Wetternostalgie

1942:

1975:

tbc.

Advertisements

Miley Cyrus & die Pornografie: Keine so unkomplizierte Sache

Video: Miley Cyrus in Tongue Tied (Regie: Quentin Jones)

Anfang der Woche machte die Meldung die Runde, Miley Cyrus habe einen Film bei einem Porno-Filmfestival eingereicht. Zuerst berichtete die New York Post. Dann griffen Klatschseiten in aller Welt die Meldung auf (auch Amy & Pink, wo ich zum ersten Mal davon las). Kein Wunder. Es war eine krasse Nachricht.

Man konnte einwenden: Miley Cyrus? Die lässt doch von VMA 2013 bis V Magazine 2015 keine Gelegenheit aus um aufzufallen – mit Fotos, Videos und Performances, die schon oft als »pornografisch« beschimpft worden sind. Außerdem hieß es in der Meldung, sie habe nicht eigens einen Pornofilm gedreht, sondern einen Clip namens Tongue Tied eingereicht, den ihr Quentin Jones ursprünglich für ihre Bangerz-Tour produziert hatte.

Trotzdem: Dass eine Sängerin eines ihrer Musikvideos als Porno deklariert, der gleichberechtigt zwischen anderen Pornos laufen soll, ist eine Ansage. Noch dazu, weil das NYC Porn Film Festival, das Tongue Tied in sein Programm aufgenommen hatte, von der Wichsfilmseite Pornhub finanziert wird.

Seit vielleicht zehn Jahren ist von der »Pornografisierung« der Popmusik die Rede. Doch Leute, die dieses Schlagwort im Mund führen, meinen oft bloß, dass weibliche Musikerinnen zu viel nackte Haut zeigen und männliche zu viel von Sex quatschen. Kann man drüber reden, klar, aber diese Tendenz gibt’s spätestens seit Josephine Baker und Bo Carter. Also circa seit den 1930ern.

WeiterlesenMiley Cyrus & die Pornografie: Keine so unkomplizierte Sache“

Fünf deutschspachige Popsongs, die erstaunlich wenig nerven

Kreisky: Selbe Stadt, anderer Planet (vom Album Blick auf die Alpen, 2014)

»Kennste Kreisky? Die Band?« – »Joah«, antwortet der Freund aus München und könnte nicht unüberraschter klingen. Okay, ich bin spät dran. Wie halb Norddeutschland. Wir hören halt wenig FM4 hier. Es dauert, bis österreichische Bands nach Hamburg vordringen. Was bedauerlich ist, denn Kreisky hätte ich ruhig schon vor ein paar Jahren entdecken können. Diese Band (aus Wien) hat mein Vertrauen in die Popmusik wiederhergestellt.

Denn: Wow, es gibt noch deutsche Texte, die nicht nerven! Wow, es gibt noch Songs mit Gitarren, die nicht nerven! Alter, machen die gute Videos! Vergleichen Sie zur kritischen Überprüfung der unanfechtbaren Wahrheit dieser Thesen bitte auch dieses & jenes & nicht zuletzt das hier aus dem Frühwerk der Band.

Blick auf die Alpen heißt das neulich veröffentlichte neue Album von Kreisky. Es wird sich zirka Mitte Dezember als eines der besten des Jahres 2014 erweisen. Glaube ich ganz fest.

Zucker!: Alles Amazing (vom Sampler Keine Bewegung, 2014)

Wir waren schon auf einem halben Dutzend Zucker!-Konzerte gewesen. Übertreibe ich? Jedenfalls fühlte es sich so an. F. und ich hatten die Band zuerst im Nachtasyl gesehen, das war ihr allererstes Konzert, Zucker! waren damals Vorgruppe eines Acts, dessen Namen ich inzwischen vergessen habe.

Es folgten Auftritte im Pudel, in der Astra-Stube, jetzt im Golem. Ich hatte dafür den halben Freundeskreis mobilisiert – und versprach ein Konzert, von dem wir noch unseren Enkeltöchtern erzählen würden.

Trotzdem war F. enttäuscht. »Unerhaben« fand er den Auftritt, wegen des schlechten Sounds. C. war auch nicht begeistert: »I would have expected two bombshells«, sagte er. J. gefiel es gar nicht so schlecht und er begann gleich zu Theoretisieren (»Krautrockschlager … Techno mit den Mitteln des 80er-Synthiepop … «).

Genörgel, Chauvinismus, Intellektualitätsvortäuschung – normalerweise bin ich dafür zu haben, aber heute interessierte mich nur, was M. zu sagen hatte. Ich erzählte ihr, dass ich nach jedem Zucker!-Konzert das unbedingte Verlangen verspürte, endlich selbst eine Band zu gründen. M. sagte: »I thought exactly the same thing.« Amazing.

WeiterlesenFünf deutschspachige Popsongs, die erstaunlich wenig nerven“

Pop, Mode, Tanzen: Einblicke in die ZEIT CAMPUS-Ausgabe 3/14

01

Dies ist die neue Ausgabe von ZEIT CAMPUS, Nr. 3/14. Nachdem unser letztes Heft einen stärkeren politischen Einschlag hatte, herrscht jetzt eine frühlingshafte Unbeschwertheit mit Themen wie Popmusik, Mode, Tanzen …

… auf den ersten Blick. Denn tatsächlich geht es im neuen Heft auch um das prekäre Leben von jungen Musikern und um den Rassismus im Mode- und Designbetrieb. Soviel zur mangelnden akademischen Unverkrampftheit. Seicht werden wir erst, wenn wir alt sind. Vielleicht. Hoffentlich nicht.

Hier einige Einblick ins Heft mit kurzem Kommentar zu den Beiträgen, die mir besonders am Herzen liegen:

WeiterlesenPop, Mode, Tanzen: Einblicke in die ZEIT CAMPUS-Ausgabe 3/14″

Tellavision: neu in der Nachbarschaft & herzlich willkommen

Video #1: Die neuen Nachbarn brauchen Kohle, damit sie Platten machen können

Das mit der Gentrifizierung hat mal wieder blendend funktioniert, dachte ich, als ich in der Signatur einer Promo-E-Mail neulich den vertrauten Straßennamen entdeckte. Weil: Moment, es gibt jetzt Indielabel-Presseleute zirka fünf Häuser von hier entfernt? Früher wohnten hier doch ausschließlich Rentner?! Vor zwei Jahren, oder so?

Meine Damen & Herrn, es ist offiziell, Bahrenfeld wird das nächste große Ding in Hamburg. Indizien: Das Netzwerk des Labels Bloody Hands reicht bis in die Gegend. Inzwischen gibt’s um die Ecke auch ein Mälzer-Restaurant. Und ein Künstlerhaus, zu dessen Eröffnung die Kultursenatorin vorbeischaut.

Schade für alle, die gerade nach Wilhelmsburg gezogen sind.

Wobei ich nicht sicher bin, ob Indielabelleute im Vergleich zu Rentnern wirklich eine ökonomische Aufwertung des Viertels bedeuten. Aber vielleicht stehen sie nicht gleich vor der Tür und beschweren sich, wenn nach 22 Uhr noch der Plattenspieler läuft? Das wäre mir Lebensqualitätssteigerung genug.

Reden wir also über Musik.

WeiterlesenTellavision: neu in der Nachbarschaft & herzlich willkommen“

»Immer dieses Internet!« Mercedes Bunz vs Diedrich Diederichsen

 

Ein Gespräch über Text, Pessimismus, Subkultur, Öffentlichkeit, Mailorder, Musik und Utopien im & mit dem Internet. Die erste viereinhalb Minuten sind ziemlich lang, danach wird es interessant.

♥ to re:publica

Neues Album von Jeans Team: Das ist Alkomerz, das haben wir verdient, da müssen wir jetzt durch

Jeans Team spielen Songs aus Das ist Alkomerz auf dem hamlit 2013

Abb.: Einer tanzt noch. Nach dem Jeans Team-Konzert auf der langen Nacht der Literatur am 7. Februar 2013 in Hamburg

Was Jeans Team können, war Anfang Februar auf der langen Nacht der jungen Literatur in Hamburg zu erleben. Erst lesen Schriftsteller, dann spielt ’ne Band: Auf diesen Deal hatte sich das Publikum eingelassen. Und 2012 hatte das auch super funktioniert. Erst ein bisschen zeitgenössische Lyrik erdulden und dann, wenn man nicht mehr still sitzen kann, aufstehen und tanzen zu den Songs von Die Sterne: Ganz geil, eigentlich, zumal für einen Donnerstagabend. Also 2013 wieder hin. Bloß: Dieses Jahr ging das gehörig in die Hose. Wegen Jeans Team.

Dabei hatte alles so gut angefangen: Tilman Rammstedt las als erster. Mit ihm hatten die Organisatoren einen erfahrenen Schriftsteller ausgesucht, der vor Publikum brilliert. »Nun wirklich das allerlustigste Buch des Jahres« hatte Rammstedt laut Elke Heidenreich geschrieben, irgendwas über einen Banker, mit vielen Pointen, geradezu poetryslamesque. Daraus las er jetzt, da konnte nichts schiefgehen. Und da ging auch nichts schief. Beschwippstes Gekicher. Erlöstes Gelächter. Gute Laune. Endlich Feierabend. Noch’n Bier? Klar, ey.

Es war »kuschelig«, wie eine Anwesende später schreiben sollte, Oberschenkel rieben an Oberschenkel von Sitznachbarn. Dann: Etwas mehr Tiefgang. Kevin Kuhn kredenzte bürgerliche Existenzkrisen. Bisschen öde, fand nicht nur ich, aber: Vertraut. Okay. Konnte man machen. Also noch’n Bier und dann noch’n Literat und noch’n Bier und noch’n Literat, Spaß plus Bildung, ganz geil, eigentlich.

Aber dann! Jeans Team! Elektropop im Grenzbereich zum Schlager. Zwei Spacken in viel zu großen T-Shirts. Sangen was über Bomberjacken und Gay-House-Partys und »Trallali« und »Trallala«. Deutsche Schunkelglückseligkeit (der Sound), gekreuzt mit Geschichten über Berlin oder so (die Lyrics). Fragwürdig. Gewagt. Hier ein beispielhafter Song:

WeiterlesenNeues Album von Jeans Team: Das ist Alkomerz, das haben wir verdient, da müssen wir jetzt durch“