Andrea Berg ♥ Horst Seehofer

… darüber hinaus haben sie sich leider nichts zu sagen

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Heute in der Bild am Sonntag: Schlagersängerin Andrea Berg interviewt CSU-Chef Horst Seehofer. Gute Idee!

Nicht nur, weil sich da zwei Kenner der Gefühlslagen des Deutschlands außerhalb urbaner / intellektueller Filterblasen treffen. Es begegnen sich hier auch zwei ewige Zweitplatzierte, die ein ähnliches Problem haben: Sie kommen einfach nicht raus aus dem Schatten ihrer jüngeren Chefinnen (Angela Merkel, Helene Fischer). Es hätte also spannend werden können.

Doch dann beginnt Andrea Berg ihr Interview so:

Wissen Sie, ich habe im Vorfeld viele Leute gefragt, wie Sie denn eigentlich wirklich sind! Und viele haben gesagt, dass sie ein richtiger bayerischer Haudegen sind. Und da dachte ich: Wenn der also wirklich ’nen Arsch in der Hose hat und sagt, was er denkt, dann ist das schon mal ein guter Anfang! Everybody’s Darling sind Sie eher nicht, oder?

Da stimmt Horst Seehofer gerne zu. Und revanchiert sich für das Kompliment ein, zwei Antworten später:

Deshalb sind Ihre Liedtexte auch so gut, Frau Berg! Weil sie das wirkliche Leben widerspiegeln. All Ihre Worte sind in irgendeiner Weise von den Menschen schon einmal erlebt worden. Und dazu sollte man sich auch einmal offen bekennen.

Es passiert also leider genau das, was es oft so grausam macht, heimlich / versehentlich erste Dates zu belauschen: Menschen, die nichts wollen, außer einander zu gefallen, führen einfach keine interessanten Gespräche.

Das ganze Interview gibt es auch online (hinter der Paywall).

Wenn der Atomkrieg kommt,

wird alles besser. Dann steigt aus den Trümmern der alten Gesellschaft die sozialistische Weltrepublik. Weil die Arbeiterklasse sich mit den Aliens verbündet.

So sah es in den 1960er und 1970er Jahren der argentinische Trotzkist J. Posadas, dessen Ideen erfreulicherweise nie Anwendung fanden – außer in Star Trek.

Mehr dazu in diesem Essay über Science-Fiction und revolutionären Sozialismus, den der Autor A.M. Gittlitz für die New York Times geschrieben hat.

Anti-Trump. Ein Best of

Was US-Medien über den nächsten Präsidenten schreiben

Trump is not a man of ideas. He is a demagogue, a xenophobe, a sexist, a know-nothing, and a liar. He is spectacularly unfit for office, and voters—the statesmen and thinkers of the ballot box—should act in defense of American democracy and elect his opponent.

Aus der Zeitschrift The Atlantic, die eine Wahlempfehlung für Hillary Clinton aussprach. Der ganze Text hier.

This year, the choice isn’t between two capable major party nominees who happen to have significant ideological differences. This year, one of the candidates — Republican nominee Donald Trump — is […] unfit for the presidency.

Aus der Tageszeitung USA Today, die grundsätzlich keine Wahlempfehlungen ausspricht, die in diesem Jahr aber dringend von der Wahl Donald Trumps abriet. Der ganze Text hier.

Nothing anyone could reveal about Trump could get me to change my opinion that he’s an asshole. And not a „yeah, but he’s our asshole“ kind but rather a cartoon villain, a fake, a cheat, a liar, a creep, a bullying, bragging, bullshitting, blowhard kind of asshole.

Aus der Zeitschrift Esquire. Der Autor, Mark Salter, war Redenschreiber des früheren republikanischen Präsidentschaftskandidaten John McCain. Esquire druckte den Text auf der ersten Seite der Ausgabe, deren Titelseite ein Foto von Trump zusammen mit der Zeile „Hater in Chief“ zeigte. Der ganze Text hier.

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Protestsongs 2016: eine Liste

Das Jahr 2016 ist das Jahr des Protestsong-Revivals. Es ist schon viel geschrieben worden über die Beiträge von Beyoncé, PJ Harvey & Anohni (Ex-Antony and the Johnsons). Dazu an dieser Stelle nicht noch mehr.

Interessanter als die Entwicklung in England oder den USA finde ich ohnehin, dass auch hierzulande Pop-Musiker die Tradition des Protestsongs fortschreiben. Das ist keine Selbstverständlichkeit. Das Erbe der deutschen Liedermacher und Politrocker ist eine eher ambivalente Angelegenheit. Ich meine: Unsere Nina Simone heißt Nena. Unser Woody Guthrie heißt Ernst Busch und schrieb peinliche Deppensongs. Ganz zu schweigen von Joseph Beuys.

Dennoch sind 2016 von mehr oder weniger etablierten Künstlern immer wieder sind neue, mit ausdrücklich politischer Intention geschriebene Songs veröffentlicht worden. Dabei geht es nicht oder nicht nur um das Sprechen aus marginalisierten sozialen Positionen (so wie es etwa die Opfer von Rassismus im HipHop tun) oder um eher diffus politische Lebensführungsfragen (etwa: Bejahung des Rauschs oder soziale Verweigerung).

Stattdessen nehmen deutschsprachige Pop-Musiker Bezug auf aktuelle Ereignisse und intervenieren in laufenden Debatten. Und zwar mit so vielen einzelnen Songs wie seit der durch zahlreiche Protestsongs begleiteten letzten amerikanischen Irak-Invasion nicht mehr.

Damit ist über die Qualität der politischen Analysen und der künstlerischen Darbietungen noch nichts gesagt (eher Nena oder Nina? Guthrie oder Busch?), aber mir geht es in einem ersten Schritt darum, das Phänomen quantitativ zu erfassen.

Um den Überblick nicht gänzlich zu verlieren, habe ich hier eine Liste begonnen, die in den kommenden Monaten sicher noch wachsen wird.

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Frontex kann man jetzt studieren: Im neuen Master für Grenzschützer

Frontex schickt die Führungskräfte von europäischen Grenzschutzeinheiten seit Neuestem gemeinsam ins Studium (Joint Master’s in Strategic Border Management, heißt das).

Neulich waren die Frontex-Studenten zum zweiten Modul in Amsterdam, da ging es um Ethik und Grundrechte. Sie hörten Vorlesungen über Kant, aßen Frittiertes in der Mensa – und diskutierten mit Zekerias Kebraeb, einem Flüchtling aus Eritrea. Claudius und ich haben uns das mal angesehen, als erste Journalisten zu Gast in dem Programm. Unser Bericht: ab heute in Die Zeit (Ausgabe 48 vom 26. November 2015, Seite 81-82).

Nach dem Umbruch: Einige (teils unveröffentlichte) Fotos zum Studiengang. Alle Fotos (c) Claudius Schulze

[Nachtrag, 10.12.2005] Der Text ist jetzt auch kostenlos auf Zeit Online zu lesen. Klicken Sie dafür bitte hier.

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Wird das Töten durch Drohnen zum Computerspiel? Nein, schreibt der Journalist Chris Woods

Durch Drohnen wird das Töten zum Computerspiel – unverbindlich und routiniert. Das ist eine gängige Annahme. Aber sie stimmt nicht, sagt Chris Woods, der als investigativer Journalist zum Drohnenkriege recherchierte und für sein Buch Sudden Justice Militärs, Drohnenpiloten und Geheimdienstlern zu ihrer Tätigkeit befragt hat.

Woods behauptet, es gäbe eine »Intimität des ferngesteuerten Tötens«, das Töten falle Drohnenpiloten mitunter schwerer als anderen Soldaten. Wie er darauf kommt, habe ich ihn gefragt – im Interview auf Spiegel Online.

Roboter klauen Deinen Job? Gut so! Warum die Automatisierung eine Chance ist – und eine politische Aufgabe

In einem Essay in der aktuellen New York Review of Books, der auch kostenlos online zu lesen ist, plädiert Sue Halpern dafür, die Robotik nicht allein den Roboterforschern zu überlassen.

Denn: Die Automatisierung der Arbeit durch Roboter und Algorithmen betreffe nicht nur jene, die sie vorantreiben und die am meisten von ihr profitieren (nämlich finanziell) sondern auch alle, deren Jobs von ihr überflüssig gemacht werden könnten. Halpern verweist unter anderem auf The Future of Employment, eine Studie, derzufolge in den kommenden zwanzig Jahren ein großer Teil menschlicher Arbeit(splätze) überflüssig werden könnte.

(Nebenbemerkung: Die Süddeutsche hat einen recht lustigen Selbsttest dazu veröffentlicht: Wie wahrscheinlich ist es, dass ich durch einen Computer ersetzt werde?)

Sue Halpern hält die Automatisierungs-Lobby offenbar für wenig umsichtig, was diese Probleme angeht. Sie zitiert aus dem offenen Brief zu den Vorzügen und Gefahren der Künstlichen Intelligenz, den eine Reihe von Forschern und Investoren im Januar unterzeichnet haben (darunter auch der Philosoph Nick Bostrom, dessen Buch zum Thema ich für Spiegel Online rezensiert und den ich für die aktuelle Ausgabe von Zeit Campus interviewt habe).

Halpern schreibt über diesen Brief und die angehängte Liste mit Forschungsempfehlungen:

[T]heir research plan, for example, looks to »maximize the economic benefits of artificial intelligence while mitigating adverse effects, which could include increased inequality and unemployment.« The priorities are clear: money first, people second.

Ich finde Halperns Argumente überzeugend. Technischer Fortschritt produziert Gewinner und Verlierer (wobei es in der Realität vermutlich einen größeren Graubereich zwischen beiden geben wird, als diese polemisch verkürzte Formulierung zulässt). Das hat der technische Fortschritt mit allen anderen Formen von Veränderungen gemein. Da es sich aber um eine menschgemachte Veränderung handelt, sollte die Öffentlichkeit (aka. »We, the People«, wie Halpern in Bezug auf die amerikanische Verfassung schreibt) versuchen, einzugreifen und zu lenken.

Es gilt, demokratische Verfahren zu nutzen, um widersprüchliche Interessen zu moderieren. Sonst setzen sich am Ende die wenigen Stärksten durch, die sich durch das Vorantreiben der Automatisierung finanzielle Vorteile ausrechnen.

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