Das neue Cover der Time

Das Spannende am neuen Time-Cover: Nach den alten Printregeln ist es im Handel zum Scheitern verurteilt (leeres Foto, unscharfe Schrift, schwache Marke).

Aber durch seine Online-Verlängerung und speziell das hier eingebettete Making-of-Video wird es spektakulär und unvergesslich.

Print in der Post-Print-Ära.

 

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Zeit Campus 1/16 Drohnenkrieg & Gadget-Kanon

Ab heute gibt es die neue Ausgabe von Zeit Campus zu kaufen (1/16, Januar/Februar 2016). Darin: Ein kurzes Interview von mir mit Khesrau Behroz und ein längerer Auszug aus seiner Fotostrecke When Kennedy Died, die zu den interessanteren künstlerischen Arbeiten zählt, die ich in diesem Jahr gesehen habe.

Khesrau fragt nach der Funktion von Zeugenschaft im 21. Jahrhundert. Oder konkreter: Danach, was wir mit dem Wissen anstellen, dass die US-Regierung abseits erklärter Kriege und ohne parlamentarische Kontrolle Recherchen zufolge tausende Menschen durch Drohnen getötet haben soll. Mehr dazu hier (und hier und hier).

On a lighter note haben Jan Fischer (Ja, genau! Der von Zebrabutter!) und ich nachgedacht über sprechende Barbies, Selfie-Sticks und andere Spielzeuge, die unsere Zeit vermutlich besser charakterisieren als Romane, Filme oder Gemälde. Das Ergebnis: Der meines Wissens erste Gadget-Kanon der Weltgeschichte. Weil: think big und so.

Wird das Töten durch Drohnen zum Computerspiel? Nein, schreibt der Journalist Chris Woods

Durch Drohnen wird das Töten zum Computerspiel – unverbindlich und routiniert. Das ist eine gängige Annahme. Aber sie stimmt nicht, sagt Chris Woods, der als investigativer Journalist zum Drohnenkriege recherchierte und für sein Buch Sudden Justice Militärs, Drohnenpiloten und Geheimdienstlern zu ihrer Tätigkeit befragt hat.

Woods behauptet, es gäbe eine »Intimität des ferngesteuerten Tötens«, das Töten falle Drohnenpiloten mitunter schwerer als anderen Soldaten. Wie er darauf kommt, habe ich ihn gefragt – im Interview auf Spiegel Online.

Die Individualisierung der Kriegsführung: Anmerkungen zu Armin Krishnans Buch über Attentate, Drohnen und »low intensity conflicts«

gezielte-toetung

Krieg und Frieden könnten bald nicht mehr zu unterscheiden sein. Das ist einer der Schlüsse, den man aus Gezielte Tötung ziehen kann, einem Buchessay des Politikwissenschaftlers Armin Krishnan, der zur Individualisierung der Kriegsführung forscht.

Krieg, stellt Armin Krishnan gleich zu Beginn fest, sei heute in vielen Fällen kein zeitlich und räumlich eingegrenztes Massenereignis mehr. Die Zeiten, in denen Soldaten mehrerer Nationalstaaten gegeneinander kämpfen und dabei in wenigen Jahren Tausende Menschen getötet werden, seien vorbei.

Das sind nicht unbedingt gute Nachrichten, weil Guerillakrieg, Terrorismus und organisiertes Verbrechen zu einem »Grauzonen-Phänomen« verwachsen – und militärische Antworten provozieren, die sich dem gängigen Kriegs- und Menschenrecht entziehen. Krishnans Buch ist nicht makellos, aber eine gute erste Einführungs ins Thema. Weiterlesen: meine Rezension auf Spiegel Online.