Tags statt Teaser: Design, Magazine, Modetheorie, Online, Paratexte, Print, Schlagwortwolken, Suhrkamp, Techno, Vestoj


Print klaut bei Online, auch das gibt es. Zum Beispiel bei »Titty City«, dem Fanzine, das wie Flickr aussieht. Auch im Fall von Tobias Rapps lesenswertem Buch »Lost And Sound«, einer Reportage über die Berliner Technoszene, ließen sich die Gestalter offenbar von der Netzästhetik inspirieren. Und druckten auf den Buchrücken keinen herkömmlichen Klappentext, sondern eine Schlagwortwolke (obere Abbildung).

Einen ähnlichen Weg beschreiten die Gestalterinnen von Vestoj, einem neuen Journal für Modetheorie. Statt Teasern stellen sie den Essays in ihrem Heft unter der Überschrift »This Text is About« dezente Schlagwortwolken voran (untere Abbildung). »This Text is About…Roland Barthes…Dazed & Confused…Melancholy« — auf den ersten Blick erfasst man die Namen von Theoretikern, Marken und sonstigen Themen des Essays. Mit einigen Schlagworten weiß man etwas anzufangen, mit anderen nicht. Die Kombination erzeugt Spannung: Die Wolke will aufgelöst werden, so wie der Cliffhanger eines Teasers.

Schlagwortwolken wirken sachlich (Vorteil? Nachteil?) und nehmen ihre Leser ernst, anstatt sie mit den Taschenspielertricks schlechter Teaser in den Text zu locken. Umso schwerer dürfte es sein, sie so zu formulieren, dass sie einen Sog entwickeln. Ob Tags also eine gute Alternative zu Teasern sind? Zumindest sind sie eine erfrischende Variation des ansonsten wohl eher trendresistenten Genres der Paratexte.

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