Queer wie King Kong

Über King Kong Theorie, einen Essay von Virginie Despentes

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King Kong hat keinen Penis und keine Hoden. Wer hat’s gemerkt? Virginie Despentes. In King Kong Theorie, einem Essay, der im französischen Original bereits 2006 veröffentlicht wurde und neulich bei Kiepenheuer & Witsch in neuer deutscher Übersetzung erschienen ist, unterzieht die Regisseurin (Baise-moi) und Schriftstellerin (Vernon Subutex) das King Kong-Remake von Peter Jackson einem »queer reading«.

Demnach raubt dort kein männlicher Affe die weiße Frau (mit allen rassistischen Assoziationen, die das eröffnet), sondern: Die Frau sucht die Sicherheit bei der Äffin (Depentes nutzt für King Kong das Pronomen »sie«), um eine zärtliche, asexuelle Beziehung zu beginnen, auf einer polymorph-perversen Südseeinsel, zwischen Tentakeln mit bezahnten Vaginen. Klar, dass die Männer die Frau zurückerobern und King Kong töten. So wird die alte Ordnung wiederhergestellt, in der Männer herrschen und die Wünsche der Frauen nachrangig sind.

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»Frauen sind die großen Verliererinnen der sexuellen Befreiung« 

… mit diesen Worten ist ein Interview mit der Soziologin Eva Illouz in der aktuellen Ausgabe des Philosophie Magazins überschrieben und diese These finde ich, äh, überraschend.

Eva Illouz spricht in dem Interview über die Schattenseiten der »sexuellen Revolution« seit den späten 1960er Jahren, wobei Illouz selbst die Formulierung der »Deregulierung der Sexualität« wählt. Diese »Deregulierung« habe eine Vielzahl (moralischer, religiöser) Vorschriften, die bis dahin das Sexualverhalten reguliert hätten, durch eine einzige ersetzt, nämlich die der Zustimmung.

Heute gelte:

Man darf alles tun, was man will, solange die Person, mit der man es tut, darin einwilligt.

Illouz‘ These weiter: Dadurch, dass jetzt jede mit jedem kann (und jede mit jeder und jeder mit jedem), solange die beiden sich nur über die Konditionen einig werden, ergibt sich wie auf einem Markt das freie Spiel von Angebot und Nachfrage.

Unter Gerechtigkeitsaspekten entsteht daraus kein Problem, solange man davon ausgehen kann, dass die Vertragspartner einander auf Augenhöhe begegnen, dass sie also selbstbestimmt und außerhalb von Abhängigkeitsverhältnissen über den Vertrag und seine Konditionen entscheiden können. Aber das ist natürlich eine Fiktion. Auf dem sexuellen Markt. Und auf jedem anderen Markt auch.

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