Computer vs. Menschen: Poker

Die nächste Entwicklungsstufe der Künstlichen Intelligenz

Wie intelligent sind Computer heute schon? Wie intelligent können sie noch werden? Wird das womöglich ein Problem für uns? Um diese Fragen geht es in Superintelligenz, einem Buch des Oxforder Philosophen Nick Bostrom.

Aus meiner Rezension des Buches für Spiegel Online:

Ende der Siebzigerjahre schlägt zum ersten Mal ein Computer einen Menschen in einem Intelligenzwettbewerb. Die Software »BKG« siegt gegen den amtierenden Weltmeister in Backgammon. Vielleicht hatte der Computer bloß Glück, räumt sein Erfinder ein. Anderthalb Jahrzehnte später gibt es mit »TD-Gammon« jedoch bereits ein Programm, das aus Spielen gegen sich selbst dazulernt und heute »die besten menschlichen Spieler weit hinter sich gelassen« hat, wie Nick Bostrom schreibt. Im Poker schwächeln die Künstlichen Intelligenzen (KI) zwar noch, und im Erfinden von Witzen sind sie lausig. Doch auch in Dame, Schach, Scrabble und der Quizshow »Jeopardy« haben sie inzwischen ein »übermenschliches« Niveau erreicht, so Bostrom.

Doch, ha!, das war der Stand von 2014. Heute ist auch Poker nicht mehr sicher. Denn Wissenschaftlern ist es inzwischen gelungen, ein KI-Programm zu schreiben, das (menschliche) Poker-Profis geschlagen hat.

Die Zeitschrift Bloomberg Businesweek meldet in der Ausgabe von vergangener Woche (ich finde den Artikel leider nicht online), dass das kommerzielle Online-Poker bis auf Weiteres jedoch sicher sei. Die allgemein verfügbare Hardware reiche nicht aus, um entsprechende KIs zu betreiben.

In dem Artikel wird ein Poker-Spieler mit den Worten zitiert, er sei sich sicher, dass er online schon gegen Bots gespielt habe, die aber immer leicht zu schlagen gewesen seien. Wie beruhigend.

Überhaupt scheint im Moment weniger die Intelligenz von Computern zum Problem zu werden als die Intelligenz von Menschen.

Gut aussehen im Netz

Ein Paradigma für die Gestaltung von Waren, Kunst, Protesten, Promis

Es reicht heute nicht mehr, dass Dinge gut aussehen. Sie müssen auch im Internet gut aussehen:

[I]n Zeiten von Smartphones und Social Media wirbt ein Produkt nicht mehr nur im Laden für sich […]. Wirklich erfolgreich ist ein Produkt erst, wenn es möglichst oft auf Plattformen wie Instagram, Pinterest oder Facebook auftaucht.

Das schreibt der Kulturwissenschaftler Wolfgang Ullrich (in: »Knips mich!«, Brand Eins, Nr. 12/2016, Seite 122).

Im Produkt- und Verpackungsdesign komme es demnach darauf an, nicht nur schöne, sondern auch möglichst fotogene Waren zu gestalten. Das Produkt müsse sich in die professionelle Ästhetik der bezahlten »Influencer« einfügen lassen, aber auch dann noch gut aussehen, wenn es von Laien fotografiert wird. Und: Ein erfolgreiches Produkt müsse seine Nutzer anregen, es fotografieren zu wollen.

Die Aufmerksamkeits- und Erfolgskriterien, die Wolfgang Ullrich für die Warenwelt beschreibt, haben sich auch einige junge Künstler angeeignet.

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Der Wolfsburger Effekt:

Der Architekt Ernst Hubeli über die Reproduzierbarkeit des Bilbao-Effekts (also das Vorhaben, mit spektakulären Neubauten eine bis dahin wenig besuchte Stadt als neues Reise- und Investitionsziel zu etablieren):

[E]s gibt nun den Wolfsburger Effekt: Die Stadt hat ihr Vermögen in Architektursensationen investiert, und niemand hat es gemerkt.

Aus: Ernst Hubeli im Gespräch mit Jacques Herzog: »Stadt und Architektur – eine spezifische, unberechenbare Affäre«, Architektur in Hamburg – Jahrbuch 2016/2017, Hamburg: Junius-Verlag, 2016. Seite 28.

Wie Facebook löscht:

Auch wenn das Wort »Gemeinschaftsstandards« so harmlos klingt wie der Putzplan einer Studenten-WG: […] Es ist eine Art Parallelgesetz der Meinungsfreiheit, festgelegt von Konzernen, mit großem Einfluss darauf, was Milliarden Menschen jeden Tag sehen – und was was nicht. Dabei geht um mehr als um die Frage, ob eine entblößte Brustwarze anstößig ist oder nicht. Facebook ist ein wichtiges Mittel der politischen Bildung und Einflußnahme.

Aus: Hannes Grassegger und Till Krause: »Im Netz des Bösen«, Süddeutsche Zeitung Magazin, Nr. 50, 16. Dezember 2016.

Ergänzend ist zu sagen, dass die »Community Standards« als Regelwerk und auch die Praxis ihrer Anwendung von Facebook geheim gehalten werden.

Facebook löscht und zensiert nach Regeln, die niemandem verraten werden, die teilweise die eigenen Mitarbeiter nicht verstehen (so schildern es Grassegger und Krause in ihrem Text, für den sie einige der geheimen »content moderators« von Facebook interviewten), nach Regeln, die gegenüber der Öffentlichkeit von dem Konzern nicht begründet werden und die in keiner Weise durch die Betroffenen anfechtbar sind.

Haben IT-Konzerne wie Facebook die Aufstände in der arabischen Welt mitermöglicht? Vielleicht. Haben Sie den Wahlsieg Trumps mitermöglicht? Der Vorwurf steht im Raum.

Während viele journalistische Medien ihre Arbeitsweise, Berufsethik und Entscheidungsprozesse heute so transparent machen, wie noch nie, leugnen mächtige IT-Konzerne die Verantwortung, in der sie gegenüber der (pardon, großes Wort) Weltöffentlichkeit stehen und verweigern sich jeder Transparenz, Kontrolle und Kritik.

Zur Löschpraxis von Facebook siehe auch hier.

Design als Trost:

Heute ist die Technologie so grundlegend neu, dass das Design den Kunden eher beruhigen muss. Ein Tesla muss nicht aussehen wie das, was er ist, nämlich ein Computer, der auch fahren kann, sondern wie ein Auto.

– Franz von Holzhausen, Designchef bei Tesla

Im Zeitalter des neuen Futurismus wird Design also – anders als in Zeiten, in denen es die Versprechen einer Zukunft, die es noch nicht gab, vorzeichnen und andeuten musste – ein Trost, ein ästhetisches Beruhigungsmittel.

– Niklas Maak, Journalist und Kritiker

Aus: Niklas Maak, »Die Welt von morgen«, in Frankfurter Allgemeine Quarterly Ausgabe 01 (Winter 2016/17)