Wie Yoga aus der Gegenkultur in den Mainstream kam

Es ist noch gar nicht so lange her, da war Yoga in den USA eine Betätigung eher randständiger Gestalten. Hippies, Sinnsucher*innen und Anhänger*innen der Gegenkultur entdeckten die Praxis für sich, die sie als eine dezidiert spirituelle verstanden, als Teil fernöstlicher Denktraditionen und Lebensformen und als eine Alternative zum westlichen Materialismus. Das war in den späten 1970er-, frühen 1980er-Jahren.

Heute ist Yoga ein Multimillionenmarkt, eine Sache der Konzerne, der von ihnen gekauften Fitness-Influencers und der eifrigen Angestellten, die ihnen folgen. Yoga ist ein Sport — fast niemand sagt heute noch entschuldigend, er mache Yoga, »aber ohne den Esokram«, wie man das vor 10, 15 Jahren noch gelegentlich hörte, denn der »Esokram« ist vom öffentlichen Image Yogas sauber abgeschliffen worden.

Pointiert gesagt ist aus einer Praxis der antikapitalistischen LebensfĂĽhrung eine LeibesertĂĽchtigung fĂĽr den Kapitalismus geworden.

Die Sozialwissenschaftler*innen Kamal Munir, Shazad Ansari und Deborah Brown haben diese Entwicklung nachgezeichnet.

( … weiterlesen auf Piqd.de … )

Wenn der Atomkrieg kommt,

wird alles besser. Dann steigt aus den TrĂĽmmern der alten Gesellschaft die sozialistische Weltrepublik. Weil die Arbeiterklasse sich mit den Aliens verbĂĽndet.

So sah es in den 1960er und 1970er Jahren der argentinische Trotzkist J. Posadas, dessen Ideen erfreulicherweise nie Anwendung fanden – außer in Star Trek.

Mehr dazu in diesem Essay über Science-Fiction und revolutionären Sozialismus, den der Autor A.M. Gittlitz für die New York Times geschrieben hat.

»Es ging mir darum, zu spalten«

Anlässlich der Geniale Dilletanten-Austellung (ich schrieb hier darüber) habe ich mit Alfred Hilsberg gesprochen, der auf seinem ZickZack-Label legendäre Platten von Bands wie Abwärts, Palais Schaumburg, Einstürzende Neubauten und Blumfeld veröffentlichte.

Wie er sich wegen Punk mit den Linken zerstritt (und mit den Hippies … und mit der SPD … ), wie ihm gegen seinen Willen die Erfindung der Neuen Deutschen Welle zugeschrieben wurde, und welche Hamburger Bands er heute aufregend findet, erzählt er hier.

Böll vs. Batman:

Wir schlossen einen KompromiĂź und kauften das Comic und eine Tafel Schokolade. Das Heft hatte den vielversprechenden Titel Bat Man, und auf dem Titel sah man einen dunkel maskierten Mann an Hausfassaden hochklettern. […] Wir teilten den Riegel Schokolade und versuchten, uns mit Bat Man zu trösten, aber der war wirklich zu bad.

– aus Heinrich Bölls „Irischem Tagebuch“, 1957.

»Lifestyle brands are becoming the new record labels«,…

…schreibt Ben Sisaro in einem Artikel der »New York Times«. Aufhänger ist ein Plan der Schlabberschuhfirma Converse, in Brooklyn ein Studio einzurichten, das ausgewählten Bands kostenlos zur VerfĂĽgung stehen soll. Konzernfinanzierte Sponsoring-Ansätze von Sound Foundation bis Rockliga sind auch hierzulande bekannt. Doch Sisaro schreibt weiterhin: Lifestyle-Konzerne seien nicht nur die neuen Plattenfirmen — sie böten möglicherweise auch bessere Konditionen als die alten. Converse etwa kĂĽndigte an, sich in die kreative Arbeit der Bands nicht einzumischen und keine Nutzungsrechte der Musik zu beanspruchen, nicht mal fĂĽr die Verwendung in Werbeclips.

Das ist gut. Schlecht ist, dass Converse zu Nike gehört, die zwar immer wieder durch subversive Posen auf sich aufmerksam machen (vom Guerilla-Marketing in Berlin bis zur Aneignung eines Minor-Threat-Artworks), ihre Waren aber in Sweatshops produzieren lassen. Und, so hört man schon die Nostalgiker einwenden, das Versprechen von Subkultur war es doch mal, sich auf solche Sauereien nicht einzulassen. Bethany Consentino, die auch sonst happy harmlos auftretende Sängerin von Best Coast macht in dem Bericht jedenfalls keinen kritischen Eindruck.

Ein subtiler Kommentar zum Thema stammt von Ben Sisaro. Der vermeidet nämlich, die in seinem Artikel genannten Acts wie Best Coast, Vampire Weekend, Neon Indian, Kid Cudi und Chromeo auch nur einziges Mal unter einem Begriff zu subsumieren, der sonst bei Bands dieser Art schnell zur Hand ist: Independent.

Heäring to English lyrics… Ăśber Musikjournalisten, die Songtexte falsch zitieren. Aus aktuellem Anlass & eigener Erfahrung. [Aktualisiert]

[Aktualisierung 6. Oktober]: Christian Lehner antwortet in den Kommentaren. Eine etwas umfangreichere Version seines angesprochenen Das-Racist-Artikels findet sich online beim Musikexpress und ist jetzt hier und in meinem Blogposting verlinkt.

Kann man Songs lieben, deren Lyrics man nicht kapiert? Klar kann man! Man kann sogar Bücher darüber schreiben. Kann man auch als Journalist, der in der Öffentlichkeit über Musik schreibt, Songs feiern, deren Lyrics man nicht kapiert? Auch das kommt vor. Leider. Eines meiner Lieblingslieder in diesem Jahr ist »Radar Detector« von Darwin Deez und obwohl Deez im Refrain ziemlich deutlich (und ziemlich oft!) »you are a radar detector« singt, habe ich diese Zeile in der Spex einst mit »you are my radar detector« transkribiert. Autsch! Das ist zwar kein sinnentstellender Fehler, denn Darwin Deez könnte in dem Song genauso gut »my« singen wie »a«, aber peinlich ist mir das trotzdem.*

Ich fühle also mit Christian Lehner, der im aktuellen Musikexpress die HipHopper Das Racist vorstellt und ihren Mini-Hit »Combination Pizza Hut and Taco Bell« völlig falsch zitiert. In dem kurzen Artikel heißt es:

Ăśber einen staubtrockenen Beat wiederholen Das Racist in geringfĂĽgigen Variationen den Satz „I like the Pizza Hut, I like the Taco Bell, I like the combination Pizza Hut and Taco Bell!“

Okay. Der nächste Satz hätte dem Autoren beim Niederschreiben aber selbst komisch vorkommen müssen:

Blogger schärmen von der auf den Punkt gerappten Konsumkritik.

Watt? Spinnen die mal wieder, die Blogger? Wo ist denn die pointierte Konsumkritik in der zitierten Textzeile? Liegt die Kritik in dem Wort »like« versteckt, also darin, dass Das Racist den »combination Pizza Hut and Taco Bell« nicht wie andere Fast-Food-Unternehmen »loven«, sondern auf die nächstkleinere Gefühlsbekundung zurückgreifen? Oder sind es die »geringfügigen Variationen«, welche die Konsumkritik des Textes ausmachen? (Aber dann müsste der »Burger Dance« von DJ Ötzi die Hymne aller Konsumkritiker sein.)

Des Rätsels Lösung ist, Weiterlesen Heäring to English lyrics… Ăśber Musikjournalisten, die Songtexte falsch zitieren. Aus aktuellem Anlass & eigener Erfahrung. [Aktualisiert]“

Is Blair Witch Project a sexist film? If so, are all horror movies?

Final scene from Blair Witch Project: Does going downstairs mean feminist transgression?

Continuing my research on some of the classic films of the horror genre, I found this interesting bit on the gendered politics of space in 1999’s The Blair Witch Project:

Both the witch and the protagonist [Heather Donahue …] overstep their boundaries in a world that does not accept such trespasses (the witch by the very fact that she has dared to be a witch and, in so doing, reject norms of society—and the protagonist because she investigates this transgression). „Do not go downstairs,“ „do not go into the woods,“ „do not talk to strangers,“ and „do not open the door when you are alone“ are recurring warnings in the horror genre, yet these warnings also bleed into real psychological and sociological lessons: „Do not trespass, cross gender boundaries, or stray from social norms.“ Curbing curiosity has become a horror film tradition. We learn, adopt, and agree that curiosity is a dangerous notion.

Punishing women who trespass into forbidden realms and thus threaten to aquire too much knowledge and become too powerful has been a constant theme in horror movies, Deneka C. MacDonald argues.

(Actually, one could even extend MacDonald’s feminist reading/criticism by pointing out that in horror flicks, women who exert too much power in the domestic realm are punished as well, cf. Psycho.)

Yet, I’m not sure Weiterlesen Is Blair Witch Project a sexist film? If so, are all horror movies?“

Untote, 1932–1968: Die Entwicklung des Zombiefilms von Halperins »White Zombie« bis Romeros »Night of the Living Dead«

»White Zombie«: Der komplette Film auf YouTube

Wenn im akademischen Milieu von Zombiefilmen die Rede ist (zuletzt etwa in der Juni/Juli-Ausgabe der Zeitschrift des Hamburger Instituts für Sozialforschung), dann reicht der Blick selten hinter das Jahr 1968 und die Veröffentlichung von George A. Romeros »Night of the Living Dead« zurück. Dabei ist mindestens aus historischen Gründen interessant, was in den 35 Jahren zuvor passierte und wie radikal sich die Genreformel des Zombiefilms in dieser Zeit wandelte. Exemplarisch zeigt sich das im Vergleich von »Night of the Living Dead« mit Victor Halperins »White Zombie« aus dem Jahr 1932.

»White Zombie« erinnert an klassische Gruselgeschichten, inklusive traditioneller Dramaturgie und Happy End. Ein junges, weißes, amerikanisches Paar – Neil und Madeleine – kommen nach Haiti um dort zu heiraten. Ihr Gastgeber, ein gewisser Beaumont, ist Madeleine verfallen und versucht die Hochzeit aufzuhalten um die Braut für sich zu gewinnen. Dazu schmiedet er einen Pakt mit dem Teufel, bzw. dem teuflischen Legendre, einem weißen Plantagenbetreiber, der Zombies als untote Sklaven für sich schuften lässt. Legendre verwandelt mit Hilfe eines Voodoo-Rituals Madeleine in den namensgebenden »White Zombie«. Viel zu spät erkennt Beaumont angesichts der seelenlosen Madeleine die Ausmaße seines Verbrechens und bittet Legendre, sie wieder lebendig zu machen. Dieser lehnt ab und vergiftet Beaumont, der zum Höhepunkt des Films, als Neil mit Hilfe eines Missionars aufbricht, Madeleine zu retten, sich samt Legendre von einer Klippe stürzt. Happy End, denn: Mit dem Tod des weißen Voodoo-Meisters ist auch sein Fluch gebrochen. Die Schuld des in seiner Leidenschaft zum Verbrecher gewordenen Beaumont wurde durch sein Selbstopfer gesühnt, die Liebenden wieder vereint und auch der Missionar darf triumphieren, ist doch die Macht des Heidentums nach Legendres Tod gebrochen oder zumindest geschwächt.

So banal diese Geschichte klingen mag, Weiterlesen Untote, 1932–1968: Die Entwicklung des Zombiefilms von Halperins »White Zombie« bis Romeros »Night of the Living Dead«“

Die Frisur dieses Mannes schreit »Authentizität!«

…sein Geldbeutel leider auch. Seid so gut und ĂĽberweist Klaus Farin euer Taschengeld. Nicht fĂĽr ihn selber. Sondern damit das von ihm gegrĂĽndete Archiv der Jugendkulturen bestehen bleiben kann, eine einmalige, durch ehrenamtliche Arbeit getragene, unsubventionierte Fachbibliothek. 700 Quadratmeter mit Fanzines, SchĂĽlerzeitungen, Jugendmedien, Sekundärliteratur. Kurz: Eine Schatzkammer, die in Berlin-Kreuzberg zur kostenlosen Nutzung offen steht. Und jetzt kurz vor dem Aus ist, wenn nicht eine Stiftung gegrĂĽndet wird.

Warum das Archiv wichtig ist, erklärt Klaus Farin selbst am besten — in dem Video oben. Einen Spendenaufruf samt Kontakt- und Ăśberweisungsdaten gibt es hier. Es sind noch 50 Tage Zeit, bis der Mietvertrag ausläuft.

[Video via Spreeblick]