Welche Reportagen kann man heute noch schreiben?

Keine mehr über Kreuzfahrten, Truppenunterhalter und Reisen mit Papa

Eine Umfrage in der amerikanischen Literaturzeitschrift Granta (»The Magazine of New Writing«): »Is Travel Writing Dead?«

Das passt zur Diskussion, die ich immer wieder mal mit anderen Magazinjournalisten führe (vornehmlich dann, wenn wir zwei Bier zuviel getrunken haben): Welche Reportagen kann man heute noch schreiben? Welche nicht mehr?

Oder konkreter: Gibt es Themen, an die man sich heute nicht mehr rantrauen sollte? An denen man sich nicht mehr abarbeiten braucht? Weil sie in der Vergangenheit bereits meisterhaft behandelt wurden?

Es sind Fragen, die Nachrichten- und Zeitungsjournalisten vermutlich seltsam finden: Die schreiben nämlich einfach, was Nachrichtenwert hat, und fertig (na ja, wenn das mit dem Nachrichtenwert mal so einfach wäre).

Aber gilt für lange Magazinstücke nicht ein anderer Anspruch an Originalität? Müssen die nicht etwas über unsere Zeit aussagen, in dem Sinne, wie man heute jedem, der etwas über die sechziger Jahre erfahren möchte, als erstes die Reportagen von Joan Didion und Tom Wolfe empfiehlt?

Ich sympathisiere mit Geoff Dyers Antwort auf die Frage der Granta-Redaktion:

Any successful travel book should involve some kind of departure from previously visited ideas of the travel book.

Ähnliches gilt für Reisereportagen (und vermutlich auch für Reportagen überhaupt): Bestimmte Stoffe sind so auserzählt, dass man schon radikal neue Ansätze finden müsste, um dem bestehenden Korpus an Texten noch etwas hinzufügen zu können.

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Pat Jordan, 68, reports from Spring Break in Daytona Beach

I sat at a table near the bar and eyeballed the kids. I had never seen so many fat girls, covered in tats, in bikinis, who thought they were so hot. […] These kids all had a sense of entitlement, but for what? Their youth? That was it? They were young and others weren’t. They better enjoy it while they can because it won’t last. Or maybe it does last these days. Adolescence on into their thirties. The Adolescencing (is that a word?) of America.

I don’t want to say Norman Mailer or Hunter S. Thompson (or maybe I do), but Pat Jordan’s report on Spring Break debauchery in Daytona Beach, Florida, is some serious writing, New Journalism-style. By which I mean it’s hilarious. And fearless. And smart. It’s published as a three-part installment over at Deadspin, called »Down and Out in Daytona Beach«. Did I mention Pat Jordan is 68 years old? Click for part one, part two, part three.