Brillen, Blumen, Nazis & Karl May

Eine Notiz zur zehnten Ham.Lit, der langen Nacht der jungen Literatur

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Donnerstagabend, kurz vor Mitternacht, im Hochbunker an der Feldstraße in Hamburg. Die Bühnendeko ist abgeräumt und steht jetzt auf dem Tresen. Ham.Lit, die lange Nacht junger Literatur und Musik, ist vorbei.

Seit zehn Jahren bietet das Vorlese-Festival einen Anlass, um unter der Woche zwei Bier zuviel zu trinken und sich über aktuelle Brillenmodetrends zu informieren. Und zuverlässig gab es hier ein, zwei tolle neue AutorInnen zu entdecken, zwischen vielen Naja-geht-so-Lesungen. 2019 war das Verhältnis umgekehrt. Das Programm hörte gar nicht auf, richtig gut zu sein.

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Neues Album von Jeans Team: Das ist Alkomerz, das haben wir verdient, da müssen wir jetzt durch

Jeans Team spielen Songs aus Das ist Alkomerz auf dem hamlit 2013

Abb.: Einer tanzt noch. Nach dem Jeans Team-Konzert auf der langen Nacht der Literatur am 7. Februar 2013 in Hamburg

Was Jeans Team können, war Anfang Februar auf der langen Nacht der jungen Literatur in Hamburg zu erleben. Erst lesen Schriftsteller, dann spielt ’ne Band: Auf diesen Deal hatte sich das Publikum eingelassen. Und 2012 hatte das auch super funktioniert. Erst ein bisschen zeitgenössische Lyrik erdulden und dann, wenn man nicht mehr still sitzen kann, aufstehen und tanzen zu den Songs von Die Sterne: Ganz geil, eigentlich, zumal für einen Donnerstagabend. Also 2013 wieder hin. Bloß: Dieses Jahr ging das gehörig in die Hose. Wegen Jeans Team.

Dabei hatte alles so gut angefangen: Tilman Rammstedt las als erster. Mit ihm hatten die Organisatoren einen erfahrenen Schriftsteller ausgesucht, der vor Publikum brilliert. »Nun wirklich das allerlustigste Buch des Jahres« hatte Rammstedt laut Elke Heidenreich geschrieben, irgendwas über einen Banker, mit vielen Pointen, geradezu poetryslamesque. Daraus las er jetzt, da konnte nichts schiefgehen. Und da ging auch nichts schief. Beschwippstes Gekicher. Erlöstes Gelächter. Gute Laune. Endlich Feierabend. Noch’n Bier? Klar, ey.

Es war »kuschelig«, wie eine Anwesende später schreiben sollte, Oberschenkel rieben an Oberschenkel von Sitznachbarn. Dann: Etwas mehr Tiefgang. Kevin Kuhn kredenzte bürgerliche Existenzkrisen. Bisschen öde, fand nicht nur ich, aber: Vertraut. Okay. Konnte man machen. Also noch’n Bier und dann noch’n Literat und noch’n Bier und noch’n Literat, Spaß plus Bildung, ganz geil, eigentlich.

Aber dann! Jeans Team! Elektropop im Grenzbereich zum Schlager. Zwei Spacken in viel zu großen T-Shirts. Sangen was über Bomberjacken und Gay-House-Partys und »Trallali« und »Trallala«. Deutsche Schunkelglückseligkeit (der Sound), gekreuzt mit Geschichten über Berlin oder so (die Lyrics). Fragwürdig. Gewagt. Hier ein beispielhafter Song:

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