Das verschwundene Bild

Von allen Ausstellungen dieses Jahres war Werner B├╝ttners Last Lecture Show in der Hamburger Kunsthalle mir eine der liebsten.

Jetzt wurde dort ÔÇô fast unbemerkt ÔÇô ein Gem├Ąlde abgeh├Ąngt. Bei einem der Schl├╝sselbilder der Ausstellung handele es sich um ein Plagiat, behauptet ein fr├╝herer Sch├╝ler des K├╝nstlers.

Ich berichte dar├╝ber auf ZEIT ONLINE (frei lesbar).

Nachtrag, 15. Dezember: Das Kunstmagazin Monopol greift den Vorgang auf (14.12.), das Hamburger Abendblatt ebenfalls (Ausgabe vom 15.12., online mit Abo-Schranke).

Zweiter Nachtrag, 21. Dezember: Heute berichtet auch der NDR Rundfunk. Hier zum Anh├Âren (etwa ab Minute 12:20) sowie hier zum Lesen.

Bagger im Bahnhof

Katjaaufleger

In einer schmuddeligen Bahnhofshalle schl├╝pfst Du durch eine Seitent├╝r und gelangst in einen pr├Ąchtigen Saal: Tageslicht f├Ąllt durch die hohen Fenster, Stuck h├Ąngt unter der Decke, kein anderer Besucher ist weit und breit zu sehen.

Und w├Ąhrend Du noch da stehst, ganz bezaubert, und Dich fast f├╝r Harry Potter h├Ąltst, neigt sich dieser riesige Greifarm in der Mitte des Raumes zu Dir und spendet Dir sp├Âttisch scheppernd Applaus.

Das, meine Damen und Herren, ist unheimlich.

(Au├čerdem ist es eine neue Arbeit von Katja Aufleger, die gerade im Kunstverein Harburger Bahnhof gezeigt wird, in der Ausstellung I’m Angry, Just Not Sure About What. Noch bis 13. Februar, ge├Âffnet mittwochs bis sonntags, 14 bis 18 Uhr, Eintritt frei, 2G.)

Lars Eidinger & Stefan Marx & Alte Meister

stefanmarx

F├╝r ihre Ausstellung Klasse Gesellschaft: Alltag im Blick niederl├Ąndischer Meister in der Hamburger Kunsthalle hat die Kuratorin Sandra Pisot etwas Neues ausprobiert.

Zwischen Gem├Ąlde aus dem 17. Jahrhundert h├Ąngt sie Werke, die teils erst in diesem Jahr entstanden sind. Neben Fotografien von Lars Eidinger sind das Arbeiten von Stefan Marx, gro├čformatige S├Ątze aus E-Mails (┬╗Pardon my late response┬ź) oder Songtexten (┬╗I’ll be your mirror┬ź), deren nerv├Âse Comicbuchstaben zu flirren und vibrieren scheinen.

Weiterlesen „Lars Eidinger & Stefan Marx & Alte Meister“

Die T├╝cken der Digitalkunst

lifeforms-kunstverein

Sie sehen hier Lifeforms (2021), eine k├╝nstlerische Arbeit von Sarah Friend, die unter anderem aus einem Smartphone besteht, das mal wieder ein Update vertragen k├Ânnte.

Solche Aussetzer ziehen sich durch die Gruppen-Ausstellung Proof of Stake, die noch dieses Wochenende im Kunstverein in Hamburg zu sehen ist. Die Arbeit Air Rights von Agnieszka Kurant war heute bereits abgebaut, weil sie, wie ein Aushang informierte, ┬╗derzeit in technischer Wartung┬ź sei.

Dann ist da noch eine zentrale Installation, die nur so halb funktioniert: Die Kurator*innen Bettina Steinbr├╝gge und Simon Denny haben verschiedene Gegenst├Ąnde gesammelt, deren Bedeutung sich durch beigef├╝gte QR-Codes erschlie├čen soll ÔÇö die f├╝hren allerdings alle blo├č zu Fehlermeldungen.

Digitale Kunst ist offenbar besonders fehleranf├Ąllig und wartungsintensiv, auf einmal br├Ąuchten Ausstellungsr├Ąume nicht nur Aufpasser (die gibt es hier, denn niemand soll die Smartphones klauen), sondern auch einen IT-Support, aber wer soll den bezahlen?

Sarah Friend hat das alles klugerweise schon antizipiert: ┬╗A system requires gentle support and maintenance┬ź, hei├čt es auf ihrem Handyscreen.

(Wom├Âglich ist es aber auch einfach das Konzept und die Kunstwerke reflektieren ihre Materialit├Ąt und den institutionellen Kontext? Oder so.)

Besuch bei B├╝ttner (mit Meese & Richter)

werner-buettner-jonathan-meese-daniel-richter

Ich (Foto links) war mit den K├╝nstlern Jonathan Meese (ebenfalls Foto links) und Daniel Richter (Foto rechts) in der Hamburger Kunsthalle, um Gem├Ąlde von Werner B├╝ttner anzusehen (ebenfalls Foto rechts), der einst der Kunstprofessor der beiden an der Hochschule f├╝r bildende K├╝nste Hamburg war und jetzt in den Ruhestand geht.

Die Ausstellung von Werner B├╝ttner hei├čt Last Lecture Show. Ich kann den Besuch sehr empfehlen, notfalls auch ohne Meese und Richter: Selten bin ich so gut gelaunt aus einer Kunsstaustellung gekommen, die aber v├Âllig deprimierend ist.

Mein Artikel ├╝ber die Ausstellung und den Besuch mit Meese und B├╝ttner sowie ihre Erinnerungen an das Kunststudium: hier.

PS: Der Esel nennt sich immer zuerst, normal!

Credits: Das linke Foto hat Petra Bassen aufgenommen, das rechte Foto Hanna Lenz f├╝r DIE ZEIT / VG Bild-Kunst, Bonn 2021. Merci! ÔŁĄ

Das Bilderr├Ątsel Mnemosyne

Aby Warburg sollte eine angesehene Privatbank erben, traf aber die weise Entscheidung, lieber Kunsthistoriker zu werden. Guter Typ.

Jetzt ist Aby Warburgs lange verschollen geglaubtes Sp├Ątwerk, der Bilderatlas Mnemosyne,┬áin Hamburg-Harburg in der Sammlung Falckenberg zu sehen.

Mein Text zu Warburg, seinem Bilderatlas und der einigerma├čen unglaublichen Geschichte von dessen Rekonstruktion gibt es jetzt auf ZEIT ONLINE (f├╝r Leute mit Abo).

YASO: Die Spuren eines Spr├╝hers in Ottensen

YASO, Gro├če Rainstra├če, Hamburg (April 2019)
YASO, Gro├če Rainstra├če, Hamburg (April 2019)

Manche Leute sagen, dass Ger├╝che eine besondere Kraft haben, Erinnerungen zu wecken. Oder Melodien, die man lange nicht mehr geh├Ârt hat. Das ist bestimmt alles wahr. Aber f├╝r mich gibt es noch etwas, das Erinnerungen triggert: Stra├čenecken.

Mitte der Nullerjahre zog ich ÔÇô eher widerwillig ÔÇô nach Hamburg und fing hier ein Studium an. Auf der Reeperbahn standen damals noch Koberer (┬╗Sssss-tehn geblieben, Freunde des Sexualsports!┬ź). In Ottensen gab es noch Bunker und Brachland. Und f├╝r das Geld, das man heute f├╝r eine Eigentumswohnung zahlen muss, h├Ątte man damals drei bekommen. OK, ich ├╝bertreibe: zweieinhalb.

Es ist nicht lange her, aber einige Sachen sind unwiderbringlich verloren. Zum Beispiel Buchstaben, die auf W├Ąnden standen. Damals sind mir zwei Graffiti-Pieces aufgefallen, an denen ich fast t├Ąglich vorbeikam und die sich in mein Ged├Ąchtnis eingebrannt haben.

Weiterlesen „YASO: Die Spuren eines Spr├╝hers in Ottensen“

Eine Galerist zeigt Kunst, die er auf eBay gekauft hat

Der New Yorker Galerist Mitchell Algus zeigt in seiner Ausstellung Acquired on eBay (and from other surrogate sources) historische Arbeiten zumeist vergessener K├╝nstler*innen, die er ÔÇô genau! ÔÇô auf eBay gekauft hat.

Wer es dieses Wochenende nach New York schafft, kann sich die Ausstellung noch ansehen, alle anderen k├Ânnen sich ÔÇô wie ich ÔÇô aus der Ferne ├╝ber diese h├╝bsche Idee freuen, der ich einige Zeilen dr├╝ben bei piqd widme.