Wo Hamburg wie im Urlaub ist (DIE ZEIT #27/2020)

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Das mit dem Reisen wird schwierig in diesem Sommer. Aber macht nix, wir wohnen ja in Hamburg. Wo man in dieser Stadt ganz gut sein Fernweh lindern kann, steht in der neuen Ausgabe der ZEIT auf den Hamburg-Seiten.

(Ich empfehle den Russenmarkt in Nettelnburg. Da gibt’s Wassermelonen, so groß, dass sie zwei Mann kaum heben können. 🍉 Und eingelegte Gurken, so weit das Auge reicht. Und liebliche georgische Rotweine aus ĂŒbertrieben verzierten Tonflaschen. Und diesen klebrigen Kirschlikör, den die polnische Verwandschaft immer auf den Tisch knallt. Toll!)

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Außerdem hatte ich das VergnĂŒgen, mit den Kindern von Bernhard Markwitz zu sprechen, der 1964 in Winterhude die SchwimmflĂŒgel erfand. Die ganze Geschichte nebst kleiner kulturhistorischer Einordnung dieses Design-Klassikers: Jetzt am Kiosk in Hamburg und Umland, als E-Paper ĂŒberall in der Welt, etc. etc. etc. 🐳

Nachtrag, 10. Juli 2020: Beide Texte gibt es jetzt auch online, die Urlaubs-Tipps hier, die Geschichte der SchwimmflĂŒgel hier (jeweils fĂŒr Abonnent*innen).

BRD-Nostalgie im Lutherpark

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Ich verstehe schon, dass der Staat, in dem wir leben, »Bundesrepublik Deutschland« heißt. Trotzdem denke ich beim KĂŒrzel »BRD« zuerst an ein anderes Land, das 1990 etwa zeitgleich mit der DDR (allerdings besser gelaunt als diese) untergegangen ist.

Dieses Empfinden mag intellektuell unredlich sein und ĂŒbermĂ€ĂŸig sentimental, aber ich bin womöglich nicht allein damit (vgl. Daniel Erk, Es war einmal ein kleines Land, Berlin: 2014; Philipp Felsch/Frank Witzel, BRD Noir, Berlin: 2016; u.a.).

Es handelt sich auch um eine eher Àsthetische als politische Haltung, jedenfalls ist sie nicht zu verwechseln mit der gÀnzlich unironischen Wohlfahrtsstaatsnostalgie einzelner linker bis sozialdemokratischer Sozialwissenschaftler.

(Ich schreibe bewusst nicht Sozialwissenschaftler*innen, denn dies scheint eher eine Position Ă€lterer blasshĂ€utiger Herren zu sein, die weitgehend unbeeindruckt bleiben von der Frage: »Nivellierte Mittelstandsgesellschaft, schön und gut, aber was war mit den Frauen und den ‚Gastarbeitern‘?« Die Singularisierung der Gesellschaft und der progressive Neoliberalismus — oder wie man beides nun nennen will — haben schließlich durchaus auch VorzĂŒge, wie sich nicht zuletzt an den Programmen jener zeigt, die beides rĂŒckabwickeln wollen. Kiesinger? Höcke? Da nehme ich lieber Merkel, thanks.)

Jedenfalls hat es mich amĂŒsiert, dass an dem Pavillon im Bahrenfelder Lutherpark ein altes Graffito durch ein neues ĂŒberschrieben wurde. Statt »CCP 4 Ever« (womit, glaube ich, tatsĂ€chlich »CCCP 4 Ever« gemeint war), steht dort nun »BRD 4 Ever«. Eine nach meinem VerstĂ€ndnis Ă€hnlich unrealistische, aber nicht unsympathischere Forderung.

P.S.: Auf den ersten Blick wirkt »BRD♄!« wie »BRO♄!«, das ist natĂŒrlich auch putzig und womöglich ein verrĂ€terischer Freud’scher Verschreiber.

Was ist »So-Cal-ism«?

Kalifornien ist nicht nur ein Staat. Kalifornien ist eine Idee. Ein LebensgefĂŒhl! Manche seiner Kritiker sagten sogar: eine Ideologie.

Wortspiele, die den (unterstellten) liberalen Geist und den (unterstellten) krassen Materialismus des Landes auf die Schippe nehmen, sind inzwischen ein bisschen abgenudelt: Californication, zum Beispiel, die kalifornische Hurerei oder kalifornische Unzucht (»fornication«), die es erst als Song gab, dann als TV-Serie.

Neu ist das hier:

so-cal-ism

(Gefunden als Kommentar unter diesem kuriosen YouTube-Video.)

»So-Cal-ism« = »SĂŒdkalifornianismus«, nehme ich an. Ein SchmĂ€hbegriff aus offenbar rechter / konservativer Sicht gegen den Staat, der ja bekanntermaßen verhasst ist unter den Konservativen der USA.

Warum verhasst? Weil in Kalifornien (zumal in SĂŒdkalifornien) zwar der Kapitalismus gedeiht, aber eben auch ein Libertarismus, der neben dem Unternehmertum auch die Sexualmoral, den Drogenkonsum, usw. umfasst. Und weil Hollywood-Leute im Ruf stehen, das amerikanische Äquivalent der Salonkommunisten zu sein: limousine liberals. Oder: latte liberals.

Silicion-Valley-Typen mit wenigen Ausnahmen auch. Außerdem ist Kalifornien einer der wenigen Staaten in den USA, in dem auch Republikaner Donald Trump kritisieren.

Aber »So-Cal-ism«: Ist das eine Begriffsschöpfung dieses ja offenbar ohnehin den Wortspielen zugeneigten YouTube-Kommentators? Oder ist das ein stehender Begriff, wie die kalifornische Ideologie, wie Californication?

Wer mehr weiß: Bitte melden.

Darf man heute noch Kinder wollen?

Wenn es um Klimaschutz geht, dann ist Fleischessen schlim, fliegen ist noch schlimmer, aber am schlimmsten ist es, eine Familie zu grĂŒnden. Das habe ich im vergangenen Jahr immer wieder gehört: In Talkshows und Zeitschriften meldeten sich Frauen zu Wort, die den Verzicht auf eigene Kinder als grĂ¶ĂŸtmöglichen Beitrag zum Klimaschutz bezeichnen.

Ich bin Vater von zwei Kindern und deshalb völlig befangen, aber ich halte diese Behauptung fĂŒr moralisch fragwĂŒrdig und taktisch unklug – um es mal diplomatisch zu formulieren.

Wenn wir ernsthaft anfangen, Menschenleben mit Konsumentscheidungen zu verrechnen, nĂŒtzt das nur kinderlosen SUV-Fahrern, die dreimal im Jahr nach Madeira jetten (»Alles halb so schlimm, ich hab’ keine Blagen in die Welt gesetzt!«). Die Keine-Kinder-aus-KlimagrĂŒnden-Fraktion sabotiert ihr Anliegen, indem sie ihre Gegner*innen stĂ€rker macht.

Und, indem sie potentielle VerbĂŒndete verprellt. Denn wĂ€re es nicht klĂŒger, davon auszugehen, Kinder seien beste KlimapĂ€dagogik?

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Was Amateurpornos ĂŒber SexualitĂ€t verraten

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Der Soziologe Sven Lewandowski will die Sexualwissenschaft revolutionieren. Deshalb guckt er stundenlang Privatpornos in Zeitlupe. 😳

Ich habe mit ihm ĂŒber seine Forschung gesprochen, die — wie Lewandowski mir glaubhaft versicherte — harte Arbeit sei. No pun intended.

Mehr dazu im Interview in Zeit Campus (Nr. 4/2020, Titelthema »Das neue Wir«) das es ab heute ĂŒberall im Handel oder hier online zu kaufen gibt.

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Wie Corona die Ungleichheit in den Schulen verstĂ€rkt

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SchĂŒlerinnen und SchĂŒler aus armen Familien werden in Hamburg doppelt benachteiligt, sagt die Schulbehörde. Das gilt aber nur in guten Zeiten. Jetzt, in der Coronakrise, ist die Benachteiligung wohl eher eine drei- bis fĂŒnffache.

Mehr dazu ab heute in den Hamburgseiten der neuen ZEIT, erzĂ€hlt am Beispiel der Grundschule FĂ€hrstraße in Wilhelmsburg.

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Corona-Proteste: Arme WĂŒrste, gefĂ€hrliche Nazis oder was?

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Der Sozialwissenschaftler Jan Philipp Reemtsma beantwortet die Fragen einer Journalistin der taz zu den Corona-Protesten:

Gibt es keinen ideologischen Kitt, der diese Gruppe zusammenhÀlt?

Nein, da zĂ€hlen nur die Affekte. […]

Was glauben Sie, wo die Bewegung hinsteuert?

Die steuert nirgendwo hin. Sie tut, was sie tut, bis zu einem Erschöpfungspunkt, der möglicherweise bald erreicht ist, oder sie wird eine Bewegung mittlerer Dauer, weil es so großen Spaß macht teilzunehmen.

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Corona: Was passiert, wenn Menschen offen darĂŒber reden?

Alle reden von der zunehmenden Polarisierung in der Diskussion der Corona-Maßnahmen – ZEIT ONLINE tut was dagegen.

FĂŒr die neue Ausgabe des Projekts Deutschland spricht wurden dieses Mal Menschen zusammengebracht, die zu Themen wie Kontaktsperre, Alltagsmasken und der Informationspolitik zu Sars-CoV-2 bzw. Covid-19 unterschiedlicher Meinung sind. Ihre Positionen wurden zuvor per Fragebogen abgefragt, anschließend Diskussionsgegner*innen (oder: Diskussionpartner*innen?) gematcht.

Wie das ausgehen kann, sieht man hier beispielhaft an dem GesprĂ€ch, das mein Kollege Philip Faigle, 40, aus Berlin, mit Suzan Mazumdar, 51, im AllgĂ€u, gefĂŒhrt hat.

Ziemlich spannend, die eigenen Annahmen und Positionen auf diese Weise der PrĂŒfung auszusetzen. Das klappt sogar, wenn man beim GesprĂ€ch nur zuhört.