»Führender globaler Denker«: Auszeichnung für Nick Bostrom

Das amerikanische Foreign Policy Magazin hat dieser eine Liste der »führenden globalen Denker« des Jahres 2015 veröffentlicht (die ganze Liste gibt es hier). Mit dabei ist der Philosoph Nick Bostrom, der vor den Gefahren der künstlichen Intelligenz warnt. Seine Langzeitperspektive: mögliche Auslöschung der Menschheit durch intelligente Maschinen. Alternativ könnte aber auch das Paradies auf Erden entstehen.

Klingt interessant/irre/all of the above? Bostroms Buch Superintelligence ist bei Oxford University Press sowie in deutscher Übersetzung bei Suhrkamp erschienen.

Ich habe das Buch für Spiegel Online besprochen und den Philosophen für ein Interview in Oxford besucht, das in Zeit Campus und auf Zeit Online veröffentlicht worden ist.

Abbildung: Der Philosoph Nick Bostrom, fotografiert von Ken Tancwell (via Wikipedia / Lizenz: CC BY SA 4.0)

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Superintelligenz & Ghostwriter: Meine Texte in Zeit Campus

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Abb. 1 & 2: Die neue Ausgabe von Zeit Campus (3/15, Mai/Juni 2015), inkl. meines Interviews mit Nick Bostrom

Kein Bock auf Arbeit? Gute Nachrichten: Wenn es stimmt, was der Philosoph Nick Bostrom sagt, dann ist das in Zukunft gar nicht mehr nötig. Die künstliche Superintelligenz wird uns die Arbeit abnehmen, sagt Bostrom. Sie wird für uns denken (denn das kann sie besser als wir) und fast alle unserer Probleme lösen. Neulich war ich zu Gast in Oxford, um ausführlicher mit dem Philosophen zu sprechen.

Das Interview ist in der neuen Ausgabe von Zeit Campus zu lesen, die es ab morgen am Kiosk (oder bei iTunes und im Playstore) gibt. Es ist optimistischer ausgefallen als das Buch Superintelligenz, das ich hier besprochen habe, und in dem Bostrom argumentierte, die Superintelligenz werde uns wohl nicht dienen, sondern uns vernichten.

Wer bis zur Erfindung der Superintelligenz nicht mehr warten will (vor 2075 wird es wohl nicht dazu kommen, dass Roboter schlauer sind als wir), der kann sich heute schon einen akademischen Ghostwriter nehmen, um zumindest mit universitären Haus- und Abschlussarbeiten keinen Stress mehr zu haben.

Das ist ein Verstoß gegen die Prüfungsordnung und kann u.a. mit der Exmatrikulation geahndet werden. Aber der Markt der akademischen Ghostwriter scheint trotzdem zu wachsen. Ich habe mit den Chefs einiger der größten Ghostwriting-Agenturen gesprochen, um ihre Schattenbranche besser zu verstehen. Auch dazu mehr in der neuen Zeit Campus, im ausfühlichen Ghostwriter-Report.

Weitere Einblicke ins Heft gibt’s nach dem Umbruch.

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Geschichten, Geschichten, Geschichten: Auszüge aus Büchern von Gideon Lewis-Kraus und Nora Gantenbrink in ZEIT CAMPUS

Ein Auszug aus Gideon Lewis-Kraus' Reisememoiren "Die irgendwie richtige Richtung" in ZEIT CAMPUS 6/13

Abb. 1: Ein Auszug aus Die irgendwie richtige Richtung liegt der nächsten Ausgabe von ZEIT CAMPUS bei (das Ding in gelb)

Übermorgen erscheint die neue Ausgabe von ZEIT CAMPUS (Nr. 6/13). Wir haben mal wieder eines dieser Pixiehefte für Erwachsene auf dem Cover kleben: Einen kleinen, giftig-gelben Literaturbeileger mit Auszügen aus dem Buch Die irgendwie richtige Richtung von Gideon Lewis-Kraus, das gerade bei Suhrkamp erschienen ist.

Auf den ersten Blick ist nicht viel Interessantes an diesem Buch: Es handelt sich um die Erinnerungen eines Amerikaners, der in Berlin lebt und die Stadt erst wahnsinnig hip und voll »arm aber sexy« findet, später aber oberflächlich und doof. Was macht er also? Er geht pilgern. Nach Santiago de Compostella. Wie neulich dieser Fernsehclown. Supergähn.

Geilerweise ist Literatur – auch: Non-Fiction-Literatur – aber mehr als nur Plot. Mir hat Die irgendwie richtige Richtung sehr gut gefallen, als ich mich erst eingelassen habe auf die langsame, feinsinnige und auf kluge Weise humorvolle (ürgs, Literaturkritiker-Adjektive!) Erzählweise von Gideon Lewis-Kraus.

Irgendwo aufgeschlagen und wahllos zitiert:

Am Morgen kaufe ich mich mir einen Wanderstock, entdecke meine erste Blase und mache daraus sofort ein Drama. Tom erinnert mich daran, dass seine beiden Füße jeweils mindestens acht Blasen aufweisen und frühlingshaft in voller Eiterblüte stehen. »Ich finde, du gibst dir nicht genug Mühe, den ernsthaften Schmerz zu begreifen, den ich empfinde. Oder es ist dir scheißegal«, sagt Tom. Ich verstehe das natürlich als allumfassende Kritik und muss immer wieder darüber nachdenken, während wir durch die stille Hitze des Morgens marschieren.

Oh, wie existenziell sich Krisen anfühlen können, die sich im Weltmaßstab wohl eher als Kriselchen erweisen. Das Buch handelt eben nicht von Berlin und auch nicht vom Pilgern, zumindest nicht primär, sondern von einem Typen nach dem Hochschulabschluss, dessen größten Probleme psychologisch und dessen bevorzugten Lösungen geografisch sind. Hier bin ich nicht glücklich? Dann ziehe ich halt dort hin. Dort bin ich auch nicht glücklich? Dann vielleicht noch ein Umzug. Irgendwann merkt der Typ: Auf Dauer ist das keine Lösung.

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Fünf (plus fünf) Bücher des Jahres 2012

Spontan & schmerzfrei: Einige Bücher, ohne die das Jahr für mich ganz anders verlaufen wäre. An die ich mich auch 2013 noch erinnern werde. Und die ich ohne Einschränkungen weiterempfehle.

1. Ein Roman, von dem Freunde sagen »Das ist nie und nimmer eines der Bücher des Jahres!«:
Michael Muhammad Knight – Taqwacore (bei Rogner & Bernhard, hier meine Rezension)

2. Der einzige Roman auf der Buchpreis-Shortlist, den ich freiwillig & gern gelesen habe:
Ulf Erdmann Ziegler – Nichts Weißes (bei Suhrkamp)

3. Der ausgezeichnete Debütroman des Jahres:
Olga Grjasnowa – Der Russe ist einer, der Birken liebt (bei Hanser, hier unsere Jury-Begründung)

4. Ein großartiger Essay, den zu viele Leute noch nicht gelesen haben:
Emmanuel Carrère – Limonow (bei Matthes & Seitz Berlin, hier meine Rezension)

5. Ein lesenswertes Sachbuch zu einem Thema, von dem ich jetzt schon nichts mehr wissen will:
John Gray – Wir werden sein wie Gott (bei Klett-Cotta, hier meine Rezension)

Außerdem unvergessen & unsortiert: John Jeremiah Sullivan – Pulphead (bei Suhrkamp), Katja Kullmann – Rasende Ruinen. Wie Detroit sich neu erfindet (bei Suhrkamp), Beatriz Preciado – Pornotopia. Architektur, Sexualität und Multimedia im Playboy (bei Wagenbach), Christian Kracht – Imperium (bei Kiepenheuer & Witsch), Mark Greif (Hrsg.) – Hipster. Eine transatlantische Diskussion (bei Suhrkamp)

Das wird im nächsten Jahr schlechter: Ich werde nicht mehr als nervöser Fanboy im Kölner Literaturhaus zwischen Mark Greif und Diedrich Diederichsen sitzen und so tun, als würde ich die beiden moderieren.

Das wird im nächsten Jahr besser: Ich werde nicht mehr in jeder zweiten Verlagsvorschau den blöden und unbegründeten Satz lesen »Dieses Buch könnte die Bibel der Occupy-Bewegung werden!«

Das ist an dieser Liste unseriös: 1. Sie schafft nicht die Frauenquote von mehr als 30 Prozent. 2. Im Dezember kommen auch noch Bücher raus (aber die lese ich eh erst im Januar) 3. Bitte in die Kommentare schreiben

Prokrastination fehlgeschlagen: Über Schicksal, Zeit und Sprache

Ist unser zukünftiges Handeln vorherbestimmt und entzieht sich unserer Einflussnahme? Mit dieser Frage beschäftigte sich der Student David Foster Wallace in seiner Abschlussarbeit in Philosophie. Nachdem ich einige Seiten dieser Arbeit gelesen habe, bin ich nahezu überzeugt: Die Antwort ist Ja.

Zumindest lässt Schicksal, Zeit und Sprache (jenes Buch, in dem Wallaces Abschlussarbeit jetzt in deutscher Übersetzung veröffentlich worden ist) nicht zu, dass ich mich seiner bediene um mich vor der Verpflichtung zu drücken, Unendlicher Spaß zu lesen. Zwar ist Schicksal, Zeit und Sprache ungleich schlanker als der Romankoloss, aber die Lektüre wäre wohl ähnlich zeitintensiv, wollte ich die Texte in diesem Buch ernsthaft durchdringen.

Was nicht heißen soll, dass die langen Formeln, mit denen David Foster Wallace hier Richard Taylors Fatalismus-Essay zu widerlegen versucht, keine sinnlichen oder ästhetischen Qualitäten hätten. Ganz im Gegenteil! Aber sie teilen diese Eigenschaft mit dem Schriftbild ägyptischer Hieroglyphen und den Lauten der Sprache !Xóõ.

»Beeindruckend an Wallace‘ Leistung ist auch«, schreibt James Ryerson, ein Literaturredakteur der New York Times, im Vorwort zu Schicksal, Zeit und Sprache, »daß es ihm gelang, seine Abschlußarbeit in Philosophie zu beenden, obwohl er bereits seit geraumer Zeit eine Wandlung vom angehenden Philosophen zum angehenden Romancier durchmachte.« Parallel zur philosophischen Abschlussarbeit schrieb David Foster Wallace in den Jahren 1984/85 demnach an seinem Debütroman Der Besen im System.

Und der Betreuer der Abschlussarbeit, Jay L. Garfield, schreibt in seinem Nachwort über David Foster Wallace: »In meinen Augen war er ein extrem begabter junger Philosoph, der in seiner Freizeit Romane schrieb; mir war nicht klar, daß er in Wahrheit einer der begabtesten Romanciers seiner Generation war, der nebenbei philosophierte.«

Ein Wort noch: Demut.

Gegen die Nostalgie (und im Zweifel: für die Political Correctness)

Abb.: Vorbildlich politisch unkorrekt, aber leider ein Neandertaler: Banksys »Caveman«, fotografiert von Stefan Kloo/Lord Jim (CC).

Über den »Terror der Tugend« schrieb Harald Martenstein neulich ein ganzes ZEIT-Dossier, gestern legte die Süddeutsche nach und veröffentlichte auf Seite 3 einen Artikel über die singapureanischen Zuständen auf deutschen Spielplätzen (leider nicht online, doch der Tenor war: »Kaugummis, Alkohol, Hunde – alles verboten, schlimm!«).

Das finde ich bemerkenswert: Prominente (und zumindest im Fall von Martenstein auch beneidenswert gute) Autoren warnen auf den besten Seiten der großen deutschen Qualitätszeitungen vor der verordneten Rücksichtnahme und der Political Correctness, die in Deutschland angeblich um sich greift. Der Suhrkamp Verlag macht mit und veröffentlicht mit »In Anführungszeichen« eine anti-PC-Streitschrift der Wiener Intellektuellen Matthias Dusini und Thomas Edlinger (die ich hier für Spiegel Online besprochen habe).

Aber – ist es wirklich so schlimm?

Auf Spielplätzen treibe ich mich seit einigen Jahren nicht mehr so viel rum, deshalb kann ich den Artikel aus der Süddeutschen nicht kommentieren. Ansonsten scheint mir die Aufregung aber schwer nachvollziehbar. Klar, die »Negerpuppe«-Kampagne gegen Sarah Kuttner war lächerlich, aber Allianzen aus Boulevardjournalisten (Mopo) und abgehalfterten Fernsehpromis (Mola Adebisi) gab es schon immer (siehe auch hier).

Dieser alberne Feldzug ist also schwerlich ein Indiz dafür, dass der Tugendterror um sich greift. Oder gar dafür, dass Kultur und freie Meinungsäußerung von Moralaposteln erstickt werden. Ich habe sogar eher den Eindruck, dass wir (das heißt: wir weißen, gebildeten, okay verdienenden Männer, die in dieser Diskussion als alleinige Kläger auftreten) uns heute freier äußern und »unkorrekter« genießen können als noch in vergangenen Jahrzehnten.

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