Jetzt in Wald: Was Rambo und das Schwarzwaldmädel gemein haben

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Abb. 1-2: Die neue Ausgabe von Wald (# 4/2013), einmal offen, einmal zu.

Es gibt ein neues Magazin. Es heißt Wald. Es handelt von Wald. Ich habe für die neue Ausgabe geschrieben … über Wald. Oder, um ganz genau zu sein: über die Darstellung von Wäldern im Film.

Mein Text »Niemand hört Dich schreien« enthält kursorische Gedanken zu Filmen wie Rambo, Brokeback Mountain und Das Wirtshaus im Spessart, die in der Behauptung gipfeln, dass sich Horror- und Heimatfilme gar nicht groß unterscheiden. Zumindest nicht, was ihre Darstellung von Wäldern angeht.

Wem jetzt noch ein guter Witz über Holzmedien einfällt, der möge ihn bitte als Kommentar posten. Ansonsten: Schwingen Sie sich auf ihr Bambusrad und radeln Sie zum Zeitschriftenfachhändler ihres Vertrauens.

P.S.: Einen kritischen Willkommensgruß zur ersten Ausgabe von Wald hat die taz veröffentlicht. Eine Leseprobe zur neuen, zweiten Ausgabe gibt es hier. Holdrio!

Arthouse vs. Pornokino mit RP Kahl in Hamburg & Berlin

Trailer zu Bedways (2010) von RP Kahl

In den letzten Jahren haben mehrere Regisseure versucht, Spielfilmhandlungen und explizit pornografische Szenen miteinander zu versöhnen. Richtig aufgegangen ist wohl keiner dieser Versuche, manche scheiterten, andere schillerten – und zu den schillernden gehört sicher auch Bedways von RP Kahl.

Der Regisseur, der auch als Fotograf (u.a. im Giddyheft) und als Darsteller mit pornografischen Ästhetiken experimentierte, kommt nächste Woche Mittwoch nach Hamburg und spricht um 20 Uhr im Fleetstreet Theater über einige seiner Arbeiten. Schon übermorgen spricht er zudem auf dem Pornfilmfestival in Berlin.

Seit Bedways (& Nine Songs & Shortbus &&&) haben sich die Versuche, Sex filmisch zu fassen, womöglich in eine etwas andere Richtung entwickelt (ich denke an dieses und jenes). Das heißt aber nicht, dass die Widersprüche, in die sich RP Kahl et al. gestürzt haben, heute aufgelöst wären. Könnte also spannend werden.

Mehr Informationen zu den beiden Veranstaltungen in Hamburg & Berlin gibt es hier.

Frauke Finsterwalder kämpft gegen das deutsche Licht

grey sky - cc photo by tiggywinkle

Abb.: Grauer Himmel, fotografiert von Tiggywinkl (via flickr, CC BY-NC 2.0)

Hey! Endlich wieder Herbst. Jacken mit Kapuzen tragen, Blumfeld hören und vielleicht mal wieder ins Kino gehen, weil man nicht mehr den ganzen Tag grillen muss – das sind trotz des häufig grauen Himmels über Hamburg ganz gute Aussichten, finde ich. Apropos Kino:

»Warum gilt Sonnenschein im deutschen Kino eigentlich als unrealistisch?« Das fragt Christian Blumberg die Regisseurin Frauke Finsterwalder und ihren Ehemann, den Schriftsteller Christian Kracht, in seinem Interview in der neuen Ausgabe der Zeitschrift De:Bug. Es ist eine fiese Suggestivfrage, aber keine ganz uninteressante.

Anlass des Interviews ist Finsterworld, ein quirky Spielfilm, den Finsterwalder und Kracht zusammen geschrieben haben, und der dieser Tage in die Kinos kommt. Er wird als Kampfansage an die gedrückte Stimmung und bedeckten Himmel der Berliner Schule vermarktet, ein Faden, den Blumberg aufgreift, wenn er fortfährt: »Können Sie mir vielleicht erklären, warum in deutschen Filmen immer alles verregnet und blaustichig sein muss?«

Kann Finsterwalder nicht, sagt sie. Kracht rollt dann eine Theorie aus, die bemerkenswerterweise nicht bei Casper David Friedrich anfängt und auch nicht bei Rainer Werner Fassbinder, sondern erst in den frühen Nuller Jahren – und in (Latein-) Amerika:

Begonnen hat diese Farbverwirrung eigentlich mit den beiden Filmen „Traffic“ (Steven Soderbergh) und „City of God“ (Fernando Meirelles), das wurde dann weitergeführt in den Spielfilmen des Werbefilmers und Action-Spezialisten Tony Scott; darin war alles immer geschwefelt und entweder völlig willkürlich gelb eingefärbt oder blau. Das haben dann deutsche Regisseure zusammenhanglos auf Deutschland übertragen und heraus kam dieser furchtbare Blau-Graustich, der irgendwie nun schon seit Jahren als Maßstab für filmische Qualität gilt, was aber ziemlicher Unsinn ist, weil es absolut gar nichts mit irgendetwas zu tun hat.

Finsterwalder ergänzt dann noch, es gehe bei tristen Farben um die Vortäuschung von Tiefe und Melancholie.

Bämm! Das hat gesessen. Aber ist es auch plausibel? Zumindest ist es vermutlich noch nicht die ganze Wahrheit. Grau, eng, karg, kalt und melancholisch ist Deutschland im Film nicht erst seit dem Jahr 2000.

Und grau, eng, karg, kalt und melancholisch ist Deutschland nicht nur im Film, sondern oft auch in der (Kunst-) Fotografie. Darüber hat sich neulich auch Claudius Schulze Gedanken gemacht, der Fotografietheoretiker meines Vertrauens. Claudius gibt den Bechers die Schuld, bzw. deren Düsseldorfer Schülern, die das alles irgendwie falsch verstanden haben.

Im Vergleich zu den Filmen von zum Beispiel Ulrich Köhler, bei dem selbst Kamerun grau und matschig aussieht (wobei das ja wieder geil ist: Entexotisierung!) gleicht Deutschland in Finsterworld fast ein bisschen dem Land von Oz (»painted with a rainbow«).

Eine Kostprobe des saisonal (und womöglich auch filmgeschichtlich) unzeitgemäßen Farbspektrums von Frauke Finsterwalders Spielfilmdebüt gibt es hier. Filmstart ist am 17. Oktober 2013. Ich habe Finsterworld schon vor einigen Wochen sehen dürfen und würde sagen: Er hat mich gut unterhalten und noch ein bisschen besser verwirrt.

Nachtrag, 3. Oktober 2013: Hm, »verwirrt«, gutes Stichwort – Finsterworld als »quirky« zu bezeichnen, ist womöglich unbedacht. Es ist zumindest unzureichend. Die Ästhetik und auch viele der Charaktere des Films lassen sich schon so verschlagworten (Finsterwalder nennt dann auch den Quirkmaster par excellence, nämlich Wes Anderson, als positive Bezugsfigur), aber entscheidend in der weiteren Beschäftigung mit Finsterworld wird sein, damit umzugehen, dass am Ende dieses Films die Unschuldigen bestraft und die Arschlöcher belohnt werden. Hier also gerade nicht sanfter, naiver Optimismus die Richtung vorgibt …

Looking at rich women: Lauren Greenfield’s The Queen of Versailles and Daniela Rossell’s Ricas y famosas

Originally, Mieke, Claudius and I had planned to spend our Sunday evening watching Apocalypse Now. On a whim, we changed plans and ended up watching something closer to Financial Apocalypse Now: Lauren Greenfield’s prize-winning documentary The Queen of Versailles. Here’s the trailer:

 

A film at once exhilarating and terrifying, The Queen of Versailles provides an insight into the life of the Siegels, a »filthy rich« (as one of their daughters puts it) couple living in Orlando, Florida. The heroine of this movie, Jaqueline Siegel, a former beauty pageant winner who looks like she fell right out of a Russ Meyer movie, is the »trophy wife« (as another daughter puts it) of David Siegel, a nouveau riche real-estate tycoon.

Despite being a Republican who claims to be solely responsible for the victory of George W. Bush in 2000, David Siegel is a bit of a Francophile. He keeps Napoleon’s bust in his house (along with an oil painting of himself as a knight in shining armor) and he’d love to live in Versailles. Unfortunately, the real thing is not for sale, because »they use it as a museum«, as a real-estate agent puts it in this film. So, David Siegel aims for the second best option and has a replica of Versailles built in Orlando. Price tag: 100 million dollars. However, halfway through the construction of what is to be the largest private home in America, the financial crisis hits.

The Queen of Versailles is a mind-boggling and truly astonishing film, a) because of the way its protagonist display what some would consider a blatant lack of taste and b) because of the carelessness with which the Siegels let Lauren Greenfield catch them with their pants down time and again. The Queen of Versailles is stranger than fiction and could pass as a satire about the decadence of the richest 1 percent, except that Lauren Greenfield is no Michael Moore and looks at her subjects with compassion and curiosity rather than with cynicism.

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Man vs. Beast: It’s a classic story that never gets old

– William Shatner fights a dinosaur in the original Star Trek TV series (ca. 1966-69)

– Arnold Schwarzenegger fights a bear in Hercules in New York (1969)

– Lynda Carter fights (and consoles) a gorilla in the Wonder Woman TV series (ca. 1975-79)

– Lou Ferrigno fights a bear in Hercules (1983), via Sharpshirter

»Der zärtlichste Porno der Welt«: Mein Bericht über das »postpornografische Filmexperiment« Häppchenweise

haeppchenweise

Abb.: Der Text ist von mir, die Hand von der Kollegin & das Heft könnte bald Deins sein: ZEIT CAMPUS 1/13 gibt’s ab sofort am Kiosk

Was ich neulich beim Pornodreh in einem besetzten Haus erlebt habe, steht in der neuen Ausgabe der Zeitschrift ZEIT CAMPUS (Nummer 1/13, Januar/Februar 2013), die seit dem 11. Dezember 2012 an den Kiosken ausliegt. Und gerne auch abonniert werden kann.

Mehr Infos zu Häppchenweise, dem beschriebenen Film, gibt es hier & hier, die tollen (und, ähem, jugendgefährdenden) Fotos hat Julian Röder gemacht.

[Nachtrag 17.2.2013]: Ab heute ist der Text auch bei ZEIT ONLINE zu lesen.

[Nachtrag 24.2.2013]: Der Text wird jetzt auch als eine der drei besten Reportagen der Woche von der Website Reportagen.fm empfohlen. Hossa.

Netter Kuschelporno: Über die Premiere von „Hotel Desire“ in Berlin

Ob man sich an den Bildungsbürger, den Kommunisten, oder die Popfeministin hält – beim Stichwort Pornografie sind sie alle seltsam einig:

„Die Darstellung sexueller Vorgänge ist vom rein Körperlichen her (…) überhaupt kein Problem“, sagt Marcel Reich-Ranicki. „Den Partner aus Fleisch und Blut benutzen wir nur als Masturbationshilfe bei der Umsetzung unserer sexuellen Fantasien“, sagt Slavoj Zizek. Und Charlotte Roche, neulich in einer ZDF-Talkshow: „Ich finde, wenn man ein echtes Paar filmt, wenn es echten Sex hat, würde das ganz schön eklig aussehen.“

Soll heißen: Was die Körper beim Sex machen ist zweitrangig im Vergleich zu dem, was im Kopf passiert.

Einen Porno zu drehen, der zugleich erregend, authentisch und schön ist, dürfte demnach unmöglich sein.

Sergej Moya hat es freundlicherweise dennoch versucht. Gestern Abend hatte sein 40-minütiger (O-Ton Moya:) „porNEOgrafischer“ Film „Hotel Desire“ in Berlin Premiere, ich habe für Spiegel Online aufgeschrieben wie ich es fand: weniger schlimm als erwartet, aber auch eher unspektakulär. Meine Premierenberichtfilmrezension: hier.