Eine Mutprobe: Scrolle bis zu den Ursprüngen von Miley Cyrus

Bald werden sie Meisterschaften im Schnellscrollen von Instagram-Seiten ausrichten. So wie Speed Runs von Computerspielen. Bloß, dass man dann nicht mehr in Super Mario Bros. oder Doom II gegeneinander antreten wird, sondern in Justin Bieber oder Miley Cyrus. Oder gibt es das längst?

Als ich versuchte, bis zum ersten Instagram-Posting von Miley Cyrus zu scrollen, war ich fast 15 Minuten unterwegs. Dann ging nichts mehr. Ich war noch längst nicht bis zum Ur-Posting vorgedrungen – aber meine Hardware machte nicht mehr mit. Oder der Browser hatte sich aufgehängt. Who knows? Jedenfalls der klassische Fall/fail des Anfängers, der sich in seiner Ahnungslosigkeit selbst überschätzt.

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Miley Cyrus & die Pornografie: Keine so unkomplizierte Sache

Video: Miley Cyrus in Tongue Tied (Regie: Quentin Jones)

Anfang der Woche machte die Meldung die Runde, Miley Cyrus habe einen Film bei einem Porno-Filmfestival eingereicht. Zuerst berichtete die New York Post. Dann griffen Klatschseiten in aller Welt die Meldung auf (auch Amy & Pink, wo ich zum ersten Mal davon las). Kein Wunder. Es war eine krasse Nachricht.

Man konnte einwenden: Miley Cyrus? Die lässt doch von VMA 2013 bis V Magazine 2015 keine Gelegenheit aus um aufzufallen – mit Fotos, Videos und Performances, die schon oft als »pornografisch« beschimpft worden sind. Außerdem hieß es in der Meldung, sie habe nicht eigens einen Pornofilm gedreht, sondern einen Clip namens Tongue Tied eingereicht, den ihr Quentin Jones ursprünglich für ihre Bangerz-Tour produziert hatte.

Trotzdem: Dass eine Sängerin eines ihrer Musikvideos als Porno deklariert, der gleichberechtigt zwischen anderen Pornos laufen soll, ist eine Ansage. Noch dazu, weil das NYC Porn Film Festival, das Tongue Tied in sein Programm aufgenommen hatte, von der Wichsfilmseite Pornhub finanziert wird.

Seit vielleicht zehn Jahren ist von der »Pornografisierung« der Popmusik die Rede. Doch Leute, die dieses Schlagwort im Mund führen, meinen oft bloß, dass weibliche Musikerinnen zu viel nackte Haut zeigen und männliche zu viel von Sex quatschen. Kann man drüber reden, klar, aber diese Tendenz gibt’s spätestens seit Josephine Baker und Bo Carter. Also circa seit den 1930ern.

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Darf man noch »Hipster« sagen? (2) Hier kommen die »Mipsterz«

Video: Das sindse, die selbsterklärten »Mipsterz«

Ein Video auf YouTube: Junge & hübsche & selbstbewusste Frauen fahren mit dem Longboard durch die Stadt, laufen im Gegenlicht durch den Park, hängen auf Feuerleitern rum. Im Hintergrund rappt Jay-Z über die Skandalnudel der Saison (»Twerk, Miley, Miley, twerk!«). Nach zweieinhalb Minuten ist alles vorbei. Tja. Sonst noch was? Ach ja: die Frauen tragen Kopftuch.

»Mipsterz« heißt das Video, das Anfang des Monats veröffentlicht wurde. Das ist kurz für »Muslim Hipsters« und es gibt bereits die dazu passende Fanpage auf Facebook, eine Google-Group und einen Hashtag auf Twitter. Und einen Tumblr, natürlich.

Mein erster Gedanke dazu war: Wow. Das fast bis zur Bedeutungslosigkeit verkümmerte H-Wort taucht hier in einem neuen Kontext auf, dieses Mal als Selbstbezeichnung – und provoziert auf einmal wieder. Das »Mipsterz«-Video ist eine Adrenalinspritze für die »Hipster«-Debatte.

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Darf man noch »Hipster« sagen? Und was hat das mit Miley Cyrus zu tun? Schnelle Zwischenbilanz zur jüngsten Begriffsgeschichte

Video: Miley Cyrus verwandelt bei den American Music Awards die Bühne in ein Tumblr. Ein später Sieg des Hipsterism?

Es ist ja nicht so, dass wir immer gewusst hätten, wovon wir sprachen. OK, früher (zu Zeiten von Diedrich Diederichsens Sexbeat), oder ganz früher (zu Zeiten von Norman Mailer & Twen), da wussten die Leute vielleicht, was gemeint war, wenn einer »Hipster« sagte.

Aber seit der Begriff wieder Teil des Sprechens und Nachdenkens über zeitgenössische Kultur geworden ist, also spätestens seit 2008, als Adbusters zur Hipster-Kritik ansetzte, und verschärft noch einmal ab 2010, als der breit rezipierte n+1-Reader What was the Hipster erschien (Sexbeat war 1985, Twen 1962), war da immer auch eine Unschärfe – wohl auch deshalb, weil diese Begriffsgeschichte des »Hipster« kaum eine Rolle spielte.

Bereits in seinem ergänzenden Kapitel zur deutschen Übersetzung von What was the Hipster (erschienen 2012 unter dem schlichten Titel Hipster) wies Jens-Christian Rabe darauf hin, dass »Hipster« heute (= Anfang 2012) vor allem als Schimpfwort benutzt werde und dabei an Trennschärfe einbüße. Ein »Hipster« sei demnach so etwas wie ein »irrer Idiosynkrat«, ein »krampfiger Exzentriker«, bestenfalls noch ein »Konsum-Avantgardist«, in jedem Fall aber ein Opfer des »Distinktionswahn«.

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