Worte zum ausklingenden Sonntag (3):

[T]he storied American word cowboy was first applied to the black slaves who herded cattle in colonial Carolina.

Oh weh. Nicht nur Jazz wurde also von den Weißen geklaut und Rock’n’Roll, sondern auch das Cowboytum… Zitat aus John Steele Gordons „An Empire of Wealth: The Epic History of American Economic Power“ (Rezensionen auf usaerklaert, amazon).

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Tanz- und Mitwippveranstaltungen des Monats: Im April ist Europa randvoll mit Schwervon!

Abb.: Schwervon! Foto via Myspace.

Die kompromisslos liebenswerte Miniband Schwervon! kommt mal wieder nach Europa. Und zwar sowas von. Da saven wir besser mal the date: 5. April Darmstadt, 6. April Köln, 7. April Hamburg, 8. April Berlin, 9. April Oldenburg, 10. April Leipzig, 11. April Furth, 12. April Wien, 13. April Regensburg, 14. April Dudingen, 15. April München, 16. April  Offenbach, 17. April Bremen, 18. April Dresden, 19. April Passau. Danach Frankreich, davon UK. Klingt fast ein bisschen so, als würde das die letzte Tour vorm kollektiven Herzinfarkt werden…

Alle Infos & Musik hier. Zuletzt lobbehudelt habe ich Major Matt Mason von Schwervon!, als er 2008 im Hamburger Lockengelöt aufspielte.

Befindlichkeitsliteratur 2009: Es geht um Arbeit.

Repräsentativ für die junge Literaturszene ist es wohl nicht, Hinweis auf ein der Hörerschaft unterstelltes (oder unter den eigenen Pratikanten und Jungredakteuren vorherrschendes) Zeitgefühl aber schon: bei der Leipziger Literatur-Party des Radiosenders Sputnik am Samstagabend ging es am laufenden Band um Arbeit und (mangelndes) Selbstwertgefühl.

Erst sprachen Holm Friebe und Thomas Ramge über ihr Sachbuch „Marke Eigenbau“ (Thema: Emanzipation vom Anstellungsverhältnis, selbstständiges Designertum). Dann las Boris Fust aus dem Roman „12 Stunden sind kein Tag“ (Thema: die Leiden eines Werbeagentur-Praktikanten). Es folgten Michael Wirbitzky und Sascha Zeus mit ihrer Lesung aus „Die Tagung: Chaos ist Chefsache“ (Thema: die Leiden eines jungen Event-Agentur-Mitarbeiters). Dann trat die Headlinerin Sarah Kuttner auf und las aus „Mängelexemplar“ (Thema: die Depressionstherapie einer jungen, just entlassenen Event-Agentur-Mitarbeiterin).

Immer ging es um vermeintliche Traumjobs in Agenturen, immer um das Unglück, das mit ihnen einher geht, oder die Leere, die sie nicht zu füllen im Stande sind. Einen Abend lang dominierten nicht Liebe, Rebellion, oder Politik, sondern: problematische Beziehungen zu Arbeit- und Auftragsgebern, erdacht und aufgeschrieben von Leuten, die allesamt in erster Linie ihr Geld in den Medien verdienen und sich nur nebenbei als Schriftsteller versuchen. Auffällig ist das schon.

Leseliste (#9): US-Konservatismus & Multikulturalismus, E-Books, das moralische/politische Versagen der Jugend (mal wieder)

  1. Der (schwarze, konservative) Kommentator Shelby Steele beschäftigt sich mit der Frage, wieso die Demokraten mehr Erfolg bei (ethnischen) Minderheiten haben als die Republikaner. Seine These: Demokraten versprechen die moralische Erlösung von der historischen Schuld Amerikas. Deswegen könnten sie reüssieren, obwohl ihre Politik, in Steeles Augen, unterlegen ist. Seine Gegenstrategie: auf die Erleuchtung der amerikanischen Wählern warten. Hm. (Re: Hua Hsus „The End of White America“.) [via RealClearPolitics]
  2. Konrad Lischka hat sich „Libreka!“, das E-Book-Portal des deutschen Buchhandels, angeschaut. Und kommt zu dem Ergebnis: Libreka! ist noch sehr beta. So beta, dass Lischka jetzt schon dessen anstehenden Flop voraus sagt. (Re: „Regal“ ist das neue „Covergestaltung“.) [via Spiegel Online Netzwelt]
  3. Wolfgang Michal setzt zum journalistischen Generationendiss an: „[Der 66-jährige Günter Wallraff] muss Rennrad fahren und Marathon laufen und sich 20 Jahre jünger schminken, um all die Jobs zu kriegen, die eigentlich für Jüngere gedacht sind. Wo, bitte, sind unsere 30-jährigen Reporter? […] Sie kleistern ihre Lifestyle-Blättchen mit Mode, Geschenktipps und Fotogalerien zu. Sie interviewen Stars und porträtieren „Erfolgstypen“.“ Ich bin gespannt auf die Diskussion.

Cut — Leute machen Kleider: Noch ein neues Magazin!

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Abb. 1: Cut’n’Paste-Cover in Punk-Tradition, denn: das hier ist nicht Handarbeit, das ist DIY!

Woot! Ein zentimeterdickes Magazin mit schönem Layout und Hipster-Models, die desinteressiert in Fotografien herumstehen, und echten Schnittmustern (echt, aka.: mehr noch als so Statement-mäßig wie im Missy Magazin, richtige Schnittmuster, auf Butterbrotpapier gedruckt, zum Ausfalten)! Und für Anfänger wird erklärt, wie man Knöpfe annäht. Danke, liebe Erstausgabe des Cut Magazins, DIY/„Marke Eigenbau“ ist soeben zwei Nummern gewachsen.

Jetzt könnte man es sich kritikmäßig natürlich leicht machen, und darüber nörgeln, dass die in der Zeitschrift enthaltenen Schnittmuster nur für Frauen_sachen sind. Aber damit würde die Rollenklischeekritik ja als Rollenklischee daher kommen. Jungs können doch genauso gut Sommerkleidchen nähen und tragen, ey, was soll daran denn falsch sein?

Überschwängliches Geblogge, weil: wenn jetzt jeder Gang zum Kiosk mit einer überraschenden, neu gegründeten Lebensführungszeitschrift belohnt wird, dann können die Zeiten so schlecht nicht sein. Und wenn doch, naja, dann sparen wir ein bisschen am H&M-Budget und nähen uns unsere Klamotten einfach selbst. Zur Not auch Sommerkleidchen.

Nachkaufen: Cut. Leute machen Kleider. Am Bahnofskiosk. 7 EUR, ca. 172 Seiten.

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Abb. 2: Sagt ein Münchner Magazin zum anderen: Meine Centerfolds sind größer als deine Centerfolds.

Neuigkeiten aus dem "Bible Belt": Kucken Christen mehr Pornos?

Die geografische Häufung von Abonnenten von Pay-Porn-Angeboten in den USA erforschte Benjamin Edelman, Assistant Professor an der Harvard Business School. Für seine Untersuchung wertete er die Postleitzahlen eines nicht weiter benannten kostenpflichtigen Online-Pornografie-Anbieters aus. (Link zu seinem Aufsatz, PDF-Format.) Endlich mal wieder eine Studie mit Praxisbezug! Und siehe da: Auf Platz 3 der „Abonnentenanzahl pro 1000 Breitbandnutzer“ liegt der solide im sogenannten „Bible Belt“ situierte Staat Mississippi und auf Platz 1 (Trommelwirbel!) der von den Mormonen geprägte Staat Utah.

Benjamin Edelman kann den spontanen Verdacht festigen:

[S]ubscriptions are also more prevalent in states where surveys indicate conservative positions on religion, gender roles, and sexuality. In states where more people agree that “Even today miracles are performed by the power of God” and “I never doubt the existence of God,” there are more subscriptions to this service. Subscriptions are also more prevalent in states where more people agree that “I have old-fashioned values about family and marriage” and “AIDS might be God’s punishment for immoral sexual behavior.”

Möglicherweise ein Haken: Die Stichprobenartigkeit der Untersuchung:

Who buys online adult entertainment? From a top-10 seller of adult entertainment, I obtained a list of the zip codes associated with all credit card subscriptions for approximately two years, 2006 –2008. While it is difficult to confirm rigorously that this seller is representative, the seller runs literally hundreds of sites offering a broad range of adult entertainment.

Mehrmals bezieht sich Edelman auf den Porno-Anbieter AVN, wenn ich ihn beim ersten Überfliegen seines Papers richtig verstanden habe, bleibt die Quelle seiner Daten aber ungenannt (wäre ja auch nicht überraschend, angesichts der Herausgabe der sensiblen — wenn auch anonymisierten — Kreditkartendaten). Was das Vertrauen in seine Befunde nicht gerade erhöht.

Wenn Christlich-Konservative mehr Pornos kucken, dann passt das natürlich schön ins auch hierzulande gängige Verlogenheitsklischee. Wobei die geografische Korrelation von Porno und Politik erstmal ja nur ein Indiz ist. Und auch darüber hinaus hätte ich noch ein paar spontane Rückfragen: Vielleicht kucken Menschen in christlich geprägteren Regionen nicht generell quantitativ mehr, sondern einfach nur mehr Mainstream-Pornografie, während sich Pornonutzer in liberalen Großstädten stärker den Fetisch-, Nischen- und Independentanbietern verschrieben haben? Und: wie ist es denn jeweils um die offline Bezugsmöglichkeiten von Pornografie (und die Gesetzgebung zu Swinger– und Strip Clubs etc.) bestellt?

Weiterführend: Win McCormack hat ein Buch über Republikaner-Sexskandale geschrieben. Hier unser Gespräch über Verlogenheit, Sex und Politik.

PS: Stimmt: Das Thema ist schon vor einigen Tagen durch die Medien gegangen. Trotzdem interessant.

[Studie via Basler Zeitung]

Medienkrise wegabonnieren! Vier von vielen guten Zeitschriften: De:Bug, Missy, Foreign Policy, Blank. Jeweils mit kurzer Begründung.

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Gut #1: De:Bug, Ausgabe 130 (März 2009), am Bahnhofskiosk

Gut, weil: Die De:Bugger können Spiegel-Titelgeschichten besser als der Spiegel. Zumindest wenn’s um Social Networks geht (vgl. „Fremde Freunde. Vom zweifelhaften Wert digitaler Beziehungen“ und „Anonymität & Identität. Das Ende der zwei Welten“). Und außerdem können sie Mode, Gadgets und Tanzmusik. Also alles, was mir gerade fehlt.

Weiterlesen „Medienkrise wegabonnieren! Vier von vielen guten Zeitschriften: De:Bug, Missy, Foreign Policy, Blank. Jeweils mit kurzer Begründung.“