Let’s try something new!

Mit der ersten Bürgermeisterin von Hamburg könnte es Sonntag knapp werden, die neue Chefredakteurin von ZEIT CAMPUS gibt es schon jetzt:

Ich freue mich, das Krönchen offiziell an Martina Kix übergeben zu dürfen (die es de facto schon seit Beginn meiner Elternzeit vor einem Jahr trägt und in dieser Zeit mit ihrem Team bombengute Hefte gemacht hat).

Mit ZEIT CAMPUS bin ich aufgewachsen, erst als Student, dann als Journalist, Redakteur und Chefredakteur. Und, ey, das war was!

Aber 8 Jahre nachdem ich in dieser Redaktion meinen ersten Vertrag unterschrieben habe, ist jetzt mal DIE ZEIT für was Neues (lustiges Wortspiel, oder?): Im März starte ich bei den Hamburg-Seiten im Mutterblatt.

Hier die offizielle Pressemitteilung.

Majestätsbeleidigung Ă  la Â»Brigitte«

Fußnote der deutschen Pressegeschichte: Rund 60 Jahre bevor Jan Böhmermann den türkischen Staatspräsidenten Erdogan gegen sich aufbrachte, passierte etwas ähnliches der Brigitte. Damals war der Gegenspieler der Schah von Persien, die Redaktion allerdings deutlich weniger kämpferisch als später Böhmermann.

Der Historiker Quinn Slobodian schreibt:

In 1957, the women’s magazine Brigitte had been charged with defamation for printing a photograph of the shah’s first wife, Soraya, with a snide caption about the depth of her dĂ©colletage. The case was dropped only when the magazine’s editor apologized personally to the Iranian ambassador.

(aus dem Buch Foreign Front: Third World Politics in Sixties West Germany)

Ein Jahr später legte der Stern mit einer Story über Trennungsgerüchte des Schahs von Soraya nach. Dieser Text löste so viel Empörung im Iran aus, dass es zu diplomatischen Verstimmungen kam und die Bundesregierung unter Konrad Adenauer in der Folge ein Gesetz zur Einschränkung der Pressefreiheit auf den Weg bringen wollte (vulgo: Lex Soraya), das aber im Bundesrat scheiterte.

Ganz von der Hand zu weisen waren die TrennungsgerĂĽchte ĂĽbrigens nicht. Als der Schah 1967 zum Staatsbesuch in die BRD und nach West-Berlin kam, wo man ihm zu Ehren den Studenten Benno Ohnesorg erschoss, hatte er seine dritte Ehefrau Farah dabei (denn Slobodian irrt: Soraya war bereits die zweite Gattin des iranischen Herrschers).

Seine Trennung von Soraya inspirierte nicht nur das zum GlĂĽck gescheiterte Gesetzesvorhaben, sondern auch einen ganz hĂĽbschen Chanson.

 

Still ❤️’ing Magazines: The Gourmand

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Ich weiĂź nicht, wie viel Lebenszeit ich als Chefredakteur von Zeit Campus damit verbracht habe, an den Titelzeilen unserer neuen Ausgaben zu feilen.

Die Zeile auf dem Cover einer Zeitschrift soll originell sein, aber nicht zu kompliziert. Sie soll catchy sein, aber nicht zu plump. Sie soll einen Kauf triggern – aber journalistisch wahrhaftig sein. Und natürlich soll sie gut aussehen und gut im Layout sitzen. Nicht immer eine leichte Ausgabe.

Die aktuelle Ausgabe von The Gourmand (Nummer 13) zeigt, dass es auch anders geht. Das britische Food-Magazin beweist: Cover können auch ganz ohne Titelzeilen knallen. Ich wollte jedenfalls sofort lesen, was sich hinter diesem Titel verbirgt …

(The Gourmand kostet 16,50 Euro. Das Heft ist in Deutschland nicht ganz einfach zu finden. Ich habe es bei Coffee Table Magazines gekauft, in Hamburg gibt’s das Heft wohl auch bei Gudberg Nerger.)

Still ❤️’ing Magazines: ROM

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Die neue Ausgabe des Post-Internet-Magazins ROM ist ungefähr so groß wie ein iPad, schimmert auch genau so schön, kostet aber ca. 98% weniger. Wenn das nicht der ultimative Weihnachtsgeschenke-Hack ist, dann weiß ich auch nicht.

Ich durfte für dieses Heft eine Kleinigkeit beisteuern und habe mich für einen generationgolfigen Text über meine Jugend zwischen Millennium-Bug und Dotcom-Crash entschieden, der sich dann aber völlig überraschend auswächst zu einem pathetischen Plädoyer für Magazinjournalismus. (Sorry wegen des Spoilers.)

Illustriert haben die Leute von ROM das unter anderem mit dem Foto eines Nokia 3210. Ich hatte so ein ähnliches Handy, aber von Siemens, glaube ich. Manchmal vermisse ich es. Man konnte damit sehr gut Bierflaschen aufmachen.

ROM Nummer 3 gibt’s im Bahnhofsbuchhandel fĂĽr 10 Euro oder online direkt bei der Redaktion.

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Wie ich versuchte, ein besserer Ă–ko-Vater zu sein

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Augenringe, Bartschatten, Schlagschatten, richtig scharf ist das Foto auch nicht, aber, hey, ich hab mal wieder was geschrieben!

Ab heute in der ZEIT und auf ZEIT ONLINE: Eine ganze Seite über Scheiße. Und darüber, wie man sie möglichst ökologisch wieder loswird. Sorry, aber das sind so die Themen, wenn man Tag und Nacht ein Baby betüdelt.

Danke an alle, die mich beim journalistischen Wickeln-mit-Stoffwindeln-Selbstversuch begleitet haben, nicht zuletzt Wickelversum & Einfach Stoffwindeln.

Und Respekt an die Damen und Herren in der Bildredaktion der ZEIT, die dieses charmante Foto mit Baby-Bauarbeiterdekolletée ausgegraben haben.

Jetzt am Kiosk, hier online (Paywall) oder Aboaboabo.

Still ❤’ing Magazines: The Happy Reader

The Happy Reader ist ein Literaturmagazin, das fast alles anders macht als fast alle anderen Literaturmagazine. Es gibt hier: Keine Rezensionen. Keine Autoren-Interviews. Kein Wort zu den Neuerscheinungen der Saison.

Stattdessen besteht jede Ausgabe aus zwei Teilen. Der erste Teil ist ein ausführliches Gespräch mit einem Menschen, der gerne liest. Zum Beispiel mit dem Schauspieler Owen Wilson, Titelheld der neuen Ausgabe. Oder mit der Künstlerin Laurie Anderson. Das sind nette, eloquente Plaudereien über das Leben mit Büchern und Geschichten.

Der zweite Teil enthält dann viele kurze Essays, Listen, Infografiken und assoziative Fotos, die alle zusammen nur einem einzigen Buch gewidmet sind.

Schilderungen, wie die brave Schriftstellergemahlin ihrem Gatten und dem Reporter die frisch geschlagene Sahne zum Erdbeerkuchen auf die Veranda trägt, damit die beiden was Süßes haben zur Weltdeuterei, fehlen hier. Wie gesagt: Keine Autoren-Interviews.

Die Urheber der besprochenen Werke (und ihre Gemahlinnen, so vorhanden) sind alle schon tot. Es geht hier um BĂĽcher wie Mary Shelleys Frankenstein, die Selbstbetrachtungen des Mark Aurel oder Jewgeni Samjatins Wir (eine Inspiration fĂĽr George Orwells 1984 und das erste Buch, das in der Sowjetunion verboten worden ist, wie ich hier gelernt habe).

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Die Auswahl ist kein Zufall, The Happy Reader ist ein von den Erfindern von Fantastic Man und The Gentlewoman betreutes Werbemagazin des Penguin-Verlag, besprochen werden also Bücher aus der Backlist. Kein Drama: Wahnsinnig viele Klassiker und Modern Classics sind in der englischen Übersetzung bei Penguin erschienen, die Auswahl leidet darunter also nicht. Und der Tonfall? Überfordert niemanden, sondern macht Lust, sich durch die hinteren Seiten des Verlagsprogramms zu blättern, ohne dabei werberisch zu werden.

Es geht um Klassiker und um das Leben mit Literatur, in einem angenehm unprätentiösen Ton. The Happy Reader steht damit ca. auf halber Strecke zwischen dem ewig gut gelaunten und alles immer super findenden #bookstagram und den strengen, ernsten englischsprachigen Book Reviews.

Wie es der Redaktion gelingt, eine lässige Belesenheit auszustellen und Pop-Sternchen (Olly Alexander), Komiker (Aziz Ansari) und Models (Lily Cole) urteils- und geschmackssicher – und so, als wäre es das Selbstverständlichste auf der Welt – mit Sowjet-Dissidenten, viktorianischen Dichterinnen und römischen Kaisern zu paaren, ist einzigartig. Und ziemlich sensationell.

Die Ausgaben kosten zwischen 5€ und 7,50€. Entdeckt habe ich die aktuelle in der Buchhandlung Words‘ Worth in MĂĽnchen und mir sofort alle verfĂĽgbaren alten Ausgaben nachgekauft bei Coffee Table Mags.