Green No Deal

Unternehmen werben für weniger Konsum – rentiert sich das?

Ah, Werbung und Marketing in Zeiten des Klimawandels. Gibt es etwas Spannenderes?

Die Biomarktkette Bio-Company wirbt – siehe das PR-Foto oben – seit einiger Zeit mit dem Slogan »Kauf weniger« und macht damit auf sich aufmerksam: »Kauf weniger, aber bitte bei uns!«. Ich bin gespannt, ob das aufgeht. (Mehr Infos zur Werbekampagne hier.)

Ich muss dabei an mein altes Fairphone denken, das bei seiner Einführung von dem Hinweis begleitet wurde, das fairste Handy sei immer jenes, welches man bereits besitze. Das ist natürlich sachlich korrekt, wurde als freundlicher Hinweis aber aufgegeben, als es schlagartig keine Updates mehr für das ansonsten noch solide funktionierende Fairphone 1 gab und die Spam-Mails anfingen, man möge sich jetzt doch bitte endlich ein Fairphone 2 kaufen.

Und jetzt: Ein neues Magazin aus der Brigitte– Familie! Brigitte Be Green. Titelzeile der ersten Ausgabe: »Macht Verzicht glücklich? Ja!« (hier der Link zum Cover). Was natürlich eine Einladung ist, das Heft nicht zu kaufen und auszuprobieren, ob die Redaktion recht hat.

Ich kann berichten: Ich sitze zu Hause, nachdem ich das Magazin im Sinne seiner Titelgeschichte sehr bewusst nicht gekauft habe, aber richtig glücklich bin ich nicht. Denn ich hätte doch ganz gerne gewusst, was für Anzeigen in dem Heft gedruckt sind. Bio Company? Fairphone? Das allein plus keine Leser ist womöglich nachhaltig, aber kein nachhaltiges Business.

Womöglich zeigt sich also bei Bigitte und Bio-Company wie beim Fairphone: Kein Konsum ist gut fürs Klima, aber keine Grundlage für unternehmerischen Erfolg.

Foto: obs/Dorothea Tuch für BIO COMPANY, Nutzung kostenfrei, via Presseportal.de

Klimastreik in der kleinen Stadt

Alles eine Frage der Relation!

Es sind nicht so viele Menschen wie in Berlin oder Hamburg, aber auch hier genug, um ganze Straßenzüge zu füllen: Die heutige Klima-Demo in Goslar.

(500 Leute sollen es nach Angaben der Lokalzeitung gewesen sein.)

Die Vernunft der Vortagsredner

Ist Greta Thunbergs Reise mit einem Segelboot über den Atlantik Unsinn, wie manche Leute gerade sehr energisch behaupten?

Nicht unsinniger als das, was sonst Alltag ist, schreibt Peter Unfried in der taz:

Indirekt bringt die Reise zutage, was wir für Vernunft halten. Etwa: Ergibt es Sinn, für einen 20-­Minuten-Vortrag irgendwohin zu fliegen? Selten. Die meisten fliegen dennoch. Man weiß ja nie. Niemals würde man für einen sinnlosen Vortrag zwei Wochen lang segeln. Also redet man sich ein, dass es vernünftig ist, sinnlos zu fliegen. Das sind wir.

Den ganzen Text gibt es hier (kostenlos).

Greta Thunberg und die kindischen Erwachsenen

Es scheint eine besondere Provokation zu sein, wenn sich Kinder und Teenager politisch äußern. Manche Erwachsene reizt das offenbar derartig, dass sie die Fassung verlieren – und jene Reife und höhere Einsicht, die sie den Jüngeren absprechen. Sexualisierte Beschimpfungen, Bestrafungsphantasien, Drohungen, Übergriffe: Selbst wenn man die Ziele der Bewegung um Greta Thunberg nicht teilt und Schulstreiks für zweifelhaft oder unangebracht hält, müssen einen solche Reaktionen schockieren.

Tobias Rüther heute in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (Link zum Volltext)

Neuer Podcast: Warum die Hitzewelle bereits der Klimawandel ist

Auf einen Cold Brew (deutsch: kalte Brühe) mit Stefan Schmitt, dem stellvertretenden Leiter des „Wissen“-Ressorts der ZEIT.

Für den ZEIT-Podcast „Hinter der Geschichte“ sprachen wir über die aktuelle Hitzewelle. Und über die Frage, ob das da draußen bereits der Klimawandel ist.

Lessons learned:
1) Ja, ist es.
2) Trotzdem tut sich wenig, auch im vermeintlichen Klimaretterland Deutschland. Stefan: „Wir zahlen gerade auf mehr Extremwetter und generell auf mehr Unsicherheit in der Zukunft ein.“ Und das, obwohl schon die letzten zwanzig Jahre für den Klimaschutz verschwendete Zeit gewesen sein.
3) Liegt im extraheißen Sommer auch die Chance für einen Bewusstseinswandel und für politische Aktion, weil wir jetzt spüren, was bisher abstraktes, statistisches Wissen war? Stefan: „Wäre toll.“
4) Optimistisches Schlusswort: entfällt.

Nachzuhören gibt es das ab sofort: online unter freunde.zeit.de, in der ZEIT-App, auf Spotify und an vielen anderen Orten, an denen es Podcasts gibt.

Die neue ZEIT CAMPUS

»Ich kann nur unter Stress gut arbeiten«, sagen viele und zögern die Abgabe von Hausarbeiten oder Bewerbungen bis zum letzten Moment hinaus. Ehrlich gesagt: Auch wir in der ZEIT CAMPUS-Redaktion sind mit unserem neuen Heft erst spät fertig geworden. Ist das ein Problem?

Unsere Kollegin Josefa Raschendorfer hat für unsere Titelgeschichte darüber mit Psychologen und professionellen Nichtstuern gesprochen. Jetzt sind wir beruhigt. Denn Josefa sagt: Prokrastinieren ist Mist, aber Pausenmachen wichtig.

Die neue Ausgabe gibt es (zusammen mit einem Extraheft über den Klimawandel) ab sofort überall im Zeitschriftenhandel, in Mensen und Uni-Cafeterien von mehr als hundert deutschen Studentenstädten sowie online hier.

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Fotobücher des Jahres: State of Nature & andere

25 Fotobücher empfielt LensCulture in dieser Liste zum neuen Jahr.

Für eines davon durfte ich einen Textbeitrag schreiben: State of Nature von Claudius Schulze, ein fotografisches Kompendium der (bisher!) vereitelten Sturmfluten, Erdrutsche und sonstigen Naturkatastrophen in Europa.

Wer jetzt irgendwen vergessen hat, dem er noch dringend nachträglich was Nettes zu Weihnachten kaufen muss: Dieses Buch wäre mein Tipp.

Mehr zum Buch: hier.