Lernen von Lokalzeitungen

Zukunft der Medien: Die Norderneyer Badezeitung war schon hyperlocal, bevor das cool wurde. Sie ist das nämlich seit 1868.

Diese Zeitung funktioniert nach der Logik von Indie-Magazinen: Hoher Copy-Preis — 90 Cent für acht Seiten —, keine einzige Werbeanzeige, mutmaßlich eine gute Portion Selbstausbeutung bei den vier im Impressum gelisteten Redakteurinnenen und Redakteuren, die werktags immerhin zwei Seiten Lokales produzieren. (Überregionales kommt aus Oldenburg, außerdem gibt es noch eine Seite Fernsehprogramm.)

Bis vor zehn Jahren war die Badezeitung auch tatsächlich independent, heute gehört sie zu einer Zeitungsgruppe in Leer auf dem Festland. Immerhin: Die drei Verlegerinnen der Badezeitung (es sind nur Frauen — ProQuote!) haben noch alle denselben Nachnamen.

Was mir wirklich imponiert ist die präzise Steuerung der Auflage: 1008 Exemplare der Zeitung werden nach eigenen Angaben gedruckt, 918 davon verkauft (Angaben laut Impressum der Zeitung, beglaubigt durchs IVW-Siegel). Ich kann mir nicht vorstellen, dass das viele andere Zeitungen ähnlich präzise hinbekommen. Andere Blätter produzieren jeden Tag einen unverkauften Überschuss von 30 Prozent und mehr.

Aber gut, es gibt eben auch eine überschaubare Anzahl an Verkaufsstellen auf dieser Insel. In einer davon, dem Ney-Kiosk, sagt der Verkäufer auf meine Frage, wieviele Exemplare er im Schnitt so remittiert: „Manchmal isse ausverkauft, manchmal bleibt was über. Kommt drauf an was drinsteht.“

Friesisch herb. War ja auch ’ne doofe Frage.

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