Magazine machen (1): Merkur

Magazine machen, wie geht das? Ab sofort sammle ich in diesem Blog einige Zitate und Fundstücke von Zeitschriftenmachern (Redakteuren, Art-Direktoren, Herausgebern), die sich zu ihrem Handwerk und Selbstverständnis äußern.

Was unterscheidet das Schreiben für ein Magazin als kompositorischem Ganzen vom Schreiben fürs Internet, wo (zumal in den Sozialen Medien) jeder Text auf sich allein gestellt funktionieren muss? Wie gelingt das Zusammenspiel von Text und Fotografie und Illustration? Von kurzen und langen Texten? Was können andere Medien besser? Was können Magazine – und nur Magazine?

Das sind ein paar der Fragen, um die es hier gehen wird. Dieses Posting und spätere Postings haben den Charakter einer Materialsammlung, noch ohne über den einzelnen Text hinausweisende Schlussfolgerungen (vielleicht kommen die später).

Diese Materialsammlung wird von Zufälligkeit und Vorläufigkeit geprägt sein. Was mir bemerkenswert erscheint, werde ich hier festhalten. Ergänzungen und Anmerkungen sind jederzeit willkommen.

Gemäß diesem Prinzip beginne ich mit einem Zitat von Karl Heinz Bohrer, dessen Memoiren gerade bei Suhrkamp erschienen sind. Bohrer war von 1984 bis 2011 Herausgeber der Intellektuellenzeitschrift Merkur.

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Tags statt Teaser: Design, Magazine, Modetheorie, Online, Paratexte, Print, Schlagwortwolken, Suhrkamp, Techno, Vestoj


Print klaut bei Online, auch das gibt es. Zum Beispiel bei »Titty City«, dem Fanzine, das wie Flickr aussieht. Auch im Fall von Tobias Rapps lesenswertem Buch »Lost And Sound«, einer Reportage über die Berliner Technoszene, ließen sich die Gestalter offenbar von der Netzästhetik inspirieren. Und druckten auf den Buchrücken keinen herkömmlichen Klappentext, sondern eine Schlagwortwolke (obere Abbildung).

Einen ähnlichen Weg beschreiten die Gestalterinnen von Vestoj, einem neuen Journal für Modetheorie. Statt Teasern stellen sie den Essays in ihrem Heft unter der Überschrift »This Text is About« dezente Schlagwortwolken voran (untere Abbildung). »This Text is About…Roland Barthes…Dazed & Confused…Melancholy« — auf den ersten Blick erfasst man die Namen von Theoretikern, Marken und sonstigen Themen des Essays. Mit einigen Schlagworten weiß man etwas anzufangen, mit anderen nicht. Die Kombination erzeugt Spannung: Die Wolke will aufgelöst werden, so wie der Cliffhanger eines Teasers.

Schlagwortwolken wirken sachlich (Vorteil? Nachteil?) und nehmen ihre Leser ernst, anstatt sie mit den Taschenspielertricks schlechter Teaser in den Text zu locken. Umso schwerer dürfte es sein, sie so zu formulieren, dass sie einen Sog entwickeln. Ob Tags also eine gute Alternative zu Teasern sind? Zumindest sind sie eine erfrischende Variation des ansonsten wohl eher trendresistenten Genres der Paratexte.