»Here Comes the Boom«

Here Comes the Boom ist ein Text, den Robert Montgomery bereits 2012 auf Berliner Plakatwände klebte. Ich habe die Arbeit erst jetzt entdeckt – aber macht nix, sie hat ja nichts an Aktualität verloren.

» … an empire you were to conceited to even protect.«

Hier die Website des Künstlers, und hier kann man Here Comes the Boom in Originalgröße kaufen. Günstig ist es nicht, dafür aber so riesig (240 x 360 cm), dass man keine weiteren Bilder mehr braucht. Dieses eine bedeckt eine ganze Wohnzimmerwand. (Ob es zur Couch passt, ist eine andere Frage.)

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Was für ein Jahr! 💥

Zehn der besten Texte aus ZEIT CAMPUS im Jahr 2018

Silvester ist überstanden, die Christbäume liegen am Straßenrand, es ist Zeit für Neues! Wer jetzt noch »Best of 2018«-Listen postet, wird verspottet. Echt? Mir egal. Das vergangene Jahr war ein besonderes, mit vielen tollen Geschichten in ZEIT CAMPUS, dem Magazin, dessen Redaktion ich nun seit fast zwei Jahren leite.

Bevor es richtig losgeht mit 2019, habe ich zehn unserer Reportagen, Interviews, Fotostrecken und Podcasts ausgesucht, die etwas über das vergangene Jahr aussagen. Und die zugleich so zeitlos sind, dass es sich heute noch lohnt, sie zu lesen.

Draußen ist eh nur Nieselregen, Narcos: Mexico macht nicht halb so viel Spaß wie die alten Staffeln, deshalb mein Tipp: Such dir eine Decke, verkriech dich darunter und gönn dir einen Abend mit richtig gutem Magazin-Journalismus.

Hier meine Top Ten (unsortiert):

1) Fangen wir mit den Tiefpunkten des Jahres an: Der HSV steigt ab, und die deutsche Nationalelf fliegt in der WM-Vorrunde raus. Katastrophe! Okay, Spaß. Tatsächlich kann ich mit Fußball nicht so viel anfangen. Das Porträt, das Viola Diem über den Team-Manager des 1. FC Köln geschrieben hat, fand ich trotzdem super. Auch die Kölner haben ihre Fans 2018 enttäuscht, sie stiegen ab. Max Vollmar, der Team-Manager, hat deshalb alle Hände voll zu tun. Denn sein Job ist es, dass im Verein gute Stimmung herrscht: Der Manager für den Vibe.

2) Der Sommer 2018 war einer der heißesten seit Beginn der Wetteraufzeichnungen vor mehr als hundert Jahren. Das ist kein statistischer Ausreißer: Von zehn der wärmsten Jahre waren neun im 21. Jahrhundert. Dass die Erde wärmer wird, ist nicht mehr zu leugnen. Trotzdem war die letzte Klimakonferenz eine Enttäuschung. Eine Klima-Expertin, die trotzdem optimistisch bleibt, ist die Medienökologin Birgit Schneider von der Uni Potsdam. Sie sagte im Interview mit Daniel Erk: Der letzte Sommer hat etwas verändert.

3) Armani, Burberry, Gucci, Versace … nein, das ist keine Textzeile von Miami Yacine, sondern eine Aufzählung jener Luxus-Labels, die keinen Echtpelz mehr in ihrer Mode verwenden wollen. Lange war totes Tier so ziemlich das Edelste, was man sich um den Hals hängen konnte (als ich vor einigen Jahren mit einer Kollegin eine Mode-Professorin interviewte, kam die mit einem toten Fuchs zum Termin). Doch: aus und vorbei! Wir feiern den Ausstieg mit einer großen Modestrecke, die falsches Fell zeigt. Und echtes Fell. Letzteres aber nur an lebenden Tieren: Fake und Flauschig.

4) Was hat der Holocaust mit uns zu tun? Hannes Schrader hat deutsche Muslime auf ihrer Reise nach Auschwitz begleitet. Ihre Großeltern waren keine Nazis, keine Mitläufer und keine Verfolgten. Und doch ist der Holocaust auch ihre Geschichte. Dieser Text erschien nach Kollegahs Echo-Eklat und nach Gaulands »Vogelschiss«-Spruch. Zwei Beispiele, die zeigen, wie schwierig der Umgang mit dem Holocaust heute ist – selbst für nicht migrantische Deutsche. Hannes’ Reportage: Berat fährt nach Auschwitz.

5) Seit zehn Jahren herrscht in Griechenland eine Wirtschaftskrise. Im Sommer 2018 endete das dritte und letzte internationale Rettungsprogramm. »Ihr habt es geschafft!«, twitterte Donald Tusk, der Ratspräsident der Europäischen Union. Happy End? Nein. Die Chancen für junge Griechen sind immer noch schlecht und ungleich verteilt. Davon erzählt Silke Weber in ihrem Porträt zweier Studentinnen: Eleni, 20, aus Athen und Eleni, 20, aus Athen. Die beiden haben viel gemeinsam – und leben doch in unterschiedlichen Welten: Sie kommt klar, sie nicht.

6) Einer der Hashtags des Jahres war für mich #instagramhusbands. Das sind die Typen, die sich mit beiden Händen am Handy krümmen und biegen um im perfekten Winkel ihre hübschen Freundinnen zu fotografieren. Quasi Mensch gewordene Selfiesticks. Es gibt #instagramhusbands aber nicht nur unter Amateur-Instagrammern, sondern auch unter den Profis. Nina Piatscheck hat fünf Paare interviewt, bei denen die Frau jeweils Influencerin ist und der Mann ihr Fotograf. Außerdem haben wir den Spieß umgedreht und die Frauen gebeten, ihre Männer zu fotografieren. Die Interviews und Fotos von Jolie Janine, Fashiioncarpet, Leslie Huhn, Shanti Joan Tan und Leonie (von Consider Cologne) gibt es hier: Er macht die Fotos, sie kriegt die Herzchen.

7) Bin ich rassistisch? Wahrscheinlich. Es ist Zeit, dass wir uns unseren Vorurteilen stellen. Dabei hilft der Fragebogen, den Amna Franzke, Vanessa Vu und Hasan Gökkaya entwickelt haben und der im vergangenen Jahr einige Leute zum Nachdenken gebracht hat. Auch mich: Diese 33 Fragen über Rassismus sollte man sich ehrlich stellen.

8) Es gibt Leute, die quatschen auf Partys unentwegt von ihrem Job. Und es gibt andere, die halten sich mit Geschichten aus ihrem Arbeitsleben lieber zurück. Zum Beispiel Bestatter, Bordell-Betreiber oder Forscher, die Tierversuche machen. Wie sie damit umgehen, dass sich andere vor ihren Berufen ekeln oder sie sogar moralisch falsch finden, erzählten einige dieser Leute unserer Autorin Marie Blöcher: Und was machst du so beruflich?

9) Ärzte, die Abtreibungen durchführen, dürfen das nicht auf ihre Websites schreiben. Denn das gilt als Werbung, und die ist für Abtreibungen verboten. Ist das noch zeitgemäß? Ist das sinnvoll? Darüber wurde im vergangenen Jahr viel diskutiert, inzwischen gibt es ein neues Gesetz. Doch das größere Problem ist, dass offenbar immer weniger Ärzte Schwangerschaftsabbrüche durchführen, dass viele Abtreibungen in Deutschland nicht dem neuesten Stand der Medizin entsprechen – und dass Frauen in Notsituationen dadurch das Leben unnötig schwer gemacht wird. Wie denken junge Ärzte und Medizinstudierende darüber? Marie Gamillscheg berichtet: Moderne Medizin.

10) Vergesst links und rechts, die soziale Konfliktlinie verläuft heute zwischen (großstädtischen) Kosmopoliten und (ländlichen) Traditionalisten. Das war zuletzt öfter zu hören, wenn über Chemnitz diskutiert wurde oder über die französischen Gelbwesten oder über Trump. Oder, oder, oder. Einer, der diese These bekannt gemacht und geprägt hat, ist der Soziologie-Professor Andreas Reckwitz von der Uni Frankfurt (Oder). Ich habe den Soziologen für ZEIT CAMPUS interviewt. Mit unseren Freunden, den Podcastern von detektor.fm, habe ich anschließend über seine Thesen gesprochen (und über meinen Hass auf Craft-Beer). Das kannst du hier anhören.

Und jetzt: Bring it on, 2019! Die nächste gedruckte Ausgabe von ZEIT CAMPUS erscheint am 5. Februar. Wer sich für dieses Jahr ein Abo gönnen möchte: Bitte hier entlang.


Quelle

Hütet euch vor den notgeilen Literaten!

Eine der zentralen Aufgaben des Feuilletons ist es heute, seine Leserinnen und Leser vor dem Sexgequatsche alternder (männlicher, weißer, heterosexueller) Intellektueller zu warnen. Das ergibt eine vergleichende Flächennutzungsanalyse.

Einige Beispiele:

10. Oktober 2018: Ijoma Mangold rezensiert den posthum veröffentlichten autobiografischen Roman Weltpuff Berlin von Rudolf Borchardt in einem ganzseitigen Feuilleton-Aufmacher der ZEIT (»ein Porno«, »grotesk«, »Ist es […] eine Parodie?«).

6. Dezember 2018: Michael Naumann rezensiert die posthum veröffentlichten Tagebücher von Lion Feuchtwanger in einem ganzseitigen Text im Feuilleton der ZEIT (»Unterleibsprotokollant«, »Potenzprotzereien«, »grotesk«).

4. Januar 2018: Hanna Engelmeier befasst sich im Feuilleton der Süddeutschen Zeitung auf einer halben Seite mit dem autobiografischen Roman Endlos leben von Frédéric Beigbeder (»über sein Sexualleben erfährt man viel«, »unerträgliche Sätze«, »peinlich«).

Was ist da los? Wieso ist das so ein großes Thema für die Literaturkritik?

Florian Zinnecker schrieb mir dazu (auf Facebook):

Naja, ist doch klar: Feuilleton bedeutet wörtlich übersetzt Blättchen, und wie wir alle als treue Rezipienten des Alten Testaments und der entsprechenden Darstellungen von Albrecht Dürer und Kollegen wissen, besteht der Job von Blättchen zuvorderst darin, nackte Genitalien zu covern und uns vor ihrem Anblick zu schützen. Es handelt sich also gar nicht um einen Trend, sondern im Gegenteil um Tradition. Der Auftrag kommt, wenn man so will, direkt aus der Kunst.

… und das ist als Erklärung wohl tatsächlich nicht zu schlagen.

Happy New Year!

Please drink responsibly. Oder gleich Gin-Tonic ohne Alkohol.

1751 veröffentlichte der englische Maler William Hogarth seinen Druck „Beer Street and Gin Lane“, der vor den Gefahren des neumodischen Gintrinkens warnte. (Die Bildausschnitte in diesem Blog-Eintrag habe ich von Wikipedia gemopst.)

Damit kein Zweifel daran aufkam, wie schädlich das Gintrinken für das Gemeinwohl ist, fügte Hogarth seinem Druck ein drastisches Detail hinzu: Eine Mutter, der beim Stillen das Baby aus den Armen flutscht und in einen Abgrund stürzt. In ihrem Gin-Suff merkt die Frau das noch nicht mal.

Mit seinem nicht unbedingt subtilen Werk hatte Hogarth Erfolg: Im selben Jahr, in dem sein Druck erschien, verabschiedete das britische Parlament den „Gin Act“, der durch hohe Abgaben den Gin unattraktiver machen sollte. Schließlich waren es vor allem Arme und Arbeiter, die sich des ungeziemten Ginkonsums verdächtig machten. Die sollten halt mehr Tee trinken! Oder, wie William Hogarth in seinem Druck vorschlug: mehr Bier.

(Inzwischen wissen wir: Bier ist keine optimale Alternative in der Schwangerschaft und Stillzeit.)

WeiterlesenHappy New Year!

Die Tragödie von Instagram

Ein Posting der Autorin Kathrin Weßling auf (und über) Instagram gestern:

Ich habe in den letzten Tagen einige Reportagen über Essstörungen gesehen und 2/3 aller Anorexie Patientinnen sagen, dass Instagram sie darin beeinflusst hat. Für mich steht fest, dass ich mir das nicht mehr geben werde und mir die Scheiße nicht mehr antue. Ich brauche eine Pause. […] Außerdem kann ich euch nur darin bestärken, all diesen furchtbaren Leuten nicht mehr zu folgen. Entfolgt GNTM, entfolgt Heidi, entfolgt den ganzen skinny Infkuencerinnen.

Der Journalist David Pfeifer heute in der Süddeutschen Zeitung:

aus einer kreativen Plattform [ist] eine Beliebtheitsbörse [geworden]

Das fasst die Tragödie von Instagram in (etwas weniger als) einem Satz zusammen.

Das Revival der Herrenhandtasche

Der erstaunlichste Konsumtrend des Jahres 2018 war für mich das Revival der Herrenhandtasche. Ich habe darüber für Die Zeit geschrieben (kostenlos lesbar nach Registrierung).

Oben ein paar Fotobelege, die ich in Hamburg gesammelt habe.