Best of 2009! Zehn Lieblingslieder aus zirka 300 Tagen. Mit: Peaches, La Roux, Mittekill, Ja Panik und anderen.

Draußen wird es kalt, drinnen laufen die Kühler und Antriebsriemen heiß. Denn: Die ersten Spekulatius sind serviert und es ist Zeit, das Jahr Revue passieren zu lassen. Zeit, nochmals die Lieblingslieder der letzten Monate zu hören. Und: Zeit, einander mit Best-of-2009-Listen totzunerden. Hier ist meine.

Einige dieser Lieder halte ich für zeitlos, andere sind in fünf Jahren vielleicht komplett uninteressant. Auf manche wäre ich nicht aufmerksam geworden, wenn ich die Bands nicht zufällig live gesehen hätte oder ihnen im Zuge meiner Arbeit für die Spex und den Zuender (R.I.P.) begegnet wäre — zig andere tolle Lieder habe ich in diesem Jahr übersehen, weil genau das nicht passiert ist. Insofern ist die Auswahl schamfrei subjektiv, ergänzungswürdig, vielleicht noch nicht einmal endgültig, aber doch nach kurzem Nachdenken und mit herzlichsten Empfehlungen erstellt. Jedes Auswahl habe ich knapp kommentiert. Die Liste ist alphabetisch nach Interpret sortiert.

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Erstens:

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Cass McCombs — Dreams-Come-True-Girl, vom Album „Catacombs“ (MySpace, Website)

Ein wunderschönes Lied, das in seiner lakonischen Entrücktheit nach der finalen Nummer der Tanzkapelle auf einer Senior-Prom klingt, in den späten 1960er Jahren vielleicht, irgendwo in der amerikanischen Provinz. Das Licht geht an, ein letzter Engtanz, danach ist alles anders. Oder — schlimmer noch — nicht.

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Zweitens:

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Ja, Panik — Alles hin, hin, hin, vom Album „The Angst And The Money“ (MySpace, Website)

Kaum ist das ganze Indie-Ding runtergerockt und ausgebrannt, kommen Ja, Panik um die Ecke — mit einem Album, das (anders als das Zeug der anderen Kollegen aus der deutschsprachigen Gitarrenpop-Schublade) zur Abwechslung mal nicht an einer Soße aus Langeweile, Selbstmitleid und provinziellem Großstadtgetue erstickt.

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Drittens:

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La Roux — Bulletproof, vom unbetitelten Debüt-Album (MySpace, Website)

Es gab mal die Idee, die 80er niemals nie gut finden zu müssen. Die Hoffnung stirbt zuletzt, in diesem Fall aber immerhin auf einem Dancefloor. Synthie-Pop! Vollfarb-Kitsch! Popper-Frisuren! Sie sagen, das habe es alles schon mal genauso gegeben? Sorry, aber ich traue keinem über 30.

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Viertens:

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Lily Allen — Fuck You, vom Album „It’s Not Me, It’s You“ (MySpace, Website)

OK, stimmt: Der Text ist saudoof. Aber im Rahmen eines Diss-Tracks funktioniert er exzellent. Lily Allen ähnelt ihrem Adressaten GW Bush in dessen Begabung, kurze Statements emotionaler Wahrheit rauszuhauen. Doch ihre Kriegserklärungen sind zuckersüß und völlig unverbindlich — da ist Pop mal wieder besser als das echte Leben.

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Fünftens:

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Malakoff Kowalski — Andere Leute, vom Album „Neue deutsche Reiselieder“ (MySpace, Website)

Malakoff Kowalski hat die Schnauze voll von dem Getue. Sein, pardon, post-ironisches Album knüppelt sich durch die Popgeschichte des 20. Jahrhundert, klingt mal nach dem Chanson der 20er Jahre, mal nach dem Hardrock der späten 60er und passt als Soundtrack des wütenden kleinen Mannes ziemlich gut nach 2009.

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Sechstens:

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Mittekill — Wasser oder Wodka, vom Album „You Are Home“ (MySpace, Website)

Hat viel mit dem ebenfalls tollen, für diese Liste aber zu alten, „Drugs in my Body“ von Thieves Like Us gemein. Inhalt und Form korrespondieren perfekt, alles ist komplett verstrahlt und sagt: Abfahrt bitte! Lassen Sie sich von diesen Herren ruhig auch mal live durch die Nacht tragen. Sie werden es nicht bereuen. Aber: Wodka, klar.

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Siebentens:

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Peaches — Talk To Me, vom Album „I Feel Cream“ (MySpace, Website)

Mein Lieblingsleserbrief des Jahres erschien in der Spex und machte sich darüber lustig, dass Peaches mit ihrem — so die Autorin des Briefes sinngemäß — „Ficki Ficki Schamhaar Schamhaar“ 2009 immer noch subversiv seien soll. Aber, ey: Es ist ja nicht nur die Message/Meta-Ebene, die Peaches‘ queeren Agitprop hörenswert macht. See above.

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Achtens:

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Pictureplane — Goth Star, vom Album „Dark Rift“ (MySpace)

Justice, Christopher Roberts, Egotronic, Egoexpress, Mediengruppe Telekommander, Saalschutz, Atari Teenage Riot — Elektromusik, die mit Punkerattitüde die Dachziegel abdeckt, gibt es schon länger. Aber einen Track wie „Goth Star“, der zugleich abgefuckt und irritierend verträumt ist, habe ich bisher noch nicht gehört.

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Neuntens:

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Schwervon! — Balloon, vom Album „Low Blow“ (MySpace, Website)

Wahrscheinlich nicht wirklich eines der besten Lieder des Jahres, aber egal: Minirock mit Charme-Offensive, so wie man es von Schwervon! kennt. Und: Ein Kommentar zum Strukturwandel der Massenkommunikation, den abgebrannte Medienmogule wohl genauso unterschreiben können, wie, ähh, ich.

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Zehntens:

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YACHT — Summersong, vom Album „See Mystery Lights“ (MySpace, Website)

In Deutschland leider erst veröffentlicht, als der Sommer schon vorbei war: Das Album „See Mystery Lights“, das mal stark reduktionistisch daher kommt, mal poppig quirlig und mal mit freundlichem Tanzbass wie hier. Und: Die Entstehungsgeschichte ist die schönste des Jahres und in der aktuellen Spex nachzulesen…

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& so weiter:

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Was eine Top Ten der Lieblingsalben angeht, habe ich das Gefühl, in diesem Jahr einfach nicht genug Alben gehört zu haben. Oder vom Albumformat nicht (mehr) überzeugt genug zu sein. Oder so. Wo mir ein Album über einen einzelnen Song hinaus hörenswert erschien, habe ich das oben angemerkt. Ansonsten: „Wir Kinder vom Bahnhof Soul“ von Jan Delay ist gut, ebenso wie mir „Die Entstehung der Nacht“ von den Goldenen Zitronen sehr gefällt, beide Alben sind aber weniger überraschend als ihre jeweiligen Vorgänger, die sie konsequent fortführen. Die bislang ausschließlich großartigen Thermals scheinen ihr Konzept auf „Now We Can See“ dagegen eher erschöpft zu haben.

„Lovetune for Vacuum“ von Soap & Skin, das man unbedingt am Stück durchhören muss, ist vielleicht die intensivste Albenerfahrung des Jahres.  Und die EP „Der Riss“ ist als Comeback der Sterne leider in der Rezeption hinter Jochen Distelmeyers Soloplatte „Heavy“ zurück geblieben — zeigt aber in eine sehr gute Richtung. Ein toller Sampler, der lange auf Heavy Rotation in meiner Küche lief ist „Konkani — Songs from Goa, made in Bombay“.

Ergänzungen? Beschimpfungen? Ich wäre erfreut.

[Nachtrag:] Seit ich diese Liste online gestellt habe, plagt mich ein „Thrown Out of Drama School“-Ohrwurm.

[Nachtrag 2:] Das Pop-Blog Pretty Much Amazing hat eine epische Liste der besten (anglophonen) Pop-Songs des letzten Jahres. Mmmatze bringt derweil gleich das ganze Jahrzehnt zu Ende, in seiner mehrteiligen Serie der 50 besten Alben 2000–2009. Eine exzellente Auswahl, abzüglich Slayer, natürlich.

8 Kommentare zu „Best of 2009! Zehn Lieblingslieder aus zirka 300 Tagen. Mit: Peaches, La Roux, Mittekill, Ja Panik und anderen.“

  1. Warum sollte das subjektive an so einer Liste denn negativ sein? Darum geht es doch.

    Das alte Dilemma des Poesie Albums. (Ja ja, andere Leute erfinden das Gefangenen Dilamma, ich halte rosa Bücher von 8jährigen für weitaus gewichtiger für die westliche Welt) Schreibe ich was ich wirklich mag, oder schreibe ich das, was alle cool finden?

    Dementsprechend ist meine ausgesprochene Liebe für Beverly Hills 90210 irgendwo schriftlich erfasst und wird mich aufgrund der zunehmenden Digitalisierung irgendwann auf Google verfolgen.

    P.S.: Them Crooked Vultures. Album kommt noch im November.

  2. Ich habe das neue Album The Whitest Boy Alive vergessen, das offenbar — und zwar zu Recht — immer dann läuft, wenn sich Menschen in Dielenboden-WGs zum Abendessen treffen.

  3. schöne Liste. für Menschen in Dielenboden-WGs :-)
    Fürs Lieblingsalbum würde ich auch noch Mittekill’s ‚You Are Home‘ vorschlagen.

  4. Im Grunde genommen n guter Post, aber kannst du im nächsten Post nicht n bisschen umfassender schreiben? ;-)

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