Olga Grjasnowa gewinnt den Kühne-Preis 2012 für den besten Debütroman des Jahres: »Der Russe ist einer, der Birken liebt«

Video: Olga Grjasnowa liest aus ihrem Debütroman »Der Russe ist einer, der Birken liebt«

Am Ende ging es schnell: Es dauerte kaum zwei Flaschen Rotwein, bis wir uns bei der Jurysitzung nach dem vierten und letzten Debütantensalon des Harbour Front Literaturfestivals auf die Siegerin des mit 10.000 Euro dotierten Klaus-Michael Kühne-Preis für den besten Debütroman des Jahres 2012 geeinigt hatten.

Olga Grjasnowa bekommt den Preis für ihren fantastischen Roman »Der Russe ist einer, der Birken liebt«. Geehrt wird die Autorin bei der Abschlussgala des Festivals am morgigen Samstagabend im Museum für Hamburgische Geschichte. Kommen Sie zahlreich! Anschließend Häppchen.

Zur Begründung:

Die Autorin hat die Figur einer Dolmetscherin gewählt, um die Kategorie der Nationalität aufzulösen. Ihre Handlung bewegt sich von Baku über Frankfurt/Main nach Israel und Gaza, ohne jemals Gefahr zu laufen, der Nostalgie, dem Folklorismus oder der Wehklage der Exilierten zu erliegen. Die Erzählung wird getragen von Charme und unaufdringlicher Klugheit, obwohl es auch ein Buch über Trauer und Traumata ist. Nachdem es Olga Grjasnowa gelungen ist, mit »Der Russe ist einer, der Birken liebt« ein außerordentlich bemerkenswertes Debüt vorzulegen, soll der Klaus-Michael Kühne-Preis sie bei der Arbeit am nächsten Roman unterstützen.

In der Jury des Klaus-Michael Kühne-Preis engagierten sich in diesem Jahr Thomas Andre (Hamburger Abendblatt), Stephan Draf (Stern), Sebastian Hammelehle (Spiegel Online), Stephan Lohr (NDR) und ich (für Zeit Campus), selbst ein Debütant unter diesen vier gestandenen Literaturkritikern. Die ganze Shortlist, die acht bemerkenswerte Romane umfasst, kann hier eingesehen werden.

Das ist jetzt nur meine persönliche Meinung, aber: Wer Olga Grjasnowas »Der Russe ist einer, der Birken liebt« schon kennt, der möge es am besten gleich noch mal lesen. Oder zu Lisa Kränzlers Debütroman »Export A« greifen. Dieser Roman erzählt vom Erwachsenwerden einer Austauschschülerin in Kanada. Er ist packend, brutal, sprachlich zwar manchmal etwas zu ungebändigt – aber sicherlich der zweitbeste Titel der Shortlist. Auch lesenswert: Andreas Martin Widmanns »Die Glücksparade«, die keineswegs würdelose Geschichte einer Jugend in der »Unterschicht«.

2 Kommentare zu „Olga Grjasnowa gewinnt den Kühne-Preis 2012 für den besten Debütroman des Jahres: »Der Russe ist einer, der Birken liebt«“

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