68er und die Nazis

Es zählt zu den populären Annahmen über die Studentenbewegung der 68er, dass erst sie dazu geführt habe, dass in Deutschland über Schuld, Shoa und Nazis gesprochen wurde. Aber stimmt das?

Vermutlich ist die Lage (bei aller Schwierigkeit, pauschale Aussagen über eine so diffuse und heterogene Bewegung zu machen) zumindest weniger eindeutig.

Der vielzitierte (und oft als Kritik an den Kontinuitäten zwischen NS-Staat und BRD interpretierte) 68er-Spruch „Unter den Talaren / Muff von tausend Jahren“ bezog sich zum Beispiel gar nicht auf das „tausendjährige Reich“ der Nazis. Das sagt der Historiker Rainer Nicolaysen, der zu der Protestaktion an der Uni Hamburg geforscht und damals Beteiligte dazu befragt hat.

Und Beate Klarsfeld erzählte neulich im Interview mit der Süddeutschen Zeitung (€), die Anführer der Studentenbewegung hätten sich für die Nazivergangenheit deutscher Politiker gar nicht richtig interessiert. Klarsfeld musste erst — mehr oder weniger im Alleingang — den Bundeskanzler Kiesinger ohrfeigen, ehe alle Welt über dessen NS-Karriere sprach. Dutschke und Co. hätten vorher lieber den Kapitalismus bekämpfen wollen als die alten Nazis.

Ziemlich scharf schreibt nun der Philosoph und Sohn eines NS-Überlebenden Jason Stanley in der Zeit:

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Der Darling zweier Diktaturen

Die Universität Greifswald verabschiedet sich von ihrem Namensgeber Ernst Moritz Arndt, den die Nazis und die SED schätzten

Seit Anfang des Jahres heißt die Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald nur noch Universität Greifswald. Das gab die Uni am 18. Januar 2017 bekannt (hier die Pressemitteilung). Sie folgt damit einem Beschluss des Akademischen Senats.

Und jetzt? Gibt’s Stress. Beobachter schreiben von einem Shitstorm (etwa hier), die Universitätsleitung zeigt sich »besorgt, in welchem Ausmaß und in welcher Form in der Diskussion um die Änderung des Universitätsnamens Fakten entstellt, falsch wiedergegeben und ignoriert werden.«

Dabei kann die Umbenennung eigentlich niemanden überrascht haben. Seit Jahren ist darüber diskutiert worden. Bereits im März 2010 war zudem über eine Streichung des Namensgebers abgestimmt worden, damals kam die dafür notwendige Zwei-Drittel-Mehrheit nicht zustande (hier ein Informationstext der Uni zum damaligen Beschluss).

Who the fuck is Arndt? Eben. Ein Schriftsteller, leidenschaftlicher Gegner Napoleons und Abgeordneter der Frankfurter Nationalversammlung, soviel dürfte unbestritten sein. Bei allem weiteren wird’s schon heikel.

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