The Future of Fischzucht

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Zwei Drittel der FischbestĂ€nde in den europĂ€ischen Meeren sind ĂŒberfischt oder sogar in ihrer Existenz bedroht, sagt ein fĂŒhrender Meeresbiologe. Sie wĂŒrden sich aber rasch erholen, wenn wir nur fĂŒr ein paar Jahren mit der Fischerei aufhörten.

Ist das realistisch? Vielleicht. Mein Kollege Götz Hamann von der ZEIT war unterwegs, um sich ĂŒber Zuchtanlagen zu infomieren, bei denen Meeresfisch an Land heranreift. Dabei geht es um einen Ansatz im (fast) industriellen Maßstab, bei dem auch auf das Tierwohl geachtet wird. Wenn die Pilotprojekte in Serie gingen, wĂŒrde das die Meere entlasten.

Wenn Sie Lust haben auf hoffnungsvolle Nachrichten und/oder Fisch, dann hören Sie doch vielleicht unser (kurzes) GesprĂ€ch ĂŒber Hamanns Recherche im Podcast »Hinter der Geschichte«. Überall, wo es Podcasts gibt, sowie hier.

Enjoy your fake life!

Ein Werbeclip der Firma Meta (a.k.a. Facebook), der wÀhrend des Super Bowl lief (also dann, wenn besonders viele Menschen zuschauen):

Jemima Kelly kommentiert heute in der Financial Times:

The ad feels like a stinging satire on tech-bro capitalism – it could come straight out of Charlie Brooker’s dystopian TV series, »Black Mirror«. […] The message seems to be: your real life might suck, but fear not – you can have a fake one instead.

Mehr hier (Abo-Schranke).

Und jetzt, wo ich das abtippe, denke ich: Das könnte nicht nur aus Black Mirror sein, das ist aus Black Mirror! Season 3, Episode 4: San Junipero.

Wer sagt’s Zucki?

Wie halten Sie’s mit der Zeitung?

In einem Buch aus den Nachkriegsjahren lese ich ĂŒber eine Berliner Familie: »Eine Zeitung wird aus Mangel an Interesse und Geld nicht gehalten.«

Wann ist diese Formulierung aus dem Gebrauch gekommen: dass man sich eine Zeitung (oder ein Abonnement) hÀlt?

Ich nehme an, dass man sich damals Zeitungen gehalten hat, wie man heute noch Fahrzeughalter ist, also relativ unromantisch.

Aber wieviel schöner ist die Vorstellung, eine Zeitung (oder zwei) wie ein Haustier zu halten! Man lebt zusammen, man sieht sich jeden Morgen, mit wedelndem Schwanz liegt die Zeitung vor der TĂŒr, springt zur BegrĂŒĂŸung an einem hoch, was fĂŒr eine Freude.

Man hegt und pflegt die Zeitung dann auch und ist fĂŒr ihr Wohlergehen verantwortlich. Eine Zeitung, die man hĂ€lt, bestellt man jedenfalls nicht einfach von heute auf morgen ab, das wĂ€re, als setzte man sie vor dem Urlaub am Rastplatz der Autobahn aus.

Abo-Werbung, aber in gut:

Missy

Beim BlĂ€ttern im neuen Missy Magazine purzelte diese Karte aus dem Heft: Ein »Liebesbrief« an die Abonnent*innen, der zugleich einen kleinen Blick hinter die Kulissen erlaubt (und damit deutlich macht, warum Abos fĂŒrs Überleben des Magazins entscheidend sind).

Vielen Printmedien liegen diese »Ihre Meinung ist uns wichtig«-Briefe bei. Die geben sich als persönliche Anschreiben des Chefredakteurs aus, was kein Kompliment fĂŒr die Intelligenz der Leser*innen ist: Jede*r sieht, dass es sich um billigen und massenhaft produzierten Postwurfsendungsmarktforschungsbullshit handelt.

Bei Missy dagegen: Offene Worte. Und rĂŒckseitig ein Motiv der Illustratorin Antimimosa, deren Arbeiten auch im Heft zu sehen sind, gedruckt auf festem Karton, fast eine kleine Kunstedition, die man sich rahmen und aufhĂ€ngen könnte.

Es ist das erste Mal, dass ich Werbepost aus einer Zeitschrift nicht gleich wegwerfe, sondern das GefĂŒhl habe: Hier will wirklich jemand jemandem danke sagen.

OK, ich kĂŒndige mein Abo doch nicht.

Warum zĂ€hlt Graf Zahl so gern?

Bisher dachte ich, Graf Zahl – Sie wissen schon, der Vampir aus der Sesamstraße – zĂ€hle deshalb so gerne, weil »Graf« im englischsprachigen Original »count« heißt. Er ist also ein Graf wie Dracula und – kleines Wortspiel! – er zĂ€hlt gerne.

Diese ErklÀrung gibt Graf Zahl auch selbst an: »You know that I am called the count, because I really love to count«. Siehe hier:

Aber – es gibt wohl noch einen zweiten Grund: ALLE Vampire haben einen zwanghaften Zahlentick. Das zumindest ist ein Volksglaube in RumĂ€nien.

Weiterlesen „Warum zĂ€hlt Graf Zahl so gern?“

Ein Bestiarium der Ratgeber-Literatur

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Vor neun Jahren, als ich Redakteur von ZEIT CAMPUS wurde, begann ich, eine Bibliothek des Bullshits anzulegen.

DafĂŒr klaubten eine Kollegin und ich Karriere- und Management-Ratgeber zusammen, aus den Programmvorschauen der Verlage und aus Online-Antiquariaten.

Es gab verschiedene Sammlungsgebiete. Eines lautete Â»Ăœberlebenstipps von untergegangenen Zivilisationen«. Hier fanden sich unter anderem die BĂŒcher Albert StĂ€hlis, die Titel trugen wie Maya Management: Lernen von einer Elitekultur oder Inka Government: Eine Elite verwaltet ihre Welt.

Ein weiterer Stapel hieß »… fĂŒr Manager«. Sie wissen schon: Jesus fĂŒr Manager, Buddha fĂŒr Manager, so was. (Marx fĂŒr Manager scheint leider dauerhaft vergriffen zu sein.)

Der grĂ¶ĂŸte Stapel aber war der mit den Tiermetaphern. Hier fand sich der Klassiker von Spencer Johnson aus dem Jahr 1998: Die MĂ€use-Strategie fĂŒr Manager. Daneben: Die BĂ€ren-Strategie (2007), Die Schaf-Strategie (2012), Der Ferkel-Faktor (2008), Das Pinguin-Prinzip (2017) und viele mehr.

Im vergangenen Jahr verließ ich die Redaktion und wechselte zur ZEIT. Was sollte aus den BĂŒchern werden? Altpapier? Wir mussten was tun. Weiterlesen „Ein Bestiarium der Ratgeber-Literatur“

Gewinne, Gewinne, Gewinne! đŸ†

Ich freue mich sehr ĂŒber den zweiten Platz beim Medienpreis Mittelstand Nord+Ost fĂŒr meinen Artikel ĂŒber Berufseinsteiger*innen in der Corona-Krise, erschienen im Hamburg-Ressort der ZEIT.

Und ich freue mich fast noch ein bisschen mehr darĂŒber, dass der Autor Moritz Herrmann den ersten Platz belegt hat, mit seinem PortrĂ€t eines SUV-HĂ€ndlers in Hamburch-WellingsbĂŒttel, ebenfalls im Hamburg-Ressort der ZEIT erschienen. Go team! ✌

GlĂŒckwunsch auch an alle weiteren PreistrĂ€ger*innen in den Kategorien Print, TV und Hörfunk!

Wenn Eltern »ins Internet gehen«

Mehr als 80 Prozent aller Eltern gehen mit ihren zwei bis sechs Jahre alten Kindern nach eigenen Angaben nicht tÀglich, nicht mehrmals pro Woche, nicht ein- bis zweimal pro Monat, sondern nie ins Internet.

Das ergab eine Befragung des Deutschen Jugendinstituts (zitiert im Bundesbildungsbericht 2020 auf Seite 72, PDF-Version hier).

Daraus ergeben sich fĂŒr mich zwei Fragen:
1) Mache ich was falsch? 😳
2) Woher beziehen diese Eltern ihre BĂŒgelperlen-Vorlagen? (Mal ganz zu schweigen von Deine Freunde-Videos auf YouTube und Eule findet den Beat auf Spotify und und und.)

Keine Ahnung, ob das Soziale ErwĂŒnschtheit ist – oder ob Eltern glauben, sie seien nur dann im Internet, wenn man dafĂŒr vorher http://www.gmx.de eintippen muss.

twen, 1962: Weniger ist mehr

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Drei Doppelseiten aus twen, Nr. 1/1962 (Seite 32—35). Thema und Zeile sind nicht gut gealtert, aber wie die riesig aufgeblasenen Fotos ballern: Wow.

Und die Idee, die Headline der Titelgeschichte nur ganz klein unten rechts ins Bild zu schieben, wie geflĂŒstert und im vollen Vertrauen auf die Kraft des Fotos: Doppelwow.

Den ganzen Text gibt es hier. Geschrieben hat ihn Sarah Sonntag (wohl ein Pseudonym), Fotos von Willy Rizzo (Cover), Jeanloup Sieff und Joan van der Keuken. Chefredakteur Willy Fleckhaus.

Mehr zu twen in diesem Buch (nur noch antiquarisch erhĂ€ltlich), mehr zur Arbeit von Willy Fleckhaus (als Gestalter bei twen, bei Suhrkamp, beim FAZ Magazin, … ) in diesem Buch.

Spex, 1988: »The German Issue«

dav

Im September 1988 veröffentlichte die Popkultur-Zeitschrift Spex ihre »German Issue« mit den jungen Goldenen Zitronen auf dem Cover sowie der AnkĂŒndigung: »Deutschland alle Bands komplette Liste 255 deutsche Bands«.

Gehen wir mal davon aus, dass das mit der »kompletten Liste« nicht ganz ernst gemeint war. Genau so wenig wie die Nationalfarben und die Frakturschrift auf dem Cover.

(Bei der Betitelung als »The German Issue« handelt es sich wiederum mutmaßlich um einen Verweis auf diese Ausgabe der Zeitschrift Semiotext(e) aus den USA).

Trotzdem folgt im Heft eine Liste von »A« — »AbwĂ€rts« bis »X/Y/Z« — »Yellow Sunshine Explosion« (Kurzbeschreibung: »Dortmunder Garagen-Acid, in ihrer Stadt auf verlorenem Posten«). Insgesamt nimmt die Liste — mit Bezugsadressen und allem — 14 Seiten ein (von 84 Seiten insgesamt).

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