Die neue ZEIT CAMPUS: Eltern 🙄

Die neue Ausgabe von ZEIT CAMPUS ist ab dieser Woche im Handel — und sie ist toll geworden! 💥 Sage ich als Chefredakteur natürlich jedes Mal, aber diesmal stimmt’s.

Weihnachten ist Heimreisezeit. Wir widmen unsere Titel-Trilogie deshalb den Eltern & Verwandten — und dem nicht immer einfachen Verhältnis zu ihnen:

1) Warum es zu Hause so oft Streit gibt, fragt sich Hannah Bley. Was dagegen hilft, verrät Marisa Uphoff.

2) Die Eltern der Bandmitglieder von Revolverheld waren Lehrer und Ökos. Das präge seine Band noch heute, erzählt Sänger Johannes Strate unserer Autorin Sarah Levy beim Interview in der Mensa der Hochschule für Musik und Theater Hamburg, wo Strate studiert hat.

3) Sarah M. Obertreis schreibt über ihre Großtante. Die hat Sarah nie kennengelernt. Erst nach dem Tod der Tante beschloss sie, das nachzuholen. Und entdeckte das erstaunliche Geheimnis einer Frau, die zu Lebzeiten „Hexe“ genannt wurde.

Außerdem:

Die Schriftstellerin Marie Gamillscheg hat für uns vier Geflüchtete durch die ersten beiden Semester an deutschen Hochschulen begleitet. Eine O-Ton-Collage über Ehrgeiz, Einsamkeit und Erfolge.

#30unter30 — unsere Liste von Menschen, die dieses Land besser machen. Das Motto: #neueernsthaftigkeit. Mit Kevin Kühnert & Sophie Passmann & Orry Mittenmayer & 27 anderen.

Martina Kix hat drei junge Deutsche getroffen, die im Silicon Valley Fuß fassen wollen — und die dort erstmal in ein Spukschloss gezogen sind.

Und: Wieso werden im Medizinstudium keine Schwangerschaftsabbrüche gelehrt (oder nur sehr rudimentär)? Ist Milton Friedman überholt? Und wäre es ganz vielleicht okay, mit einem Rassisten zusammen zu wohnen, wenn der immer brav das Bad putzt?

Dies und mehr: Jetzt im Handel, bald in den Mensen und Cafeterien von mehr als hundert deutschen Hochschulstädten, online bestellen im ZEIT Shop oder halt die volle Gönnung unter www.zeit.de/abo (psst, bald ist Weihnachten!)

Ein Blättervideo gibt es hier. Shout-Out an all die entzückenden ReporterInnen, FotografInnen, IllustratorInnen & KollegInnen, die das Ding verwandelt haben. ✌️

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Re: LOL, wie traurig!

Über meine Recherche zur Depri-Comedy (mehr dazu hier in diesem Blog) habe ich jetzt mit detektor.fm gesprochen. Wieso ist diese Comedy beliebt?

Meine These:

Wir befinden uns mit Gleichaltrigen im Wettbewerb um das beste Leben. Und dieser Wettbewerb wird in aller Öffentlichkeit [auf Instagram] ausgetragen und kann live kommentiert und up und down gevoted werden. Wir wollen nicht nur schön und erfolgreich sein, sondern wir wollen dabei auch noch glücklich sein, was ziemlich viel verlangt ist, was stresst – und was ein Anspruch ist, an dem man leichter scheitert als dass man damit Erfolg hat.

Die Depri-Comedy zeigt uns mit ihren Anti-Influencern, dass wir nicht allein sind mit unsere Kläglichkeit.

Hier geht’s zum Audiomitschnitt unseres Gesprächs.

LOL, wie traurig!

Mein Versuch, den neuen Trend der Depri-Comedy zu verstehen

Warum bezahlen Leute Eintritt, um zu hören, wie andere von ihren Problemen reden? Und warum amüsieren sie sich dabei so gut?

Für die neue ZEIT CAMPUS-Ausgabe habe ich eine größere Geschichte geschrieben (die erste, seit ich vor anderthalb Jahren Chefredakteur wurde, für mich also voll aufregend, etc.). Es geht darin um die Depri-Comedy. Also um junge Künstler wie Nico Semsrott, Stefanie Sargnagel, Kathrin Weßling und andere, die auf der Bühne von Depressionen und Suizidgedanken reden, die sich selbst „Versagensexhibitionismus“ attestieren (Sargnagel über Sargnagel) und die in bisweilen ausverkauften Theatern spielen.

Die zentrale Figur meiner Geschichte ist Helene Bockhorst, 30, die nach vier Jahren Therapie mit der Stand-up-Comedy begann. Ich habe sie bei insgesamt acht Auftritten zwischen Hamburg und Ingolstadt begleitet, um zu verstehen, warum die Leute hören wollen, was sie zu erzählen hat.

Ihr Programm kann ich inzwischen mitsprechen (dabei hasse ich Comedy, BTW). Was ich sonst noch über Helene und über die Depri-Comedy und über die Gegenwart gelernt zu haben meine, steht in ZEIT CAMPUS.

Übrigens: Die Fotos im Heft sind von Nikita Teryoshin (yo!), die Fotos vom Heft, die ich hier poste, von Ricardo Nunes.

WeiterlesenLOL, wie traurig!

Was ich mal beim Pornodreh in einem besetzten Haus erlebte …

… das erzählte ich neulich beim Tag der ZEIT im Kampnagel-Theater in Hamburg. Jetzt ist ein Video von meinem kurzen Vortrag online. Mit Fotos! Keine Sorge, die sind jugendfrei. Bitte schauen Sie hier.

(Foto: Bettina Theuerkauf für DIE ZEIT.)

Oh, Jacobin! Hello again!

It’s been more than five years since I met Bhaskar Sunkara, the founder and editor of Jacobin Magazine, in a coffee shop in a basement somewhere in Bed-Stuy. He was in his 20s, I was in my 20s and I had no idea he’d write American history.

Back then, I’d been on a trip down the east coast to meet the editors of a resurgent scene of little magazines who published their cultural criticism the (very) old way: With black ink on white paper, with little or no photos or fancy layouts, in a language free of jargon and academese. Serious people. Smart people. People who seemed rather out of place in the 21st century.

After all, newspapers and magazines were dying left and right and experts talked about the wonders and inevitability of a form of digital publishing that was geared towards social media. Which meant: Short pieces. Short sentences. Don’t provoke people to think. Trigger them, so your shit may go viral.

Talking to the editors of n+1 (in New York), The Baffler (in Cambridge and DC), The Point (in Chicago) and Jacobin (also in NY) was inspiring. Here were people who demanded the right to treat their readers like grown-ups. I loved it.

But my trip also felt like a rather nerdish pursuit. I’d written about n+1 for Spex, but when I embarked on my journey, I had no idea whether I would find a German publication that might be interested in my exploits. Eventually, DIE ZEIT offered a whole page for me to introduce their readers to n+1, The Baffler, The Point and Jacobin. My piece was called „Klare Sprache, schwarze Tinte“. Someone even translated it into English, guerilla-style.

Fast forward five years and I pull this book from my mailbox. It’s an anthology of German translations of pieces taken from Jacobin, published by Suhrkamp Verlag.

It makes sense to read and to re-read Jacobin pieces now. After all, on both sides of the Atlantic, the left is struggling to find it’s purpose. Jacobin, in the meantime, has been part of the revival of socialist thought in the US, one of the many unexpected surprises on the American political scene in recent years.

Still ♥’ing Holzmedien

Die neue ZEIT CAMPUS. Mit Schwerpunkt zur Wohnungssuche. Mit vielen Tipps zum neuen Semester (Trampolin kaufen!). Mit Blicken hinter die Kulissen einiger der erfolgreichsten deutschen Influencerinnen. Mit Reportagen, die wehtun. Und mit einem Extraheft zur Zukunft des (stationären) Handels.

Ab sofort für 3,30 Euro überall, wo es gute Zeitschriften gibt, oder hier bestellen.

Lernen von Lokalzeitungen

Zukunft der Medien: Die Norderneyer Badezeitung war schon hyperlocal, bevor das cool wurde. Sie ist das nämlich seit 1868.

Diese Zeitung funktioniert nach der Logik von Indie-Magazinen: Hoher Copy-Preis — 90 Cent für acht Seiten —, keine einzige Werbeanzeige, mutmaßlich eine gute Portion Selbstausbeutung bei den vier im Impressum gelisteten Redakteurinnenen und Redakteuren, die werktags immerhin zwei Seiten Lokales produzieren. (Überregionales kommt aus Oldenburg, außerdem gibt es noch eine Seite Fernsehprogramm.)

Bis vor zehn Jahren war die Badezeitung auch tatsächlich independent, heute gehört sie zu einer Zeitungsgruppe in Leer auf dem Festland. Immerhin: Die drei Verlegerinnen der Badezeitung (es sind nur Frauen — ProQuote!) haben noch alle denselben Nachnamen.

Was mir wirklich imponiert ist die präzise Steuerung der Auflage: 1008 Exemplare der Zeitung werden nach eigenen Angaben gedruckt, 918 davon verkauft (Angaben laut Impressum der Zeitung, beglaubigt durchs IVW-Siegel). Ich kann mir nicht vorstellen, dass das viele andere Zeitungen ähnlich präzise hinbekommen. Andere Blätter produzieren jeden Tag einen unverkauften Überschuss von 30 Prozent und mehr.

Aber gut, es gibt eben auch eine überschaubare Anzahl an Verkaufsstellen auf dieser Insel. In einer davon, dem Ney-Kiosk, sagt der Verkäufer auf meine Frage, wieviele Exemplare er im Schnitt so remittiert: „Manchmal isse ausverkauft, manchmal bleibt was über. Kommt drauf an was drinsteht.“

Friesisch herb. War ja auch ’ne doofe Frage.