Before it’s in fashion, it’s in history

Wie Levi’s und Boss neue It-Pieces in der eigenen Geschichte finden

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Anfang des Jahres legte Levi’s eine alte, braune und auf den ersten Blick nicht besonders interessante Lederjacke neu auf. Das Original war vor mehr mehr als 80 Jahren mal Teil der Kollektion gewesen. Einer der Kunden, der die Jacke damals kaufte, war Albert Einstein. Er trug sie auf dem Time-Cover im April 1938.

Nun hatte Levi’s die alte Jacke bei einer Auktion ersteigert, nachgeschneidert und neu in den Handel gebracht. Aus dem Werbetext zur Jacke:

Das Levi’s® Vintage Clothing Menlo Cossack Jacket ist ein Replikat einer Jacke aus den 1930er Jahren, die ursprünglich Albert Einstein gehörte. Als Einstein um 1935 in die USA kam, beantragte er die amerikanische Staatsbürgerschaft. Bekannt für seine minimalistische Kleidung, kaufte er sich diese Lederjacke und trug sie viele Jahre lang. Im Juli 2016 ersteigerte Levi Strauss & Co. diese Jacke beim Auktionshaus Christie’s in London. […] Wir haben diese Jacke vollständig originalgetreu kopiert und fertigen sie aus satt gefärbtem Leder, das im Laufe der Jahre wunderschön nachdunkelt.

Wer diese Jacke kauft, kann deshalb zwar noch lange nicht denken wie Albert Einstein, aber zumindest ein bisschen aussehen wie er. Und – sogar riechen wie das Genie. Denn, so heißt es in dem Werbetext weiter:

Wie von Christie’s angemerkt, wies diese Jacke neben ihren Abnutzungserscheinungen auch einen schwachen Geruch auf. Einstein war leidenschaftlicher Pfeifenraucher und seine Jacke verströmte noch 60 Jahre nach seinem Tod den süßlichen Duft von Pfeifentabak. […] Authentizität ist uns so wichtig, dass wir zusammen mit dem Parfumhaus D.S. & Durga aus Brooklyn auch diesen Duft rekonstruiert haben: eine warme Mischung aus Burley-Pfeifentabak, Papyrusmanuskripten und altem Leder. Jeder Jacke liegt ein Flakon dieses exklusiven Dufts sowie ein Replikat der Bieterkarte mit der Nummer 97 bei, mit der wir auf dieses historische Kleidungsstück geboten haben.

Dieses Halloween kamen leider keine kleinen Einsteins an meiner Haustür klingeln. Keine Kinder in schweren, speckigen Lederjacken, mit zerzausten Haaren und dem süßlichen Geruch von Pfeifentabak. Dafür war diese Jacke wohl einfach zu teuer: 1200 Euro. Trotzdem ist sie inzwischen offiziell ausverkauft.

Auch aus PR-Sicht dürfte es sich für das Unternehmen gerechnet haben: Ich weiß nicht, in wie vielen Magazinen und Blogs ich die Geschichte von der Einstein-Jacke gelesen habe. Waren es ein halbes Dutzend Veröffentlichungen? Mindestens.

Keine große Überraschung also, dass der Trick, der Levi’s mit der Einstein-Jacke gelungen ist, jetzt von Hugo Boss wiederholt wird.

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Das neue Cover der Time

Das Spannende am neuen Time-Cover: Nach den alten Printregeln ist es im Handel zum Scheitern verurteilt (leeres Foto, unscharfe Schrift, schwache Marke).

Aber durch seine Online-Verlängerung und speziell das hier eingebettete Making-of-Video wird es spektakulär und unvergesslich.

Print in der Post-Print-Ära.

 

"Time Magazine" schreibt über Wachshitler-Enthauptung: Deutschland begeistert, Henryk M. Broder erst recht.

Habe ich was verpasst? So wie ich die viel diskutierte Enthauptung des Wachshitlers im Berliner Madame Tussaud’s durch Frank L. mitbekommen habe, war die Aktion ziemlich umstritten. Oder zumindest: Es war nicht der nationale Konsens, Frank L. jetzt total super zu finden.

Stefanie Kirchner schreibt nun in der aktuellen Ausgabe des amerikanischen Time Magazine das Gegenteil:

Last Saturday, though, a moment of vandalism turned Frank L. into something of a national hero, mentioned by some in the same breath as the legendary Claus Schenk Graf von Stauffenberg, who led a failed assassination attempt against Hitler in 1944. Frank L. accomplished his extraordinary rise from obscurity to national celebrity through a simple act of decapitation.

(Hervorhebung nachträglich eingefügt)

Nationalheld? Nationale Bekanntheit: ja. Aber Held? Es geht noch weiter:

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