Street-Art-Sticker in Köln-Ehrenfeld

Entlang der Venloer Straße lebt und gedeiht das Supreme-Meme …

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Meine Mutmaßung, das Supreme-Meme könnte das Run-DMC-Meme ablösen, hat sich nicht bewahrheitet.  Das Run-DMC-Meme ist mittlerweile sogar auf Wahlplakaten zu sehen und wird auf der Re:publica diskutiert. Das Supreme-Meme klebt derweil immer noch in dunklen Straßenecken, in denen es nicht selten nach Pipi riecht. Glanz und Elend des subversiven Logodesigns …

Aber immerhin: In keiner Stadt habe ich bisher so viele Remixe, Aneignungen und Verballhornungen des Supreme-Logos auf Stickern gesehen, wie am vergangenen Wochenende in Köln. Oder genauer: Entlang der Venloer Straße in Köln-Ehrenfeld, auf den gut zwei Kilometern zwischen der Ditib-Zentralmoschee und der Kaffeerösterei Schamong.

Im Layout des Logos der Streetwear-Marke klebten da an Straßenschildern, Türrahmen und Mauern die Schriftzüge »Made In«, »#cheatday« und noch eine Handvoll andere, die ich inzwischen wieder vergessen habe. Es dauerte ein bisschen, bis ich die Sticker endlich zu fotografieren begann. Ein paar konnte ich einfangen und präsentiere hier mit dem Stolz des verstädterten Schmetterlingssammlers die Supreme-Logo-Aneignungen von Reth One, Defekt TM, Sikerem und Minha Galera:

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Neo-Nazis und das Run-DMC-Meme

Frage: Warum tragen deutsche Neo-Nazis auf ihren, ähem, »T-Hemden« das Logo der afrikanisch-amerikanischen Rap-Gruppe Run-DMC?

Antwort:

Lorenz Grünewald-Schukalla und Georg Fischer sprachen bei der Re:publica über den aktuellen Stand ihrer Sammlung des Run-DMC-Meme, ein paar Fotos in der Präsentation habe ich beigesteuert.

Meine Notizen zur Vorgeschichte: 1, 2, 3, 4.

Ist das Supreme-Meme das neue Run-DMC-Meme?

Kein Mensch braucht zwei rote Balken für seine Sticker. Einer reicht.

Kann schon sein, dass Supreme sterben muss, aber zumindest hindert das einige Leute nicht daran, noch schnell das Logo des Labels zu klauen.

Zuerst sah ich es vor einige Monaten, als ich mir Trettmanns fantastische neue Platte im Online-Shop des Sängers bestellte und aus dem Päckchen ein paar Sticker rieselten, in denen Trettmanns Name im Supreme-Logo-Design gesetzt war (siehe hier).

Dann klebte »Clubratten« im Supreme-Design an Türrahmen und anderen Stellen beim Rundgang der HGB Leipzig vor zwei Wochen (siehen oben). Und zuletzt fand ich an der Mülltonne meines Vertrauens in Hamburg-Altona das hier:

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Wann ist ein Meme ein Meme?

Ein E-Mail-Austausch über Sticker, Memes, Originalität und Run-DMC

Etwa ab 2014, vor allem aber in den beiden Folgejahren, tauchten in Hamburg, Berlin und anderen deutschen Städten Sticker auf, die alle sehr ähnlich gestaltet waren: An Ampelpfosten und auf Bauzäunen klebten schwarze Quadrate, auf die mit weißer, serifenloser Schrift in der Regel sechs Buchstaben in zwei Zeilen gedruckt waren, eingefasst in einem roten Balken oben und einem roten Balken unten: »FCK SPD«, »FCK NZS«, »FCK CPS«.

Anfangs war es leicht, die Bedeutung dieser minimal variierten Schriftzüge zu entschlüsseln. »FCK SPD« steht für »Fuck SPD« und wurde zum Emblem des Protests gegen die Flüchtlingspolitik des Hamburger SPD-Senats. Ähnlich zu verstehen sind »FCK NZS« (»Fuck Nazis«), »FCK CPS« (»Fuck Cops«), »FCK PGDA« (»Fuck Pediga«), usw.

Schwieriger bis gar nicht zu beantworten war die Frage, wieso diese Sticker sich in ihrer Gestaltung ausgerechnet am Logo der New Yorker Rap-Gruppe Run-DMC orientierten, und warum die Ausbreitung in kurzem Zeitraum stark zugenommen hatte. Run-DMC hatten sich im Jahr 2002 aufgelöst, es standen auch keine Jubiläen oder Neuveröffentlichungen an, die das plötzliche Wiederaufkommen des Bandlogos erklärt hätten.

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Die Memefizierung von Run-DMC

Über Sticker, die jetzt überall zu sehen sind – in immer seltsameren Variationen

Seit in Hamburg wieder Sommer ist (also, was, 10° C?) habe ich ständig Déjà-Vus. Kaum laufe ich wieder anlasslos und irrlichternd durch die Straßen dieser Stadt, sehe ich überall, an Bauzäunen, Mauern und gefühlt jedem zweiten Ampelmasten, die gleichen weißen Lettern, roten Balken und seltsamen Kombinationen von Buchstaben.

Das sieht dann zum Beispiel so aus:

BST TGT.jpg

Die ästhetische Vorlage dieser Sticker ist das Logo der HipHop-Gruppe Run-DMC. Im Oktober 2014 habe ich hier über Variationen des Logos geschrieben, die mir damals zunehmend im Hamburger Straßenbild aufgefallen waren. Seitdem hat sich dieser Mem (Gibt es das? Offline-Meme?) nur noch weiter ausgebreitet, mit immer neuen Varianten.

Zwei Dinge fallen dabei grundsätzlich auf. Erstens: Die politischen Gegner, die auf den Stickern genannt werden, sind heute andere als noch vor anderthalb Jahren. Zumindest hier, in der Gegend zwischen Altona, Schanze und St. Pauli, ist das klar zu erkennen.

Die ursprünglichen FCK SPD-Sticker sind verblichen oder von erbosten Sozialdemokraten abgepult worden – zumindest sehe ich sie kaum noch. Die Variation FCK GRN, die anlässlich der Besetzung der Gerhard-Hauptmann-Schule in Berlin-Kreuzberg auftauchte und sich gegen die Grünen richtete, hat sich bei uns ohnehin nie durchgesetzt.

FCK NZS gilt jedoch weiterhin und wird ergänzt um das handgreiflichere NZS BXN (so habe ich es zwar noch nicht auf Stickern gelesen, aber auf einem T-Shirt im Schaufenster des Altonaer True Rebel Store). Am häufigsten lese ich jetzt FCK AFD – und zumindest auf Facebook, bisher aber noch nicht auf der Straße: FCK ISIS.

FCK ISIS – oben drei Buchstaben, unten vier – ist natürlich geschummelt, weil das ursprüngliche Design nur je drei Buchstaben in zwei Zeilen zulässt. Es steht damit aber für eine zweite Veränderung, die in den Aneignungen des Run-DMC-Logos auszumachen ist: sein prägnantes Design wird mehr und mehr variiert und verwässert.

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