Ach! Welch herrliches GefĂŒhl!

20220420_110941

Im Jahr 1969 brachte der Beate-Uhse-Versand einen neuartigen »Damen-Vibrator« den Markt. »Die zarten Schwingungen dieses handlichen Massagestabes regen die Durchblutung an«, hieß es in der Produktbeschreibung im Katalog. (Siehe Beweisfoto.)

Vibratoren gab es damals bereits seit hundert Jahren und sie wurden stets genau so beworben: als Gesundheitsprodukte. Etwas anderes wĂ€re verboten gewesen. Denn in der Bundesrepublik drohte Paragraf 184 des Strafgesetzbuchs allen mit einer Geld- oder Freiheitsstrafe, die »unzĂŒchtige Schriften« verbreiteten oder »GegenstĂ€nde, die zu unzĂŒchtigem Gebrauche bestimmt sind«, anpriesen. (Das Gesetz fiel erst einige Jahre spĂ€ter.)

Der »Damen-Vibrator« aber war ein Novum, schreibt die Hamburger Historikerin Nadine Beck. Bis dahin waren Vibratoren Unisex-GerĂ€te und hatten eher die Form eines Haarföns. Nun wurden sie plötzlich phallisch und als Produkte »fĂŒr Damen« beworben. Die Dame im Katalog hĂ€lt sich den Vibrator zwar ins Gesicht, doch wofĂŒr das Ding eigentlich benutzt werden sollte, war nicht mehr zu ĂŒbersehen — und ebnete den Weg fĂŒr all die »Magic Wands« und »Womanizers« von heute.

Mehr zu Nadine Beck und ihrer Forschung zur Geschichte der Sextoys habe ich hier aufgeschrieben (fĂŒr Menschen mit ZEIT-Abo).

The Future of Fischzucht

20220513_190048

Zwei Drittel der FischbestĂ€nde in den europĂ€ischen Meeren sind ĂŒberfischt oder sogar in ihrer Existenz bedroht, sagt ein fĂŒhrender Meeresbiologe. Sie wĂŒrden sich aber rasch erholen, wenn wir nur fĂŒr ein paar Jahren mit der Fischerei aufhörten.

Ist das realistisch? Vielleicht. Mein Kollege Götz Hamann von der ZEIT war unterwegs, um sich ĂŒber Zuchtanlagen zu infomieren, bei denen Meeresfisch an Land heranreift. Dabei geht es um einen Ansatz im (fast) industriellen Maßstab, bei dem auch auf das Tierwohl geachtet wird. Wenn die Pilotprojekte in Serie gingen, wĂŒrde das die Meere entlasten.

Wenn Sie Lust haben auf hoffnungsvolle Nachrichten und/oder Fisch, dann hören Sie doch vielleicht unser (kurzes) GesprĂ€ch ĂŒber Hamanns Recherche im Podcast »Hinter der Geschichte«. Überall, wo es Podcasts gibt, sowie hier.

Deine Freunde: Pro und Contra

deinefreunde1

Deine Freunde machen Rap fĂŒr Kinder und feiern gerade ihr zehnjĂ€hriges JubilĂ€um.

Im Feuilleton der ZEIT erklĂ€re ich, warum ich sie fĂŒr eine der interessantesten deutschsprachigen Bands ĂŒberhaupt halte. Außerdem vergleiche ich sie mit Bill Withers und The Velvet Underground.

Jens Balzer erklĂ€rt daraufhin, warum er glaubt, dass ich kiffe. Und zwar mit meinen Kindern. Denen ich demnach auch darĂŒber hinaus in ihrer Geschmacksbildung und Autonomiebestrebung Gewalt antue.

Lesen Sie die Feuilletondebatte des FrĂŒhjahrs, deren Temperament bereits von der Zeile angedeutet wird, die Lars Weisbrod als Redakteur kongenial drĂŒberschrieb: »Du Eierloch!«

deinefreunde2

Zwei erwachsene MĂ€nner streiten ĂŒber Kinderkram. đŸ’„ Im Pro und Contra, jetzt in der ZEIT oder hier auf ZEIT ONLINE.

Jane Birkin im Sexshop

jane-birkin-beate-uhse

Heute ist die PrĂ€sidentenwahl in Frankreich, dazu diese kleine Trouvalie apropos les relations franco-allemandes: Einer der großen Skandalsongs der Pop-Geschichte, Je t’aime, … moi non plus von Jane Birkin und Serge Gainsbourg, wurde Anfang der 1970er-Jahre als Schallplatte im Versand der Flensburger Sexshop-Pionierin Beate Uhse angeboten.

Über den Song heißt es, er habe nach der Veröffentlichung im Jahr 1969 StĂŒrme der EntrĂŒstung ausgelöstet, weil Jane Birkin darin so ĂŒberzeugend stöhnt, dass einige Hörer*innen fĂŒrchteten, sie wĂŒrden einem echten Orgasmus beiwohnen:

Insofern ist es vielleicht nachvollziehbar, dass Beate Uhse die Platte in ihr Programm nahm und sie dort zwischen Pornoheften und anderen sexuellen Hilfsmitteln anbot. Trotzdem: Ist das ein Kompliment gegenĂŒber der KĂŒnstlerin? Oder eine Riesenfrechheit? đŸ€”

Entdeckt beim Kaffee und Quellenstudium mit der Historikerin Nadine Beck, ĂŒber deren Forschung ich ausfĂŒhrlicher in der kommenden Ausgabe der Hamburgseiten der ZEIT berichte (ab Donnerstag).

Auf dem Schulhof mit Zoe Wees

Zoe Wees

»Zoe, das darf man doch nicht!«, rief Frau WesemĂŒller durch die Aula der Grund- und Stadtteilschule Alter Teichweg (ATW). Aber da stand Zoe Wees schon auf den Heizkörpern, um fĂŒr den Fotografen Dennis Dirksen zu posieren.

Und vielleicht meinte es Sabine WesemĂŒller, die Leiterin der Grundschule und der legendĂ€ren Chorkatzen, bei denen Zoe einst gesungen hat, auch gar nicht so ernst.

Sie waren ja alle froh, dass Zoe Wees wieder hier war: Das MĂ€dchen, das vor zwei Jahren noch SchĂŒlerin des ATW war und inzwischen in einigen der beliebtesten amerikanischen Late-Night-Shows aufgetreten ist, als erste deutsche KĂŒnstlerin bei den American Music Awards und die bei Spotify mehr monatliche Hörer hat als Nena und Helene Fischer zusammen.

Mein Artikel ĂŒber Zoe Wees, ihren sensationellen Erfolg als SĂ€ngerin, ihre alte Schule und alles andere, ist in der ZEIT im Hamburg-Ressort zu lesen oder hier auf ZEIT ONLINE (#abo).

Das beste Jugendbuch des Jahres

julianepickel

Krummer Hund ist das beste Jugendbuch des Jahres 2021. Sage nicht ich, sondern die Jury des Luchs-Preis fĂŒr Kinder- und Jugendliteratur. Dieses Urteil scheint mir plausibel zu sein.

Am Freitag, 18. MĂ€rz, wird der Preis an die Autorin Juliane Pickel ĂŒberreicht, die Laudatio hĂ€lt Sven Regener, das könnte ein guter Abend werden. (FĂŒr alle, die nicht in den Resonanzraum kommen können oder wollen, gibt es ab 19 Uhr einen Livestream hier.)

Ich habe Juliane Pickel neulich schon treffen dĂŒrfen, wir waren verabredet in einem Keller auf St. Pauli. Mein Text ĂŒber unsere Begegnung steht jetzt hier auf ZEIT ONLINE.

Und wegen Krummer Hund: Man kann das auch sehr gut als Erwachsene/r lesen!

P.S.: Bitte nicht ĂŒber meine Topfblumen lachen.

Hamburg, Stadt der Wissenschaft?

Die-Zeit-Hamburg-Stadt-der-Wissenschaft-Spread

»Wenn man heute an Wissenschaft denkt, dann denkt man nicht an Hamburg«, sagt Andreas Timm-Giel, der PrÀsident der TU Hamburg. »Das wÀre zwar schön, das wollen wir auch erreichen, aber da sind wir noch nicht.«

FĂŒr ein Stimmungsbild aus der Wissenschaftslandschaft habe ich mit Timm-Giel und anderen aktuellen und ehemaligen PrĂ€sidenten von Hochschulen in Hamburg gesprochen, mit Direktoren außeruniversitĂ€rer Forschungszentren und … ums kurz zu machen: Man spĂŒrt vielerorts einen vorsichtigen Optimismus.

Denn es ist ein Momentum entstanden. Durch die Auszeichnung der Uni Hamburg als »ExzellenzuniversitĂ€t«, durch den Nobelpreis fĂŒr den Klimaforscher Klaus Hasselmann, durch neue Projekte wie das Hamburg Institute for Advanced Study und The New Institute.

Die Fotos, die wir zum Text drucken durften, hat Janosch Boerckel aufgenommen. Sie zeigen die Infrastrukturen der Spitzenforschung: Neben dem 3,4 Kilometer langen Teilchenbeschleuniger HERA am DESY ist das auch das Deutsche Klimarechenzentrum, bei dem die Modelle der Klimaforscher vom Max-Planck-Institut fĂŒr Meteorologie entstehen (of Hasselmann fame). Das illustrierte Cover ist von Josephine Rais.

Weiterlesen „Hamburg, Stadt der Wissenschaft?“

Podcast: Lösen Drohnen die Verkehrsprobleme der Großstadt?

Die Antwort in Kurzfassung: Nein. Etwas ausfĂŒhrlicher habe ich dazu mit meinem Kollegen Frank Drieschner im Podcast Hinter der Geschichte gesprochen.

Frank ist (wie ich) Redakteur der Hamburg-Seiten der ZEIT, wo er sich (anders als ich) schon seit vielen Jahren mit den Verkehrsproblemen der Großstadt auseinandersetzt.

In unserem Podcast rĂŒckt er die Verkehrsinnovationen des ITS Kongresses (Lastendrohnen, halbautonome S-Bahnen, ferngesteuerte Mietwagen, … ) in den Kontext und sagt: Das meiste davon brauchen wir nicht. Sondern eigentlich nur eines: Viel weniger Autos in der Stadt.

Woraufhin ich in meiner grenzenlosen NaivitÀt rufe: »Hey, cool, dann ist ja alles ganz einfach!« Franks Antwort in Kurzfassung: Nein.

Kostenlos anhören: Überall, wo es Pocasts gibt und hier.

Das BilderrÀtsel Mnemosyne

Aby Warburg sollte eine angesehene Privatbank erben, traf aber die weise Entscheidung, lieber Kunsthistoriker zu werden. Guter Typ.

Jetzt ist Aby Warburgs lange verschollen geglaubtes SpÀtwerk, der Bilderatlas Mnemosyne, in Hamburg-Harburg in der Sammlung Falckenberg zu sehen.

Mein Text zu Warburg, seinem Bilderatlas und der einigermaßen unglaublichen Geschichte von dessen Rekonstruktion gibt es jetzt auf ZEIT ONLINE (fĂŒr Leute mit Abo).