Wie Marken sterben

Im Februar wurde bekannt, dass American Apparel (eine Klamottenmarke mit guten Basics, fairen Produktionsbedingungen & einem unsympathischen CEO) auf Beschluss des Insolvenzverwalters fast alle deutschen Filialen schließt.

Inzwischen ist auch der Online-Shop in Deutschland nicht mehr zu erreichen. Stattdessen zeigt die Website – in weißer Schrift auf schwarzem Grund – nur einen kurzen Hinweis in broken German (»Wir danken Ihnen für Ihr Geschäft«, »Bitte kontaktieren Sie die folgende Nummer«).

Offenbar steht die Firma so sehr in der Kreide, dass der Insolvenzverwalter ihr selbst für den letzten Gruß an die Kunden einen professionellen Übersetzer versagte und auf die kostenlosen Dienste von Google Translate verwies.

Eine Nummer zu groß für den Anlass, aber: This is the way brands die … not with a bang but a whimper.

Wie man Männer rettet – vor sich selbst

Zähnezusammenbeißen tötet. Hass auf Schwule schadet auch Heten. Das Militär ist unsere Rettung. Acht Thesen aus Jack Urwins Buch Boys Don’t Cry

Boys Don’t Cry. Identität, Gefühl und Männlichkeit heißt ein aktuelles Buch, das Männer für Gender- und Feminismusthemen gewinnen will. Wirklich neu ist dieses Anliegen nicht, immerhin gibt es bereits seit einigen Jahren Michael Kaufmans Guys‘ Guide to Feminism oder Feminism is for Everybody von bell hooks.

Trotzdem wurde Boys Don’t Cry – anders als die anderen beiden Bücher – in den letzten Wochen gefühlt überall besprochen (in Zeit, Spiegel, FAS, … ). Ich vermute: Mindestens so sehr wie mit seinem Inhalt hat das mit seinem Autoren zu tun. Der heißt Jack Urwin, ist Brite, 25 Jahre alt, hat zuvor für das sich gerne mal »politisch unkorrekt« gebende Vice Magazine und für Plattenfirmen gearbeitet und ist insofern ein eher untypischer Absender für feministische Plädoyers.

Jack Urwin fragt in Boys Don’t Cry, warum Männer (zumindest in seinem Heimatland Großbritannien, die deutschen Fallzahlen fehlen leider in der Übersetzung des Buches) statistisch sehr viel häufiger als Frauen dazu neigen, sich selbst und andere zu gefährden, zu verletzen und zu töten.

Schuld daran sei nicht die Biologie, schreibt der Autor, sondern ein historisch entstandenes Männlichkeitsideal, das Männern (und anderen Menschen) schadet: die »toxische Männlichkeit«.

Im Mai werde ich einen Abend mit Jack Urwin in Hamburg moderieren (den genauen Termin veröffentliche ich noch). Zur Vorbereitung und Einstimmung hier acht Thesen aus Boys Don’t Cry, die ich für bemerkenswert halte.

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Die Dinge Europas: Unser neues Ding erzählt von Sexarbeit in Spanien

Im vergangenen Monat wurde das Anti-Prostitutionsgesetz in Frankreich verschärft. Dort müssen Freier jetzt mit hohen Geldstrafen rechnen, wenn sie den Kontakt zu einer Prostituierten suchen.

In dem spanischen Städtchen La Jonquera warten die Leute nun ab, was das für sie bedeutet. Als 2002 die Prostitution in Frankreich verboten worden war, dauerte es nicht lange, bis in La Jonquera überall halbnackte Frauen an den Straßen standen. So erzählt es die Bürgermeisterin des Ortes, der direkt hinter der französischen Grenze in Spanien liegt. Die Prostitution ist dort nicht verboten und weitgehend unreguliert.

Die Folge ist, dass nicht nur Freier aus dem Ausland kommen, sondern auch viele Frauen aus Mittel- und Osteuropa, die hier anschaffen. Freiwillig? Oder weil Zuhälter sie bringen und sie zur Prostitution zwingen? Die Bürgermeisterin von La Jonquera geht von Letzterem aus.

Sollte die Prostitution also auch in Spanien verboten werden? Nein, sagt die Bürgermeisterin, das würde das Problem nicht lösen, sondern nur verlagern, so wie es das Verbot in Frankreich getan hat. Sie fordert: »Wir brauchen eine europäische Lösung!«

Die ganze Geschichte gibt es auf der Website Die Dinge Europas, die ich gemeinsam mit dem Fotografen Claudius Schulze betreibe. Zusammen suchen wir nach Dingen, die von Europa erzählen. Unser neuestes Fundstück: ein Kondom, das wir bei La Jonquera gefunden haben. Hier entlang, bitte.

Foto: Die Bundesstraße 2 zwischen La Jonquera und Figueres, (c) Claudius Schulze. Dieser Text erschien zuvor mit minimalen Änderungen in unserem Dinge-Europas-Blog.

Heinz Strunk hat die Ankunft des Soylent präzise vorhergesagt

Wie man hört, ernähren sie sich im Silicon Valley jetzt nur noch von Milchshakes (oder so ähnlich). Soylent heißt der Zauberdrink, von dem ich zum ersten Mal in einer Reportage von Alard von Kittlitz in Neon las. Das weißliche Getränk, das aus einem Pulver angerührt wird, enthält angeblich alle überlebensnotwendigen Nährstoffe und kostet fast keine Zeit in der Zubereitung und im Verzehr. Da bleibt mehr Zeit zum Denken.

Vorhergesehen hat diese Entwicklung der große Entertainer, Autor & Universalkünstler Heinz Strunk. In seinem Song Neunmalkluger Naseweis, einer Ode an den archetypischen verhassten Besserwisser, sang er:

Du isst am liebsten Brei und überreifes Obst, denn vor lauter Grübeln kannst Du nicht richtig schlucken.

Das war bereits vor fast zehn Jahren, wie diese Konzertaufnahme aus Hamburg beweist:

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Geisteswissenschaftler als Gründer: Mitschnitt des Zeit Campus-Panels

Muss man BWL studiert haben, um als Gründer erfolgreich zu sein? Oder gerade nicht? Darüber habe ich am Samstag auf der Frankfurter Buchmesse diskutiert: mit den beiden Gründern Daniel Beskos vom mairisch Verlag & Sebastian Steininger von Herrenfahrt sowie mit Sebastian Schäfer vom Unibator der Uni Frankfurt.

Alle diese Herren (ein Fall für dieses Blog, I know … ) vereint, dass sie nicht oder nicht nur Wirtschaftszeugs studiert haben, sondern auch Japanologie, Geschichte, Philosophie und Literaturwissenschaften. Entsprechend die zentrale Frage: »Geisteswissenschaftler als Gründer – Sind Start-Ups eine Chance für den Berufseinstieg?« Für alle, die nicht dabei sein konnten, gibt es nach dem Umbruch einen Mitschnitt.

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Re: Vorschlag für eine Enzyklopädie der gescheiterten Ideen

Am Tag nach meiner Notiz zu den verworfenen Ideen, wurde mir auf der Buchmesse in Frankfurt heute freundlicherweise dieser Flyer in die Hand gedrückt: Ein Hinweis auf das Fotografie-Festival F/Stop, bei dem ungemachte Bilder offenbar eine gewisse Rolle spielen werden (ausgestellt werden sie wohl nicht).

Ganz schön glatt: Byung-Chul Hans Buch Die Errettung des Schönen

In seinem neuen Buch schreibt der Philosoph Byung-Chul Han, es gebe keine Schönheit mehr, nur noch Glätte. Ich bin nicht überzeugt und habe auf Spiegel Online meine Einwände/Anmerkungen/Rückfragen formuliert.