Vollautomatisiertes Luxusdings

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Die Partei DIE PARTEI wirbt in Hamburg mit dem Slogan »Vollautomatisierter Luxuskommunismus«. Ist das Satire? Wenn ja, was ist daran Satire?

Der Witz ist doch, dass genau diesen Slogan jemand neulich noch sehr ernst gemeint hat (und The Guardian, The Atlantic und ein, zwei andere, von denen man das nicht zwingend erwartet hÀtte, das sogar halbwegs plausibel und/oder anregend fanden).

Die These des »Fully Automated Luxury Communism«, wie sie der Brite Aaron Bastani formulierte, lautet grob gesagt, dass in Zukunft durch Automatisierung und technischen Fortschritt die Notwendigkeit menschlicher Arbeit geringer wird und dann enormer Überfluss an allem herrscht: an materiellen GĂŒtern, an Freizeit, …

(Dass wohl nicht viele Menschen Überfluss und MĂŒĂŸiggang mit Kommunismus zusammenbringen, ist entweder Ausweis des klĂ€glichen Scheiterns des real existierenden Sozialismus oder der Wirksamkeit anti-kommunistischen Denkens oder beides. Oder die Idee des FALC ist doch ein bisschen irrlichternd, das könnte natĂŒrlich ganz vielleicht auch sein.)

Man tut ihm vielleicht nicht Unrecht, wenn man behauptet: Ohne lustvolle Provokationen mit dem K-Wort hat die Idee schon der in Oxford arbeitende Philosoph Nick Bostrom vertreten. Wobei – bei ihm gab es zwei Optionen: Vollautomatisierter Luxuskommunismus oder vollautomatisiertes Worldwide-Gulag.

Menschen, wir sind noch nicht verloren!

Wenn ich mich recht erinnere, genĂŒgt in Bram Stokers Roman Dracula eine einzele Hostie, um einen Bannkreis zu schaffen, den Vampire nicht betreten können. Sehr praktisch, wenn man gerade durch Transylvanien reist und eines temporĂ€ren safe space bedarf, zum Beispiel um nachts in Ruhe schlafen zu können.

(Ich bin nicht sicher, ob es eine katholische Hostie sein muss, also der wahrhaftige Leib Christi, oder ob eine evangelische Hostie, also profanes Brot mit erhöhtem Symbolwert, auch funktioniert.)

Einen modernen Bannkreis zu Bezwingung seelenloser Angreifer hat der KĂŒnstler James Bridle geschaffen. Bei ihm geht es nicht um Ausschluss, sondern um Einschluss, aber das Prinzip ist Ă€hnlich simpel: Mit Kreide zeichnet er zwei Kreise auf den Boden, die etwa die GrĂ¶ĂŸe eines Parkplatzes fĂŒr handelsĂŒbliche PKW haben. Die Linie des Ă€ußeren Kreises ist gestrichelt, die des inneren durchgezogen.

Autonome, selbststeuernde Fahrzeuge, die durch ihre Software an die Straßenverkehrsordnung gebunden sind, können nun von außen in diesen Kreis hineinfahren, kommen von innen aber nicht mehr raus. Sie sind gefangen. James Bridle nennt das: Autonomous Trap 001 (siehe Video).

Es scheint derzeit plausibler, dass eines Tages die Maschinen uns Menschen zur Gefahr werden, als dass noch Vampire auftauchen und uns alle ausrotten (ich habe neulich mit dem Philosophen Nick Bostrom darĂŒber gesprochen), insofern empfiehlt es sich fĂŒr alle Prepper, ein StĂŒck Kreide in der Tasche zu haben (eine einfache, durchgezogene Kreislinie wirkt dann Ă€hnlich wie die Hostie gegen Blutsauger).

Hoffen wir, dass das Wetter stabil bleibt, wenn die Teslas sich eines Tages gegen uns erheben. Regen wÀre in dieser Situation wirklich unpÀsslich.

P.S.: Entdeckt habe ich Bridles Idee in diesem Text aus der SĂŒddeutschen Zeitung.

 

Computer vs. Menschen: Poker

Wie intelligent sind Computer heute schon? Wie intelligent können sie noch werden? Wird das womöglich ein Problem fĂŒr uns? Um diese Fragen geht es in Superintelligenz, einem Buch des Oxforder Philosophen Nick Bostrom.

Aus meiner Rezension des Buches fĂŒr Spiegel Online:

Ende der Siebzigerjahre schlĂ€gt zum ersten Mal ein Computer einen Menschen in einem Intelligenzwettbewerb. Die Software »BKG« siegt gegen den amtierenden Weltmeister in Backgammon. Vielleicht hatte der Computer bloß GlĂŒck, rĂ€umt sein Erfinder ein. Anderthalb Jahrzehnte spĂ€ter gibt es mit »TD-Gammon« jedoch bereits ein Programm, das aus Spielen gegen sich selbst dazulernt und heute »die besten menschlichen Spieler weit hinter sich gelassen« hat, wie Nick Bostrom schreibt. Im Poker schwĂ€cheln die KĂŒnstlichen Intelligenzen (KI) zwar noch, und im Erfinden von Witzen sind sie lausig. Doch auch in Dame, Schach, Scrabble und der Quizshow »Jeopardy« haben sie inzwischen ein Â»ĂŒbermenschliches« Niveau erreicht, so Bostrom.

Doch, ha!, das war der Stand von 2014. Heute ist auch Poker nicht mehr sicher. Denn Wissenschaftlern ist es inzwischen gelungen, ein KI-Programm zu schreiben, das (menschliche) Poker-Profis geschlagen hat.

Die Zeitschrift Bloomberg Businesweek meldet in der Ausgabe von vergangener Woche (ich finde den Artikel leider nicht online), dass das kommerzielle Online-Poker bis auf Weiteres jedoch sicher sei. Die allgemein verfĂŒgbare Hardware reiche nicht aus, um entsprechende KIs zu betreiben.

In dem Artikel wird ein Poker-Spieler mit den Worten zitiert, er sei sich sicher, dass er online schon gegen Bots gespielt habe, die aber immer leicht zu schlagen gewesen seien. Wie beruhigend.

Überhaupt scheint im Moment weniger die Intelligenz von Computern zum Problem zu werden als die Intelligenz von Menschen.

»FĂŒhrender globaler Denker«: Auszeichnung fĂŒr Nick Bostrom

Das amerikanische Foreign Policy Magazin hat dieser eine Liste der »fĂŒhrenden globalen Denker« des Jahres 2015 veröffentlicht (die ganze Liste gibt es hier). Mit dabei ist der Philosoph Nick Bostrom, der vor den Gefahren der kĂŒnstlichen Intelligenz warnt. Seine Langzeitperspektive: mögliche Auslöschung der Menschheit durch intelligente Maschinen. Alternativ könnte aber auch das Paradies auf Erden entstehen.

Klingt interessant/irre/all of the above? Bostroms Buch Superintelligence ist bei Oxford University Press sowie in deutscher Übersetzung bei Suhrkamp erschienen.

Ich habe das Buch fĂŒr Spiegel Online besprochen und den Philosophen fĂŒr ein Interview in Oxford besucht, das in Zeit Campus und auf Zeit Online veröffentlicht worden ist.

Abbildung: Der Philosoph Nick Bostrom, fotografiert von Ken Tancwell (via Wikipedia / Lizenz: CC BY SA 4.0)

Roboter klauen Deinen Job? Gut so! Warum die Automatisierung eine Chance ist – und eine politische Aufgabe

In einem Essay in der aktuellen New York Review of Books, der auch kostenlos online zu lesen ist, plĂ€diert Sue Halpern dafĂŒr, die Robotik nicht allein den Roboterforschern zu ĂŒberlassen.

Denn: Die Automatisierung der Arbeit durch Roboter und Algorithmen betreffe nicht nur jene, die sie vorantreiben und die am meisten von ihr profitieren (nĂ€mlich finanziell) sondern auch alle, deren Jobs von ihr ĂŒberflĂŒssig gemacht werden könnten. Halpern verweist unter anderem auf The Future of Employment, eine Studie, derzufolge in den kommenden zwanzig Jahren ein großer Teil menschlicher Arbeit(splĂ€tze) ĂŒberflĂŒssig werden könnte.

(Nebenbemerkung: Die SĂŒddeutsche hat einen recht lustigen Selbsttest dazu veröffentlicht: Wie wahrscheinlich ist es, dass ich durch einen Computer ersetzt werde?)

Sue Halpern hĂ€lt die Automatisierungs-Lobby offenbar fĂŒr wenig umsichtig, was diese Probleme angeht. Sie zitiert aus dem offenen Brief zu den VorzĂŒgen und Gefahren der KĂŒnstlichen Intelligenz, den eine Reihe von Forschern und Investoren im Januar unterzeichnet haben (darunter auch der Philosoph Nick Bostrom, dessen Buch zum Thema ich fĂŒr Spiegel Online rezensiert und den ich fĂŒr die aktuelle Ausgabe von Zeit Campus interviewt habe).

Halpern schreibt ĂŒber diesen Brief und die angehĂ€ngte Liste mit Forschungsempfehlungen:

[T]heir research plan, for example, looks to »maximize the economic benefits of artificial intelligence while mitigating adverse effects, which could include increased inequality and unemployment.« The priorities are clear: money first, people second.

Ich finde Halperns Argumente ĂŒberzeugend. Technischer Fortschritt produziert Gewinner und Verlierer (wobei es in der RealitĂ€t vermutlich einen grĂ¶ĂŸeren Graubereich zwischen beiden geben wird, als diese polemisch verkĂŒrzte Formulierung zulĂ€sst). Das hat der technische Fortschritt mit allen anderen Formen von VerĂ€nderungen gemein. Da es sich aber um eine menschgemachte VerĂ€nderung handelt, sollte die Öffentlichkeit (aka. »We, the People«, wie Halpern in Bezug auf die amerikanische Verfassung schreibt) versuchen, einzugreifen und zu lenken.

Es gilt, demokratische Verfahren zu nutzen, um widersprĂŒchliche Interessen zu moderieren. Sonst setzen sich am Ende die wenigen StĂ€rksten durch, die sich durch das Vorantreiben der Automatisierung finanzielle Vorteile ausrechnen.

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Superintelligenz & Ghostwriter: Meine Texte in Zeit Campus

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Abb. 1 & 2: Die neue Ausgabe von Zeit Campus (3/15, Mai/Juni 2015), inkl. meines Interviews mit Nick Bostrom

Kein Bock auf Arbeit? Gute Nachrichten: Wenn es stimmt, was der Philosoph Nick Bostrom sagt, dann ist das in Zukunft gar nicht mehr nötig. Die kĂŒnstliche Superintelligenz wird uns die Arbeit abnehmen, sagt Bostrom. Sie wird fĂŒr uns denken (denn das kann sie besser als wir) und fast alle unserer Probleme lösen. Neulich war ich zu Gast in Oxford, um ausfĂŒhrlicher mit dem Philosophen zu sprechen.

Das Interview ist in der neuen Ausgabe von Zeit Campus zu lesen, die es ab morgen am Kiosk (oder bei iTunes und im Playstore) gibt. Es ist optimistischer ausgefallen als das Buch Superintelligenz, das ich hier besprochen habe, und in dem Bostrom argumentierte, die Superintelligenz werde uns wohl nicht dienen, sondern uns vernichten.

Wer bis zur Erfindung der Superintelligenz nicht mehr warten will (vor 2075 wird es wohl nicht dazu kommen, dass Roboter schlauer sind als wir), der kann sich heute schon einen akademischen Ghostwriter nehmen, um zumindest mit universitÀren Haus- und Abschlussarbeiten keinen Stress mehr zu haben.

Das ist ein Verstoß gegen die PrĂŒfungsordnung und kann u.a. mit der Exmatrikulation geahndet werden. Aber der Markt der akademischen Ghostwriter scheint trotzdem zu wachsen. Ich habe mit den Chefs einiger der grĂ¶ĂŸten Ghostwriting-Agenturen gesprochen, um ihre Schattenbranche besser zu verstehen. Auch dazu mehr in der neuen Zeit Campus, im ausfĂŒhlichen Ghostwriter-Report.

Weitere Einblicke ins Heft gibt’s nach dem Umbruch.

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Werden Roboter uns alle ermorden, Herr Bostrom?

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Das Ende der Menschheit: In den nĂ€chsten 30 bis 70 Jahren könnte es so weit sein, glaubt der Philosoph Nick Bostrom. Nicht wegen Pandemien, Klimakatastrophen oder allgemeinen Zerfallserscheinungen. Sondern weil es bis dahin womöglich eine KĂŒnstliche Intelligenz (KI) gibt, die schlauer ist als wir – und sich gegen uns erhebt.

Das schreibt Bostrom in seinem neuen Buch Superintelligenz, das einige heftige Reaktionen hervorgerufen hat. (Alard von Kittlitz, zum Beispiel, der bei Neon fĂŒr Zukunftsthemen zustĂ€ndig ist und dessen Texte ich oft sehr gerne lese, findet Bostroms Überlegungen total behĂ€mmert, wie seiner Rezension in der FAS zu entnehmen war.)

Trotzdem kommt man an den »intelligenten Computern« gerade nicht so richtig vorbei – neulich hat Stephen Hawking dazu aufgerufen, das Thema bloß nicht auf die leichte Schulter zu nehmen, morgen wird es mehr als hundert Miniessays dazu auf edge.org geben. Ich habe – als Techniklaie und KI-Agnostiker – Nick Bostroms Superintelligenz jedenfalls verschlugen wie einen aufregenden Sci-Fi-Roman.

Sollte dieser Satz nach dem Ende der Menschheit von einem Roboter ausgelesen werden, sage ich: Lach nur, Maschine! Mehr zu Bostroms Buch in meiner Rezension auf Spiegel Online.