11 Ideen aus der Zeit der Pandemie

Es ist nichts gut an der Pandemie. Die Zeit ist vorbei, in der man darüber sinnieren konnte, sie habe doch auch positive Effekte, als Treibstoff für Solidarität etwa oder als großer Entschleuniger. Wer derlei heute noch behauptet, verkennt die Lage. Diese Krise spaltet sozial, statt zu vereinen, und stresst mindestens so sehr, wie sie punktuell entschleunigt. Und damit ist noch nichts über die Toten gesagt. #justmytwocents

Aber auch wenn nichts gut ist an der Pandemie, ist doch gut, wie einige Menschen auf sie reagieren. Für die Hamburgseiten der ZEIT haben Viola Diem und ich mit der Unterstützung des Ressorts 11 Ideen und Initiativen ausgewählt, die uns Hoffnung machen. Und die positive Veränderungen anstoßen, die vielleicht erhalten bleiben in der Zeit nach Corona (wann auch immer das sein wird).

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Warum gibt es nicht mehr Frauen in MINT-Fächern?

Hier die Einschätzung der Schriftstellerin Sibylle Berg:

Der Wert von Frauen bemisst sich immer noch an ihrer geschlechtlichen Verwertbarkeit. Intellektuelle Fähigkeiten werden bei ihnen bis heute nicht goutiert. […] Studierende der IT-Fächer gelten als Nerds: ästhetisch egal, sozial unverträglich; das ist gerade das Gegenteil aller Eigenschaften, die Frauen immer noch einen gesellschaftlichen, evolutionären Vorteil versprechen. Kurz: Für Frauen ist der Schritt in einen IT-Beruf eine Fuck-you-Entscheidung – während junge Männer mit Staunen und Bewunderung bedacht werden, wenn sie Coding-Fähigkeiten besitzen.

Wenn Berg recht hat, ist wirklich »das Patriarchat« schuld, dass es nicht mehr Frauen gibt, die MINT-Fächer studieren. Aber nicht, weil es Mädchen sagt: »Ihr könnt das nicht«. Sondern, weil es ihnen sagt: »Ihr könnt das schon machen, aber dann seid ihr nicht mehr sexy.«

Ziemlich viele Initiativen, die Mädchen ermutigen wollen, MINT-Berufe zu ergreifen, wären dann argumentativ auf einem ziemlich falschen Weg.

Quelle: »Albernheit ist der Motor, der mich gut gelaunt durch mein Restleben führt«. Sibylle Berg im Gespräch mit Jens Balzer und Maja Beckers. In: Jens Balzer, Maja Beckers, Thomas Vasek und Lars Weisbrod (Hrsg.): Sibylle Berg, Dietmar Dath. Zahlen sind Waffen. Berlin: Matthes & Seitz, 2021, S. 104–116. Hier: S. 108.

Uni Hamburg: Die ersten 100 Jahre

Die Uni Hamburg feierte 2019 ihr hundertjähriges Jubiläum. Sie war in der Weimarer Republik von der SPD als erste demokratische Reformuniversität in Deutschland ersonnen worden (aber: in der Praxis wurde das nix), diente sich im »Dritten Reich« den Nationalsozialisten an, wurde später Nebenschauplatz der »68er«-Bewegung …

Es ist also eine vergleichsweise junge Universität, aber eine, die sich immer wieder neu erfunden und den Zeitgeist gespiegelt hat.

Seit dem runden Geburtstag gibt es ein eigenes Universitätsmuseum im Hauptgebäude am Dammtorbahnhof. Jetzt folgt eine Buchreihe mit Aufsätzen zur Universitätsgeschichte, herausgegeben von den Historikern Rainer Nicolaysen, Eckart Krause und Gunnar B. Zimmermann.

Der erste Band zu »allgemeinen Aspekten und Entwicklungen« ist gerade erschienen, der zweite, der speziell auf die Geisteswissenschaften schaut, soll im Frühsommer 2021 folgen, danach im Halbjahrestakt die abschließenden beiden Bände zu Sozialwissenschaften sowie zu Naturwissenschaften und Medizin.

Mit Rainer Nicolaysen habe ich nun über die ersten 100 Jahre der Geschichte der Uni Hamburg gesprochen. Es wurde ein ziemlich ausführliches Interview, featuring Pfeffersäcke, Kaisertreue, Kolonialbeamte, muffige Talare und überfüllte Hörsäle. Dafür kein Wort zu Corona.

Frei lesbar auf ZEIT ONLINE.

Schummeln ist Alltag: Die neue Ausgabe von Zeit Campus (#5/12) über das Spicken, Plagiieren und Abschreiben an deutschen Unis

ZEIT CAMPUS Nr. 5 / 2012 (September / Oktober)

Abb. 1: Beim nächsten Kioskbesuch bitte auf diese Titelseite achten: Zeit Campus 5/2012. Danke.

Schummeln gehört an der Uni zum Alltag. Das zeigt eine neue Studie, die erstmals empirische Daten zum Schummeln unter mehreren Tausend Studenten und Dozenten erhoben hat: 79 Prozent aller Studenten haben innerhalb eines Semesters mindestens einmal geschummelt, gespickt oder abgeschrieben, knapp jeder fünfte hat mindestens ein Plagiat abgegeben. Erwischt wird kaum jemand: 94 Prozent der Plagiatoren bleiben unentdeckt, trotz der Aufregung über gefälschte Doktorarbeiten wie jene von Karl-Theodor zu Guttenberg.

Die sogenannte »Fairuse«-Studie haben wir bei Zeit Campus exklusiv schon vor der Veröffentlichung im September bekommen. Simon Kerbusk und ich berichten darüber in der Titelgeschichte unserer neuen Ausgabe 5/2012 (September/Oktober) und überprüfen einige Mythen des Schummelns (etwa: »In Karrierefächern wird am meisten geschummelt« oder »Dozenten schauen bewusst nicht so genau hin«) mit Hilfe der neuen Daten.

Unser Magazin liegt ab heute an den Kiosken, als Vorgeschmack habe ich hier einige Ergebnisse der Studie zusammengefast, einige Einblicke ins Heft – und seine anderen Themen – gibt es nach dem Umbruch:

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