Reichsflaggen vor dem Reichstag

Am Wochenende stĂŒrmten Demonstrierende mit Reichsflaggen (und ein, zwei anderen Fahnen) auf die Treppe vor dem ReichstagsgebĂ€ude, wo sie von der Polizei gestoppt wurden. Bilder, die BundesprĂ€sident Frank-Walter Steinmeier mit den Worten kommentierte:

»Reichsflaggen, sogar Reichskriegsflaggen auf den Stufen des frei gewĂ€hlten deutschen Parlaments, das Herz unserer Demokratie – das ist nicht nur verabscheuungswĂŒrdig, sondern angesichts der Geschichte dieses Ortes geradezu unertrĂ€glich.«

Wie kam es dazu? Das zeigt dieses erstaunliche Zeitdokument:

(Lesenwert sind in dem Video auch die Kommentare der Zuhausegebliebenen, die teilweise offenbar unter Verwendung des Klarnamens verfasst wurden. Upsi.)

Die Frau, die auf der BĂŒhne spricht, wurde inzwischen als Tamara K. identifiziert und Ă€ußert sich zu der Aktion (nicht aber zur Bedeutung der vielen Reichsflaggen) in einem wohl authentischen Video in einem YouTube-Kanal aus der Coronademo-Szene: Weiterlesen „Reichsflaggen vor dem Reichstag“

Re: Helmut Kohl, OG

Eine Àhnliche inhaltliche Verschiebung wie beim Posing mit Benz: Bei John F. Kennedy war »Ich bin ein Berliner« ein Versprechen. Rund 50 Jahre spÀter ist bei Ufo361 daraus eine Drohung geworden.

(Bemerkenswert, dass der erste JFK-Klon, der im Musikvideo den SpĂ€ti stĂŒrmt, eine Adidas-Trainingsjacke trĂ€gt – und damit die Hausmarke und das Erkennungszeichen des grĂ¶ĂŸten Widersachers des historischen JFK: Fidel Castro.)

The Noise of Nature: Zebrafinken spielen Gitarre, ab sofort in Berlin

Abb. 1: Céleste Boursier-Mougenot: »From Here to Ear« (2009, Installation, Rechte vorbehalten)

Der »Sound of Nature« hat nichts mit Panflöten, HarfenklĂ€ngen und harmonischem Ambient-GeplĂ€tscher zu tun. DafĂŒr aber um so mehr mit Noise, Dissonanz und Overdrive-Geschredder. Und, oh Ironie: damit ist der »Sound of Nature« ziemlich dicht an seinem scheinbaren Gegenteil, dem Industrial.

So stellt es sich zumindest in einigen neueren Arbeiten von KĂŒnstlern dar, die der Natur mit Tonabnehmern auf die Pelle rĂŒcken – und sie dabei kein bisschen pastoral, aber dennoch sehr poetisch klingen lassen. Ich denke zum Beispiel an Olle CornĂ©ers und Martin LĂŒbckes »Harvest«, das die Beschaffenheit des Erdbodens hörbar und die Welt wieder zur (Vinyl-) Scheibe macht. »Harvest« wurde 2010 auf dem Dockville Festival in Hamburg ausgestellt, ich habe hier schon einmal kurz darĂŒber geschrieben.

Daran erinnert wurde ich in dieser Woche auf der Eröffnung von »My Paris«, der aktuellen Austellung im »me Collectors Room« in Berlin, die Arbeiten aus der Privatsammlung von Antoine de Galbert zeigt (lÀuft noch bis 8. Januar 2012). Dominiert wird die Schau von Céleste Boursier-Mougenots Installation »From Here to Ear«. Oder genauer: akustisch dominiert. Denn durch die AusstellungsrÀume im Erdgeschoss des Hauses dröhnen unstrukturierte Soundfetzen verzerrter E-Gitarren, begleitet vom Gekreische und Gezirpe mehrerer Vögel.

Weiterlesen The Noise of Nature: Zebrafinken spielen Gitarre, ab sofort in Berlin“

Hamburg & sein Minderwertigkeitskomplex: Man ist immer so Hauptstadt wie man sich fĂŒhlt. Hier in Hamburg, zumindest.

Hier in Hamburg gibt es ein konstantes BedĂŒrfnis der Selbstvergewisserung. Nicht nur „schönste Stadt der Welt“ will man sein, sondern auch stĂ€ndig Hauptstadt von irgendwas. Korrektur: Nicht von irgendwas. Auf keinen Fall Hauptstadt der Kinderarmut und lieber auch nicht Hauptstadt der Mietpreisentwicklung, aber doch bittesehr Kreativ-Hauptstadt, Öko-Hauptstadt und jetzt –mal wieder– Pop-Hauptstadt. Das alles ließe sich wunderbar problematisieren (GĂ€nge, Gaier, Moorburg, KrĂŒmmel) verweist aber ohnehin nur darauf, was Hamburg nicht ist:
Hauptstadt.

Let's shake hands:

Keine Ahnung was das PolitCamp09 ist, aber auf DrĂ€ngen meiner Freundin habe ich mich eben angemeldet. BetrĂ€chtliche Teile der ZUENDER-Alumni werden dort auch antreten. Wir können alle im Kreis stehen und unsere HĂ€nde schĂŒtteln. Oder was man sonst eben so macht, auf dem PolitCamp09.

[Update:] FĂŒr alle, denen ich mich nicht persönlich vorstellen kann, habe ich mich nun der Konvention gefĂŒgt und eine gute versteckte „About Me“-Seite veröffentlicht, inkl. Mini-Bio und Phantombild.

"Achtmilliarden Minuten mit Zeitschriften" Video-Rezensionen von Printmagazinen. Folge 1: "Bang Bang Berlin"

Magazine! Yeah! Es gibt wenig besseres, manchmal. Deshalb jetzt mit Tusch und Sekt und kaltem BĂŒffet: die Eröffnung einer neuen, unregelmĂ€ĂŸigen Zeitschriften-Review-Serie in diesem Blog.

Neulich hatte ich hier schonmal Titty City, ein Schmuddelheft neuen Typs, vorgestellt und andere Zeitschriften, die ich mag. Jetzt versuche ich mal das zu institutionalisieren. Und zwar: als schlecht ausgeleuchtete Video-Serie, ich sag mal: „Fanzine 2.0“. Digitale Kompaktkameras und Windows Movie Maker sind die Schere und Klebstoff des 21. Jahrhunderts.

Weil das ganze trotzdem mehr Arbeit war, als man ihm ansieht, weiß ich noch nicht, wann der zweite Teil folgt. Aber hej: Kommentare könnten motivationssteigernd wirken, und HeftvorschlĂ€ge fĂŒr die Short List nehme ich extra gerne an. Am interessantes finde ich neue Magazin-GrĂŒndungen abseits großer Verlage, die optimalerweise neue Versuche zum VerhĂ€ltnis von Print und Internet anstellen. So wie eben neulich Titty City oder hier Bang Bang Berlin.

Die gute Nachricht, allen „Print ist tot“-Unkenrufen zum Trotz, ist: da gibt es ja mehr als genug.