»Kulturpolitik als Sicherheitspolitik«: Ein oder zwei EinwĂ€nde

Claudia Roth, die neue Staatsministerin fĂŒr Kunst und Kultur, ist offenbar die erste Amtsinhaberin, die heute an der MĂŒnchner Sicherheitskonferenz teilnimmt und dort mit dissidentischen KĂŒnstler*innen aus Belarus spricht.

»Kulturpolitik ist Demokratiepolitik, Kulturpolitik ist Sicherheitspolitik«, sagte sie der Deutschen Presse-Agentur.

Die SĂŒddeutsche kommentiert Roths Kultur- und AmtsverstĂ€ndnis so:

Ihre VorgĂ€ngerin Monika GrĂŒtters, obwohl berĂŒhmt fĂŒr Übergriffigkeit und Expansionswillen, vermied es stets, anderen Ressorts in die Quere zu kommen. Ohnehin verstand GrĂŒtters die Kultur als ein Reservat des Schönen, das von der Politik so weit wie möglich abzuschirmen ist, statt mit ihr verschaltet zu werden. FĂŒr Roth hingegen […] ist Kunst immer schon politisch.

Okay, aber was soll das heißen, was folgt daraus? Roth dazu heute im Radiosender RBB Kultur:

Wir sind in so ’nem weltweiten Battle zwischen autoritĂ€ren, autokratischen Regimen vs. der Demokratie. Ich glaube, Kulturpolitik ist Demokratiepolitik, denn die Freiheit der Kunst, der Kultur, der Meinungsfreiheit, die Freiheit der Journalistinnen und Journalisten ist immer der Lackmustest fĂŒr die Demokratie. Deshalb gehört zu einer Sicherheitspolitik auch die Frage: Wie sieht’s aus mit der Kunst und Kultur?

Dem wird wohl niemand, der der liberalen Demokratie anhÀngt, widersprechen. Interessant wird Roths zweite Frage in diesem Zusammenhang:

Welche RĂ€ume kann Kunst und Kultur schaffen, wo politische und diplomatische RĂ€ume schon lang verschlossen sind?

Die Antwort auf diese Frage ist heikel. Auch wenn die Frage an sich keinen neuen Gedanken ausdrĂŒckt. Zum Stichwort der »kulturellen RĂ€ume« oder der »vorpolitischen RĂ€um« betonen etwa die Leute vom Goethe-Institut schon lange, sie trĂŒgen nicht die deutsche Kultur in die Welt (Ă  la mission civilisatrice), sondern schĂŒfen RĂ€ume der Begegnung, des Austauschs und freien Denkens und Redens. Zentrales Stichwort dabei stets: »Augenhöhe«.

Diesen Gedanken machten sich auch schon Außenminister wie Gabriel oder Steinmeier zu eigen. Üblicherweise wird dabei an repressive LĂ€ndern wie Iran, Afghanistan oder auch die TĂŒrkei gedacht, neuerdings auch an die USA.

Dazu noch mal die SĂŒddeutsche, an anderer Stelle:

Schwer zu sagen, ob die Bundesregierung das Thomas-Mann-Haus im kalifornischen Pacific Palisades auch ohne den Siegeszug Donald Trumps gekauft hĂ€tte. Inzwischen weiß man aber: Der Ausbau des Anwesens zum Ort transatlantischen Dialogs darf nur der Anfang sein. Dass die Infrastruktur auswĂ€rtiger Kulturpolitik in Amerika nach der Jahrtausendwende abgebaut wurde, weil das transatlantische VerhĂ€ltnis als stabil oder weniger wichtig galt, [war riskant].

Abgebaut haben zuerst die Amerikaner, nĂ€mlich die von ihnen ĂŒber Jahrzehnte unterhaltenen AmerikahĂ€user und anderen kulturellen Einrichtungen in Westdeutschland, die die BRD gegen die Verlockungen des Sowjetkommunismus imprĂ€gnieren sollten. Dieser Zweck der Außenkulturpolitik hatte sich nach 1991 erschöpft.

Allerdings offenbart das auch das Problem jener, die die Kultur nicht nur als Lackmustest der Freiheit verstehen, sondern sie auch als, naja, Avantgarde politischer Freiheit fördern wollen.

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Wie »Schöner Wohnen« die BRD prĂ€gte

Ich habe ĂŒber die Zeitschrift Schöner Wohnen der 1960er- und 1970er-Jahre gesprochen. Mit zwei Leuten, die gerade an Doktorarbeiten zu diesem Thema schreiben.

Ja, das gibt’s! Und es ist sogar interessant. Klicken Sie hier fĂŒr das Gipfeltreffen der Schöner Wohnen-Forschung und erfahren Sie mehr ĂŒber das Einfamilienhaus als politisches Erziehungsinstrument im Kalten Krieg und darĂŒber, wie Geschlechterrollen die Architektur formten – und umgekehrt.

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