Wie Marken sterben

Im Februar wurde bekannt, dass American Apparel (eine Klamottenmarke mit guten Basics, fairen Produktionsbedingungen & einem unsympathischen CEO) auf Beschluss des Insolvenzverwalters fast alle deutschen Filialen schließt.

Inzwischen ist auch der Online-Shop in Deutschland nicht mehr zu erreichen. Stattdessen zeigt die Website – in weißer Schrift auf schwarzem Grund – nur einen kurzen Hinweis in broken German (»Wir danken Ihnen für Ihr Geschäft«, »Bitte kontaktieren Sie die folgende Nummer«).

Offenbar steht die Firma so sehr in der Kreide, dass der Insolvenzverwalter ihr selbst für den letzten Gruß an die Kunden einen professionellen Übersetzer versagte und auf die kostenlosen Dienste von Google Translate verwies.

Eine Nummer zu groß für den Anlass, aber: This is the way brands die … not with a bang but a whimper.

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Neues Fotobuch: »State of Nature«

Was macht der Klimawandel mit den Landschaften Europas?

Wä-wä-weltuntergang! Noch knapp drei Wochen läuft die Ausstellung Claudius Schulze – State of Nature in der Freelens-Galerie, Hamburg.

Gezeigt werden Fotos von der Nordseeküste, die von Wellenbrechern zerschnitten wird, eingedeichte Flüsse, Alpenpanoramen voller Lawinenmauern. Europäische Landschaften in Zeiten des Klimawandels.

Außerdem jetzt erhältlich: State of Nature, der opulente Bildband von Claudius Schulze, in dem alle Fotos seiner Arbeit zu sehen sind (Sie hörten davon). Erschienen ist das Buch bei Hartmann Books (hier mehr dazu).

Ich bin großer Fan der Arbeit von Claudius, für sein Buch habe ich einen Essay geschrieben über die Lügen der malerischen Schönheit und die Rückkehr des Erhabenen (hallo, liebe Landlust-Kollegen!). Außerdem schreibt dort Thomas Glade über die Frage, welche Landschaften zu retten sind und welche nicht.

Zur Eröffnung der Freelens-Ausstellung habe ich auch ein paar Worte gesagt und über die Festung Europa gesprochen, einen Kontinent, der sich einrüstet gegen den Klimawandel. Sie können das hier nachlesen.

Das Foto oben zeigt Claudius und mich am Abend der Eröffnung, aufgenommen hat es Lucas Wahl (bei Kollektiv25 / Agentur Focus). Danke, lieber Lucas!

Neu:

ZEIT CAMPUS 4/2017
124 Seiten + zwei Extrahefte
im Kiosk oder hier kaufen

Gestaltung
Cover: Jack Davison (Frau), Nadine Redlich (Wurst) & Friederike Hantel (Hand)
Chefredaktion: Simon Kerbusk & Oskar Piegsa
Art-Direktion: Beate Pietrek
Bildredaktion: Hedi Lusser
Grafik: Beate Zollbrecht, Tanja Laböck, Isabella Hager & Kai Schmitzer

… alle weiteren Credits im Heft.

An unquestioned premise

An unquestioned premise among those who live in American cities with international airports has been, for more than half a century now, that Enlightenment values would in time become conventional wisdom. Some fought for this future to come sooner. Others waited patiently. But nobody seemed to believe that it would never arrive.

– Nathaniel Rich in his foreword to Joan Didion’s book South and West (New York, 2017).

Minderheit / Mehrheit

Die Geschichte der Schwarzen in Amerika ist die Geschichte Amerikas. Es ist keine schöne Geschichte.

&

Die Zukunft der Schwarzen in diesem Land ist genau so hell oder so dunkel wie die Zukunft des Landes.

– James Baldwin, zitiert nach Raoul Pecks Dokumentarfilm I Am Not Your Negro (in der Arte Mediathek, auf iTunes).

Das ist womöglich übertragbar: Probleme einer Minderheit, die von der Mehrheit unterdrückt wird, sind nicht nur die Probleme einer Minderheit.

Termine: Kunst, Revolte & Gender

Busy weeks ahead. Reden wir über … alles.

Zum Beispiel über die Frage:

Ist Männlichkeit giftig? Ist Männlichkeit heilbar? Dazu befrage ich den Autoren Jack Urwin, der gerade mit Boys Don’t Cry für einigen Wirbel sorgt (hier meine Notizen zum Buch). Wir sprechen am Mittwoch, 10. Mai 2017, ab 19:30 Uhr in der W3 in Hamburg-Ottensen. Alle Infos zur Veranstaltung hier.

Brauchen wir ein neues ’68? Zum 50. Jubiläum der Aufstände von 1967/1968  – nach Trump, Brexit und dem europaweiten Rechtsruck – könnte es Zeit sein für eine neue Studentenbewegung. Oder? Martina Kix und ich diskutieren darüber mit Kübra Gümüşay, Diana Kinnert, Knut Nevermann, Rainer Langhans am 13. Mai 2017, ab 20 Uhr im Audimax der Uni Hamburg bei der Langen Nacht der ZEIT. Alle Infos hier.

Was ist natürlich an der Natur? Der Fotograf Claudius Schulze ist fünf Jahre lang mit Kranwagen und Großformatkamera durch Europa gefahren, um für sein Projekt State of Nature Landschaften zu dokumentieren, die nur existieren, weil Menschen sie schützen – vor den Konsequenzen menschlichen Handelns. In der Freelens-Galerie stellt Claudius seine Fotos erstmals in Deutschland aus und ich darf ein paar Worte zur Einführung sagen. Am 8. Juni um 19 Uhr. Alle Infos voilà.

Alle Veranstaltungen sind öffentlich, teilweise werden dazu Kaltgetränke serviert. Seien Sie dabei, wenn Sie mögen.