In Ottensen riecht es muffig

In Ottensen riecht es muffig. So, als hätten die Menschen des Viertels sich verabredet, alle zeitgleich ihre Keller- und Dachbodentüren aufzureißen. Und all das an die frische Luft zu lassen, was bisher im Dunklen, Feuchten, Abgeschiedenen vor sich hinmoderte und Staub sammelte.

Halt, wozu der Konjunktiv? Exakt das ist passiert! Es ist der Altonale-Flohmarkt am Platz der Republik. Massen an Menschen drängen sich durch noch größere Massen an Babykleidern, Büchern und dekorativen Kerzenständern aus Messing. Eine gewisse Nostalgie erfasst mich beim Anblick der professionellen Händlern mit Quadratmetern voller Compact Discs und Digital Versatile Discs.

Datenträger, die Ende des 20. Jahrhunderts Fortschritt versprachen, ehe man Anfang des 21. beschloss, dass Fortschritt noch besser ganz ohne Datenträger geht. Warten wir noch 20 Jahre, dann werden die Leute hier Spotify- und Netflix-Gutscheine verhökern.

Muffig wird es dann immer noch riechen. Die Babykleider, Bücher und dekorativen Kerzenständer werden so schnell nicht aussterben.

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