clipping. – CLPPNG (Album Stream)

Spät entdeckt, aber: wow.

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Was wurde aus dem Suff-Rap? 

Schon klar: Rapper und ihre Freunde machen Cash mit Packs, Geld mit Schnuff, sie schmuggeln H in das Land und mischen codeine pills and molly in a lemonade. Doch was wurde aus dem guten, alten Suff-Rap?

So wie:

Oder:

Oder:

Immerhin: Es gibt noch Shacke One und die Nordachse.

Deine Mutter!

Wie Johnny Cash den Gangsta-Rap erfand (und Trinker das Dissen)

Wir leben nicht nur in einer Zeit des Protestsong-Revivals, sondern auch der Band-Reunions: Am Wochenende war ich auf dem Roskilde-Festival, unter anderem um dort die Headliner LCD Soundsystem zu sehen, eine Band, die sich 2011 aufgelöst hat und jetzt wieder einige Konzerte spielt.

Das gestrige zum Festivalabschluss war ganz okay, aber seltsam lustlos und routiniert für eine Gruppe, die sich erst mit großer Geste (und einem durchaus sehenswerten Kinofilm) aufgelöst hat und dann nach nur fünf Jahren wieder zusammenfand und auf die Bühne zurückkehrte.

LCD Soundsystem habe ich live schon mal besser gesehen – und höre mir in Zukunft lieber weiter die tollen Platten an, als lauwarme Konzerte zu besuchen. Ich weiß nicht, ob es den Besuchern der jüngsten Reunion-Tourneen von Blumfeld oder den Backstreet Boys ähnlich erging.

Houseofpain-2011
Everlast (links) und Danny Boy, die Rapper von House of Pain, 2011 (Foto: Regime Management, CC-BY-SA, via)

Ein früher Höhepunkt des Roskilde-Festivals war für mich der Auftritt der Gruppe House of Pain mit den beiden Rappern Everlast und Danny Boy sowie DJ Lethal am Donnerstagnachmittag. Das war ebenfalls eine Reunion: House of Pain haben sich 1996 von der Bühne verabschiedet und sind nun ebenfalls für einige Auftritte zurück. 1996! Wie endlos lange das her ist, kann man daran erkennen, dass die Band offenbar nicht mal eine Website hatte oder noch hat (sondern nur eine nachgereichte Facebook-Seite).

Entsprechend geriet der House of Pain-Auftritt zu einer großen Retro-Party: Everlast rappte über Beats von Dr. Dre, DJ Lethal spielte als Pausensong ein Stück von Biz Markie und als Überraschungsgast kam Evidence auf die Bühne, der bekannt geworden ist als MC bei Dilated Peoples.

»Party like it’s 1993!«, um Jan Paersch zu zitieren, der als Reporter der taz mit auf dem Festival war. Mit dem Unterschied, dass ich 1993 noch zu jung war, um auf Rap-Konzerte gelassen zu werden – wie auch viele andere Besucher, mit denen ich am Donnerstag House of Pain feierte.

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Die Lolcat des Rap: Warum ich mich für MC Fitti interessiere – und was ich erlebte, als ich ihn einige Tage begleitet habe

fitti

Abb: Mit rosafarbenem Sakko ein ansonsten eher trostloses Büro aufwerten? Fitti macht das

Im Jahre des Herren 1998 kaufte ich nach diversen prä-pubertären Geschmacksverirrungen meine erste HipHop-Platte: Sillium von Fünf Sterne Deluxe. Keine leichte Kost, dieser (sagen wir mal) Psychedelic-Kiffer-Rap. Nach einer kurzen Phase der Akklimatisation hörte ich die nächsten Jahren trotzdem fast ausschließlich deutschsprachigen Rap. Solange, bis sich auch der letzte satt war von dem Genre und dem Hype darum.

Es folgten die Gitarrenjahre. Die Bands hießen gleich, klangen gleich, sahen gleich aus – mit keiner der Hives/Strokes/Vines/Stripes-Platten verbinde ich heute noch so konkrete Erinnerungen wie mit Sillium.

Inzwischen ist deutschsprachiger Rap wieder groß, vielleicht größer und vielfältiger als jemals zuvor (hören Sie für eine Bestandsaufnahme von berufeneren Geistern dieses Gespräch von Falk Schacht mit Spaiche und anderen aus dem vergangenen Jahr). Doch wenn heute über Drogen gerappt wird, dann wohl öfter über Lines als über Blunts. Der trippige Kifferhumor hat den Weg frei gemacht für eine Ästhetik der Härte.

Oder, wie Thomas Groß vor einigen Jahren schrieb:

»Ficken« wird das in den Texten des Härte-Rap ebenso durchgängig wie unermüdlich genannt, »Ich fick dich«, »Ich fick dich zurück«, »Jetzt fick ich dich aber erst recht«, eine Praxis, die nicht nur auf persönliche Rivalitäten begrenzt ist. Die eine Gang fickt die andere, der Wedding fickt Lichtenberg, Lichtenberg Schöneberg, Schöneberg Tempelhof, Berlin insgesamt den ganzen Rest, der Extremfick ist der »Kopfschuss«: Peng, du bist tot.

Vor diesen Hintergrund tritt nun ein Tanzbär im rosafarbenen Sakko. Ein Pionier der neuen Albernheit. Ein Rapper, der nach gängigen Standards gar nicht richtig rappen kann – und der damit ziemlichen Wind und wohl auch ganz gut Kohle macht. Sein Name ist MC Fitti.

Wird MC Fitti zerfleischt? Gefickt? Kopfschuss? Nö, eher im Gegenteil: Auf Sillium haben Tobi und Bo noch über HipHop-Clowns und Partyrapper gespottet. Heute baut Tobi (mit Moonbootica) Beats für MC Fitti und Bo tritt mit ihm auf denselben Partys auf. Celo & Abdi von Haftbefehls Azzlack-Label, einer der Institutionen der Härte, zeigen sich in MC Fittis Video und rappen ein paar Zeilen mit. Und klar, Bushido disst ihn, aber »Bushido disst ihn«, heißt das nicht auch: Bushido nimmt ihn ernst?

So oder so: Ich finde MC Fitti interessanter, als einige meiner werten Kollegen im Schreiben-über-Pop-Betrieb, die er offenbar eher langweilt (aus den eigenen Reihen hieß es, Fitti bewege sich »an der Grenze des Egalen«).

Im vergangenen Jahr hatte ich das Privileg, den guten Mann einige Tage bei der Arbeit und hinter den Kulissen zu beobachten: im Studio, bei Live-Auftritten, auf der Frankfurter Buchmesse. Was ich dabei zu sehen bekam, habe ich aufgeschrieben. In einem Text für Zeit Campus (Nr. 1/15), der jetzt auch online zu lesen ist. Nach dieser epischen, exhibitionistischen und möglicherweise auch hanebüchenen Vorrede:

Klicken Sie hier für meine Reportage über die Lolcat des Rap.

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Weitgehend jugendfrei & seltsam feministisch: Playground, der Debütroman von Curtis Jackson aka 50 Cent

50cent

Abb.: Irgendwo zwischen Bling-Bling und Reflektorstreifen: 50 Cents Jugendbuch glitzert, wenn Licht darauf fällt

Es scheint ein Gesetz der fortgeschrittenen Prominenz zu sein, dass mit ihr die Überzeugung einhergeht, man sei auch zum Kinder- und Jugendbuchautor geeignet. Muammar al-Gaddafi soll diesem Glauben ebenso verfallen sein wie vor ihm Madonna oder Whoopi Goldberg – während Alicia Keys die Zeichen der Zeit erkennt (»Print ist tot!«) und kürzlich eine App für Kinder veröffentlichte.

Als neuester weltberühmter Jugendbuchautor tritt nun Curtis Jackson alias 50 Cent auf. Sein schriftstellerisches Debüt Playground ist ebenso banal wie bemerkenswert, es ist ein weitgehend jugendfreies und ein seltsam feministisches Buch. Ich habe es hier für Spiegel Online rezensiert.

Heäring to English lyrics… Über Musikjournalisten, die Songtexte falsch zitieren. Aus aktuellem Anlass & eigener Erfahrung. [Aktualisiert]

[Aktualisierung 6. Oktober]: Christian Lehner antwortet in den Kommentaren. Eine etwas umfangreichere Version seines angesprochenen Das-Racist-Artikels findet sich online beim Musikexpress und ist jetzt hier und in meinem Blogposting verlinkt.

Kann man Songs lieben, deren Lyrics man nicht kapiert? Klar kann man! Man kann sogar Bücher darüber schreiben. Kann man auch als Journalist, der in der Öffentlichkeit über Musik schreibt, Songs feiern, deren Lyrics man nicht kapiert? Auch das kommt vor. Leider. Eines meiner Lieblingslieder in diesem Jahr ist »Radar Detector« von Darwin Deez und obwohl Deez im Refrain ziemlich deutlich (und ziemlich oft!) »you are a radar detector« singt, habe ich diese Zeile in der Spex einst mit »you are my radar detector« transkribiert. Autsch! Das ist zwar kein sinnentstellender Fehler, denn Darwin Deez könnte in dem Song genauso gut »my« singen wie »a«, aber peinlich ist mir das trotzdem.*

Ich fühle also mit Christian Lehner, der im aktuellen Musikexpress die HipHopper Das Racist vorstellt und ihren Mini-Hit »Combination Pizza Hut and Taco Bell« völlig falsch zitiert. In dem kurzen Artikel heißt es:

Über einen staubtrockenen Beat wiederholen Das Racist in geringfügigen Variationen den Satz „I like the Pizza Hut, I like the Taco Bell, I like the combination Pizza Hut and Taco Bell!“

Okay. Der nächste Satz hätte dem Autoren beim Niederschreiben aber selbst komisch vorkommen müssen:

Blogger schärmen von der auf den Punkt gerappten Konsumkritik.

Watt? Spinnen die mal wieder, die Blogger? Wo ist denn die pointierte Konsumkritik in der zitierten Textzeile? Liegt die Kritik in dem Wort »like« versteckt, also darin, dass Das Racist den »combination Pizza Hut and Taco Bell« nicht wie andere Fast-Food-Unternehmen »loven«, sondern auf die nächstkleinere Gefühlsbekundung zurückgreifen? Oder sind es die »geringfügigen Variationen«, welche die Konsumkritik des Textes ausmachen? (Aber dann müsste der »Burger Dance« von DJ Ötzi die Hymne aller Konsumkritiker sein.)

Des Rätsels Lösung ist, WeiterlesenHeäring to English lyrics… Über Musikjournalisten, die Songtexte falsch zitieren. Aus aktuellem Anlass & eigener Erfahrung. [Aktualisiert]“

Putin rappt (leider nicht selbst). Und andere staatstragende HipHopper.

Ist Rap der Sound der Leistungsträger und Angepassten?

Coolness wird [in der Jugendkultur] nicht mehr mit Verweigerung, sondern mit Disziplinierung, Durchsetzungsvermögen und Leistungsbereitschaft gleichgesetzt. Und das nicht zuletzt in Folge zweier Jahrzehnte HipHop-Battles, die von Pädagogen und Institutionen wie der Bundeszentrale für politische Bildung gefördert werden,

schrieb der Kulturjournalist Martin Büsser schon im vergangenen Jahr in einem Artikel. Am Beispiel von Sido beschreibt auch ein Text des bayrischen Jugendradios on3 pointiert den Trend zur gerappten Selbst- und Fremddisziplinierung. In „Sido goes Guido“ hieß es dort vor Kurzem:

Mit „Mein Block“ schrieb er eine Hymne gegen die Leistungsgesellschaft. Spät aufstehen, abhängen und sich mit Sozialhilfe und Gaunereien durchs Leben schlagen. Er war das Sprachrohr für alle Job- und Perspektivlosen. Doch diese Zeiten sind nun vorbei. Auch auf Sidos aktuellem Album zeigt sich seine positive Einstellung zur Leistungsgesellschaft. So beginnt die erste Singleauskopplung „Hey du“ mit den Worten „Nein mein Freund, das Leben singt keine Kinderlieder, verdammt es ist hart, du musst was tun, das sag ich immer wieder.“

Das war so schon bei Sidos, Kitty Kats und Tony Ds Scooter-Bearbeitung „Beweg‘ deinen Arsch“ zu beobachten, die ich für die Spex (#319, März/April 2009) besprochen habe:

Sido, Kitty Kat und Tony D übersetzen „Move Your Ass“ in „Beweg deinen Arsch“ und drehen die Bedeutung der Titelparole damit um 180 Grad herum. In der Originalversion skandierte H.P. Baxxter seinerzeit „Come on, party, you gotta keep it up“. In der Rap-Version bleibt davon nur das Imperativische erhalten. Hier lehrt Sido: „Von nichts kommt nichts, ohne Fleiß kein Preis“, und Kitty Kat ergänzt: „Du willst ein Haus am Strand? Du brauchst erst mal einen Job“.

Und wenn Peter Fox hierzulande seine größten Erfolge damit feiert, sich in „Haus am See“ nach dem verdienten Lebensabend im Familienkreis zu sehnen, ist auch das eher schwierig mit dem Widerstandsgestus zu vereinbaren, der HipHop einst unterstellt wurde. Jedenfalls — die Zähmung des Rap ist offenbar nicht nur ein deutschsprachiges Phänomen, wie dieses Video vermuten lässt:

„[Putin] is a legend, he’s our icon“? Dieser Typ als Ikone in punkto „realness“ und „respect“? Extrabizarr.

[Putin-Video gefunden im Foreign-Policy-Blog]