Wie l├Ąuft das Homeschooling in Hamburg?

Die Corona-Krise ver├Ąndert alles, auch die Bedeutung unserer Worte. Zum Beispiel ┬╗Homeschooling┬ź: Es ist nicht lange her, da war dieser Begriff christlichen Fundamentalisten in den USA vorbehalten. Leuten, die ihre Kinder von der Schule nehmen, um sie vor den Zumutungen von Sexualkunde und Evolutionstheorie zu bewahren. In Deutschland ist Homeschooling verboten, so steht es zum Beispiel im Hamburgischen Schulgesetz, Paragraf 37, Absatz 1: ┬╗Wer in der Freien und Hansestadt Hamburg seinen Wohnsitz oder gewo╠łhnlichen Aufenthalt hat, ist in Hamburg zum Schulbesuch verpflichtet.┬ź

Dann kam das Coronavirus. Und pl├Âtzlich reden alle von Homeschooling, als w├Ąre klar, was damit ├╝berhaupt gemeint ist. Halt irgendwas mit ┬╗zu Hause┬ź und ┬╗Beschulung┬ź, auch wenn das vor Kurzem noch unvereinbare Gegens├Ątze waren. Wir erleben gerade das wohl gr├Â├čte Bildungsexperiment in der Geschichte der Bundesrepublik, und sein Ausgang ist ungewiss.

Sechs Thesen dazu, was beim Corona-Fernunterricht in Hamburg funktioniert ÔÇô und was besser werden muss: in meinem Text auf ZEIT ONLINE (f├╝r Abonnent*innen und solche, die es werden wollen).

Schafft zwei, drei, viele Elphis! 

In Hamburg ist der #elphischock (also das kollektive Trauma aus Kostenexplosion, Bauzeitverz├Âgerung und Verantwortungslosigkeit) jetzt offiziell ├╝berwunden. Der Stolz ├╝berwiegt, die Schmach ist vergessen, ┬╗Elbphilharmonie┬ź ist kein Schimpfwort mehr.

In K├Âln betont man zwar noch, der Neubaukomplex am Dom werde keine ┬╗zweite Elbphilharmonie┬ź. Dasselbe hei├čt es in M├╝nchen ├╝ber das Interimsquartier in Sendling und in Rostock ├╝ber das Landesmuseum (keine ┬╗zweiten Elbphilharmonien┬ź!).

Und, ja, auch in Hamburg war noch vor wenigen Monaten beteuert worden, die Sanierung des Kongresszentrums werde keine ┬╗zweite Elbphilharmonie┬ź und auch der geplante Elbtower: keine ┬╗zweite Elbphilharmonie┬ź.

Doch jetzt zieht die SPD mit einer neuen Idee in den B├╝rgerschaftswahlkampf: Kultursenator Carsten Brosda verk├╝ndet heute im Abendblatt, man wolle in Hamburg ein bundesweit einzigartiges Gro├čprojekt starten, dessen Kostenrahmen und Finanzierung offenbar noch weitgehend ungekl├Ąrt ist, ┬╗eine Art Elbphilharmonie der Digitalisierung┬ź.

Alles Gute daf├╝r.

Analoge Wildnis in der digitalen W├╝ste

Die Zivilisation begann damit, dass unsere Vorfahren eine Lichtung in den Wald schlugen. So trennten sie die rohe Natur des Waldes von einer zweiten Sph├Ąre und wurden durch diesen Akt der (Selbst-) Sch├Âpfung von Wilden zu Kulturmenschen.

So beschreibt es der Philosoph Christoph Quarch, der in der S├╝ddeutschen Zeitung eine (sehr kurze) Kulturgeschichte des Waldes ver├Âffentlicht hat. Sie ist hier zu lesen. Die Metapher von Wald und Lichtung hat sich Quarch dabei von seinem Kollegen Giambattista Vico (1668ÔÇô1744) ausgeliehen. Er schreibt sie fort, indem er den Einbruch des Digitalen in die stoffliche Welt als Entstehen einer ┬╗neuen Lichtung┬ź beschreibt.

In der Beschreibung von Vico war es ein Blitz, der in die Dunkelheit des Waldes brach und unsere Vorfahren darauf aufmerksam machte, dass es ein Au├čerhalb des Waldes geben muss. Sie begannen, Lichtungen zu schlagen, H├╝tten und St├Ądte zu bauen.

Laut Christoph Quarch erleuchtet uns nun ein neuer Blitz und weist uns den Weg ins Neue, Helle, Offene: das blau-wei├če Glimmen unserer Displays.

Der Philosoph schreibt: Weiterlesen Analoge Wildnis in der digitalen W├╝ste

Was ist ein Selfie? Was ist digitale Fotografie?

Selfies und ihre Urheber werden unentwegt kritisiert. Ein Gedanke, der mir dabei oft fehlt: Die digitale Fotografie war eine technische Innovation, die nicht nur ver├Ąndert, wie wir fotografieren, sondern auch zu welchem Zweck wir fotografieren.

Die Fotografie an sich hat sich demnach ver├Ąndert, wie zuletzt vielleicht bei der Einf├╝hrung der Rollfilmkamera (oder noch dramatischer, zumindest in dem Sinne, dass die Anwendungsbereiche der Fotografie noch vielf├Ąltiger geworden sind).

So arumentiert zum Beispiel Steve Sasson, der als Ingenieur bei Kodak bereits in den siebziger Jahren den Prototypen einer Digitalkamera gebaut hat, im Paper Magazine (Volume 32, Issue 2, October 2015). Er sagt:

I think what’s changed is our view of what photography is. [Digital photography has] changed it from recording events to a casual form of communication.

├ähnlich argumentiert Mikko Villi, ein Kommunikationsforscher an der Uni Helsinki, der ein kurzes Essay in The Smart View (Ausgabe 1) ver├Âffentlicht hat. Dort schreibt er:

Weiterlesen Was ist ein Selfie? Was ist digitale Fotografie?“