Der umgekehrte Turing-Test

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Darf ich kurz darauf hinweisen, dass ich ein neues und innovatives Verfahren der Sozioinformatik erfunden habe? Ich nenne es: »Der umgekehrte Turing-Test«.

Es geht so: Man beantwortet die Fragen eines Menschen, den man nicht kennt und mit dem kein Sicht- und Hörkontakt besteht, auf LinkedIn ausschließlich mit den automatisch vorgeschlagenen Antwortoptionen und wartet ab, wie lange der GesprĂ€chspartner braucht, um zu erkennen, dass man selbst ein Bot ist.

Mein erster Testlauf mit einem Anlageberater auf Kaltakquise lief recht vielversprechend an. Leider wurde er vorzeitig dadurch beendet, dass LinkedIn nur noch Antwortoptionen vorschlug, die notwendig den GesprĂ€chsabbruch nach sich zogen. 🙁

Ich möchte dieses experimentelle Verfahren nun gerne in die HĂ€nde der Öffentlichkeit ĂŒbergeben. Macht mit und teilt Eure Screenshots! Alles fĂŒr die Wissenschaft!

Post-apokalyptische Landschaftsbilder

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In Australien brennt der Wald, im Amazonas, in Kalifonien — und im Harz sahen die Baumkronen im letzten Sommer auch nicht ĂŒberall gut aus. đŸ”„

Es passt also, dass der KĂŒnstler Andreas Greiner als Kaiserring-Stipendiat gerade eine Etage im Goslarer Mönchehaus Museum mit Bildern post-apokalyptischer WĂ€lder bespielt. Zumal die BrĂ€nde (und die verdorrten Fichten auf den BergkĂ€mmen) ja nur Symptom des Artensterbens sind, fĂŒr das es abseits der Pressefotos von Feuerwalzen noch kaum eindringliche Bilder gibt.

Wie macht man BiodiversitĂ€tsverlust sichtbar? Greiner versucht es so: Er fĂŒttert eine KI mit Fotos europĂ€ischer UrwĂ€lder und lĂ€sst die Software neue Waldbilder kreieren. So sieht eine Zukunft aus, in der WĂ€lder nur noch im Computer wachsen: irgendwie falsch. Ein zweiter Ansatz: Greiner zerlegt einen Mischwald in seine pflanzlichen Einzelteile, Farne, GrĂ€ser, Setzlinge, die kĂŒnstlich bewĂ€ssert in PlastiksĂ€cken wie auf einer Raumstation wachsen. Man sieht bei ihm nicht das Sterben, aber dafĂŒr sieht man, was in absehbarer Zeit verloren gegangen sein könnte.

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Man kommt nicht alle Tage nach Goslar, aber die Ausstellung Signs of Life (noch bis 26. Januar) ist sehenswert. Auch, weil Greiner die RĂ€umlichkeiten dieses Museums im Fachwerkhaus ziemlich smart nutzt: Die niedrigen Decken und sichtbaren Balken wirken zusammen mit den nun greenscreengrĂŒn gestrichenen WĂ€nden wie ein Studio — der perfekte Rahmen fĂŒr diese deprimierenden Simulationen.

Menschen, wir sind noch nicht verloren!

Wenn ich mich recht erinnere, genĂŒgt in Bram Stokers Roman Dracula eine einzele Hostie, um einen Bannkreis zu schaffen, den Vampire nicht betreten können. Sehr praktisch, wenn man gerade durch Transylvanien reist und eines temporĂ€ren safe space bedarf, zum Beispiel um nachts in Ruhe schlafen zu können.

(Ich bin nicht sicher, ob es eine katholische Hostie sein muss, also der wahrhaftige Leib Christi, oder ob eine evangelische Hostie, also profanes Brot mit erhöhtem Symbolwert, auch funktioniert.)

Einen modernen Bannkreis zu Bezwingung seelenloser Angreifer hat der KĂŒnstler James Bridle geschaffen. Bei ihm geht es nicht um Ausschluss, sondern um Einschluss, aber das Prinzip ist Ă€hnlich simpel: Mit Kreide zeichnet er zwei Kreise auf den Boden, die etwa die GrĂ¶ĂŸe eines Parkplatzes fĂŒr handelsĂŒbliche PKW haben. Die Linie des Ă€ußeren Kreises ist gestrichelt, die des inneren durchgezogen.

Autonome, selbststeuernde Fahrzeuge, die durch ihre Software an die Straßenverkehrsordnung gebunden sind, können nun von außen in diesen Kreis hineinfahren, kommen von innen aber nicht mehr raus. Sie sind gefangen. James Bridle nennt das: Autonomous Trap 001 (siehe Video).

Es scheint derzeit plausibler, dass eines Tages die Maschinen uns Menschen zur Gefahr werden, als dass noch Vampire auftauchen und uns alle ausrotten (ich habe neulich mit dem Philosophen Nick Bostrom darĂŒber gesprochen), insofern empfiehlt es sich fĂŒr alle Prepper, ein StĂŒck Kreide in der Tasche zu haben (eine einfache, durchgezogene Kreislinie wirkt dann Ă€hnlich wie die Hostie gegen Blutsauger).

Hoffen wir, dass das Wetter stabil bleibt, wenn die Teslas sich eines Tages gegen uns erheben. Regen wÀre in dieser Situation wirklich unpÀsslich.

P.S.: Entdeckt habe ich Bridles Idee in diesem Text aus der SĂŒddeutschen Zeitung.