Still ❀’ing Magazines: The Gourmand

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Ich weiß nicht, wie viel Lebenszeit ich als Chefredakteur von Zeit Campus damit verbracht habe, an den Titelzeilen unserer neuen Ausgaben zu feilen.

Die Zeile auf dem Cover einer Zeitschrift soll originell sein, aber nicht zu kompliziert. Sie soll catchy sein, aber nicht zu plump. Sie soll einen Kauf triggern – aber journalistisch wahrhaftig sein. Und natĂŒrlich soll sie gut aussehen und gut im Layout sitzen. Nicht immer eine leichte Ausgabe.

Die aktuelle Ausgabe von The Gourmand (Nummer 13) zeigt, dass es auch anders geht. Das britische Food-Magazin beweist: Cover können auch ganz ohne Titelzeilen knallen. Ich wollte jedenfalls sofort lesen, was sich hinter diesem Titel verbirgt 


(The Gourmand kostet 16,50 Euro. Das Heft ist in Deutschland nicht ganz einfach zu finden. Ich habe es bei Coffee Table Magazines gekauft, in Hamburg gibt’s das Heft wohl auch bei Gudberg Nerger.)

Still ❀’ing Magazines: ROM

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Die neue Ausgabe des Post-Internet-Magazins ROM ist ungefĂ€hr so groß wie ein iPad, schimmert auch genau so schön, kostet aber ca. 98% weniger. Wenn das nicht der ultimative Weihnachtsgeschenke-Hack ist, dann weiß ich auch nicht.

Ich durfte fĂŒr dieses Heft eine Kleinigkeit beisteuern und habe mich fĂŒr einen generationgolfigen Text ĂŒber meine Jugend zwischen Millennium-Bug und Dotcom-Crash entschieden, der sich dann aber völlig ĂŒberraschend auswĂ€chst zu einem pathetischen PlĂ€doyer fĂŒr Magazinjournalismus. (Sorry wegen des Spoilers.)

Illustriert haben die Leute von ROM das unter anderem mit dem Foto eines Nokia 3210. Ich hatte so ein Àhnliches Handy, aber von Siemens, glaube ich. Manchmal vermisse ich es. Man konnte damit sehr gut Bierflaschen aufmachen.

ROM Nummer 3 gibt’s im Bahnhofsbuchhandel fĂŒr 10 Euro oder online direkt bei der Redaktion.

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Green No Deal: Wenn Unternehmen fĂŒr weniger Konsum werben

Sozialexperiment: fast 62 % zahlen zu wenig fĂŒr Bio Produkte

Ah, Werbung und Marketing in Zeiten des Klimawandels. Gibt es etwas Spannenderes?

Die Biomarktkette Bio-Company wirbt – siehe das PR-Foto oben – seit einiger Zeit mit dem Slogan »Kauf weniger« und macht damit auf sich aufmerksam: »Kauf weniger, aber bitte bei uns!«. Ich bin gespannt, ob das aufgeht. (Mehr Infos zur Werbekampagne hier.)

Ich muss dabei an mein altes Fairphone denken, das bei seiner EinfĂŒhrung von dem Hinweis begleitet wurde, das fairste Handy sei immer jenes, welches man bereits besitze. Das ist natĂŒrlich sachlich korrekt, wurde als freundlicher Hinweis aber aufgegeben, als es schlagartig keine Updates mehr fĂŒr das ansonsten noch solide funktionierende Fairphone 1 gab und die Spam-Mails anfingen, man möge sich jetzt doch bitte endlich ein Fairphone 2 kaufen.

Und jetzt: Ein neues Magazin aus der Brigitte– Familie! Brigitte Be Green. Titelzeile der ersten Ausgabe: »Macht Verzicht glĂŒcklich? Ja!« (hier der Link zum Cover). Was natĂŒrlich eine Einladung ist, das Heft nicht zu kaufen und auszuprobieren, ob die Redaktion recht hat.

Ich kann berichten: Ich sitze zu Hause, nachdem ich das Magazin im Sinne seiner Titelgeschichte sehr bewusst nicht gekauft habe, aber richtig glĂŒcklich bin ich nicht. Denn ich hĂ€tte doch ganz gerne gewusst, was fĂŒr Anzeigen in dem Heft gedruckt sind. Bio Company? Fairphone? Das allein plus keine Leser ist womöglich nachhaltig, aber kein nachhaltiges Business.

Womöglich zeigt sich also bei Bigitte und Bio-Company wie beim Fairphone: Kein Konsum ist gut fĂŒrs Klima, aber keine Grundlage fĂŒr unternehmerischen Erfolg.

Foto: obs/Dorothea Tuch fĂŒr BIO COMPANY, Nutzung kostenfrei, via Presseportal.de

Still ❀’ing Magazines: The Happy Reader

The Happy Reader ist ein Literaturmagazin, das fast alles anders macht als fast alle anderen Literaturmagazine. Es gibt hier: Keine Rezensionen. Keine Autoren-Interviews. Kein Wort zu den Neuerscheinungen der Saison.

Stattdessen besteht jede Ausgabe aus zwei Teilen. Der erste Teil ist ein ausfĂŒhrliches GesprĂ€ch mit einem Menschen, der gerne liest. Zum Beispiel mit dem Schauspieler Owen Wilson, Titelheld der neuen Ausgabe. Oder mit der KĂŒnstlerin Laurie Anderson. Das sind nette, eloquente Plaudereien ĂŒber das Leben mit BĂŒchern und Geschichten.

Der zweite Teil enthÀlt dann viele kurze Essays, Listen, Infografiken und assoziative Fotos, die alle zusammen nur einem einzigen Buch gewidmet sind.

Schilderungen, wie die brave Schriftstellergemahlin ihrem Gatten und dem Reporter die frisch geschlagene Sahne zum Erdbeerkuchen auf die Veranda trĂ€gt, damit die beiden was SĂŒĂŸes haben zur Weltdeuterei, fehlen hier. Wie gesagt: Keine Autoren-Interviews.

Die Urheber der besprochenen Werke (und ihre Gemahlinnen, so vorhanden) sind alle schon tot. Es geht hier um BĂŒcher wie Mary Shelleys Frankenstein, die Selbstbetrachtungen des Mark Aurel oder Jewgeni Samjatins Wir (eine Inspiration fĂŒr George Orwells 1984 und das erste Buch, das in der Sowjetunion verboten worden ist, wie ich hier gelernt habe).

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Die Auswahl ist kein Zufall, The Happy Reader ist ein von den Erfindern von Fantastic Man und The Gentlewoman betreutes Werbemagazin des Penguin-Verlag, besprochen werden also BĂŒcher aus der Backlist. Kein Drama: Wahnsinnig viele Klassiker und Modern Classics sind in der englischen Übersetzung bei Penguin erschienen, die Auswahl leidet darunter also nicht. Und der Tonfall? Überfordert niemanden, sondern macht Lust, sich durch die hinteren Seiten des Verlagsprogramms zu blĂ€ttern, ohne dabei werberisch zu werden.

Es geht um Klassiker und um das Leben mit Literatur, in einem angenehm unprÀtentiösen Ton. The Happy Reader steht damit ca. auf halber Strecke zwischen dem ewig gut gelaunten und alles immer super findenden #bookstagram und den strengen, ernsten englischsprachigen Book Reviews.

Wie es der Redaktion gelingt, eine lĂ€ssige Belesenheit auszustellen und Pop-Sternchen (Olly Alexander), Komiker (Aziz Ansari) und Models (Lily Cole) urteils- und geschmackssicher – und so, als wĂ€re es das SelbstverstĂ€ndlichste auf der Welt – mit Sowjet-Dissidenten, viktorianischen Dichterinnen und römischen Kaisern zu paaren, ist einzigartig. Und ziemlich sensationell.

Die Ausgaben kosten zwischen 5€ und 7,50€. Entdeckt habe ich die aktuelle in der Buchhandlung Words‘ Worth in MĂŒnchen und mir sofort alle verfĂŒgbaren alten Ausgaben nachgekauft bei Coffee Table Mags.

Vice hĂ€lt Drogen jetzt fĂŒr ein Problem?

Lange war Vice das Magazin fĂŒr rĂŒcksichtslosen Hedonismus. Möglichst origineller und/oder idiotischer Drogenkonsum war ein Teil der Agenda (siehe z.B. The Vice Guide to Drugs, der auch in diesem Best-of-Buch abgedruckt worden ist, oder die legendĂ€ren Reportagen auf LSD: The Westminster Dog Show on Acid!, A Visit to the Mormon Temple on Acid!, Monster Trucks on Acid!, usw.).

Das ist jetzt vorbei! Offenbar. Jedenfalls ist mir heute morgen beinahe meine Haschpfeife ins MĂŒsli gefallen (ĂŒbrigens: »You got your big dreams, I got my Hash Pipe« — auch das ist lange vorbei, seit Leute mit großen TrĂ€umen Cannabis-Start-Ups grĂŒnden), als ich das Editorial dieser deutschsprachigen Ausgabe las (Vol. 15, Nr. 1).

Dort heißt es (ich schalte mal auf Schnelldurchlauf):

Wir sind die erste Generation, die durchgehend online und erreichbar ist … kein Feierabend … Unsicherheit im Teenageralter … Erschöpfung, Überforderung, Depression … allein schon die politische Weltlage kann Menschen zum Verzweifeln bringen.

Und dann:

Dass der Drogenkonsum in vielen LĂ€ndern ansteigt, ĂŒberrascht angesichts der zahlreichen Krisen und Probleme kaum.

Wow. Der Stern redet so — klar. Der Spiegel auch. Aber Vice, das Heft, in dem der Vollrausch immer ein großer, bisschen doofer Spaß war? #thingsdonechanged

10 Ideen, wie ihr Print hacken könnt

Viele Printmagazine sehen gleich aus. Das muss nicht sein. ☝ 10 Ideen, wie man Print hacken kann, habe ich am vergangenen Samstag in meiner Keynote auf dem Jugendmedienkongress 2019 in Hamburg vorgestellt. Alle mit Gestaltungsbeispielen von Magazinen, deren Redaktionen etwas anders machen als die meisten anderen.

FĂŒr alle, die das interessiert und die an der harten TĂŒr der Jungen Presse Hamburg gescheitert sind (Leute ĂŒber zwanzig waren im Publikum ziemlich streng verboten) gibt es hier meine Slides (ohne Ton-Spur):

Anfangs zeige ich vor allem Beispiele aus ZEIT CAMPUS (nicht, weil wir die Geilsten sind, sondern weil ich dieses Magazin als sein Chefredakteur besonders gut kenne).

SpÀter auch andere Titel (weil sie die Geilsten sind), zum Beispiel The Last Magazine, mono.kultur, Magazine B, The California Sunday Magazine & Du.

Es gibt natĂŒrlich noch viele weitere Magazine, die nicht wie alle anderen aussehen. Aber ich durfte nur 20 Minuten reden 


❀ an alle AutorInnen, FotografInnen und andere Menschen, deren Arbeit ich hier zeige, insbesondere an die Gestalterinnen von ZEIT CAMPUS: Artdirektorin Beate Pietrek, Grafikerin Beate Zollbrecht & Bildredakteurin Hedi Lusser.

Die Beispiele verdanke ich unter anderem Coffee Table Mags & Martina Kix & Daniel Erk & Indiemags / Indiecon. Merci!

Das Foto dieses Blog-Postings zeigt mich wÀhrend eines Workshops im Anschluss an meine Keynote. Es wurde aufgenommen von Jonas Walzberg. Vielen Dank!

Die neue ZEIT CAMPUS: Eltern đŸ™„

Die neue Ausgabe von ZEIT CAMPUS ist ab dieser Woche im Handel — und sie ist toll geworden! đŸ’„ Sage ich als Chefredakteur natĂŒrlich jedes Mal, aber diesmal stimmt’s.

Weihnachten ist Heimreisezeit. Wir widmen unsere Titel-Trilogie deshalb den Eltern & Verwandten — und dem nicht immer einfachen VerhĂ€ltnis zu ihnen:

1) Warum es zu Hause so oft Streit gibt, fragt sich Hannah Bley. Was dagegen hilft, verrÀt Marisa Uphoff.

2) Die Eltern der Bandmitglieder von Revolverheld waren Lehrer und Ökos. Das prĂ€ge seine Band noch heute, erzĂ€hlt SĂ€nger Johannes Strate unserer Autorin Sarah Levy beim Interview in der Mensa der Hochschule fĂŒr Musik und Theater Hamburg, wo Strate studiert hat.

3) Sarah M. Obertreis schreibt ĂŒber ihre Großtante. Die hat Sarah nie kennengelernt. Erst nach dem Tod der Tante beschloss sie, das nachzuholen. Und entdeckte das erstaunliche Geheimnis einer Frau, die zu Lebzeiten „Hexe“ genannt wurde.

Außerdem:

Die Schriftstellerin Marie Gamillscheg hat fĂŒr uns vier GeflĂŒchtete durch die ersten beiden Semester an deutschen Hochschulen begleitet. Eine O-Ton-Collage ĂŒber Ehrgeiz, Einsamkeit und Erfolge.

#30unter30 — unsere Liste von Menschen, die dieses Land besser machen. Das Motto: #neueernsthaftigkeit. Mit Kevin KĂŒhnert & Sophie Passmann & Orry Mittenmayer & 27 anderen.

Martina Kix hat drei junge Deutsche getroffen, die im Silicon Valley Fuß fassen wollen — und die dort erstmal in ein Spukschloss gezogen sind.

Und: Wieso werden im Medizinstudium keine SchwangerschaftsabbrĂŒche gelehrt (oder nur sehr rudimentĂ€r)? Ist Milton Friedman ĂŒberholt? Und wĂ€re es ganz vielleicht okay, mit einem Rassisten zusammen zu wohnen, wenn der immer brav das Bad putzt?

Dies und mehr: Jetzt im Handel, bald in den Mensen und Cafeterien von mehr als hundert deutschen HochschulstÀdten, online bestellen im ZEIT Shop oder halt die volle Gönnung unter www.zeit.de/abo (psst, bald ist Weihnachten!)

Ein BlĂ€ttervideo gibt es hier. Shout-Out an all die entzĂŒckenden ReporterInnen, FotografInnen, IllustratorInnen & KollegInnen, die das Ding verwandelt haben. ✌

Neu:

Das hier ist die neue Ausgabe von ZEIT CAMPUS, dem Studentenmagazin der ZEIT. Ab Dienstag, 10. Oktober, in vielen Kiosken, Mensen und hier zu kaufen. Oder im Studentenabo.

Es handelt sich hier um die dickste regulÀre Ausgabe in der Geschichte unseres Magazins (noch mehr Seiten hatte nur das Heft zum zehnjÀhrigen JubilÀum im vergangenen Jahr) und, hey, es sind ein paar gute Sachen drin.

Zum Beispiel:

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