Parlamentarier gehen APO! Gordon Brown und die Tobinsteuer
Der frühere CDU-Generalsekretär Heiner Geißler ist ja schon länger bei Attac. Droht jetzt dem britischen Premier Gordon Brown die Ehrenmitgliedschaft? Immerhin hat er beim G20-Treffen in St. Andrews die Idee einer Finanzmarktsteuer ins Spiel gebracht. Um die (weitreichendere) Tobinsteuer durchzusetzen, ist Attac einst gegründet worden — vgl. mein Artikel aus 2006. Attac Deutschland hat noch nicht offiziell reagiert, das Handelsblatt Browns Vorstoß aber schon mal für gescheitert erklärt. Spannend, diese Krise.
Best of 2009! Zehn Lieblingslieder aus zirka 300 Tagen. Mit: Peaches, La Roux, Mittekill, Ja Panik und anderen.
Draußen wird es kalt, drinnen laufen die Kühler und Antriebsriemen heiß. Denn: Die ersten Spekulatius sind serviert und es ist Zeit, das Jahr Revue passieren zu lassen. Zeit, nochmals die Lieblingslieder der letzten Monate zu hören. Und: Zeit, einander mit Best-of-2009-Listen totzunerden. Hier ist meine.
Einige dieser Lieder halte ich für zeitlos, andere sind in fünf Jahren vielleicht komplett uninteressant. Auf manche wäre ich nicht aufmerksam geworden, wenn ich die Bands nicht zufällig live gesehen hätte oder ihnen im Zuge meiner Arbeit für die Spex und den Zuender (R.I.P.) begegnet wäre — zig andere tolle Lieder habe ich in diesem Jahr übersehen, weil genau das nicht passiert ist. Insofern ist die Auswahl schamfrei subjektiv, ergänzungswürdig, vielleicht noch nicht einmal endgültig, aber doch nach kurzem Nachdenken und mit herzlichsten Empfehlungen erstellt. Jedes Auswahl habe ich knapp kommentiert. Die Liste ist alphabetisch nach Interpret sortiert.
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Erstens:
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Cass McCombs — Dreams-Come-True-Girl, vom Album „Catacombs“ (MySpace, Website)
Ein wunderschönes Lied, das in seiner lakonischen Entrücktheit nach der finalen Nummer der Tanzkapelle auf einer Senior-Prom klingt, in den späten 1960er Jahren vielleicht, irgendwo in der amerikanischen Provinz. Das Licht geht an, ein letzter Engtanz, danach ist alles anders. Oder — schlimmer noch — nicht.
Und nun zur Werbung: Spex #323 ist in die örtlichen Zeitschriften- Auslagen eingezogen…
…und möchte dort bitte abgeholt werden. So sieht das gute Stück aus, ganz in Gold und mit einem Menschen auf dem Cover der, so behauptet die Titelblattgestaltung, selbst Headline genug ist:
Passend dazu gibt’s einen Themenschwerpunkt über „Die neuen Popper“, für den ich einen Text über The Sound of Arrows beisteuern dürfte. Und: einen Kurzbeitrag zum neuen Album von YACHT. Nach der letzten Ausgabe richtete mir ein freundlicher und kompetenter Kollege vom art-Magazin Gewaltandrohungen aus. Ich bin gespannt, was dieses Mal passiert.
Finden Sie online: Das Inhaltsverzeichnis.
Hohe Minne & Hauptstadt-Haare: MC Eisbommi veröffentlicht „Deine Mudda kommt aus Berlin (Official Version)“
Seit Jahren ist MC Eisbommi staatlich geprüfter und subventionierter Hochbegabter. Jetzt hat er seine lang angekündigte YouTube-Karriere angeschoben. Wann ruft der Bund der Steuerzahler an?!
Maskinen feat. Marina Gasolina: „Dansa Med Vapen“ — Quite possibly the strangest music video I’ve seen all year…
Despite all the (reasonable) talk about the death of music television, this year has seen some quite remarkable music videos. Matt and Kim’s naked Times Square venture, for example (be sure to watch it til the very last frame).
Then there was the glossy überkitsch of The Sound of Arrows (which I will write about in more detail in the upcoming issue of Spex magazine). However, I somehow don’t believe it can get any stranger than the new vid by Maskinen feat. Marina Gasolina (of Bonde do Rolê-fame). Unfortunately I speak neither Swedish nor Portugese, but I guess you don’t have to, to be amazed/impressed/bewildered by „Dansa Med Vapen“.
So here it is: Swedish Rap, supported by a Brasilian singer, in a video reminiscent of this one particular Italian horror movie.
[Found here at Moritz Schmall's MSM-Blog, hosted by spex.de]
Journalismus, der Bauchschmerzen macht – Susannah Breslins Reportage über die kalifornische Porno-Industrie:
Standing over the spread-eagle Hunter, he shoots the machine penetrating her from behind. The machine drones onward. Hunter groans, straining. When it’s time for the final position, Hunter turns nervous. She squirms in the swing. Her face twists. “I will definitely, like, not be able to do this full-on anally,” she announces, staring at the machine. “I might, like, poo on it.”
“We can try a smaller one,” Powers suggests politely.
Judging by the expression on her face, Hunter looks to be doing the math on her predicament. If she doesn’t do what Jim is asking her to do, she may or may not get paid. If she doesn’t do this, it’s entirely possible no one else will hire her after today. So, she concedes.
“I think I’m gonna cry,” chokes Hunter, teary-eyed, as the machine anally penetrates her. “Just try to look happy,” Powers consoles, reaching up from below to gently pat the inside of her thigh. “Sell it to me, baby.”
Eventually, he gets what he needs. [...] The robot slams into overdrive. The dildo thrusts in and out, the engine screaming, narrowly missing goring Hunter, who promptly bursts into tears. [...]
“The recession has forced us into making this,” Powers states flatly, the quiet machine at his feet. According to him, the “Fuck Machines” series isn’t a product of some sick mind—say, his. It’s a consequence of the recession.
Sex, Elend und Gewalt im „Porn Valley“ um Los Angeles, erzählt am Beispiel des Produzenten Jim Powers: „They Shoot Porn Stars, Don’t They?“. Not Safe For Stomach.
[Artikel gefunden bei: mmmatzes Links c/o Merely Thinking]
Hamburg & sein Minderwertigkeitskomplex: Man ist immer so Hauptstadt wie man sich fühlt. Hier in Hamburg, zumindest.
Hier in Hamburg gibt es ein konstantes Bedürfnis der Selbstvergewisserung. Nicht nur „schönste Stadt der Welt“ will man sein, sondern auch ständig Hauptstadt von irgendwas. Korrektur: Nicht von irgendwas. Auf keinen Fall Hauptstadt der Kinderarmut und lieber auch nicht Hauptstadt der Mietpreisentwicklung, aber doch bittesehr Kreativ-Hauptstadt, Öko-Hauptstadt und jetzt –mal wieder– Pop-Hauptstadt. Das alles ließe sich wunderbar problematisieren (Gänge, Gaier, Moorburg, Krümmel) verweist aber ohnehin nur darauf, was Hamburg nicht ist:
Hauptstadt.
Programmhinweis für Mittwoch, 14.10.: Live-Stream der Radiosendung „20nach“ zum 20. Jubiläum der friedlichen Revolution
Ein Hörfunkmagazin über Leipzig zwischen den Jahren 1989 und 2009. Mit meinem Beitrag über HipHop in der DDR. Live-Stream am Mittwoch, 14.10.2009, 15 – 16 Uhr, unter www.alex-berlin.de
„Against Meat“: Jonathan Safran Foer über das (Nicht-) Fleisch-Essen

Abb.: Eine Handvoll Tiere, bereit zum Verzehr. Foto: Markus Ram (CC BY-ND 2.0)
In einem Restaurant, irgendwo in der Ukraine:
„You are very hungry, yes?“ „I’m a vegetarian.“ „I do not understand.“ „I don’t eat meat.“ „Why not?“ „I just don’t.“ „How can you not eat meat?“ „I just don’t.“ „He does not eat meat,“ I told Grandfather. „Yes he does,“ he informed me. „Yes you do,“ I likewise informed the hero. „No. I don’t.“ „Why not?“ I inquired him again. „I just don’t. No meat.“ „Pork?“ „No.“ „Meat?“ „No meat.“ „Steak?“ „Nope.“ „Chickens?“ „No.“ „Do you eat veal?“ „Oh, God. Absolutely no veal.“ „What about sausage?“ (…)
Über zwei oder drei Seiten erstreckt sich in Jonathan Safran Foers Roman „Everything is Illuminated“ der Versuch des „hero“, eines amerikanischen Ukraine-Reisenden, seinem Übersetzer und Erzähler dieser Romanpassage zu erklären, dass er kein Fleisch ist. Mit Betonung auf: Kein. Fleisch.
Der Vegetarismus des Romanprotagonisten überfordert nicht nur den Übersetzer, sondern auch das Restaurantpersonal. Der Kellner lässt sich schließlich darauf ein, das Stück Fleisch mit zwei anstatt nur einer Kartoffel zu servieren. Aber Beilage ohne Fleisch? Geht nicht. So ausdauernd ist das Hickhack um das Nicht-Fleisch-Essen von Safran Foers Protagonisten, dass die Gründe des Warum nie erläuert werden.
Argumente fürs Vegetariertum holte Jonathan Safran Foer nun in einem Aufsatz namens „Against Meat“ im New York Times Magazine nach. Der Text ist eine unbedingt lesenswerte Reflektion über Nahrungsaufnahme als identitätsbildende Maßnahme, Nahrungsaufnahme als sozialer Akt, Nahrungsaufnahme und Moral. Wie scheinbar alles, was Safran Foer schreibt, ist der Text lustig, traurig, mächtig. Und erfrischend weit weg vom Terror-und-Titten-Stumpfsinn derjenigen, die sonst die Diskussion ums Nicht-Fleisch-Essen dominieren.
[Artikel gefunden bei: Moving Citations c/o PopMatters]