Analoge Wildnis in der digitalen Wüste

Der Philosoph Christoph Quarch imaginiert die Stadt als letzten Rückzugsort

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Die Zivilisation begann damit, dass unsere Vorfahren eine Lichtung in den Wald schlugen. So trennten sie die rohe Natur des Waldes von einer zweiten Sphäre und wurden durch diesen Akt der (Selbst-) Schöpfung von Wilden zu Kulturmenschen.

So beschreibt es der Philosoph Christoph Quarch, der in der Süddeutschen Zeitung eine (sehr kurze) Kulturgeschichte des Waldes veröffentlicht hat. Sie ist hier zu lesen. Die Metapher von Wald und Lichtung hat sich Quarch dabei von seinem Kollegen Giambattista Vico (1668–1744) ausgeliehen. Er schreibt sie fort, indem er den Einbruch des Digitalen in die stoffliche Welt als Entstehen einer »neuen Lichtung« beschreibt.

In der Beschreibung von Vico war es ein Blitz, der in die Dunkelheit des Waldes brach und unsere Vorfahren darauf aufmerksam machte, dass es ein Außerhalb des Waldes geben muss. Sie begannen, Lichtungen zu schlagen, Hütten und Städte zu bauen.

Laut Christoph Quarch erleuchtet uns nun ein neuer Blitz und weist uns den Weg ins Neue, Helle, Offene: das blau-weiße Glimmen unserer Displays.

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10 Ideen, wie ihr Print hacken könnt

Spielen mit Magazindesign: Ein Auzug aus meiner Keynote auf dem Jugendmedienkongress 2019

Viele Printmagazine sehen gleich aus. Das muss nicht sein. ☝️ 10 Ideen, wie man Print hacken kann, habe ich am vergangenen Samstag in meiner Keynote auf dem Jugendmedienkongress 2019 in Hamburg vorgestellt. Alle mit Gestaltungsbeispielen von Magazinen, deren Redaktionen etwas anders machen als die meisten anderen.

Für alle, die das interessiert und die an der harten Tür der Jungen Presse Hamburg gescheitert sind (Leute über zwanzig waren im Publikum ziemlich streng verboten) gibt es hier meine Slides (ohne Ton-Spur):

Anfangs zeige ich vor allem Beispiele aus ZEIT CAMPUS (nicht, weil wir die Geilsten sind, sondern weil ich dieses Magazin als sein Chefredakteur besonders gut kenne).

Später auch andere Titel (weil sie die Geilsten sind), zum Beispiel The Last Magazine, mono.kultur, Magazine B, The California Sunday Magazine & Du.

Es gibt natürlich noch viele weitere Magazine, die nicht wie alle anderen aussehen. Aber ich durfte nur 20 Minuten reden …

❤️ an alle AutorInnen, FotografInnen und andere Menschen, deren Arbeit ich hier zeige, insbesondere an die Gestalterinnen von ZEIT CAMPUS: Artdirektorin Beate Pietrek, Grafikerin Beate Zollbrecht & Bildredakteurin Hedi Lusser.

Die Beispiele verdanke ich unter anderem Coffee Table Mags & Martina Kix & Daniel Erk & Indiemags / Indiecon. Merci!

Das Foto dieses Blog-Postings zeigt mich während eines Workshops im Anschluss an meine Keynote. Es wurde aufgenommen von Jonas Walzberg. Vielen Dank!

Wie toll ist bitte Beatswap?!

Wie toll ist bitte das seltsame neue Netzphänomen Beatswap? Endlich kann man totgenudelte Mainstream-Songs wieder hören – ganz ohne Ohrwurmgefahr. Und die Lyrics klingen auf einmal auch total interessant.

via Merkur

Sind Eltern solidarischer als Kinderlose?

Über das Buch Zusammenleben von Leander Scholz

Geht ein Philosoph in Elternzeit. Was kommt raus? Ein Buch, klar. Und ein hoffentlich unbeschädigtes Kind. Zum Zustand des Kindes von Leander Scholz kann ich nichts sagen. Aber sein Buch Zusammenleben: Über Kinder und Politik habe ich gerne und mit Gewinn gelesen.

Zusammenleben ist ein schlankes Werk (es umfasst knapp 150 Seiten), aber fast anstrengend dicht geschrieben. Das Buch besteht aus drei verwobenen Teilen: Der prominenteste und den Stoff strukturierende Erzählstrang ist eine Autobiografie zu Leben, Vaterschaft und der eigenen Kindheit des Autoren. Außerdem erzählt er in Blitzlichtern eine Kulturgeschichte der Familie von der athenischen Demokratie bis heute. Und drittens führt Scholz beides zusammen in Richtung einer (politischen) Theorie der Elternschaft.

Sich den Bedürfnissen und Launen eines Babys zu unterwerfen, ist eine Erfahrung, die schon Millionen Menschen vor Scholz gemacht haben. Vor allem Millionen Frauen. Trotzdem fehle ein philosophisches Vokabular der Fürsorge bzw. der Care-Arbeit, schreibt der Autor. Philosophinnen und Philosophen interessierten sich nicht für das Ich, das sein eigenes Wohl für ein anderes Wohl zurückstellt.

Leander Scholz ist Arbeiterkind, Akademiker, Sozialdemokrat und war lange (wie wir alle) vor allem mit sich selbst beschäftigt. Seine anderthalbjährige Elternzeit erlebte er offenbar als Verunsicherung, Belastungsprobe und als Bereicherung.

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Greta Thunberg und die kindischen Erwachsenen

Es scheint eine besondere Provokation zu sein, wenn sich Kinder und Teenager politisch äußern. Manche Erwachsene reizt das offenbar derartig, dass sie die Fassung verlieren – und jene Reife und höhere Einsicht, die sie den Jüngeren absprechen. Sexualisierte Beschimpfungen, Bestrafungsphantasien, Drohungen, Übergriffe: Selbst wenn man die Ziele der Bewegung um Greta Thunberg nicht teilt und Schulstreiks für zweifelhaft oder unangebracht hält, müssen einen solche Reaktionen schockieren.

Tobias Rüther heute in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (Link zum Volltext)

Stealing art for love

Stealing art for money, he says, is stupid. Money can be made with far less risk. But stealing for love, Breitwieser knows, is ecstatic.

Der Reporter Michael Finkel erzählt die Geschichte von Stéphane Breitwieser, einem notorischen Kunstdieb, der Werke von Dürer und Cranach dem Jüngeren aus Museen in verschiedenen europäischen Ländern stahl. Nicht, um sie zu verkaufen, sondern aus Liebe, wie er sagt.

Eine Love Story ohne Happy End: hier lesen.

[via Next Draft]

»Vampires of the Silicon Valley«

US-Arzneimittelbehörde warnt: Blut trinken macht gar nicht unsterblich

Es ist 2019 und die Grenze zwischen Realität und Fiktion ist porös: Computer werden intelligent wie HAL 9000, in den Straßen deutscher Städte gehen Cyborgs spazieren und unweit des Silicon Valleys wurden sogar Vampire gesichtet.

Es ist eine zunehmende – und weitgehend unregulierte – Einwanderung fantastischer Figuren in die außerliterarische Wirklichkeit festzustellen. Und niemand tut was dagegen! OK, fast niemand. Denn im Fall der Vampire schaltete sich jetzt die Food and Drug Administration (FDA) ein, die amerikanische Behörde für Lebens- und Arzneimittelsicherheit.

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