Was später mal aus den Toys wird

Ich mochte Boom for Real, die Basquiat-Ausstellung in der Schirn Kunsthalle Frankfurt Anfang des Jahres. Die Gemälde Basquiats aus der Nähe zu sehen war #nice. Noch interessanter fand ich aber ein oder zwei eher unauffällige Schwarz-Weiß-Fotos im ersten Teil der Ausstellung.

Es ging dort um die späten 1970er-Jahre, jene Zeit, in der Basquiat erstmals (verdeckt) in Erscheinung trat und zusammen mit seinem Kumpel Al Diaz in SoHo die heute berühmten SAMO-Tags hinterließ. Vielleicht ein Dutzend Fotos dokumentierten diese Tags. Und auf zweien davon hatte jemand die Arbeit von SAMO kommentiert. Mit dem daneben geschriebenen Vermerk: „Toy“.

Vieles am Werdegang von Basquiat ist ungewöhnlich, aber dieses Detail ist mir in besonderer Erinnerung geblieben: Der Typ, der wenige Jahre später mit Andy Warhol rumhing und als Shooting Star der New Yorker Kunstszene gefeiert wurde, der noch mal wenige Jahre später mit seinen Werken unfassbare Summen bei Auktionen aufrief und der noch mal wenige Jahre später in der Schirn angekündigt wird mit den Worten, er sei „einer der bedeutendsten Künstler des 20. Jahrhunderts“ — dieser Typ wurde, als er mit der Kunst anfing, als „Toy“ bezeichnet.

Ich weiß nicht, ob KAMO, der oder die in meiner Nachbarschaft in Hamburg-Bahrenfeld ein paar Wände besprüht hat, eine ähnliche Laufbahn bevorsteht wie SAMO. Vermutlich nicht. Aber dass schon ganz andere als „Toy“ beschimpft wurden, das stimmt KAMO vielleicht versöhnlich.

Advertisements