Die Tragödie von Instagram

Ein Posting der Autorin Kathrin Weßling auf (und über) Instagram gestern:

Ich habe in den letzten Tagen einige Reportagen über Essstörungen gesehen und 2/3 aller Anorexie Patientinnen sagen, dass Instagram sie darin beeinflusst hat. Für mich steht fest, dass ich mir das nicht mehr geben werde und mir die Scheiße nicht mehr antue. Ich brauche eine Pause. […] Außerdem kann ich euch nur darin bestärken, all diesen furchtbaren Leuten nicht mehr zu folgen. Entfolgt GNTM, entfolgt Heidi, entfolgt den ganzen skinny Infkuencerinnen.

Der Journalist David Pfeifer heute in der Süddeutschen Zeitung:

aus einer kreativen Plattform [ist] eine Beliebtheitsbörse [geworden]

Das fasst die Tragödie von Instagram in (etwas weniger als) einem Satz zusammen.

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Re: LOL, wie traurig!

Über meine Recherche zur Depri-Comedy (mehr dazu hier in diesem Blog) habe ich jetzt mit detektor.fm gesprochen. Wieso ist diese Comedy beliebt?

Meine These:

Wir befinden uns mit Gleichaltrigen im Wettbewerb um das beste Leben. Und dieser Wettbewerb wird in aller Öffentlichkeit [auf Instagram] ausgetragen und kann live kommentiert und up und down gevoted werden. Wir wollen nicht nur schön und erfolgreich sein, sondern wir wollen dabei auch noch glücklich sein, was ziemlich viel verlangt ist, was stresst – und was ein Anspruch ist, an dem man leichter scheitert als dass man damit Erfolg hat.

Die Depri-Comedy zeigt uns mit ihren Anti-Influencern, dass wir nicht allein sind mit unsere Kläglichkeit.

Hier geht’s zum Audiomitschnitt unseres Gesprächs.

LOL, wie traurig!

Mein Versuch, den neuen Trend der Depri-Comedy zu verstehen

Warum bezahlen Leute Eintritt, um zu hören, wie andere von ihren Problemen reden? Und warum amüsieren sie sich dabei so gut?

Für die neue ZEIT CAMPUS-Ausgabe habe ich eine größere Geschichte geschrieben (die erste, seit ich vor anderthalb Jahren Chefredakteur wurde, für mich also voll aufregend, etc.). Es geht darin um die Depri-Comedy. Also um junge Künstler wie Nico Semsrott, Stefanie Sargnagel, Kathrin Weßling und andere, die auf der Bühne von Depressionen und Suizidgedanken reden, die sich selbst „Versagensexhibitionismus“ attestieren (Sargnagel über Sargnagel) und die in bisweilen ausverkauften Theatern spielen.

Die zentrale Figur meiner Geschichte ist Helene Bockhorst, 30, die nach vier Jahren Therapie mit der Stand-up-Comedy begann. Ich habe sie bei insgesamt acht Auftritten zwischen Hamburg und Ingolstadt begleitet, um zu verstehen, warum die Leute hören wollen, was sie zu erzählen hat.

Ihr Programm kann ich inzwischen mitsprechen (dabei hasse ich Comedy, BTW). Was ich sonst noch über Helene und über die Depri-Comedy und über die Gegenwart gelernt zu haben meine, steht in ZEIT CAMPUS.

Übrigens: Die Fotos im Heft sind von Nikita Teryoshin (yo!), die Fotos vom Heft, die ich hier poste, von Ricardo Nunes.

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