Afterhour: lästig

Ich bin einfach nicht so ein guter Profi-DJ. Wenn wir zum Beispiel unsere Dial-Abende in der Panorama Bar machen, spiele ich immer das Warm-up, weil ich gar nicht um fünf Uhr auflegen kann. Ich weiß gar nicht, wie das geht. Da kann ich überhaupt nicht wach sein […]. Einmal sollte ich dort am Sonntagmorgen um zehn Uhr spielen und ging logischerweise vorher schlafen. Als mein Wecker dann um siehen Uhr morgens klingelte, musste ich sofort denken, dass ich doch eigentlich DJ geworden bin, um genau das zu verhindern.

– Carsten Jost von Dial Records im Interview mit der Zeitschrift Groove (Ausgabe #165, März/April 2017)

Jan Delay: Cloud Rap ist wie Punk

Klar: Weil Virtuosität jetzt so zertrümmert wird wie 1977.

Jan Delay neulich im Interview mit Zeit Campus:

ZEIT Campus: Alle reden gerade über Cloud-Rap. Warum habt ihr nicht einen Song mit LGoony oder Yung Hurn aufgenommen?

Delay: LGoony ist noch okay, aber Cloud-Rap ist kulturhistorisch einfach genau das, was Punkrock Mitte der Siebziger war. Im Rock hatten sie alles schon mal gespielt. Auch 15 minütige Gitarren-Soli. Musiker konnten da nichts mehr draufsetzen und haben dann einfach alles zerstört. Das ist der neue Style. Aber das überlebt keine zehn Jahre, da kannst du nichts mit Substanz draus herstellen. Das schaffen nur wenige, wie The Clash damals. Meinetwegen ist LGoony wie The Clash. Aber Yung Hurn setzt in zehn Jahren keine Emotionen mehr frei.

Lars Weisbrod führt den Gedanken im Feuilleton der Zeit jetzt etwas weiter aus (Ausgabe 4/2017, leider nicht online):

Punk ist eine Frage der Form. Zum Jubiläum [40 Jahre nach dem Punkjahr 1977, Anm. O.P.] könnte man auch daran erinnern, dass es vor vierzig Jahren nicht zuletzt das unerträgliche Maß an Könnertum in der Rockmusik war, dem man etwas entgegensetzen wollte. Dem Deutschrap geht es heute nicht anders. Es dominieren die ultraschnellen, sprachlich und reimtechnisch extrem gewitzten, vier- bis fünffachbödigen Kreuzworträtsel-Rapper. So etwas ruft Widerspruch hervor, den Wunsch nach kreativer Zerstörung.

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»Ich bin Donald Trump«

Protestsongs waren 2016, jetzt schreiben Gangstas Tributes

Er protzt, pöbelt & packt deine Mudda bei der Pussy: Dass der designierte US-Präsident Donald J. Trump (Freitag ist die Vereidigung!) das neue Vorbild Berliner Straßenrapper wurde, war ja irgendwie unvermeidlich.

So konsequent, wie Bass Sultan Hengzt hier eine Figur aus der Mitte des bürgerlichen Lebens anti-bürgerlich wendet, ist das bisher wohl nur 2Malle & FVR1 gelungen (mit ihren Mini-Hits Til Schweiger und Tim Mälzer).

Und Ufo361, dessen unvergessene JFK-im-Späti-Nummer im Video von Bass Sultan Hengzt möglicherweise zitiert wird.

Ein Sänger schlägt sich durch

Video: Carl Douglas in der Sendung Disco im ZDF am 21. Dezember 1974

Neulich habe ich für DIE ZEIT  aufgeschrieben, wie Carl Douglas (Hu! Ha!), der Sänger von Everybody was Kung Fu Fighting (didi-didi-dii) gegen die Musikindustrie kämpfte — und gewann (Zack! Disch!).

Hier geht’s zum Text.

Re: Helmut Kohl, OG

Bedeutungsverschiebungen BRD – Gangsta Rap (II)

Eine ähnliche inhaltliche Verschiebung wie beim Posing mit Benz: Bei John F. Kennedy war »Ich bin ein Berliner« ein Versprechen. Rund 50 Jahre später ist bei Ufo361 daraus eine Drohung geworden.

(Bemerkenswert, dass der erste JFK-Klon, der im Musikvideo den Späti stürmt, eine Adidas-Trainingsjacke trägt – und damit die Hausmarke und das Erkennungszeichen des größten Widersachers des historischen JFK: Fidel Castro.)

Rezension: Die Heiterkeit – Pop & Tod

Das nicht nur von mir mit Spannung erwartete neue Album Pop & Tod von Die Heiterkeit ist erschienen, ich habe dazu einige Anmerkungen für Die Zeit (Hamburgseiten) notiert, die jetzt auch online zu lesen sind.

Spoiler: Das Meisterwerk, als das die Platte von einigen Kritikern bezeichnet wurde, höre ich da nicht (dafür ist das Doppelalbum vielleicht doch ein bisschen zu lang und variationsarm) – aber eine stimmige, mutige, unkonventionelle und kluge Platte.

Foto: Die Heiterkeit. Von links nach rechts: Philipp Wulf, Stella Sommer, Sonja Deffner und Hanitra Wagner © Malte Spindler für Buback Tonträger.