Lage (bei aller Schwierigkeit, pauschale Aussagen über eine so diffuse und heterogene Bewegung zu machen) zumindest weniger eindeutig.

Der vielzitierte (und oft als Kritik an den Kontinuitäten zwischen NS-Staat und BRD interpretierte) 68er-Spruch „Unter den Talaren / Muff von tausend Jahren“ bezog sich zum Beispiel gar nicht auf das „tausendjährige Reich“ der Nazis. Das sagt der Historiker Rainer Nicolaysen, der zu der Protestaktion an der Uni Hamburg geforscht und damals Beteiligte dazu befragt hat.

Und Beate Klarsfeld erzählte neulich im Interview mit der Süddeutschen Zeitung (€), die Anführer der Studentenbewegung hätten sich für die Nazivergangenheit deutscher Politiker gar nicht richtig interessiert. Klarsfeld musste erst — mehr oder weniger im Alleingang — den Bundeskanzler Kiesinger ohrfeigen, ehe alle Welt über dessen NS-Karriere sprach. Dutschke und Co. hätten vorher lieber den Kapitalismus bekämpfen wollen als die alten Nazis.

Ziemlich scharf schreibt nun der Philosoph und Sohn eines NS-Überlebenden Jason Stanley in der Zeit:

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Wie Grisebach die Kunst singularisiert

Kunstwerke war schon immer anders als andere Konsumgüter. In Andreas Reckwitz‘ Theorie der Gesellschaft der Singularitäten ist die Kunst die eine gesellschaftliche Sphäre, in der schon in der klassischen Moderne (ca. 1750 bis 1970) massiv singularisiert worden ist, d.h.: in der Güter nicht durch ihren Nutzwert an Begehrlichkeit gewannen, sondern dadurch, dass sie durch Erzählungen mit immateriellem Wert aufgeladen wurden, etwa in dem sie als ästhetisch neu oder radikal, jedenfalls als „besonders“, galten:

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Das neue Cover der Time

Das Spannende am neuen Time-Cover: Nach den alten Printregeln ist es im Handel zum Scheitern verurteilt (leeres Foto, unscharfe Schrift, schwache Marke).

Aber durch seine Online-Verlängerung und speziell das hier eingebettete Making-of-Video wird es spektakulär und unvergesslich.

Print in der Post-Print-Ära.

 

Besser als ausgedacht (3): Stefan Zweigs Sternstunden der Menschheit

Vergesst die Fuck-Up Nights, vergesst die #fail-Meme — die krasseren Geschichten vom Scheitern gibt’s bei Stefan Zweig.

In seinem Buch Sternstunden der Menschheit aus dem Jahr 1927 (dass der Titel heute wie ein Witz klingt, ist auch ein bisschen die Schuld von Rocko Schamoni) erzählt er fünf auf wahren Tatsachen beruhende Geschichten von spektakulären Niederlagen.

Zum Beispiel die von Robert Scott, der als erster Mensch den Südpol erreichen wollte, nur um nach langen Entbehrungen vor Ort festzustellen, dass er es bloß als zweiter geschafft hatte. Besonders miese Pointe: Scott und alle seine Begleiter starben auf dem Rückweg. Stefan Zweig findet das faszinierend, für ihn ist Scott einer der ganz großen Helden.

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