Das neue Cover der Time

Das Spannende am neuen Time-Cover: Nach den alten Printregeln ist es im Handel zum Scheitern verurteilt (leeres Foto, unscharfe Schrift, schwache Marke).

Aber durch seine Online-Verlängerung und speziell das hier eingebettete Making-of-Video wird es spektakulär und unvergesslich.

Print in der Post-Print-Ära.

 

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Wie entstehen die Titel der ZEIT?

Artdirectorin Malin Schulz über Cover, die überraschen. Und über Leberwurst.

Wie entstehen die Titelseiten der ZEIT? Wer hat sich die Zeile »Jamaika – Fluch der Karibik« ausgedacht? Welche beleidigte Leberwurst sieht besser aus: die grobe oder die feine?

Darüber habe ich mit Malin Schulz gesprochen. Sie ist Artdirektorin und Mitglied der Chefredaktion der ZEIT und hat hunderte Titelseiten entworfen.

Unser Gespräch gibt es als Podcast: Hier kostenlos anhören, bittesehr.

Derber Schädel: Das tolle Cover der Baumeister-Ausgabe #11/13

Baumeister Magazin 11/13

Wo Architekten schon keine schöne Häuser bauen dürfen (sondern nur, weiß nicht, kalauerndes Stadtmarketing wie die Tanzenden Türme oder so), bauen einige von ihnen wenigstens schöne Magazine.

Die aktuelle Ausgabe der Zeitschrift Baumeister (Nr. 11/13) kommt auf jeden Fall auf meine Shortlist für das Cover des Jahres. Fantastisches Foto, fantastische Zeile. Chaupeau, Kollegen.

Tags statt Teaser: Design, Magazine, Modetheorie, Online, Paratexte, Print, Schlagwortwolken, Suhrkamp, Techno, Vestoj


Print klaut bei Online, auch das gibt es. Zum Beispiel bei »Titty City«, dem Fanzine, das wie Flickr aussieht. Auch im Fall von Tobias Rapps lesenswertem Buch »Lost And Sound«, einer Reportage über die Berliner Technoszene, ließen sich die Gestalter offenbar von der Netzästhetik inspirieren. Und druckten auf den Buchrücken keinen herkömmlichen Klappentext, sondern eine Schlagwortwolke (obere Abbildung).

Einen ähnlichen Weg beschreiten die Gestalterinnen von Vestoj, einem neuen Journal für Modetheorie. Statt Teasern stellen sie den Essays in ihrem Heft unter der Überschrift »This Text is About« dezente Schlagwortwolken voran (untere Abbildung). »This Text is About…Roland Barthes…Dazed & Confused…Melancholy« — auf den ersten Blick erfasst man die Namen von Theoretikern, Marken und sonstigen Themen des Essays. Mit einigen Schlagworten weiß man etwas anzufangen, mit anderen nicht. Die Kombination erzeugt Spannung: Die Wolke will aufgelöst werden, so wie der Cliffhanger eines Teasers.

Schlagwortwolken wirken sachlich (Vorteil? Nachteil?) und nehmen ihre Leser ernst, anstatt sie mit den Taschenspielertricks schlechter Teaser in den Text zu locken. Umso schwerer dürfte es sein, sie so zu formulieren, dass sie einen Sog entwickeln. Ob Tags also eine gute Alternative zu Teasern sind? Zumindest sind sie eine erfrischende Variation des ansonsten wohl eher trendresistenten Genres der Paratexte.