Trotz Medienkrise:

Claudius (the übercosmopolitan photographer formerly known as al-Musafir) bloggt wieder. Passend zum Ende des Zuenders in seiner bisherigen Form sieht das ein bisschen aus wie unser Adam-Green-Adventsblog im letzten Dezember. Nette Retrogeste.

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Farewell, Vanity!

Offenbar macht die deutsche „Vanity Fair“ zu. Meldet Kress.de. Dabei hat doch gerade erst Konkurrent „Park Avenue“ das Handtuch geworfen! Blöde Krise.

Susi via Facebook: „Vanity…äh…Dings“, eine Zeitschrift für … hm, … man kann sie jedenfalls beim Frisör auslegen“ wird eingestellt ….. ähm, schade ..“

Ähnliches schreibt auch Sonja Pohlmann über das Ende des Magazins:

Vanity Fair sollte gleich vier Zeitschriften in einer sein. Mit einem People-Teil sollte Bunte und Gala Konkurrenz gemacht werden, mit einem politischen Agenda-Teil Stern und Spiegel, mit Mode und Beauty Vogue und Elle und mit einem Kultur-Teil den Feuilletons der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und der Süddeutschen Zeitung. Doch haben die anderen Blätter jeweils für den einen Bereich so viele oder sogar mehr Mitarbeiter wie die Vanity Fair für alle vier. „Da kann das Ergebnis am Ende nur minderwertiger sein“, sagt [Ex-Tempo-Macher und Lead-Academy-Vorsitzender Markus] Peichl.


Let's shake hands:

Keine Ahnung was das PolitCamp09 ist, aber auf Drängen meiner Freundin habe ich mich eben angemeldet. Beträchtliche Teile der ZUENDER-Alumni werden dort auch antreten. Wir können alle im Kreis stehen und unsere Hände schütteln. Oder was man sonst eben so macht, auf dem PolitCamp09.

[Update:] Für alle, denen ich mich nicht persönlich vorstellen kann, habe ich mich nun der Konvention gefügt und eine gute versteckte „About Me“-Seite veröffentlicht, inkl. Mini-Bio und Phantombild.

DeLon zu M.I.A.: "You ain't representing for Sri Lanka, 'cause Sri Lanka wants peace and you want war"; "Fuck your terrorist group"str

Anlässlich der Grammy-Performance von M.I.A. brachte die New York Times gestern einen Artikel über die politischen Statements und unterstellte Tamil-Tigers-Sympathie der Rapperin. Ganz neu ist diese Auseinandersetzung nicht, 2007 führte die Zeile „Like PLO I don’t surrender“ zum MTV-Boykott des Songs „Galang“, M.I.A. selbst brachte die Zeile mit ihrem Einreiseverbot in die USA in Verbindung.

Erst durch den NYT-Artikel bin ich auf das Video des Rappers DeLon aufmerksam geworden, der die Kritik an M.I.A. etwas pointierter vorträgt — auf ihrem eigenen Beat:

[via]

Leseliste (#8): Zwei aktuelle Texte zu Barack Obamas eGovernance

  1. Douglas McGray: iGov. Was muss das Weiße Haus tun? McGray schreibt: Datensätze öffentlichen Interesses in verarbeitbarer Form veröffentlichen. Und den Rest dem lieben Volk überlassen.
  2. Evan Ratliffe: The Wired Presidency. Can Obama Really Reboot the White House? Ratliffe nennt diverse Hürden, die der eGovernance/iGovernance/WikiGovernance […] noch im Wege stehen.

Re: "The End of White America?" — Hua Hsus Thesen vom Ende der weißen Kulturhegemonie in den USA. Und politische Konsequenzen.

Lesenswertes Essay von Hua Hsu in der aktuellen Ausgabe von The Atlantic: „The End of White America?“.

Die wesentliche These von Hsu ist im Grunde die folgende: Früher, ca. prä-Rock’n’Roll, prä-Civil-Rights-Movement, Hsu bezieht sich im wesentlichen auf die 1920er, gab es einen „weißen“ Mainstream in Amerika, in den sich Immigraten zu assimilieren bemühten.

[Was nicht immer leicht war, da unterschiedlichen Immigranten das „Weißsein“ zu unterschiedlichen Zeitpunkten zugesprochen wurde und manchen gar nicht, vgl. z.B. Jennifer 8. Lees Vortrag über chinesische Immigranten, insb. den einführenden historischen Teil. Hinzukommt, klar, dass mit der Assimilierung auch das Verdrängen eigener Erfahrungen und Identitätsmarker einher ging.]

Heute, fährt Hsu fort, ist der Mainstream multikulturalistisch geprägt. HipHop als dominante zeitgenössische Kultur zeuge davon, ebenso wie die Werbebranche, die dunkelhaarige Models und Schauspieler bevorzuge und nach Darstellern suche, die „[e]thnically ambiguous“ sind, also auch als Hispanics durchgehen könnten.

Kurz: Unabhängig davon, dass weiß zu sein statistisch weiterhin bedeutet, politisch, ökonomisch und sozial privilegiert zu sein (und Rassismus gegenüber Nicht-Weißen auch im Alltag noch real ist, wie mehrere afro-amerikanische Kommentatoren in Reaktion auf Hsu beteuern), sei Weißsein kein für alle verbindliches, erreichbares oder unerreichbares, Ideal mehr.

Weiße Amerikaner würden dadurch verunsichert, fährt Hsu fort.

Das klingt in meiner Textreproduktion jetzt fürchterlich grobschlächtig, aber im Grund macht Hsu die folgende Unterscheidung: Besser gebildete, Urbane und im amerikanischen Sinne Liberale tendieren dazu, ihr Weißsein zum Beispiel akademisch zu problematisieren, bzw. als Konstruktion zu entlarven („Whiteness Studies“), sich nach einer „post-racial society“ zu sehnen, oder Afro-Amerikaner unverhohlen für ihr Schwarzsein zu beneiden und sich selbst für die eigene so empfundene „(Pop-) Kulturlosigkeit“ zu bedauern.

Wohingegen ländliche „blue collar worker“ demnach eher dazu tendieren, einem nostalgischen Bild weißer, amerikanischer Authentizität nachzuhängen. Im Grunde sei das „White Pride“, der aber aus offenkundigen Gründen nicht offen ausgelebt, sondern kulturell kanalisiert werde — in der Ablehnung von Intellektuellen, Liberalen, Großstädten und in der Verklärung amerikanischer Traditionen.

Barack Obama, könnte man an dieser Stelle ergänzen, ist übrigens nicht nur Afro-Amerikaner, sondern Intellektueller (ehemaliger Leiter der Harvard Law Review), Liberaler (sagt mindestens die politische Fachzeitschrift National Journal) und Großstädter (Alec MacGillis nennt ihn den ersten „metropolitan candidate“).

Alles an Hsus Essay ist provokant, bis auf den Schlusssatz, der sich einer Prognose enzieht, indem er die Argumentation in eine fast obamaesque Rhetorik abblendet: „This moment was not the end of white America; it was not the end of anything. It was a bridge, and we crossed it.“

Jedenfalls: Der Erfolg von Mike Huckabee und Sarah Palin und die Wahlkampffloskel von „real America“ lässt sich vor dem Hintergrund von Hsus Thesen wohl etwas besser verstehen. Spannend ist jetzt, ob das attestierte kulturelle Unbehagen der „Retro-Weißen“ (Meghan Daum nennt sie auch die „Off-Whites“, also sinngemäß übersetzt die „Beigen“, weil sie aus dem typisch weiß-priveligierten Status ausgeschlossen seien) in Zukunft in politischen Kalkulationen noch eine Rolle spielen wird. Hsu schreibt über den kulturellen Bedeutungsverlust, er und Daum verweisen auf das demografische Schicksal dieser Bevölkerungsgruppe, hinzu kommt der allerorten diskutierte relative Machtverlust der USA in der Weltpolitik und die Wirtschaftskrise. Klingt nach einem potenten Cocktail. Aber: können die „Off-Whites“ rein rechnerisch noch eine Rolle spielen? Zumal wenn das Werben um diese Wähler so heftig polarisiert, wie es zuletzt Sarah Palin getan hat?

In seiner Amtsantrittsrede bezog sich Barack Obama ausdrücklich auf die amerikanischen Gründerväter und betonte auch während seines Wahlkampfes schon immer wieder das amerikanische Ideal, dass Amerikaner zu sein nichts mit Blut oder Hautfarbe oder Herkunft zu tun habe, sondern mit Werten und einer bestimmten Mentalität.

Der „rugged individualism“ gilt für den illegalen Einwanderer aus Lateinamerika ähnlich wie einst für den Iren, der vor der Hungersnot flüchtete. Der „self-made man“ ist auch der Mythos des HipHop. Das Amerikanersein, auch im klassischen Sinne, funktioniert also vielleicht auch ohne einen „weißen“ Mainstream just fine.

Womöglich bedeutet es gar nichts, aber die Republikaner haben (einige Wochen nach Veröffentlichung von Hsus Text) gerade mit Mühe und Not (im sechsten Wahlgang) mit Michael Steele einen Afro-Amerikaner in den Vorsitz ihres Steuerungskommittees gewählt.