Webvideos monetarisieren: Just Do It / Yes We Can

Vielleicht werde ich paranoid angesichts der Product-Placement-Potenz von Nike. Aber wieso sind da mehrere Close-Ups von Nike-Turnschuhen in dieser Mini-Doku über New York am Abend des Wahlsiegs von Barack Obama? Ist das etwa doch der Weg, die Webvideos von jungen Amateur-Filmern zu monetarisieren?

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Die Zukunft wird ganz gut: "Yes Men" hacken "New York Times"

Die Medien-Guerilleros der „Yes Men“ haben nach einem Bericht der heutigen FAZ eine gefälschte „New York Times“-Ausgabe in den Umlauf gebracht, die auf den 4. Juli 2009 datiert ist und das Ende des Irak-Krieges, die Aufhebung des „Patriot Act“ und andere frohe Botschaften für die amerikanische Linke vermeldet. Mit einer Auflage von einer Millionen gedruckten Exemplaren übertrifft die Fake-NYT demnach die Auflage der echten NYT. Kudos.

Noch mehr Heldentaten: in der sehenswerten Doku „The Yes Men“ von 2003, in Gänze online bei Google Video (Aber leider zensiert in der Türkei?).

E-Governance: Im echten Leben echt öde.

Ausgehend von Obamas potentem Online-Wahlkampf wurde spekuliert (z.B. hier und hier und hier), wie sich ab dem 20. Januar die amerikanische Regierungsführung durch das Internet ändern könnte. Viele schillernde Begriffe wurden in den Raum geworfen, E-Governance, Open Source Policy, Wiki-Government, aber die Realität sieht mal wieder etwas profaner aus, wie techPresident.com meldet:

[A]s the New York Times reported this morning, the incoming Obama Administration is asking applicants such questions as „if you have ever sent an electronic communication, including but [not, Anm. O.P.] limited to an email, text message or instant message, that could suggest a conflict of interest or be a possible source of embarrassment to you, your family, or the President-Elect if it were made public,“ and „please provide the URL address of any websites that feature you in either a personal or professional capacity (e.g., Facebook, My Space [sic], etc.).“

Klingt so, als würde das Internet zunächst nicht die große Demokratisierung der politischen Institutionen mit sich bringen — sondern das große Aussieben aller potentiellen Staatsdiener, die peinliche Fotos auf ihren Facebook-Seiten haben und Blogs mit unqualifiziertem Quark vollschreiben. Barack Obama: Count me out.

Zu dem zitierten Artikel der New York Times geht es hier.

Bevor niemand mehr was von "Wahlkampf" hören will…

…schnell noch das hier lesen, bitte:

  1. Das Popmagazin Spex räumte in der aktuellen Ausgabe eine Seite frei, damit ich den Country-Sänger John Mellencamp vorab zum Sieger des amerikanischen Präsidentschaftswahlkampfs ausrufen konnte. Der ganze Text über Musik im amerikanischen Wahlkampf ist jetzt auch online verfügbar.
  2. Das sehr gute Blog USA erklärt (es ist mir ein Rätsel, warum dessen Autor Scot Stevenson noch nicht von der Printpresse als Kolumnist weg gekauft wurde) wird im Tagesspiegel gefeiert. Mit Foto! (Fotos von Bloggern haben einen ähnlichen Effekt wie Literaturverfilmungen.)
  3. This. Fucking. Election. Grafische Wahlkampf-Retrospektive in Schlagworten und dicken Buchstaben. Beautiful, beautiful, beautiful.
  4. Und nochmal was von mir: Blogs im Wahlkampf: Die Schlacht im Netz ist vorbei. Vorerst. Auf ZEIT Online. Klick.
  5. Auch das noch: Fotos von der Wahlparty in Hamburg. Im Zuender-Blog. Klick.

"Abtreibung = Mord an Frauen" – Gibt es den rechten Feminismus?

TV-Moderatorin Elizabeth Hasselbeck (die konservative Stimme in der Frauen-Talksendung „The View“) spricht auf einer Wahlveranstaltung in Florida die einleitenden Worte vor dem Auftritt der Republikaner-Vizekandidatin Sarah Palin. Zitatschnipsel:

I have to thank the governor because she gave a speech about issues important to all women. She talked about equal pay for equal work, putting an end to honor killings, aiding women who are being exploited in the sex trade, and ending policies that sanction abortion of a country’s unborn daughters.

(Hervorhebung hinzugefügt)

Interessant, wie hier das Recht auf Schwangeschaftsabbruch (unumstritten wohl eines der wesentlichen Errungenschaften Anliegen der feministischen Bewegung) aus einer Position der Frauenrechte argumentierend angegriffen wird und abgeschafft werden soll.

Aha: Die Ablehnung der Abtreibung ist in USA nicht nur Sache der Mieslinge, sondern mindestens auch der Mieslinginnen… was dann wohl wieder ein großes Stück Kuchen für die Gleichberechtigung wäre.

Aber mal ernsthaft: in Deutschland hat Alice Schwarzer immer wieder darauf hingewiesen, dass Feminismus (auch wenn das hierzulande oft so wirkt) nicht per se „links“ sei. Zuletzt zum Beispiel in der Börne-Preis-Rede, als es um Stellvertreterpolitik ging. Aber kann von einem „rechten“ Feminismus gesprochen werden?

Vergleichen Sie dazu auch: Caryl Rivers Kommentar zu Ann Coulter, der Königin der konservativen Polemik: „The Right-Wing Feminist Success Story“. Weiterhin ist noch Tammy Bruce zu nennen (Bruce über Bruce: „openly gay, pro-choice, gun owning, pro-death penalty, voted-for-President Reagan progressive feminist“, anti-Hillary-Clinton, pro-Rudy-Giuliani, und, wie Hasselbeck, pro-Sarah-Palin).