Corona: Post-demokratische Expertokratie? Nö.

»Ist die Politik je zuvor derart von der Wissenschaft – oder genauer: von Virologen und Epidemiologen – dominiert worden?«, fragen die Journalisten Martin Beglinger und Marc Tribelhorn den Geschichtswissenschaftler Caspar Hirschi.

Der antwortet:

Der Eindruck täuscht. Virologen und Epidemiologen haben gerade eine enorme Präsenz in der Ă–ffentlichkeit, aber das heiĂźt noch nicht, dass sie die Politik beherrschen. Vielmehr haben gewiefte Politiker erkannt, dass ihre Beliebtheitswerte nach oben schnellen, wenn sie im Namen der Wissenschaft hart durchgreifen. Darum zeigen sie sich gerne mit Experten. […] Wenn Politiker wie Söder mehr auf Mediziner als auf Ă–konomen oder Pädagogen hören, so ist das ihre politische Entscheidung und Verantwortung. Man kann dafĂĽr nicht die Experten verantwortlich machen und schon gar nicht von einer Expertokratie sprechen. Kein Mediziner regiert!

Das ganze Interview ist auf der Website der NZZ kostenlos online lesbar.

Lebewohl, James Bond

In der NZZ beerdigt Sarah Pines eine Legende: James Bond. Der Agentenmythos habe sich ĂĽberlebt, so die Autorin. Nicht wegen #metoo, sondern wegen Big Data.

Weshalb auch keine weibliche 007 die aus der Zeit gefallene Filmreihe zu retten im Stande sei:

In wenigen Bereichen hat die Pop-Kultur so viele ästhetische Bilder hervorgebracht wie in der Spionage: den Film Noir, dustere Melancholie, den «Orient Express» und schöne Frauen mit Wasserwelle. Doch noch nie sind unsere ästhetischen Vorstellungen von der Realität der Geheimdienste und Agenten so sehr abgewichen wie heute. Denn die reale Spionage ist doch schon lange zum Technologiegefecht zwischen vor Bildschirmen sitzenden Menschen verkommen.

Kann es heute noch Agenten (oder Agentinnen) geben, die heroisch handeln? Vermutlich höchstens als Whistleblower.

Hier geht es zum Artikel (kostenlos lesbar).