»What Should Merkel Do Next?«

Eine Umfrage der britischen Zeitschrift Monocle und meine Antwort

Der »Anführerin der freien Welt« unverlangte Ratschläge erteilen: Wer könnte der Einladung dazu widerstehen, wenn sie von einem britischen Journalisten mit posh accent an einen herangetragen wird? Ich nicht.

In der neuen Ausgabe der Zeitschrift Monocle (Nr. 102, Spring/Summer 2017) beantwortete ich deshalb – ebenso wie Ai Weiwei, Yanis Varoufakis, Wolfgang Tillmans und einige andere – die Frage »What Should Merkel Do Next?«. (Ein Klick auf die Fotos führt zu einer größeren Ansicht.)

Ich folge dabei den Erkenntnissen von Was geschah wirklich?, einem Artikel der Zeit aus dem vergangenen Jahr. Mich nervt die immer wieder geäußerte Behauptung, Angela Merkel habe im Sommer 2015 übertrieben moralisch gehandelt oder gar einen lange gehegten demographischen Plan umgesetzt. Bollocks!

Ob es politisch klug wäre, wenn die wegen ihrer Bemühung des Begriffs der »Alternativlosigkeit« oft gescholtene Kanzlerin diesen Begriff nun wieder ins Spiel brächte? Möglicherweise nicht. Aber zum Glück kann ich mich darauf verlassen, dass unverlangte Ratschläge ohnehin selten erhört werden.

Was Merkel mit Bismarck verbindet: Mein Interview mit dem britischen Politikwissenschaftler Hans Kundnani

paradox

Abb.: Hans Kundnanis Buch The Paradox of German Power, erschienen bei Hurst Publishers (2014)

Merkel ist wie Bismarck. OK, nicht ganz. Aber sie regiert ein Land, das sich in einer ähnlichen Lage befindet, wie seinerzeit Otto von. Denn Deutschland ist wieder ein Semi-Hegemon wie im 19. Jahrhundert: zu stark, als das ein einzelnes Nachbarland ein machtpolitisches Gegengewicht sein könnte. Aber auch zu schwach, um ganz Europa im Alleingang zu beherrschen.

Das ist zirka die These, die der britische Politikwissenschaftler Hans Kundnani in seinem Buch The Paradox of German Power vertritt (ich erwähnte es schon mal hier). Kürzlich habe ich ein Gespräch mit Kundnani führen können, in dem ich ihn zu seiner Theorie befragt habe. Und auch dazu, wo dieses Strukturanalogie – so sie denn stimmt – hinführt. Denn wir wissen alle, wie das 19. Jahrhundert endete …

Eine gekürzte Abschrift dieses Interviews hat Spiegel Online veröffentlicht.

Dort hat es unter anderem der italienische Politiker Beppe Grillo gelesen (oder zumindest einer seiner Mitarbeiter) und sich die Mühe gemacht, Auszüge des Gesprächs ungefragt ins Italienische zu übertragen und auf seinem Blog zu veröffentlichen.

Ich finde das ja toll. Ein Brite und ein Deutscher unterhalten sich, ein Italiener mischt sich ein: Das ist doch schon fast die europäische Öffentlichkeit, die wir uns immer gewünscht haben.

Mehr zum Buch hier, zum Autoren hier.