Writing about yourself vs. writing about others

What’s difficult is that when one writes about oneself, one is obligated to write about other people. And there, as much as one has the right to write absolutely whatever one wants about the self — and once again, for me, that’s not very difficult — to write about others is an enormous problem. The sincerity that you can exhibit with yourself, you have no right to inflict on anyone else.

– Emmanuel Carrère, talking to Wyatt Mason of the New York Times Magazine for the article How Emmanuel Carrère Reinvented Nonfiction.

Die Nacht vor der Welle: Emmanuel Carrère hat ein Buch über sein Leben nach dem Tsunami geschrieben

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Ein Buch über den Tod hat Emmanuel Carrère geschrieben, über den tausendfachen und schockierenden – und über den einsamen und erwarteten. Und ein Buch über sein Leben. Oder das Leben. Das Buch heißt Alles ist wahr. Ich werde es bald noch mal lesen. Was mir nach dem ersten Mal ein- und auffiehl, steht hier.

[Nachtrag:] Der Leserkommentar unter meiner Rezension auf SpOn hat mich nachdenklich macht. Mein leichtfertiges Schreiben von »glücklichen Enden« war womöglich genau das – leichtfertig und unangemessen.

Viel Atmo, wenig Erkenntnis: Die Reportage Davos: Im Disneyland der Großen von Emmanuel Carrère und Hélène Devyneck

davos, by cédric hüsler

Abb.: Hier gehen Konzernchefs trinken. Davos im April 2009, fotografiert von Cédric Hüsler (flickr/CC)

Das beste Buch 2012? Limonow von Emmanuel Carrère. Hier meine Rezension. Sein neues Buch finde ich eher enttäuschend, vielleicht war das unvermeidlich. Davos: Im Disneyland der Großen heißt es. Es handelt sich um eine Reportage, die der Schriftsteller zusammen mit der Journalistin Hélène Devyneck über das Weltwirtschaftsforum geschrieben hat. Davos ist als eBook bei Matthes & Seitz Berlin erschienen. (Mehr über den Verlag und seine neue eBook-Reihe: hier). Die Reportage ist nicht schlecht. Aber sie ist leider auch nicht großartig. Teuflische Vorfreude!

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Fünf (plus fünf) Bücher des Jahres 2012

Spontan & schmerzfrei: Einige Bücher, ohne die das Jahr für mich ganz anders verlaufen wäre. An die ich mich auch 2013 noch erinnern werde. Und die ich ohne Einschränkungen weiterempfehle.

1. Ein Roman, von dem Freunde sagen »Das ist nie und nimmer eines der Bücher des Jahres!«:
Michael Muhammad Knight – Taqwacore (bei Rogner & Bernhard, hier meine Rezension)

2. Der einzige Roman auf der Buchpreis-Shortlist, den ich freiwillig & gern gelesen habe:
Ulf Erdmann Ziegler – Nichts Weißes (bei Suhrkamp)

3. Der ausgezeichnete Debütroman des Jahres:
Olga Grjasnowa – Der Russe ist einer, der Birken liebt (bei Hanser, hier unsere Jury-Begründung)

4. Ein großartiger Essay, den zu viele Leute noch nicht gelesen haben:
Emmanuel Carrère – Limonow (bei Matthes & Seitz Berlin, hier meine Rezension)

5. Ein lesenswertes Sachbuch zu einem Thema, von dem ich jetzt schon nichts mehr wissen will:
John Gray – Wir werden sein wie Gott (bei Klett-Cotta, hier meine Rezension)

Außerdem unvergessen & unsortiert: John Jeremiah Sullivan – Pulphead (bei Suhrkamp), Katja Kullmann – Rasende Ruinen. Wie Detroit sich neu erfindet (bei Suhrkamp), Beatriz Preciado – Pornotopia. Architektur, Sexualität und Multimedia im Playboy (bei Wagenbach), Christian Kracht – Imperium (bei Kiepenheuer & Witsch), Mark Greif (Hrsg.) – Hipster. Eine transatlantische Diskussion (bei Suhrkamp)

Das wird im nächsten Jahr schlechter: Ich werde nicht mehr als nervöser Fanboy im Kölner Literaturhaus zwischen Mark Greif und Diedrich Diederichsen sitzen und so tun, als würde ich die beiden moderieren.

Das wird im nächsten Jahr besser: Ich werde nicht mehr in jeder zweiten Verlagsvorschau den blöden und unbegründeten Satz lesen »Dieses Buch könnte die Bibel der Occupy-Bewegung werden!«

Das ist an dieser Liste unseriös: 1. Sie schafft nicht die Frauenquote von mehr als 30 Prozent. 2. Im Dezember kommen auch noch Bücher raus (aber die lese ich eh erst im Januar) 3. Bitte in die Kommentare schreiben

Pussy Riots düsterer Vorfahre: Über Emmanuel Carrères bemerkenswerte Biografie des russischen Provokateurs Eduard Limonow

Abb.: Die Flagge von Eduard Limonows (in Russland verbotener) Nationalbolschewistischen Partei (via Wikimedia)

Zehn Jahre vor Pussy Riot forderte den russischen Staat schon einmal jemand heraus, den man im weitesten Sinne als Punk bezeichnen kann und der zu mehreren Jahren Haft verurteilt wurde – aber ohne darüber zum Helden der westlichen Liberalen, Popstars und Journalisten zu werden. Es war der Schriftsteller, Soldat und Provokateur Eduard Sawenko, genannt Limonow. In gewagten Protestaktionen forderten er und seine Anhänger, die Nationalbolschewisten, nicht die Meinungsfreiheit oder die Trennung von Staat und Kirche, sondern die Rückkehr von Stalinismus und Gulag. Womöglich meinten sie das ernst. (weiterlesen auf Spiegel Online)