Der Pate der HipHop-Fashion

Er heißt Dapper Dan, hat seine Memoiren geschrieben – und die sind toll

Ich glaube, das letzte Mal, dass ich ein Buch in der Hand hielt, an dem etwas golden schimmerte, war im Konfirmanden-Unterricht. Made in Harlem, die Memoiren des Modedesigners Daniel R. Day a.k.a. Dapper Dan, sind trotz der flashy Goldlettern auf dem Umschlag aber ca. das Gegenteil des Evangelischen Gesangbuchs.

Der heute 75jährige Daniel Day wuchs in den 1950ern ohne Geld und große Zukunftsaussichten in Harlem auf. Seine ersten echten Dollars, so schildert er es, verdiente er damit, Zuhälter und andere dubiose Gestalten im Glücksspiel abzuziehen (ein Hang zur Wahrscheinlichkeitsrechnung hilft! Gezinkte Würfel auch).

Wenn Dealer ihre Ware setzten, verkaufte er sie weiter. Später versuchte er sich in großem Stil mit Scheckbetrug, landete einige Zeit im Knast, kam raus, probierte was Neues: Kreditkartenbetrug.

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Warum Paris und New York schrumpfen

Ihre Hipness wird sie nicht retten. Ihre Hipness ist das Problem

Wenn in den vergangenen Jahren von schrumpfenden Städten die Rede war, dann ging es oft um Orte, die von massiver Deindustrialisierung betroffen waren.

Um Detroit, zum Beispiel, eine Stadt, die seit den 1950er-Jahren mit dem Niedergang der örtlichen Automobilindustrie dramatisch an Einwohnern verloren hat. Die Harvard Business Review schrieb 2013: »Detroit is now by most measures the poorest big city in the country.« Einst kamen die Leute in die Stadt, weil es dort Jobs gab. Nun gab es keine Jobs mehr, und sie zogen weg. Oder blieben, wenn ihnen das Geld fehlte, wegzuziehen. (Hier geht es zum Artikel.)

Oder um frühere Industriezentren in Ostdeutschland, etwa Eisenhüttenstadt, das in der jungen DDR als Planstadt aus dem Boden gestampft worden war und mit dem Anschluss an die Marktwirtschaft im selbigen nahezu wieder verschwunden ist:

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Bevölkerungsentwicklung Eisenhüttenstadt, via Wikipedia

OK, ich übertreibe. Aber eine Halbierung der Bevölkerung über wenige Jahrzehnte, mit allen Konsequenzen für kommunale Infrastruktur (Schulen, öffentlicher Nahverkehr), Kulturleben, Einzelhandel  – das ist krass.

Natürlich zeichnete sich ab, dass die Bevölkerungsentwicklung in Westeuropa und den USA insgesamt abnehmen würde, früher oder später also auch andere Städte betroffen wären (siehe dazu das von der Kulturstiftung des Bundes finanzierte Projekt Shrinking Cities).

Aber dem stand relativ lange die breit rezipierte Theorie der »Kreativen Klasse« entgegen. Ihr Erfinder, der Ökonom Richard Florida, argumentierte sinngemäß, dass Städte, solange sie nur attraktiv und hip genug seien, schon genug neue, kreative Bewohner anziehen würden. Und das mit den Jobs würde sich dann schon regeln.

Empirisch hat sich die These nicht bestätigt (siehe dazu zum Beispiel diesen Text von Joel Kotkin). Und tatsächlich schrumpfen gerade zwei der attraktivsten, hippsten Städte der Welt: Paris und New York.

Die Financial Times berichtet:

The number of people living in the Paris departement, or administrative area, dropped by an average of 11,900 people a year between 2011 and 2016, the most recent figures available, according to the national statistics agency. […] It is a sharp contrast with the urban renaissance that has taken place in many of the world’s major cities over the past 20 years, but Paris is not alone. New York City shed a net 39,500 people in 2018 and 37,700 the year before, reversing the previous upward trend.

New York is not quite Eisenhüttenstadt, aber die Entwicklung ist bemerkenswert, gerade für die auch in Deutschland laufende Debatte um Lebenshaltungskosten und Mietendeckel. Denn der Grund für diese Entwicklung liegt offenbar in den explodierenden Miet- und Kaufpreisen, die Familien aus den Städten drängen, so dass Wohnungen vermehrt von wohlhabenden Singles bewohnt werden … oder von Airbnb-Gästen.

Hier geht es zum gesamten Text (den ich auf der Facebookseite von Danilo Scholz entdeckt habe).

P.S.: Der Text in der Financial Times beginnt mit einer jungen Pariserin, die öffentlich erklärte, warum sie mit der Stadt Schluss macht – und damit einen Nerv getroffen hat. Den passenden Song für New York gibt es natürlich auch schon längst, von dem wunderbaren James Murphy a.k.a. LCD Soundsystem:

Klare Sprache, schwarze Tinte, weißes Papier: Mein Artikel über kleine amerikanische Kulturmagazine – ab heute in der Zeit

Oskar Piegsas Artikel "Klare Sprache, schwarze Tinte" Feuilleton der Zeit vom 13. Februar 2013

In Amerika gründen junge Ostküstenintellektuelle wieder Zeitschriften. Jacobin, zum Beispiel. Oder The Point oder The Baffler oder n+1. Eine Entwarnung für den Medienmarkt ist das nicht, aber ein Hoffnungsschimmer für die politische Kultur. Und: Um das zu lieben, muss man noch nicht mal das Internet hassen. Ausführlicher schreibe ich darüber im Feuilleton der aktuellen ZEIT (hier das Inhaltsverzeichnis der Ausgabe als PDF).

[Nachtrag 24.2.2013]: Inzwischen ist der Text auch online. And someone took the time to translate the article. Quite impressive!

Danger! Danger! Danger! A photo collection of places you need to be warned about in the United States

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Danger signs at Ellis Memorial Children’s Park in the Back Bay neigborhood in Boston

It’s become a cliché to joke about Americans who need to be warned about everything – or else they’ll sue you. I don’t know how often I’ve heard people ridicule the »Caution Hot Beverage« warnings that come printed on paper cups. Hot Beverage? Gosh, you Americans! What else do you expect when you order a coffee to go?

Without knowing her name, we’ve all heard about Stella Liebeck in Europe. A lady who sues McDonald’s because she hasn’t been warned that the coffee she ordered is served at a hot temperature: We find that hilarious. Turns out, if you do a little research on the »hot coffee lawsuit«, the details aren’t so funny after all (here’s a quick primer).

Still, on a recent trip down the East Coast, I was struck by how many danger signs one sees just walking in the streets of American cities. Inevitably, the old cliché popped up again: Everywhere you look in the United States, there’s danger, advertised in bright colors. No wonder you Americans hold your guns so dear!

I started taking pictures of this strange and foreign cultural phenomenon – and leaving out overly repetitive ones, here’s a selection of a few personal favorites:

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A danger sign in the Back Bay neighborhood in Boston, pt. 1

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A danger sign in the Back Bay neighborhood in Boston, pt. 2

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Things to Consider For 2010: Fighting Illegal Advertisement by Applying Illegal Art…

New York City is covered with illegal billboards and advertisements. One random day, civilians decided to take back the public space by covering over 120 illegal billboards with original works of art.

…by Public Ad Campaign, an initiative dedicated to  »Expanding Curatorial Responsibilities in the City.«

[via The Anti-Advertising Agency]