Ein Dad ist ein Dad ist ein Dad

Was passiert, wenn mÀnnliche edgy Hipster-Filmemacher Kinder kriegen? Sie werden Dad. Es lÀsst sich einfach nicht vermeiden.

»Dad« ist, wie wir spÀtestens seit dem »Dad Bod«, »Dad Hat«, »Dad Shoe« und »Dad Joke« wissen, nicht nur ein Familienstand, sondern eine Àsthetische Kategorie.

Lefty Korine, 12, die Tochter von Harmony Korine (Drehbuchautor von Larry Clarks Kids, Regisseur von Spring Breakers, etc. etc.) im Interview mit Finn Wolfhard:

Wolfhard: What is the best impression you can do of somebody?
Korine: I can do a pretty good impression of my dad, I think.
Wolfhard: What do you do in your impression of Harmony?
Korine: Just lay down and eat food and watch TV.
Wolfhard: [laughs]

Erschienen im amerikanischen Interview-Magazin, Nr. 535 (March 2021), S. 34—35, hier: S. 35.

Wie Yoga aus der Gegenkultur in den Mainstream kam

Es ist noch gar nicht so lange her, da war Yoga in den USA eine BetĂ€tigung eher randstĂ€ndiger Gestalten. Hippies, Sinnsucher*innen und AnhĂ€nger*innen der Gegenkultur entdeckten die Praxis fĂŒr sich, die sie als eine dezidiert spirituelle verstanden, als Teil fernöstlicher Denktraditionen und Lebensformen und als eine Alternative zum westlichen Materialismus. Das war in den spĂ€ten 1970er-, frĂŒhen 1980er-Jahren.

Heute ist Yoga ein Multimillionenmarkt, eine Sache der Konzerne, der von ihnen gekauften Fitness-Influencers und der eifrigen Angestellten, die ihnen folgen. Yoga ist ein Sport — fast niemand sagt heute noch entschuldigend, er mache Yoga, »aber ohne den Esokram«, wie man das vor 10, 15 Jahren noch gelegentlich hörte, denn der »Esokram« ist vom öffentlichen Image Yogas sauber abgeschliffen worden.

Pointiert gesagt ist aus einer Praxis der antikapitalistischen LebensfĂŒhrung eine LeibesertĂŒchtigung fĂŒr den Kapitalismus geworden.

Die Sozialwissenschaftler*innen Kamal Munir, Shazad Ansari und Deborah Brown haben diese Entwicklung nachgezeichnet.

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Eine Begegnung mit Hamburgs umstrittenstem Professor

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Als der Physiker Roland Wiesendanger auf eigene Faust ein Papier im Internet veröffentlichte, in dem er behauptete, das Coronavirus sei in einem chinesischen Labor hergestellt worden, war der Aufschrei groß.

Seine FaktultĂ€t distanzierte sich binnen 24 Stunden, Medien schrieben von »krudem Zeug«, andere Wissenschaftler*innen spotteten ĂŒber ein Konvolut aus »copy and paste«, das als studentische Seminararbeit keinen Bestand haben wĂŒrde.

(Wiesendanger hatte fĂŒr sein Papier ganze Textblöcke aus anderen Veröffentlichungen ĂŒbernommen und neben wissenschaftlichen Studien auch Artikel aus Onlinemedien, YouTube-Videos und einen Wikipedia-Artikel als Belege seiner Thesen angefĂŒhrt.)

Roland Wiesendanger, der als junger Mann jede PrĂŒfung mit Bestnoten bestand und dessen Verdienste im Feld der Nanophysik unbestritten sind, sagt: »Ich habe keine Fehler gemacht« Bald werde die Welt schon sehen.

Wer ist dieser Mann? Und wie kommt er als Physiker zu seiner virologischen Freizeitforschung?

FĂŒr die neue Ausgabe der Hamburg-Seiten der DIE ZEIT habe ich Roland Wiesendanger besucht und mir gemeinsam mit unserer Wissenschaftsautorin Nike Heinen seine Thesen genauer angesehen.

Unser Text ist der Versuch, sein Engagement zu wĂŒrdigen, ohne seinen dunkel schillernden Spekulationen (SARS-CoV-2 ist eine Biowaffe! Etc.) auf den Leim zu gehen.

Ab heute in der gedruckten ZEIT (in und um Hamburg), bundesweit in E-Paper und App sowie hier auf ZEIT ONLINE (Aboschranke). Das PortrÀtfoto von Roland Wiesendanger hat Jewgeni Roppel aufgenommen.

Tocotronic vs. Christian Kracht

Ich erwarte die große akademische Studie zu den Parallelen in Leben und Werk von Tocotronic und Christian Kracht (meinetwegen auch noch: im Kontext der deutschen Kulturgeschichte nach 1989).

Weil: Beide wurden 1995 bekannt, Tocotronic mit Digital ist besser, Kracht mit Faserland. Beide wirkten neu und schroff und ungestĂŒm, mit einer Sprache dicht am MĂŒndlichen. Beide schienen Identifikationsangebote zu machen, jedenfalls wurde das dankbar so angenommen. Beide hatten Style! (OK, einen sehr unterschiedlichen. Diese Parallele ist vielleicht die schwĂ€chste.)

Ein paar Jahre ging das gut so, sehr gut sogar. Dann: Kehrtwende. Flucht ins GekĂŒnstelte, VerrĂ€tselte. »Eines ist doch sicher, eins zu eins ist jetzt vorbei.« (Tocotronic, »Weißes Album«, 2002, bei Kracht vielleicht ein schleichenderer Prozess, der sich rĂŒckblickend mit 1979, 2001, andeutete und unĂŒbersehbar wurde erst mit Imperium, 2012). Statt vermeintlicher AuthentizitĂ€t jetzt Manierismen. Oder Thomasmannierismen (Pardon!).

Verwirrte, sogar gekrĂ€nkte Fans der ersten Stunde. Große Fragen: Ist der jetzt Nazi? Sind die jetzt eine Band, die man zum Brunchen hören muss?

Doch die meisten AnhĂ€nger*innen, inzwischen zu Geld gekommen (wars das Germanistikstudium? Oder eher das Erbe?), altern mit den KĂŒnstlern, rennen weiter zu den Konzerten, kaufen die BĂŒcher, haben Meinungen und inzwischen auch einflussreiche Positionen im Feuilleton. Momente grĂ¶ĂŸten Erfolges fĂŒr beide, Tocotronic wie Kracht.

Jetzt allerdings auch der Moment grĂ¶ĂŸter Gefahr. Denn die JĂŒngeren kapieren’s nicht mehr und die Älteren kapierten’s noch nie. Ist das nicht völlig öder Kram, von Mittelschichtjungs fĂŒr Mittelschichtjungs, fĂŒr so dudes halt ohne Ahnung von der real world und von den realen struggles — und ist diese ewige Ironie wirklich eine Haltung, die man heute noch zur Welt einnehmen will oder kann?

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Eine Studie zeigt die Geschichte pĂ€dosexueller Gruppen seit 1970

Die Soziologin Eva Illouz sagte mal, statt von einer »sexuellen Revolution« in der Zeit um 1968 solle man lieber von einer »Deregulierung der SexualitÀt« sprechen. Diese habe viele moralische und religiöse Vorschriften durch eine einzige ersetzt, nÀmlich die der Zustimmung:

»Man darf alles tun, was man will, solange die Person, mit der man es tut, darin einwilligt.«

Das ist nicht nur eine Befreiung des Sexuellen, es kann auch eine Befreiung vom Sexuellen bedeuten. Die Schriftstellerin Virginie Despentes (*1969) schreibt in ihrem Buch King Kong Theorie:

»Die Frauen meines Alters sind die ersten, die ein Leben ohne Sex fĂŒhren können, ohne ĂŒber das Spielfeld â€șKlosterâ€č zu gehen. Die Zwangsehe ist heute schockierend. Die â€șeheliche Pflichtâ€č ist keine SelbstverstĂ€ndlichkeit mehr.«

Aber die Deregulierung der SexualitĂ€t brachte auch neue Konflikte mit sich. Etwa die Frage, was als Zustimmung gilt. Und auch, wer ĂŒberhaupt zustimmungsfĂ€hig ist.

Vergangene Woche veröffentlichte die vom Bundestag gegrĂŒndete Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs eine Studie ĂŒber pĂ€dosexuelle Netzwerke. Ihre Autor*innen Iris Hax und Sven Reiß beleuchten das SelbstverstĂ€ndnis von pĂ€dosexuellen Gruppen in Westberlin (und zum Teil auch in der BRD), ihre Organisationsformen und ihre Geschichte. Grundlage dafĂŒr sind vor allem Dokumente, die diese Gruppen selbst veröffentlicht haben.

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Ein Bestiarium der Ratgeber-Literatur

dav

Vor neun Jahren, als ich Redakteur von ZEIT CAMPUS wurde, begann ich, eine Bibliothek des Bullshits anzulegen.

DafĂŒr klaubten eine Kollegin und ich Karriere- und Management-Ratgeber zusammen, aus den Programmvorschauen der Verlage und aus Online-Antiquariaten.

Es gab verschiedene Sammlungsgebiete. Eines lautete Â»Ăœberlebenstipps von untergegangenen Zivilisationen«. Hier fanden sich unter anderem die BĂŒcher Albert StĂ€hlis, die Titel trugen wie Maya Management: Lernen von einer Elitekultur oder Inka Government: Eine Elite verwaltet ihre Welt.

Ein weiterer Stapel hieß »… fĂŒr Manager«. Sie wissen schon: Jesus fĂŒr Manager, Buddha fĂŒr Manager, so was. (Marx fĂŒr Manager scheint leider dauerhaft vergriffen zu sein.)

Der grĂ¶ĂŸte Stapel aber war der mit den Tiermetaphern. Hier fand sich der Klassiker von Spencer Johnson aus dem Jahr 1998: Die MĂ€use-Strategie fĂŒr Manager. Daneben: Die BĂ€ren-Strategie (2007), Die Schaf-Strategie (2012), Der Ferkel-Faktor (2008), Das Pinguin-Prinzip (2017) und viele mehr.

Im vergangenen Jahr verließ ich die Redaktion und wechselte zur ZEIT. Was sollte aus den BĂŒchern werden? Altpapier? Wir mussten was tun. Weiterlesen „Ein Bestiarium der Ratgeber-Literatur“

Gewinne, Gewinne, Gewinne! đŸ†

Ich freue mich sehr ĂŒber den zweiten Platz beim Medienpreis Mittelstand Nord+Ost fĂŒr meinen Artikel ĂŒber Berufseinsteiger*innen in der Corona-Krise, erschienen im Hamburg-Ressort der ZEIT.

Und ich freue mich fast noch ein bisschen mehr darĂŒber, dass der Autor Moritz Herrmann den ersten Platz belegt hat, mit seinem PortrĂ€t eines SUV-HĂ€ndlers in Hamburch-WellingsbĂŒttel, ebenfalls im Hamburg-Ressort der ZEIT erschienen. Go team! ✌

GlĂŒckwunsch auch an alle weiteren PreistrĂ€ger*innen in den Kategorien Print, TV und Hörfunk!

Wenn Eltern »ins Internet gehen«

Mehr als 80 Prozent aller Eltern gehen mit ihren zwei bis sechs Jahre alten Kindern nach eigenen Angaben nicht tÀglich, nicht mehrmals pro Woche, nicht ein- bis zweimal pro Monat, sondern nie ins Internet.

Das ergab eine Befragung des Deutschen Jugendinstituts (zitiert im Bundesbildungsbericht 2020 auf Seite 72, PDF-Version hier).

Daraus ergeben sich fĂŒr mich zwei Fragen:
1) Mache ich was falsch? 😳
2) Woher beziehen diese Eltern ihre BĂŒgelperlen-Vorlagen? (Mal ganz zu schweigen von Deine Freunde-Videos auf YouTube und Eule findet den Beat auf Spotify und und und.)

Keine Ahnung, ob das Soziale ErwĂŒnschtheit ist – oder ob Eltern glauben, sie seien nur dann im Internet, wenn man dafĂŒr vorher http://www.gmx.de eintippen muss.

Schulen und Corona: Was war wann bekannt?

Meine Kollegin Nike Heinen ist freie Wissenschaftsjournalistin. Seit die Entdeckung eines neuen SARS-Virus in Wuhan bekannt wurde, berichtet sie de facto ĂŒber nichts anderes mehr.

Ich kam als Bildungsredakteur einige Monate spĂ€ter zum selben Thema — als das besagte Virus den Schulbetrieb in Hamburg lahmlegte.

Jetzt haben wir uns zusammengetan und uns gemeinsam durch die Studien, die Schutzverordnungen und die politischen BeschlĂŒsse der vergangenen zwölf Monate gearbeitet. Wir wollten — mit etwas Abstand, aber natĂŒrlich noch mitten in der Pandemie — die Diskussion um die Schulen nachvollziehen und um die politische Frage: Schließen oder öffnen?

Also: Was war wann ĂŒber die Verbreitung des Virus bekannt? Und wie wurde dann entschieden? Nachzulesen ist das hier auf ZEIT ONLINE fĂŒr Abonnent*innen (und alle, die das noch werden wollen).

Ein neues Interview mit Hamburgs Schulsenator Ties Rabe (SPD) gibt es – ebenfalls fĂŒr Abonnent*innen – hier.

Enjoy! đŸ˜·

»Super Mario Bros«: Pixel? Perlen!

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Das Kind und ich sind in QuarantĂ€ne. Was kann man da machen? »BĂŒgelperlen!«, sagte das Kind. Diese Idee erwies sich als tragfĂ€hig.

Jedenfalls haben wir in den vergangenen Tagen doch recht glĂŒckliche Stunden damit verbracht, drinnen zu hocken und bunte Plastikteilchen auf die Nupsis des Steckbretts zu fummeln.

Ich selbst hatte frĂŒher nie BĂŒgelperlen, aber grob gerasterte Bilder spielten auch in meiner Jugend eine Rolle, also haben wir angefangen, meine Kindheitshelden zu stecken und zu bĂŒgeln.

Dann haben wir noch Super Mario Bros. mit Emulator auf dem Laptop gespielt und uns Speedruns auf YouTube angeschaut. Keine Ahnung, ob das pĂ€dagogisch wertvoll ist, aber wir kriegen die Zeit gut rum. ✌

dav

P.S.: Falls hier Super Mario-Geeks mitlesen – schon klar, dass der Pilz und die Kröte eher nach Super Mario World aussehen als nach Super Mario Bros. Aber dafĂŒr ist der Mario super authentisch im NES-Style!