Gute Zeitschriften (1): "Titty City", das Schmuddelheft an der Digi-Front

Abb. 1: Titelseite der dritten Ausgabe von „Titty City“.

Heute ist mein Ansichtsexemplar des Titty City Magazins eingetroffen. Titty City ist ein kleines, handkopiertes A5er-Heft aus San Francisco, dessen Macher sich komplett auf das Abdrucken von Fotos der weiblichen Brust beschränken. Darüber hinaus gibt’s in dem Heft gar nichts zu sehen. Auch keinen Text.

Ich bin auf Titty City aufmerksam geworden, als ich mich neulich fragte, wie es wohl um den Status Quo der Fanzine-Szene bestellt ist. Seitdem ich das letzte mal selbst an einem Fanzine beteiligt war, ist ein halbes Jahrzehnt vergangen. Die Hefte, die ich früher gerne las, haben heute entweder den Sprung an den Kiosk hinter sich, oder existieren nur noch als Blog. Eine gängige These war vor einigen Jahren auch entsprechend, dass langfristig Blogs die Fanzines ersetzen würden, auf Grund der offensichtlichen Vorteile (Farbe! Multimedialität! Reichweite! Aktualität! Vernetzung! Kostenfaktor!).

Klang plausibel. Allein: Diese These ist zu absolut. Genauso zu absolut, wie die Annahme zu absolut ist, dass die „alten Medien“ insgesamt von den „neuen Medien“ abgelöst werden würden. Anders als bei den „alten“ und „neuen“ Medien und den Diskussionen um Wirtschaftlichkeit im digitalen Zeitalter, geht es bei Fanzines kaum um Geld und praktische Erwägungen – sondern vor allem um Leidenschaft. Und da tun sich durch das Internet zunächst einmal neue Chancen auf.

(Mehr Titten und Thesen nach dem Seitenumbruch!)

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Ideen klauen bei VBS.tv: Thumbs up Europa?

„Thumbs Up America“ auf VBS.tv: gibt es soetwas schon für Europa? Wolfgang Büscher ist zu Fuß von Berlin nach Moskau und hat ein Buch darüber geschrieben. Andreas Altmann ist zu Fuß von Paris nach Berlin und hat auch ein Buch darüber geschrieben. Diesen Herren gebührt Neid und Respekt. Aber hat sich mal jemand an einem Dokumentarfilm über eine Tramping-Reise von Tallinn nach Lissabon versucht? Oder von Glasgow nach Athen? Das amerikanische Original ist auf jeden Fall sehr sehenswert.

(In einer europäischen Adaption würde auch bestimmt das Potential für EU-Fördermittel stecken — wenn man für so eine Reise nicht alles bräuchte, außer Geld…)

"Time Magazine" schreibt über Wachshitler-Enthauptung: Deutschland begeistert, Henryk M. Broder erst recht.

Habe ich was verpasst? So wie ich die viel diskutierte Enthauptung des Wachshitlers im Berliner Madame Tussaud’s durch Frank L. mitbekommen habe, war die Aktion ziemlich umstritten. Oder zumindest: Es war nicht der nationale Konsens, Frank L. jetzt total super zu finden.

Stefanie Kirchner schreibt nun in der aktuellen Ausgabe des amerikanischen Time Magazine das Gegenteil:

Last Saturday, though, a moment of vandalism turned Frank L. into something of a national hero, mentioned by some in the same breath as the legendary Claus Schenk Graf von Stauffenberg, who led a failed assassination attempt against Hitler in 1944. Frank L. accomplished his extraordinary rise from obscurity to national celebrity through a simple act of decapitation.

(Hervorhebung nachträglich eingefügt)

Nationalheld? Nationale Bekanntheit: ja. Aber Held? Es geht noch weiter:

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Die Leute wollen über Zeitschriftentitel diskutieren.

Interessantes Hobby. Erst wurde denen beim Dummy Magazin die Bude dafür eingerannt, dass sie ihr nächstes Heft „Neger“ nennen wollten (ich finde: zu recht). Jetzt ist man bei jetzt.de in heller Aufruhr darüber, dass man ein feministisches Pop-Magazin Missy nennen wollen kann (eindeutig: zu unrecht).

Hoffentlich führt das jetzt nicht dazu, dass demnächst das Verfahren der Benennung von Dingen und Zuständen anhand von Erhebungen der Publikumsmeinung wieder in großem Stil reaktiviert wird.

Sie wissen schon, alle schreiben ihren Vorschlag auf einen Zettel und werfen ihn in einen Kasten, und am Ende kommt dabei heraus, das sitt das Pendant zu satt ist, und dass hässliche Maskottchen Trix und Flix heißen sollten.

Und damit ist dann ja niemandem geholfen.

Stadtfest-Gonzo: Reportage von den Hamburg Harley Days. Erschienen bei Zuenders.

Rocker-Opa

Abb.: Rocker-Opa auf den Harley Days. © Anne Ackermann für zuender

Es ist ja schon ein bisschen kurios: Landaus, landein lassen Eltern, deren Erziehungskonzept keinen Platz für Zinnsoldaten und Platzpatronen lässt (zum Beispiel meine), ihre Kinder zum Poffertjes-Essen und Kettenkarusselfahren aufs Schützenfest. Dass der Anlass für solche Feste kollegiales Rumballern und Besoffensein ist, fällt ja kaum auf. Stattdessen: Ein bisschen Folklore, gute Stimmung und viel gefühlte Harmlosigkeit.

Einen ähnlichen Eindruck machten auf mich am Wochenende die Hamburg Harley Days auf dem Heiligengeistfeld. Von dem martialisch/übermaskulinen Lifestyle, den Harley-Fahren in der öffentlichen Wahrnehmung mal darstellte, war hier nichts mehr zu sehen. Nur noch ein paar imposante Bikes, ein paar imposante Bärte, ein paar imposante Bäuche und vereinzelte Totenkopf-Aufnäher. Aber: keine Gefahr. Die Hamburg Harley Days waren vor allem eins: ein echt nettes Stadtfest. Und auch die Biker, mit denen ich dort sprach, waren vor allem eins: echt nett.

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